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»Ich glaube, es geht wieder«, sagte Mond und richtete sich auf. »Alles scheint soweit zu funktionieren. Ich hoffe nur, wir finden in der Fluchtburg ein paar Energiekristalle. Ich habe den größten Teil meiner Reserven bei meinen Bemühungen aufgebraucht, die Sonnenschreiter in einem Stück zu landen.

Keine schlechte Landung, wie ich übrigens bemerken möchte.«

»Ich hasse die Vorstellung, bei einer deiner schlechteren an Bord zu sein«, erwiderte Ruby Reise sarkastisch.

»Ihr seid am Leben, oder nicht?« fragte Mond.

»Genug geschwatzt«, unterbrach Owen die zynische Unterhaltung. »Es wird Zeit, daß wir uns in Bewegung setzen. Oz, wieviel Zeit bleibt uns noch, bevor die Reaktoren der Sonnenschreiter schmelzen?«

»Ich würde mich schleunigst aus dem Staub machen«, sagte die KI. »Ich muß mich jetzt allmählich abschalten, Owen. Ihr müßt ohne mich zurechtkommen. Wenn du kompatible Rechner in der Fluchtburg findest, dann überspiele mich bitte in das System, ansonsten bist du alleine, Owen. Versuch, dich nicht umbringen zu lassen.«

»Ich werde mein Bestes geben«, erwiderte Owen. Er wollte noch etwas hinzufügen, aber ihm fehlten plötzlich die Worte.

Ozymandius war seit seiner frühen Kindheit immer bei ihm gewesen. Er hatte noch nie ohne die Hilfe der KI zurechtkommen müssen. »Ich komme zurück, Oz. Auf die eine oder andere Weise, ich komme zurück.«

»Wenn wir mit der rührseligen Verabschiedungszeremonie fertig sind, können wir dann vielleicht endlich aufbrechen?« fragte Ruby Reise zynisch. »Schließlich bist du derjenige, der gesagt hat, daß das Schiff in die Luft fliegen wird, oder?«

Owen nickte kurz angebunden und trat vor die Außentür der Schleuse. »Oz, kannst du erkennen, ob uns draußen eine häßliche Überraschung erwartet?« Keine Antwort. Owen biß sich auf die Unterlippe. Jetzt war er wirklich auf sich allein gestellt. Er zog seine Disruptorpistole und legte das Ohr an die metallene Luke. Die Oberfläche war unangenehm warm. Das Feuer schien offensichtlich näher zu kommen. Er konnte nichts hören. Das Metall war zu dick. Ein vorbeikommender Investigator hätte eine ganze Blaskapelle abschlachten können, und man hätte nichts gehört. Owen sah zu den anderen.

»Haltet Euch bereit. Hazel, stellt Euch dort drüben hin, neben die manuellen Kontrollen. Wenn ich Euch zunicke, dann öffnet die Luke.«

Hazel ging zu den Kontrollen, und jeder zog seine Pistole oder sein Schwert, je nachdem, womit er besser umgehen konnte. Sie sahen müde aus; trotzdem waren sie gespannt und vorbereitet auf alles, was dort draußen warten mochte. Owen wünschte sich, bei Gelegenheit schwere Kampfanzüge und Waffen an Bord der Sonnenschreiter geschafft zu haben, aber jetzt war es zu spät, und damals hatte er nicht die Notwendigkeit eingesehen. Sein Schiff war schließlich nur eine Vergnügungsjacht gewesen. Es war ein Fehler, der ihm mit Sicherheit nie wieder unterlaufen würde – vorausgesetzt, er würde dieses Chaos halbwegs intakt überleben. Das Universum war kein freundlicher Ort. Owen hob den Disruptor und warf einen letzten Blick zu seinen Kameraden.

»Alles bereit? Gut. Denkt daran, niemand stürzt nach draußen, wenn die Schleuse sich öffnet. Wir werden die Sache langsam und mit größter Vorsicht angehen, bis wir wissen, was uns draußen erwartet.«

»Ist er immer so?« fragte Ruby Hazel.

»Meistens«, erwiderte Hazel. »Immerhin war er mal ein Lord. Ich schätze, er hat seine Großspurigkeit zusammen mit den abstehenden Ohren geerbt.«

Owen entschloß sich, so zu tun, als hätte er nichts gehört.

»Hazel, öffnet die Luke.«

Ein besorgniserregendes Knirschen ertönte, und eine Weile geschah gar nichts. Dann glitt die Tür zur Seite, und blendend purpurnes Licht flutete in die Schleusenkammer, gemeinsam mit der schweren Feuchte der Dschungelatmosphäre. Es roch nach verwesendem Fleisch. Und plötzlich schien der gesamte Planet zugleich durch die Schleusentür zu drängen. Große, wilde Gestalten mit furchterregenden Zähnen und Klauen und funkelnden Augen, die um das Vorrecht kämpften, als erste in die Schleuse der Sonnenschreiter zu stürmen. Kleinere Wesen, die anscheinend nur aus Zähnen und Klauen bestanden, strömten in wahren Wogen über die Schwelle der Schleuse.

Fliegende Ungeheuer, peitschende Tentakel von Pflanzen, mit bösartigen, wahrscheinlich giftigen Stacheln – und alle, wirklich alle versuchten gleichzeitig, in die Schleuse einzudringen.

Schreie und Kreischen und markerschütterndes Heulen erfüllte die Luft und warf sein ohrenbetäubendes Echo in die beengte Kammer der Luftschleuse.

Ein langes Tentakel stürzte sich auf Owen, und er schoß in einem Reflex. Der Energiestrahl traf das Wesen aus allerkürzester Distanz. Sein Kopf explodierte und überschüttete den Todtsteltzer mit faulig riechendem Blut. Eine Kreatur mit riesigen, klauenbewehrten Händen und einem Maul, das größer war als Owens Kopf, zog den Tentakelleichnam aus der Kammer und warf sich selbst auf Owen. Er begegnete ihr mit dem Schwert in der Hand, und noch mehr Blut spritzte, als die Klinge tief in das ledrige Fleisch eindrang.

»Schließt die Luke«, kreischte er. »Schließt die verdammte Luke!«

Mehrere Disruptoren feuerten beinahe gleichzeitig, aber die Bestien stürmten ohne Unterlaß auf die Schleuse an, geifernd in ihrer Gier nach neuer Beute. Die Schleuse war plötzlich voll von schrecklichen Lebewesen und blitzenden Schwertklingen. Hazel kämpfte sich zum Kontrollpaneel zurück. Ein langes Tentakel peitschte durch die Luft, ringelte sich um Tobias Mond und riß ihn am Boden liegend nach draußen in die Wildnis.

»Laßt die Schleuse offen!« kreischte Owen. »Sie haben Mond erwischt! Jemand muß ihm helfen!«

»Soll er sich selbst helfen«, schnappte Jakob Ohnesorg, während er geschickt eine schleimige Kreatur zerhackte, die anscheinend zu dumm war zu erkennen, daß sie eigentlich schon tot sein müßte. »Ich hab’ hier meine eigenen Probleme!«

Hazel schaffte es, den Kontrollhebel mit dem Ellbogen umzulegen, und die Tür glitt zu. Das schwere Stahlschott bewegte sich gnadenlos in seiner Führung voran und schnitt langsam, aber unaufhaltsam durch alles hindurch, das nicht rechtzeitig aus dem Weg kam. Der Durchgang wurde immer enger, und die größeren Räuber waren gezwungen, sich nach draußen zurückzuziehen. Schließlich war die Luke dicht, und die kleineren Kreaturen saßen im Innern in der Falle. Owen und Ohnesorg kämpften Rücken an Rücken und mähten die Bestien reihenweise nieder, die sich noch immer in besinnungsloser Wut auf sie stürzten. Ohnesorg kämpfte verdammt gut.

Jedenfalls für einen alten Mann, dachte Owen. Auch Hazel und Ruby standen Rücken an Rücken und machten blutiges Hackfleisch aus allem, was sich zu nah an die beiden heranwagte. Eine Kreatur nach der anderen fiel den blitzenden Klingen zum Opfer, und schließlich war das Gemetzel vorbei.

Owen senkte zögernd das Schwert und lehnte sich nach Luft ringend an die Schotte. Plötzlich war es in der Schleuse totenstill. Die Luft dick war vom Geruch von Blut und Tod. Überall lagen Kadaver, und überall klebte Blut. Hinter Owen erbrach sich Jakob Ohnesorg. Hazel und Ruby lehnten sich stützend gegeneinander und blickten gehetzt mit noch immer erhobenen Waffen um sich.

»Mond«, sagte Owen mit rauher Stimme. »Er ist noch immer draußen!«

»Dann ist er tot«, entgegnete Hazel. »Und wir sind es ebenfalls, wenn wir dumm genug sind und rausgehen, um nach ihm zu suchen.«

»Nicht unbedingt«, widersprach Ruby. »Er ist immerhin ein Hadenmann.«

Ihre Köpfe ruckten scharf herum, als von irgendwo ganz in der Nähe das Geräusch von Energiestrahlen an ihre Ohren drang.

»Kann es sein, daß das Imperium uns schon aufgestöbert hat?« fragte Hazel ungläubig.

»Das ist nicht das Imperium«, erwiderte Owen. »Oz hat berichtet, daß wir auf dem Planeten ganz allein sind. Ich schätze, das sind unsere eigenen Kanonen. Die Kanonen der Sonnenschreiter. Deshalb können wir sie auch bei geschlossener Schleusenluke hören!«