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»Wir wissen bisher noch zu wenig über die Droge«, sagte Mister Perfekt. »Wir waren verständlicherweise fasziniert von dem Gedanken, was sie mit jemandem anstellen würde, der bereits ein Esper ist. Wir hatten gehofft, sie würde vielleicht den Superesper hervorbringen, nach dem wir gesucht haben, jemanden, der stark genug wäre, die ESP-Blocker zu überwinden und uns von ihrer Kontrolle zu befreien. Wir hatten sehr viele Freiwillige.«

»Und was geschah?« fragte Valentin.

»Sie starben alle«, antwortete der Drache. »Einige starben auf der Stelle, einfach so, andere wurden zuerst verrückt. Einige kratzten sich selbst die Augen aus, weil sie nicht ertragen konnten, was sie sahen. Es scheint, daß unsere Spezies einfach noch nicht bereit ist, zu Superespern zu werden. Wir müssen uns weiter gedulden und darauf vertrauen, daß unsere Freunde, die Kyberratten, eine technologische Antwort gegen die ESP-Blocker finden.«

»Aber sie versprechen schon seit Jahren den Durchbruch!«

fauchte Stevie Eins. »Wir haben das Warten satt! Diese Droge ist unsere Gelegenheit, denen weh zu tun, die uns verfolgt und gequält haben. Wir können nicht mehr länger warten! Wie lange mag es noch dauern, bis ein Verräter aus unseren eigenen Reihen die Formel in die Finger kriegt und den Sicherheitsbehörden ausliefert? Nur weil wir Esper sind, heißt das noch lange nicht, daß man uns nicht hereinlegen kann! Wir müssen die Droge jetzt einsetzen, solange der Vorteil der Überraschung noch auf unserer Seite ist.«

»Richtig!« stimmte Stevie Drei zu. »Wer schert sich schon um ein paar tote Normale?«

»Wir zum Beispiel«, erwiderte einer der Klone. »Unser Argument lautete stets, daß wir mehr als bloße Sachen sind; wir sind Menschen. Und wir werden nicht unsere Menschlichkeit riskieren, indem wir die Verantwortung für ein Massensterben übernehmen!«

»Ihr wart schon immer Träumer!« sagte Stevie Eins. »Wir können nicht friedlich mit Normalen zusammenleben. Wir sind zu verschieden!«

»Auf Nebelwelt scheint das Zusammenleben reibungslos zu funktionieren.«

»Ja, ja, Nebelwelt. Nach allem, was ich über Nebelwelt gehört habe, muß es die reinste Hölle sein«, entgegnete Stevie Eins. »Ich möchte nicht für alles Geld der Welt dort leben müssen.«

»Wir kommen schon wieder vom Thema ab«, mischte sich Evangeline in die Diskussion. »Mir scheint, es gibt noch immer zu viele offene Fragen, was die Droge betrifft. Erstens können wir nicht sicher sein, daß die Sterblichkeitsrate wirklich nur zwanzig oder vierzig Prozent beträgt, wenn wir eine derart große Menge von diesem Zeug ins Trinkwasser geben.

Es könnte sich herausstellen, daß noch weit mehr Menschen daran sterben. Irgendwann würde sich herumsprechen, wer dafür die Verantwortung trägt, das ist ganz unvermeidlich.

Und dann werden uns die Normalen mehr hassen als je zuvor.

Zweitens denke ich, daß es ein gutes Stück schwieriger sein wird, das Mittel an allen Kontrollen und Filtern vorbeizuschmuggeln, als Ihr alle annehmt. Ein Mann allein könnte kaum darauf hoffen, alle Sicherheitsmaßnahmen zu überlisten. Ich denke, man sollte die Kyberratten bitten, zuerst einige Computersimulationen laufen zu lassen. Und in der Zwischenzeit sollten wir uns meiner Meinung nach darauf konzentrieren, einflußreiche Leute für unsere Sache zu gewinnen.

Der wirkliche Krieg wird in den Köpfen und Herzen der Leute überall ausgetragen und entschieden, und sonst nirgends.

Die Eiserne Hexe kann nicht ewig leben, und vielleicht kann eine Koalition aus den richtigen Leuten sie irgendwann ablösen.«

»Ja, genau«, sagte Stevie Drei. »Eine Koalition. Das würde Euch gefallen, was? Zweifellos mit Euch an der Spitze?«

»Es könnte schlimmer kommen«, sagte Huth.

»Wir haben genug gehört«, entschied der Drache. Er streckte sich langsam, und eine leichte Welle rann über seine goldenen Schuppen. »Evangeline Shreck hat die Stimme der Vernunft erhoben, wie immer. Wir lehnen den Plan nicht rundweg ab, aber es scheint jetzt klar, daß wir noch viel mehr Forschungsanstrengungen unternehmen müssen, bevor wir ein derartiges Unternehmen durchführen dürfen. Die Angelegenheit ist vertagt.« Er bedachte die Stevie Blues mit einem strengen Blick, und sie funkelten zurück. Aber keine der drei Frauen widersprach. Zumindest nicht im Augenblick. Der Drache nickte bedächtig. »Kommen wir nun zum nächsten Punkt: dem Schicksal des Verräters Erwin Burgess. Führt ihn herein!«

Evangelines Kopf fuhr herum, als ein Mann langsam aus einem niedrigen Eingang kam. Er stolperte unsicher in die Mitte der Kammer. Seine Bewegungen schienen unbeholfen und bedacht. Er wurde eindeutig von außen kontrolliert. Burgess war ein kleiner, nichtssagender Bursche mit geistesabwesendem, leerem Gesicht und Furcht in den Augen. Auf seiner Stirn standen dicke Schweißperlen, und seine Kleidung wies dunkle, feuchte Flecken auf. Als er näher kam, konnten sie hören, daß er leise wimmerte. Schließlich blieb er genau in der Mitte der großen Kaverne reglos stehen. Unnatürlich reglos.

»Erwin Burgess«, sagte eine kalte, körperlose Stimme scheinbar aus jeder Richtung zugleich. »Du bist des Verrats gegen deine Brüder und Schwestern angeklagt, und die Informationen in deinem Bewußtsein sind Beweis genug. Du wolltest den Ort dieses Treffens an die Imperialen Sicherheitskräfte verraten, und wir konnten dies nur durch eine rechtzeitige Warnung unseres Verbündeten Huth verhindern.

Erzähl uns, warum du das getan hast. War es Geld?«

»Zum Teil«, gestand Burgess, und auf seinem Gesicht zeigte sich Verzweiflung und Panik, als die Kontrolle über sein Bewußtsein ein wenig gelockert wurde. »Aber hauptsächlich, weil ich es so satt war, immer nur Angst haben zu müssen.

Bei jedem Klopfen an meiner Tür bekam ich beinahe einen Herzinfarkt, weil ich dachte, daß man mir auf die Spur gekommen wäre und mich endlich abholen würde. Am Schluß ging ich freiwillig zu ihnen. Ich hielt den Druck nicht mehr länger aus. Doch auch danach wurde es nicht besser; jetzt hatte ich noch mehr Angst wegen dem, was mit mir geschehen würde, wenn Ihr von meinem Verrat erfahren würdet. Die Sicherheitsleute sagten, sie würden mich beschützen, aber ich wußte es besser. Und als Eure Leute schließlich kamen und mich holten, da fühlte ich mich beinahe erleichtert.«

»Wir verstehen«, sagte die Stimme. »Aber wir dürfen keine Gnade walten lassen. Du hast zu viele Leben aufs Spiel gesetzt. Wir alle haben Angst, Erwin, aber wir sind nicht daran zerbrochen. Wie viele tausend wären verraten worden, wenn die Sicherheitstruppen uns hier überrascht hätten? Die gesamte Bewegung wäre zerschmettert worden, und wir hätten uns nie wieder von diesem Schlag erholt.«

»Meint Ihr nicht, ich wüßte das nicht selbst?« Burgess’

Stimme klang hohl und tonlos. Er schien keine Hoffnung und keine Furcht mehr zu haben. »Ich habe meine Lektion gelernt.

Ich werde nicht wieder schwach sein. Ich würde es nicht wagen.«

»Es tut uns leid«, sagte die Stimme. »Aber wir müssen ein Exempel statuieren.«

»Dann macht es wenigstens schnell«, sagte Burgess.

»Ja«, erwiderte die Stimme. »Das machen wir.«

Burgess explodierte. Sein Körper barst auseinander, und eine Wolke von Blut, Gewebefetzen und Knochensplittern flog durch die Luft. Evangeline zuckte unwillkürlich zurück, doch die Trümmer kamen nicht weit. Die gleiche Kraft, die Burgess hatte explodieren lassen, hielt nun die Fragmente zurück. Sie fielen in einer Reihe leiser, sanfter Geräusche zu Boden. Alles war genauso schnell vorbei, wie es begonnen hatte. Eine der Kyberratten pfiff anerkennend. Valentin machte einen Schritt nach vorn und stieß mit der Stiefelspitze gegen einen blutigen Muskelklumpen.

»Nun seht Euch das nur an«, sagte er. »Er hatte tatsächlich ein Herz! Wer hätte das gedacht?«

Und dann ging auf einmal alles drunter und drüber. Eine Alarmsirene schrillte laut und durchdringend, und das Geräusch von Disruptorfeuer erklang in der Ferne. Die Kyberratten auf den Bildschirmen an den Wänden der Kaverne verschwanden urplötzlich, als sie sich aus dem System ausklinkten. Einen Augenblick lang war nur das Rauschen leerer Bildschirme zu sehen, dann klärten sie sich nacheinander und zeigten in rascher Folge Bilder bewaffneter Soldaten, die sich durch die Zugangstunnel bewegten. Sie schienen aus allen Richtungen zugleich zu kommen, füllten die Gänge aus, und ihre Disruptoren entluden sich auf unsichtbare Verteidiger.