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Wenn quasi über Nacht Millionen von Espern auftreten, dann bleibt der Imperatorin gar keine andere Wahl, als Espern die vollen Bürgerrechte zu geben. Schließlich wären dann die meisten ihrer Untertanen Esper. Wer weiß, vielleicht haben wir Glück, und sie erlebt sogar mit ihrem eigenen Drink eine Überraschung…?«

Ein langes Schweigen entstand, und jeder blickte jeden fragend an. Die Stevie Blues grinsten sich selbstgefällig zu.

»Das kann doch nur ein schlechter Witz sein!« sagte Evangeline schließlich. »Ihr seid verrückt!«

»Oh, ich weiß nicht«, warf Valentin ein. »Mir persönlich gefällt der Gedanke.«

»Das sieht Euch ähnlich«, meldete sich David. »Aber jeder, der etwas auf sich hält, trinkt Wasser, das von anderen Welten nach Golgatha importiert wird. Nur die unteren Klassen trinken Leitungswasser. Und die Eiserne Hexe würde mit Sicherheit lieber jeden einzelnen von ihnen auf diesem Planeten auslöschen, als sich vom Pöbel zu etwas zwingen zulassen.«

»Nett gesagt«, stimmte Evangeline zu. »Ich dachte nicht, daß Ihr so weit vorausschauen würdet, David.«

»Deei-wied!«

»Ist doch egal, Todtsteltzer.«

»Seht mal«, meldete sich Stevie Eins erneut zu Wort. »Die Untergrundbewegungen kämpfen jetzt seit beinahe drei Jahrhunderten um Selbstbestimmung, und was haben wir bisher erreicht? Nichts, außer ständig verschärften Sicherheitsmaßnahmen auf allen Ebenen und stärkeren Kontrollen überall.

Die Elfen entstanden aus dem Bedürfnis heraus, endlich zurückzuschlagen und den Kampf zum Feind zu tragen. Das hier wäre ein Schlag gegen die Autorität der Eisernen Hexe, den sie nicht vertuschen oder ignorieren könnte. Ihre Leute sind zu wichtig, um sie einfach alle auszulöschen.«

»Richtig«, pflichtete Stevie Drei ihr bei.

Auch die Kyberratten auf den Schirmen entlang den Wänden murmelten zustimmend; allerdings waren sie stets für ein wenig Chaos und Konfusion zu haben und bewunderten Dreistigkeit. Sie waren immer in erster Linie Unruhestifter gewesen und erst in zweiter Rebellen. Die verschiedenen Gesichter auf den Schirmen riefen wirr durcheinander Zustimmung und gute Ratschläge, dann wandten sie sich einander zu und fuhren sich gegenseitig über den Mund. Einen Augenblick lang herrschte Chaos, bis einer der Esper schließlich die Geistesgegenwart besaß, einfach die Lautstärke herunterzudrehen.

Die Kyberratten tobten lautlos weiter und bemerkten gar nicht, daß niemand ihnen mehr zuhörte. Aber schließlich waren sie daran gewöhnt.

Evangeline wandte sich an die drei Stevie Blues. »Ihr überseht das gewichtigste Argument, das dagegen spricht«, sagte sie. »Nach den Ergebnissen, die mir vorliegen, tötet die Esper-Droge zwanzig bis vierzig Prozent der Leute, die sie eingenommen haben. Wenn wir der gesamten Bevölkerung von Golgatha die Droge geben – wie viele unschuldige Menschen würden für unsere Rache ihr Leben lassen?«

»Es gibt keine unschuldigen Menschen«, widersprach Stevie Zwo aufsässig. »Sie gehören alle zu dem System, das uns unterdrückt. Sie benutzen jede Gelegenheit, um an unserem Schmerz zu verdienen.«

»Richtig«, stimmte ihr Stevie Drei zu. »Wann haben sie sich jemals um uns gesorgt?«

»Was sollen wir denn Eurer Meinung nach tun?« fragte Stevie Eins und starrte Evangeline wütend an. »Aus Protest öffentlichen Selbstmord begehen, genau wie der arme Dummkopf, den Ihr bei der Hochzeit eingeschmuggelt habt? Was würde es schon für einen Unterschied machen? Keiner würde einen verdammten Dreck darauf geben. Es ist ihnen völlig egal, ob ein Esper oder ein Klon stirbt; wir sind nur Sachen.

Wir werden einfach ersetzt. Es ist nicht so, als waren wir Bürger. Muß ich mich wirklich erst hinstellen und Euch die ganzen Horrorgeschichten erzählen, was man mit uns alles gemacht hat, um unseren Plan zu rechtfertigen? Keiner von uns, der nicht jemand ihm Nahestehenden verloren hätte. Es ist gerade mal ein Jahr her, daß Lord Dram unsere Basis in Neutrost angegriffen hat. Es sollte unser erster Schritt nach vorn werden, aus der Dunkelheit ins Licht. Esper und Klone und normale Menschen, die in Eintracht nebeneinander lebten. Ein Vorbild für das gesamte Imperium.

Und dann kamen die Angriffsgleiter, fielen aus dem Himmel und eröffneten ohne Warnung das Feuer. Hunderttausende starben, als die Stadt brannte. Männer, Frauen und Kinder; Esper, Klone und Normale. Wir konnten nichts anderes tun, als um unser Leben zu laufen. Es dauerte bis heute, die Untergrundbewegung wieder neu aufzubauen, und seit damals haben die Normalen viel zuviel Angst, um sich mit uns sehen zu lassen. Mit Neutrost starb jede Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben. Nur Elfen und bewaffneter Kampf sind übriggeblieben. Oder sind unsere Freunde für nichts gestorben?

Habt Ihr die Schreie vergessen, die durch Euer Bewußtsein rasten und einer nach dem anderen verloschen wie Kerzen in einem Sturm?«

»Rache, pah!« sagte einer der männlichen Klone, und alle wandten sich zu ihm um. Die vier Männer hatten bislang kein Wort gesagt, und die restliche Versammlung hatte ihre Anwesenheit völlig vergessen. »Rache ist das einzige, an das Elfen denken können! Wir wollen Frieden! Freiheit! Wir müssen lernen, mit den Normalen zu leben, weil es ihr Universum ist!

Es ist ihr Imperium. Vielleicht gehört es eines Tages auch uns, aber keiner von uns hier wird lange genug leben, um das zu sehen. Verzeiht unsere Paranoia, aber wir sehen nicht, was ein ganzer Planet voller traumatisierter Esper und Millionen von Toten für unsere Sache erreichen sollen. Das Imperium würde keine Zeit verschwenden, der Untergrundbewegung die Schuld zuzuschieben. Wir wären als Massenmörder gebrandmarkt, und wahrscheinlich hätten sie damit sogar recht. Alle würden sich gegen uns wenden, sogar die neuen Esper, die unsere Droge erschaffen hätte.«

»Er hat recht«, stimmte ihm David zu. »Der Plan der Stevie Blues taugt nichts.«

»Niemand hat Euch um Eure Meinung gefragt, David!« fuhr ihn Stevie Eins an. »Ihr versteht doch überhaupt nicht, worum es hier geht!«

»Ich dachte, Ihr wärt an unseren Meinungen interessiert?« fragte Valentin unschuldig. »Oder aus welchem Grund habt ihr uns hergerufen?«

»Wir sind Euch dankbar für Eure Einwendungen«, sagte das schimmernde Mandala. »Wir waren… unfähig, eine Entscheidung zu treffen. Wir dachten, wir wären vielleicht zu parteiisch, und hofften, Ihr würdet uns bei der Erläuterung der weiteren Fragen helfen. Die Esper-Droge könnte die Waffe sein, mit deren Hilfe wir den Krieg am Ende doch noch zu unseren Gunsten entscheiden, aber sie könnte auch zu unserer endgültigen Verdammnis führen. Sprecht zu uns. Ihr alle. Wir müssen eine Entscheidung treffen.«

»Warum diese Eile?« fragte Evangeline. »Wir müssen die Droge doch nicht auf der Stelle einsetzen, oder? Das Geheimnis der Droge ist sicher bei uns aufgehoben, und die Wasserversorgung läuft nicht davon. Solange Euer Mann sich bedeckt hält und keine Aufmerksamkeit auf sich lenkt, können wir in aller Ruhe darüber nachdenken, damit wir am Ende die richtige Entscheidung fällen.«

»Und wie viele Klone und Esper sollen in der Zwischenzeit noch sterben, weil wir reden und reden?« fragte Stevie Zwo angriffslustig.

»Eine ganze Menge weniger als zwanzig bis vierzig Prozent aller Einwohner Golgathas«, erwiderte Huth.