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»Ich weiß, warum er hier ist«, sagte Kid Death. »Er will die Droge. Die Esper-Droge. Glaubt mir, Valentin, selbst wenn Ihr sie bekämt, sie würde Euch nicht gefallen. Ihr würdet herausfinden, was die Leute wirklich von Euch halten.«

Valentin schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. »Aber mein lieber Kit! Ihr wißt doch, was alle von Euch halten, und es scheint Euch in keiner Weise zu stören!«

»Ich möchte nur wissen, warum man Huth erlaubt, sein Gesicht zu verbergen«, brummte David. »Wir müssen uns zeigen, und das, obwohl solche Irren wie Valentin und Kid Death uns sehen können.«

»Wie unhöflich«, murmelte Valentin. »Niemand weiß einen wahren Künstler zu schätzen.«

Kid Death musterte den jungen Todtsteltzer mit festem Blick. »Ihr solltet möglichst rasch lernen, Eure Worte vorsichtiger zu wählen. Ihr könnt nie wissen, junger Freund, ob es nicht vielleicht Eure letzten sind…«

David erwiderte Deaths Blick trotzig. Seine Hand schwebte über dem Griff des Schwertes. »Ihr macht mir keine angst, Sommer-Eiland!«

»Das sollte er aber«, mischte sich Evangeline ein. »Ich habe Euch beide kämpfen sehen, und ich weiß, daß er Euch besiegen würde, David. Aber wenn die Herren jetzt mit ihrem Imponiergehabe fertig wären, könnten wir vielleicht Huths Antwort wegen seiner Anonymität hören. Ich persönlich bin jedenfalls ganz Ohr!«

Kid Death und Todtsteltzer starrten sich in die Augen. Der junge David senkte den Blick zuerst. Valentin betrachtete ihn nachdenklich. Vielleicht war der Todtsteltzer gar nicht so naiv, wie er aussah. Der Sommer-Eiland war ganz eindeutig ein Psychopath, und alle wußten es. Selbst Valentin würde seinem Blick ausweichen und einen Rückzieher machen, wenn Kid Death seine kalten Augen herausfordernd in Valentins Richtung lenkte – und vielleicht irgendwann in der Zukunft eine seiner kleinen Kleinigkeiten in Kid Deaths Glas fallen lassen. Er blickte zu Huth und bemerkte, daß die Stille sich in die Länge zu ziehen begann, als Huth keine Anstalten machte, eine Antwort auf Davids Frage zu geben. Der Mann ohne Gesicht stand reglos wie eine Statue, und das leere Innere seiner Kapuze blieb so rätselhaft wie eh und je.

Schließlich sprach er doch noch. »Ich bin wertvoll für die Kyberratten und den Untergrund«, sagte er. »Sie tolerieren lieber meine Anonymität, als daß sie auf meine Hilfe verzichten.«

»Und worin besteht Eure Hilfe?« fragte Kit.

»Das braucht Euch nicht zu interessieren«, erwiderte Huth kühl.

»Und wenn es uns aber trotzdem interessiert?« fragte der junge Todtsteltzer.

Zusammen mit Kit Sommer-Eiland setzte er sich langsam und drohend in Huths Richtung in Bewegung. Sie bauten sich auf entgegengesetzen Seiten von ihm auf, so daß er nicht beide gleichzeitig im Auge behalten konnte. Ihre Hände schwebten dicht über ihren Schwertern.

»Ich schätze, das reicht jetzt«, fuhr Mister Perfekt dazwischen, und alle wandten sich zu ihm um. Der Vertreter der Esper funkelte die Streithähne der Reihe nach an. »Wir haben Euch nicht herbestellt, damit Ihr wie Kinder im Sandkasten streitet! Es gibt ernste Angelegenheiten zu besprechen, und je länger wir hier an einem Ort versammelt sind, desto größer wird das Risiko, dem wir alle uns aussetzen.«

»Verdammt richtig!« sagte eine der Stevie Blues. Sie schlenderte vor und baute sich mit in die Hüften gestemmten Händen in der Mitte der Kaverne auf. »Das käme den Sicherheitskräften gerade recht, wenn sie uns hier überraschen könnten, weil wir sie vor lauter dummer Streiterei nicht kommen hören! Hört endlich mit diesem albernen Kinderkram auf, oder meine Schwestern und ich werden damit anfangen, Köpfe gegeneinanderzuschlagen. Ihr könnt mich übrigens Stevie Eins nennen. Meine Schwestern dort sind Stevie Zwo und Stevie Drei. Hört endlich auf, Ärger zu machen, oder ihr lernt uns kennen! Und ich kann euch verraten, daß wir in dieser Beziehung ganz individuell sind.«

Die Anwesenden entspannten sich sichtbar und wichen ein wenig zurück. Stevie Eins nickte Mister Perfekt zu, daß er endlich beginnen könne. David rümpfte die Nase in Richtung der drei Klone.

»Nichts als ein Haufen Perverser!« sagte er leise zu Valentin. »Und sie wagen es auch noch, ihre Beziehung Ehe zu nennen!«

»Bleibt fair«, ermahnte ihn Valentin. »Sie wissen zumindest genau, was sie aneinander haben. Jedenfalls werden wir jetzt gleich erfahren, weshalb die Elfen uns herbestellt haben.«

Mister Perfekt schoß einen wütenden Blick auf Valentin ab.

»Der Rat der Esper hat Euch herbestellt, nicht die Elfen! Sie sind nur ein Teil der Bewegung. Die Stevie Blue spricht nicht für alle anwesenden Esper.«

Stevie Zwo schniefte. »Für die Drecksarbeit sind wir gut genug, wie? Ganz besonders, wenn auch noch ein Risiko damit verbunden ist. Wer hätte mehr Recht, zu sprechen, als meine Schwestern und ich? Wir sind sowohl Esper als auch Klone, und wir verstehen beide Seiten. Niemand kennt das Leid beider Gruppen besser als wir.«

»Da hat sie recht«, stimmte ihr Stevie Drei zu.

»Man wird uns anhören«, sagte Stevie Eins mit Bestimmtheit. »Unsere Schwester ist tot. Sie wurde von der Eisernen Hexe ermordet. Wir fordern Rache.«

»Ich wußte gar nicht, daß noch Esper-Klone am Leben sind«, murmelte David leise in Evangelines Ohr, während die drei Stevies mit den Vertretern der Esper diskutierten. »Ich dachte, man hätte sie alle umgebracht und weitere Experimente verboten.«

»Eine Menge Dinge sind verboten«, flüsterte Evangeline zurück. »Aber sie geschehen trotzdem, wenn damit Geld zu verdienen ist. Meines Wissens entstammen die Stevie Blues einem militärischen Experiment, bei dem Kampfesper geklont werden sollten. Doch es funktionierte nicht wie geplant. Die meisten Esper starben, und die Überlebenden waren zu mächtig. Zu unberechenbar und zu unkontrollierbar. Die Nachricht von den Experimenten gelangte an die Öffentlichkeit, und die Eiserne Hexe soll ganz schön wütend gewesen sein, daß man sie nicht informiert hatte. Sie gab den Befehl, alles dichtzumachen und die Stevie Blues zu vernichten, aber die Klone konnten entkommen. Die Elfen nahmen sie bei sich auf, gaben ihrem Leben einen Sinn und ihrer Rache ein Ziel. Als Esper und Klone sollten sie eine Verbindung zwischen den beiden rivalisierenden Untergrundbewegungen bilden, trotzdem scheint niemand sicher zu sein, wem ihre Loyalität insgeheim wirklich gilt. Vielleicht wissen sie es selbst nicht.«

»Nichts dagegen einzuwenden«, sagte David. Er bemerkte, daß die Esper aufgehört hatten zu reden und sich schon wieder gegenseitig wütende Blicke zuwarfen, also hob er erneut seine Stimme. »Ich will immer noch wissen, warum Huth sein Gesicht verbergen darf.«

»O Mann, jetzt sagt es ihm endlich«, stöhnte der Drache.

»Sonst sitzen wir noch morgen früh hier.«

»Ich gehöre zum Gefolge der Imperatorin und bekleide einen hohen Rang«, erklärte Hugh. »Ich genieße ihr Vertrauen, soweit man bei ihr überhaupt von Vertrauen sprechen kann.

Ich bin nicht bereit, mich in Gefahr zu begeben, indem ich meine Identität gegenüber jemandem preisgebe, der sie nicht unbedingt kennen muß. Der Untergrund duldet meine Anonymität, weil ich es war, der die Esper-Droge entdeckt hat.

Wir dürfen einfach nicht riskieren, daß die Eiserne Hexe von mir erfährt. Sie würde mir mein Geheimnis entreißen; es gelingt ihr am Ende immer. Meine Identität bleibt verborgen, weil es in unser aller Interesse liegt. So, und wenn wir jetzt damit fertig sind – die Stevie Blues haben bereits erwähnt, daß wir wichtige Dinge zu besprechen haben.«

»Ich habe das gesagt«, widersprach Mister Perfekt.

»Dann fangt endlich an«, sagte Valentin. »Was gibt es denn, das wichtig genug wäre, uns so kurzfristig und zu so unchristlicher Stunde herbeizurufen?«

»Wir haben einen Plan«, begann Stevie Eins. »Wir Elfen haben einen der Unseren in die Wasseraufbereitungsanlage eingeschleust. Durch ihn haben wir unbeschränkten Zugang zur Wasserversorgung von ganz Golgatha. Wir schlagen vor, dem Trinkwasser die Esper-Droge beizumischen. Man hat mir gesagt, daß bereits eine winzige Menge ausreichen soll, um einen Effekt auf jeden zu haben, der mit dem Wasser in Berührung kommt, geschweige denn es trinkt. Niemand würde die Droge bemerken, bis es zu spät wäre. Niemand außer uns ahnt von ihrer Existenz, und wenn man nicht genau weiß, wonach man suchen muß, dann fällt die Esper-Droge unter all den anderen Drogen im Wasser gar nicht auf. Es ist voll mit Tranquilizern und Glücksdrogen, um das Volk ruhigzustellen.