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Die große Eingangshalle war vollgestopft mit Sesseln, Sofas, Statuen, Gemälden an den Wänden; lauter unbezahlbare Einzelstücke. Nur die niederen Ränge gaben sich mit Kopien oder Holoduplikaten ab. Wohin er auch blickte, funkelten Gold, Silber und Edelsteine; Glanz und Pracht des Imperiums, alles in einem einzigen Raum zusammengestopft, so daß kaum noch Luft zum Atmen blieb. Löwenstein XIV. umgab sich gerne mit schönen Dingen: Es waren die Trophäen ihrer Regentschaft. So zum Beispiel auch die mumifizierten Köpfe ihrer hingerichteten Gegner auf einer Reihe von Pfählen, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem Dram es ihr aus hygienischen Gründen hatte ausreden können. Und überall Drinks und Drogen und Süßigkeiten, für jede Vorliebe und jeden Geschmack. Ganz privat war Löwenstein XIV. im Grunde genommen ein richtiges Schwein.

Die Imperatorin hatte in einem erhabenen Sessel Platz genommen, geschnitzt aus dem schimmernden Material eines der lebenden Metallbäume von Unseeli, und beobachtete auf einem Schirm an der Wand die Erprobung neuer Waffen. Das geordnete Chaos schien sie sehr zu interessieren, und so warf sie ihrem Geliebten und Obersten Krieger kaum mehr als einen Blick zu. Dram ging zu ihr und blieb neben dem Möbel stehen. Die Dienerinnen hockten sich zu den Füßen ihrer Herrin, wo sie sich unruhig regten. Man hatte ihnen einprogrammiert, daß Dram der einzige Mann war, der sich in der Nähe der Imperatorin aufhalten durfte, trotzdem gefiel es ihnen nicht. Der Oberste Krieger blickte leidenschaftslos zu ihnen hinunter und entdeckte ein paar neue Gesichter. Ersatz für diejenigen, die während des Elfenangriffs bei Hofe gefallen waren. Er überlegte kurz, welche neuen Feinde sich Löwenstein wieder geschaffen hatte, indem sie die jungen Frauen aus ihren Familien entführt und alles aus ihrem Bewußtsein gebrannt hatte bis auf den einen einzigen Wunsch, die Imperatorin zu beschützen. Hin und wieder fragte sich Dram, ob er eines Tages genauso enden würde. Ein geistloser Deckhengst, der nur noch lebte, um die Bedürfnisse seiner Herrin zu befriedigen. Es war kein sehr tröstlicher Gedanke. Er riß sich zusammen und wandte den Blick auf den Schirm an der Wand.

Kampfmaschinen und Kriegsandroiden prallten auf einer leeren Ebene unter einer blutroten Sonne aufeinander. Zwei große Armeen mechanischer Kreaturen, jenseits menschlicher Gefühle wie Furcht, Schmerz oder der Suche nach Ruhm krachten immer und immer wieder zusammen, und metallene Arme und Kiefer rissen und schlugen und bissen ihre Gegner, daß die Funken nur so sprühten. Manche waren nicht größer als Insekten, andere besaßen beinahe humanoide Formen, und wieder andere bestanden anscheinend aus nichts weiter als gewaltigen Ansammlungen von Waffen und Extremitäten und waren zu groß, um vom menschlichen Verstand so einfach begriffen zu werden. Sie kämpften mit wütender Entschlossenheit, denn das war der einzige Zweck, zu dem ihre Erbauer sie konstruiert hatten. Scharfe, spitze Haken drangen tief in metallene Leiber ein und wurden erbarmungslos wieder herausgerissen, Arme zerrten an nachgebenden Strukturen, metallenen Köpfen mit leuchtenden Augen, skelettartigen Leibern mit stachligen Morgensternen statt Armen, und über allem lag das ohrenbetäubende Brüllen und Kreischen gewaltiger Maschinen und reißenden Stahls. Die Maschinen kämpften, bis ihre Beschädigungen zu groß geworden waren, um weiterzumachen, und dann setzten die Sieger über ihre Opfer hinweg und stampften sie in den Boden, während sie nach weiteren Opfern suchten. Niemand trauerte um die Gefallenen oder jubelte den Siegern zu. Keine Spur von Emotionen trübte das endlose Gemetzel, nur Maschinen, die sich auf der Suche nach möglichst großer Effizienz bekämpften.

Dram beobachtete die Schlacht, und sein Blut gefror in den Adern. Eine menschliche Armee konnte von einem derartigen Feind kein Mitleid und keine Gnade erwarten, keine gemeinsamen Konzepte von Ehre oder Ritterlichkeit, nichts. Sie würden immer und immer wieder anstürmen, unbeirrbar, ohne Rücksicht auf Verluste, Verletzungen, Ausfälle, blind ihren Befehlen gehorchend. Und menschliches Fleisch würde unter ihren stachligen metallenen Händen einfach zerreißen. Was ja auch der Grund war, aus dem man sie geschaffen hatte – und zu welchem Zweck sie am Ende eingesetzt werden würden.

Weil sie so unglaublich gut waren in der uralten Kunst des Mordens.

Irgendwo verfolgten Lektronen die gesamte Schlacht und werteten die Ergebnisse aus. Sie bestimmten, welche der Maschinen am effizientesten arbeiteten und am längsten durchhielten, und sie untersuchten die Gründe dafür. Aus ihren Auswertungen würde am Ende die nächste Generation von Kriegsmaschinen hervorgehen, die im Namen der Menschheit gegen die Feinde des Imperiums ausgesandt werden würde.

Dram warf einen verstohlenen Blick zu Löwenstein. Sie genoß die Schau. Die Imperatorin war immer davon überzeugt gewesen, daß Technologie am Ende ihre Probleme lösen könnte. Dram mußte zugeben, daß sie zumindest nicht völlig unrecht zu haben schien. Maschinen mochten vielleicht nicht ganz so vielseitig verwendbar sein wie Marineinfanteristen, aufgerüstete Kämpfer oder gar Kampfesper, aber innerhalb ihrer Möglichkeiten folgten sie mit sturer Unbeirrbarkeit ihren Befehlen und erledigten ihre Arbeit. Und das ganz besonders auf unwirtlichen Planeten, wo Menschen nicht ohne umfassende technologische Unterstützung überleben konnten. Am Ende würden die beobachtenden Lektronen eine Entscheidung treffen, welche Modelle man weiterentwickeln und verfeinern und welche man ausmustern würde, doch Löwenstein XIV. sah trotzdem gerne zu. Krieg war viel zu wichtig, um ihn einfach Maschinen zu überlassen.

»Sehr beeindruckend«, sagte Dram schließlich.

»Das will ich auch hoffen«, erwiderte die Herrscherin, ohne die Augen vom Schirm abzuwenden. »Wenn man bedenkt, was die letzten Forschungen mich gekostet haben, dann ist eine gute Schau wohl das wenigste, was man erwarten kann.

Und ich bin froh, daß du beeindruckt bist, weil ich es nämlich überhaupt nicht bin. Sicher, sie besitzen eine ziemlich hohe Zerstörungskraft, aber ich hatte mir eigentlich mehr erwartet.

Höhere Entwicklung. Doch bei kybernetischen Projekten darf man eben eine gewisse Grenze nicht überschreiten. Macht man sie zu schlau, dann kommt etwas dabei heraus, das, so schnell es kann, nach Shub rennt. Läßt man sie dumm, dann kann jeder einfache Soldat im Kreis um sie herumlaufen. Der einzige Weg zu einem vernünftigen Gleichgewicht besteht darin, ständig zu experimentieren, und das kostet eine Menge Geld. Du solltest dir anhören, wie das Parlament heult, wenn ich ihnen mit einem neuen Budget komme! Man könnte glatt meinen, es wäre ihr eigenes Geld, so wie die sich anstellen.

Aber die zukünftigen Kriege müssen mit den Waffen der Zukunft gekämpft werden, und das bedeutet, daß wir stets auf dem neuesten Stand der Technik sein müssen.«

»Das solltest du am besten wissen«, erwiderte Dram trocken. »Schließlich hast du eine Menge Zeit und Mühen aufgewendet, um dich auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Du besitzt genügend Implantate, Aufrüstungen und Körperchirurgie, um als Androide durchzugehen.«

»Ich muß ja auch die Beste sein«, sagte Löwenstein und schaltete den Bildschirm ab. Sie wandte sich um und blickte Dram an. »Ich habe meine Feinde, und ich habe meinen Stolz.

Und ich werde niemandem erlauben, größer zu sein als ich, egal in welcher Beziehung.«

»Aber es gibt Regeln, wie weit man Aufrüstung betreiben darf«, gab Dram zu bedenken. »Du selbst hast die Gesetze unterschrieben.«

»Gesetze! Das ist doch nur etwas für die kleinen Leute! Los, komm mit!«

Mit einer flüssigen Bewegung erhob sie sich und ging voraus in Richtung Schlafzimmer. Dram folgte ihr nachdenklich.

Löwenstein trug keines ihrer üblichen verführerischen Kleider, also nahm er an, daß es keineswegs der Gedanke an Sex gewesen war, der sie dazu gebracht hatte, ihn zu sich zu zitieren. Er zuckte innerlich mit den Schultern. Es war nicht das erste Mal, daß er sich in ihr geirrt hatte, und es würde sicher auch nicht das letzte Mal sein. Dram erreichte die Tür zum Schlaf gemach, und die Dienerinnen fauchten wütend. Sie waren ihm dicht auf dem Fuß bis zur Tür gefolgt, aber jetzt mußten sie zurückbleiben. Das Schlafgemach war das einzige Zimmer in den privaten Räumen, zu dem ihnen der Zutritt untersagt war, wenn die Herrscherin Männerbesuch hatte. Der Imperatorin schien es nichts auszumachen, aber sie schreckten jedermann ab. Dram betrat das Schlafzimmer und verschloß die Tür vor den willenlosen Geschöpfen, nicht ohne eine gewisse Genugtuung dabei zu empfinden. Löwenstein stand gedankenverloren neben ihrem Bett. Dram näherte sich ihr von hinten und schlang seine Arme um sie. Sie versteifte sich augenblicklich.