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Hirn spritzten durch die Luft, und einen Augenblick später feuerte jeder seine Waffe ab. Energiestrahlen blitzten knisternd durch den Raum, sprangen von Schild zu Schild, brannten sich durch ungeschützte Glieder und Köpfe, und die Luft war plötzlich erfüllt vom Schreien der Verwundeten und Sterbenden und dem süßen Gestank verbrannten Fleisches.

Der Ausbruch von Hektik war genauso schnell vorüber, wie er begonnen hatte, und rasch wurden die Disruptoren weggesteckt und die Schwerter gezogen. Es würde gut zwei Minuten dauern, bis die Energiewaffen wieder einsatzbereit waren, und zwei Minuten waren eine Ewigkeit, in der viel geschehen konnte.

Finlay aktivierte seinen persönlichen Schutzschild an seinem Unterarm und bewegte sich zuversichtlich und mit erhobenem Schwert und Schild vorwärts. Ein Teil von ihm zollte dem Angriff und der professionellen Art seiner Vorbereitung unwillige Bewunderung. Die Kyberratten hatten die Sicherheitssysteme der Familie außer Gefecht gesetzt, die die

Annäherung der Gravschlitten verraten hätten, und so konnten die Schlitten sich unbehelligt an Razors Truppen im und um den Turm vorbeimanövrieren. Ein Esper hätte alles rechtzeitig bemerkt, doch der alte Feldglöck hatte darauf bestanden, einen ESP-Blocker einzusetzen, um die Geheimnisse der Familie zu bewahren. Finlay hörte, wie weitere Truppen den Turm hinaufstürmten, und er konnte nur hoffen, daß es ihre eigenen Leute waren. Sein Schwert krachte mit dem des ersten Gegners zusammen. Er schlug ihn beinahe lässig nieder. Irgendwie überraschte es ihn nicht im mindesten, als er ein Abzeichen des Wolf-Clans auf seiner Brust erkannte.

Finlay spürte einen wachsenden Ärger in sich, daß seine sorgfältig kultivierte Vita nun ein Ende hatte, egal was sonst noch geschah. Er hatte eine Menge Arbeit in seinen Ruf als Stutzer investiert. Aber jetzt benötigte er den Maskierten Gladiator, um zu überleben, und er würde sich später über die Konsequenzen Gedanken machen. Wenn es überhaupt ein Später gab. Die Chancen dafür standen nicht besonders gut.

Der große Versammlungssaal war eine Masse wogender Leiber. Es blieb kaum genügend freier Raum, um ein Schwert zu schwingen, und noch immer kamen neue Trupp an mit Gravschlitten durch die zerborstenen Fenster. Und mit ihnen erschienen endlich auch ihre Herren, die Wolfs persönlich.

Jacob Wolf stürzte sich in die Menge, ein schwerer Bulle von einem Mann mit breiten Schultern und tonnenförmiger Brust. Er schwang seine Waffe mit brutaler Effizienz und schnitt sich den Weg zu den Feldglöcks förmlich frei. Hinter ihm näherte sich Valentin, sein ältester Sohn, mit bemaltem Gesicht und purpurnem Grinsen, sowie der jüngere, Daniel, wild, ungestüm und mit einem Schwert in jeder Hand.

Nach den dreien erschien Lord Kit Sommer-Eiland – Kid Death, der lächelnde Killer –, zusammen mit seinem neuen Freund, dem jungen Lord David Todtsteltzer, der sich bereits im Zorn bewegte, so schnell, daß seine Bewegungen nur verschwommene Schatten waren. Wir stecken in tiefen Schwierigkeiten, dachte Finlay. Er parierte einen Hieb mit seinem Schild und blickte sich suchend nach dem nächstgelegenen Ausgang um. Der Saal war inzwischen von Wand zu Wand mit einer Masse wogender, kämpfender Leiber ausgefüllt, die einmal in diese, dann wieder in jene Richtung drängten. Wolf-Truppen prallten auf Feldglöck-Söldner, und beide Clans kämpften verbissen um die Oberhand. Crawford Feldglöck stürzte sich auf Kit Sommer-Eiland und brüllte seine Wut hinaus. Er konnte den jungen Killer nicht ansehen, ohne sich an die Szene bei Hof zu erinnern, als er seinen eigenen Großvater Roderick Sommer-Eiland getötet hatte. Crawford hatte bis zum Tod des alten Roderick nicht gewußt, wie sehr er sich mit ihm angefreundet hatte und wie sehr er ihn vermissen würde. Sicher, der Feldglöck hatte in seinem Leben bereits eine Menge Dinge verloren, die ihm etwas bedeutet hatten, aber Rodericks Tod hatte das Faß zum Überlaufen gebracht.

Er würde jetzt seine Rache haben, und wenn er selbst dabei starb. Die schiere Wut seines Angriffs trieb Kit in die Defensive, doch der junge Sommer-Eiland gab keinen Fußbreit nach. Kit hielt der Attacke stand und wartete geduldig, daß der Arm des alten Feldglöck ermüden würde, während er die ganze Zeit sein berüchtigtes Lächeln zeigte.

Valentin Wolf hatte seine Kampfdrogen in dem Moment ausgelöst, als der Turm der Feldglöcks in Sicht gekommen war, und jetzt tobten sie durch seinen Kreislauf wie ein nicht enden wollendes Gewitter. Jeder im Raum schien sich schwerfällig und langsam zu bewegen, und jeder Schwerthieb seiner Gegner war offensichtlich und vorhersagbar. Er schnitt sich einen blutigen Weg durch das Getümmel und stürzte sich auf Finlay Feldglöck, der seine Schläge jedoch mit erstaunlicher Geschicklichkeit und beinahe mühelos parierte. Valentin lachte lautlos, mit weitaufgerissenen Augen, und verstärkte seinen Angriff noch. Donner rollte durch seine Arme.

Daniel Wolf warf sich in dem Glauben auf Gerold Feldglöck, in dem berüchtigten Dummkopf ein harmloses Opfer gefunden zu haben, und sah sich einigermaßen verblüfft einem geschickten und mutigen Kämpfer gegenüber. Vielleicht war Gerold nicht der hellste Kopf unter den Lebenden, aber er war schließlich ein Feldglöck. Daniel schnaufte und bereitete sich innerlich auf einen harten Kampf vor, denn er war schließlich ein Wolf.

Immer und immer wieder prallten die beiden aufeinander.

Schwerter krachten auf parierende Schilde und flogen in einem Schauer von Funken zurück. Die Menge ringsum ließ nicht viel Raum für den Kampf, und am Ende war es mehr Glück als Geschick, das die Entscheidung brachte. Gerold war nur den Bruchteil einer Sekunde zu langsam, als er einem Ausfall Daniels auszuweichen versuchte, und das Schwert des jungen Wolfs durchdrang zuerst die Verteidigung seines Gegners und dann seine Rippen. Gerold schien zunächst mehr überrascht als verletzt, doch dann hustete er Blut und sank kraftlos auf die Knie. Daniel zog sein Schwert zurück und schnitt Gerold mit geübten Schwung die Kehle durch. Blut spritzte, und Gerold fiel und versank unter den trampelnden Füßen der Menge. William Feldglöck sah seinen Bruder fallen und schrie voller Entsetzen auf, dann warf er sich selbst auf Daniel, der seinen neuen Gegner mit breitem Grinsen und kühler Berechnung empfing. Er war ein echter Wolf, und heute würde er es allen mit Blut und Tod beweisen.

Jakob Wolf erblickte Investigator Razor, der sich einen Weg durch das Getümmel in seine Richtung bahnte, und suchte augenblicklich nach einem leichteren Gegner. Sollte ein anderer Dummkopf sich mit dem Investigator anlegen. Irgend jemand, der lebensmüde genug war.

Er bemerkte Finlay und Valentin, die von der hin und her wogenden Menge getrennt wurden, und stürzte sich auf den jungen Stutzer. Wenn er ihn erst getötet hätte, würde der Kampfeswille des Alten zerbrechen. Der Wolf erwartete einen leichten, ungeschickten Gegner, aber er stellte schockiert fest, daß Finlay Feldglöck ein wahrer Schwertmeister war. Die Berichte seiner Nachrichtendienste hatten nicht den kleinsten Hinweis auf diese versteckten Fähigkeiten enthalten, aber jetzt war es zu spät, um noch auszuweichen. Er hatte sich selbst ans Messer geliefert. Eine schlimme Vorahnung machte sich hinter Jakob Wolfs Stirn breit. Wenn ein Tunichtgut wie Finlay sich als Schwertmeister herausstellte, worin zur Hölle mochten sich seine Agenten sonst noch geirrt haben?

Die Menge drängte wieder in eine andere Richtung und trennte die beiden. Jakob war erleichtert, daß Finlay ihn nicht weiter bedrängen konnte. Er blickte sich um und sah den Feldglöck, der im Augenblick von Kid Death getrennt wurde.