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»Meinen Dank für Eure Hilfe bei dieser Sache«, sagte er. »Ihr habt mein Wort als Wolf, daß wir Euch die hochentwickelte Technologie der Feldglöcks zur Verfügung stellen werden, sobald sie sich in unseren Händen befindet, damit beide Seiten von ihr profitieren können.«

»Das ist alles, was wir uns je gewünscht haben«, erwiderte die Kyberratte. »Sicher, wir hätten den Handel genausogut mit den Feldglöcks abschließen können, aber sie trugen ihre Nasen zu hoch und wollten nicht mit unsereinem verhandeln.

Geschieht ihnen recht. Niemand behandelt uns Kyberratten wie Dreck und kommt ungeschoren davon. Niemand. Wir sprechen uns später, Wolf.«

Der Bildschirm wurde dunkel, und Valentin nickte nachdenklich. Die Drohung der Kyberratte war nicht besonders schwer zu durchschauen gewesen, aber Kyberratten waren nie besonders schwer zu durchschauen, wenn sie nicht gerade an ihren Maschinen hingen. Valentin empfand es als ziemlich erfrischend, nach all den Zweideutigkeiten und verborgenen Bedeutungen dessen, was am Hof so als Unterhaltung galt. Er blickte hoch und winkte Daniel, der zu ihm trat und weitere Befehle abwartete.

»Ich würde jetzt wirklich gerne ein wenig allein sein, Daniel. Nur für eine Weile. Das hier kam alles viel zu überraschend und unerwartet. Ich brauche Zeit, um meine Gedanken zu sortieren. Tust du mir den Gefallen und bringst Stephanie und Konstanze die Neuigkeiten? Ich denke, sie erfahren es besser von dir.«

»Wie du wünschst. Brauchst du lange?«

»Ich glaube nicht. Nimm die Soldaten mit nach draußen. Sie können später mit ihrer Arbeit beginnen.«

Daniel nickte, dann blickte er zurück zum Leichnam ihres Vaters. Die Soldaten hatten ihn respektvoll zur Seite gelegt, weg vom allgemeinen Schlachtfeld. »Ich habe mir so oft gewünscht, daß er tot wäre«, sagte er leise. »Aber ich wollte nie wirklich… ich hätte nie wirklich gedacht, daß er eines Tages stirbt. Ich glaubte immer, er wäre ewig an unserer Seite, würde sich um uns kümmern und unser Leben bestimmen. Er war immer so allein… ich weiß nicht, wie ich es Konstanze beibringen soll.«

»Dir wird schon etwas Passendes einfallen«, erwiderte sein Bruder. »Vergiß nicht, du bist ein Wolf.«

Nach einer Pause bemerkte Daniel, daß Valentin alles gesagt hatte, was er zu diesem Thema zu sagen wünschte. Er nickte rasch, sammelte mit einem Wink die Soldaten ein und verließ den Saal, ohne sich noch einmal umzudrehen. Die Mannschaften folgten ihm, und Valentin wartete geduldig, bis er allein war. Dann schlenderte er hinüber zu dem Sitz am Kopf der alten Tafel und nahm Platz. Er streckte die Beine aus, und ein Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Im Augenblick stand Daniel noch zu sehr unter Schock, um seinen Anweisungen zu widersprechen. Aber das würde nicht lange so bleiben. Wenn er erst mal mit seiner Schwester Stephanie über die neue Lage gesprochen hätte, dann würde sie ihn schon wieder aufrichten. Und dann würden die beiden damit beginnen, um die Rangordnung zu streiten, um herauszufinden, wie weit sie unter dem neuen Wolf gehen konnten. Valentins Grinsen verhärtete sich. Sie würden ihre Überraschung erleben.

Genau wie der liebe Papa, der nicht im Traum gedacht hätte, daß sein nichtsnutziger, verachteter Ältester ihm den Tod bringen könnte. Valentin ging die Szene in Gedanken noch einmal durch und genoß den Augenblick. Das Messer und das Blut und der Ausdruck auf Jakob Wolfs Gesicht, als er zu Boden ging. Er hatte es nur für den Bruchteil einer Sekunde erkennen können, aber das hatte Valentin auch schon gereicht.

Am Ende war alles so verdammt einfach gewesen. Ein kurzer Hieb mit dem Dolch, von niemandem bemerkt, und jetzt war Valentin der Wolf. Der Kopf der Familie, das Oberhaupt des Clans. Er hätte sich bereits vor Jahren dazu entscheiden sollen.

Valentin hatte einen guten Anfang gemacht, aber es gab noch eine Menge zu tun. Obwohl er den Clan durch sein Erbe beherrschte, würde er seine Machtbasis erst noch konsolidieren müssen. Es gab unzählige niedrigere Vettern, die keine Sekunde zögern würden, Ansprüche von Seiten Stephanies oder Daniels zu unterstützen, wenn sie sich einen Gewinn daraus versprachen. Aber er hatte einen mächtigen Verbündeten in den Kyberratten gefunden, und sie würden ihn nur zu gerne unterstützen, wenn er ihnen im Gegenzug Zugang zu der überlegenen Technologie der Feldglöcks gewährte. Sorgfältig dosiert sollte sie das eine ganze Zeit bei der Stange halten. Und die Überreste der Feldglöcks waren viel zu weit verstreut, um eine wirkliche Bedrohung darzustellen. Eine sorgfältige Politik der Meuchelmorde würde helfen, die Situation weiter in seinem Sinne zu entwickeln. Die Kontrakte für den neuen Hyperraumantrieb würden ihm wie von selbst in den Schoß fallen, nachdem sein Hauptkonkurrent jetzt ausgeschaltet war. Valentin hatte die ersten Stufen auf einer Leiter genommen, die am Ende vielleicht auf den Eisernen Thron selbst führte. Ganz besonders, wenn er erst die vereinten Untergrundbewegungen hinter sich wußte: eine ganze Armee von Espern und Klonen, und alles nur, weil er die Droge kontrollierte, die sie zu Espern machte. Nicht zu vergessen die KIs von Shub. Sie würden ohne Zweifel genauso gerne mit ihm verhandeln wie mit den Feldglöcks. Er hatte immer gewußt, daß sich ein hervorragend ausgebauter Nachrichtendienst eines Tages auszahlen würde. Valentin lächelte. Das Leben war so herrlich.

KAPITEL ELF

UNERWARTETE WENDUNGEN

Die Sonnenschreiter schoß aus dem Hyperraum und stürzte direkt in die Atmosphäre des Planeten Shandrakor. Rauch und Feuer quollen aus dem zerschundenen Schiff, während es durch die dichter werdende Luft nach unten taumelte. Der Bug war nur noch ein ausgefranstes Loch, und Bruchstücke der Außenhülle lösten sich und taumelten auf ihrer eigenen Bahn zur Oberfläche hinab, als das Schiff sich in der turbulenten Atmosphäre aufbäumte. Die Sonnenschreiter hatte eine Menge höllisch schwerer Treffer durch die beiden Imperialen Sternenkreuzer einstecken müssen, die ihr im Orbit von Nebelwelt aufgelauert hatten, und als Folge davon fiel sie jetzt wie ein Stein der unbekannten Oberfläche Shandrakors entgegen. Was von ihrer Außenhülle übriggeblieben war, glühte in wütendem Rot von der Hitze des Wiedereintritts. Die gesamte Innenhülle war verbogen und verdreht. Die Jacht war nicht dazu konstruiert worden, ohne funktionierende Schutzschilde auf einem Planeten zu landen. Sie war auch nicht konstruiert worden, einen derart heftigen Beschuß durch Imperiale Sternenkreuzer auszuhalten, und es schien beinahe wie ein kleines Wunder, daß das Schiff so lange durchgehalten hatte.

Aber jetzt fiel die Sonnenschreiter, und ihre Maschinen stotterten, als ein System nach dem anderen endgültig durchbrannte.

Im Innern des sterbenden Schiffs hielt sich Owen Todtsteltzer verzweifelt an einem in die Wand eingelassenen Haltegriff fest, während er durch den unsanften Abstieg hin und her geworfen wurde. Die Klimaanlage der Lounge hatte ihre liebe Mühe, den dichten, erstickenden Rauch abzusaugen, der in der Luft hing, und die Notbeleuchtung flackerte unregelmäßig auf und erlosch wieder. Hazel d’Ark und ihre Freundin Ruby Reise hatten sich zwischen dem Barschrank und der Innenhülle eingekeilt und kämpften darum, nicht weggeschleudert zu werden. Zumindest bot der Platz ihnen ein wenig Schutz vor ungesichertem Mobiliar und Einrichtungsgegenständen, die durch den Raum flogen wie sperrige Schrapnellgeschosse.

Jakob Ohnesorg hatte einen relativ ruhigen Platz gefunden und glich das Rütteln und die plötzlichen Durchsacker des Schiffs mit geübter Leichtigkeit aus, ganz der berufsmäßige Rebell, der nicht zum ersten Mal in einem abstürzenden Schiff unterwegs war. Neidisch blickte Owen durch den treibenden Rauch zu ihm hinüber und dann zu dem Hadenmann.

Tobias Mond hatte einen Stuhl in eine Ecke der Lounge gekeilt und hatte es sich darauf bequem gemacht. Er schien vollkommen entspannt und ruhig, und Owen verspürte das Bedürfnis, ihm dafür an die Kehle zu springen. Seine Wut war alles, was ihn noch aufrecht hielt und dafür sorgte, daß seine letzte Mahlzeit dort blieb, wo sie hingehörte.