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schließlich ein Todtsteltzer, oder?«

»Mach nur, was du nicht lassen kannst«, sagte Hazel. »Ich suche mir solange eine sichere Deckung.«

Owen grinste ihr zu und bemerkte, daß sie sich entgegen ihren Worten nicht bewegte, als er vorsichtig auf die Lichtung trat. Er steckte Schwert und Pistole ein und streckte die leeren Hände vor, um zu zeigen, daß keine Waffen in ihnen versteckt waren. Vorsichtig räusperte er sich. Er wollte schließlich nicht, daß man ihn mißverstand.

»Ich bin Owen, das Oberhaupt des Todtsteltzer-Clans. Ich komme in Not und Gefahr zu dir und deinem Zufluchtsort. Ich trage den Ring meiner Familie zum Beweis.«

Er streckte die Hand noch weiter vor, damit die Sensoren der Burg einen klaren Blick darauf werfen konnten. Schweiß strömte über sein Gesicht, aber diesmal nicht so sehr von der knisternden Hitze in der ungeschützten Lichtung. In einem weiteren Fenster erschien ein Licht. Owen mußte dagegen ankämpfen, kein Fersengeld zu geben. Dann gingen plötzlich alle Lichter aus, und in einem kleinen Bereich direkt vor dem großen Tor, das in die Festung führte, erlosch der Energieschirm.

Owen blinzelte ungläubig und blickte zu seinen Kameraden zurück.

»Ich denke, das ist eine Einladung. Kommt schon, bevor sie dort drinnen ihre Meinung ändern. Und steckt Eure Waffen weg, ja?«

Die restlichen Mitglieder der Gruppe folgten zögernd seinen Anweisungen. Sie traten vorsichtig auf die Lichtung hinaus und näherten sich der Bresche im Energieschild.

»Das ist doch nicht möglich«, sagte Jakob Ohnesorg. »Man kann nicht einfach nur einen Teil eines Schildes öffnen! Das gesamte Feld müßte zusammenbrechen!«

»Unmöglich oder nicht, Ihr seht es ja«, sagte Hazel. »Darf ich vielleicht vorschlagen, daß wir den Durchgang benutzen, bevor er sich wieder schließt und wir gestrandet hier zurückbleiben?«

»Selbstverständlich«, stimmte Owen ihr zu. »Nach Euch, Hazel.«

»Es ist deine Familie und dein Schloß, Aristo«, erwiderte Hazel fest. »Also gehst du auch zuerst.«

Owen grinste kurz und ging über die Lichtung auf die Lücke im Schild zu. Er konnte den mächtigen Energieschild förmlich spüren, und er schien so nahe, daß er ihn mit ausgestreckten Armen hätte berühren können. Statische Wellen liefen durch seine Kleidung und ließen Funken auf seinen Haaren tanzen. Er atmete tief ein und hielt die Luft an, während er weiterging. Nach dem Geräusch zu urteilen, hielten seine Freunde sich dicht hinter ihm. Owen verzichtete darauf, sich nach ihnen umzusehen. Es hätte ihn vielleicht nervös erscheinen lassen, und er hatte das sichere Gefühl, daß dies ein denkbar ungeeigneter Zeitpunkt war, um Schwäche zu zeigen. Die Burg wuchs immer höher vor ihm aus dem Boden, und als er schließlich dicht vor dem mächtigen Tor stand, ragte sie über ihm auf wie ein Gebirge. Schon der bloße Anblick dieses Ortes, die massive Größe der Steinquader, aus denen die Festung errichtet worden war, ließ seinen Kopf schmerzen. Er konnte sich nicht vorstellen, welch eine Armee von Arbeitern, Robotern und Ingenieuren erforderlich gewesen sein mußte, um die Todtsteltzer-Fluchtburg zu errichten, noch dazu auf einem vollkommen unbewohnten, von wilder Natur überwucherten Planeten. In den Fenstern waren noch immer keine neuen Lichter und kein Zeichen von Leben zu erkennen. Owen hatte das Gefühl, weiterhin scharf beobachtet zu werden, aber er konnte nicht sagen, von wo oder von wem oder was. Nachdenklich starrte er das Tor an: drei Meter hoch, zwei Meter breit, aus solidem Holz gezimmert und mit purpurfarbenen Metallnägeln beschlagen, die aussahen wie Blutstropfen. Ein Disruptorstrahl würde sich wahrscheinlich ohne weiteres hindurchbrennen, aber das Tor erweckte ganz den Eindruck, als könnte es alles andere auf der Welt stoppen.

Die anderen kamen herbei und sammelten sich um ihn.

»Und was machen wir jetzt?« fragte Ruby Reise.

»Wir klopfen«, erwiderte Ohnesorg. »Ganz einfach. Und ganz höflich.«

»Das werden wir wohl auch müssen«, stimmte Owen ihm zu. »Ich kann keinen Türgriff oder Sensor erkennen.«

»Wahrscheinlich haben sie hier draußen nicht so häufig Besuch«, sagte Ohnesorg.

»Ich will ja niemanden beunruhigen«, meldete sich Hazel plötzlich. »Aber der Schild hat sich hinter uns wieder geschlossen. Wir sitzen in der Falle.«

»Für jemanden, der keinen beunruhigen will, habt Ihr Euch aber ziemlich viel Mühe gegeben«, sagte Owen.

»Ich könnte die Tür aufbrechen«, meldete sich Tobias Mond mit seiner summenden Stimme zu Wort.

»Danke für den Vorschlag, aber ich schätze, das werden wir bleiben lassen«, erwiderte Owen. »Wir wollen doch keinen schlechten Eindruck erwecken, oder? Diese Energiewaffen sind ganz bestimmt noch immer auf uns gerichtet, und ich habe keine Lust, wen auch immer an den Kontrollen nervös zu machen. Wenn Ihr Euch nützlich machen wollt, Mond, dann versucht doch mit der Burg in Kontakt zu treten. Wenn es im Innern so etwas wie Lektronen gibt, könnt Ihr vielleicht mit ihnen reden.«

Mond nickte und legte die Stirn in leichte Falten, als er sich konzentrierte. In diesem Augenblick verschwand fast alles Menschenähnliche aus dem von den blitzenden goldenen Augen beherrschten Gesicht des Hadenmanns. Owen kämpfte gegen den unwillkürlichen Impuls zu erschauern. Dann wurde Monds Gesicht wieder klar, und er blickte Owen an. »Nichts.

Wenn es dort drinnen Lektronen gibt, dann hören sie entweder nicht zu, oder sie antworten einfach nicht.«

»Zeig den Sensoren doch einfach noch mal deinen Ring«, schlug Hazel vor. »Letztes Mal haben sie ja auch darauf reagiert.«

Owen hob seine Hand in Richtung der Fenster über der Tür und versuchte, selbstbewußt dreinzuschauen. Kein Licht zeigte sich, und er stand eben im Begriff, seine Hand resignierend zurückzuziehen, als er sich plötzlich woanders wiederfand. Es hatte keine Warnung gegeben, kein Gefühl von Bewegung, nichts: Im einen Augenblick hatte er noch vor dem verschlossenen Tor gestanden, und im nächsten befand er sich in einer großen Halle, höchstwahrscheinlich im Innern der Burg. Die Halle erstreckte sich vor ihm, unglaublich lang und breit und vollkommen leer. Hier hätte eine ganze Armee üben können oder ein Clan eine Vollversammlung einberufen, aber es gab keinerlei Zeichen von Leben, mit Ausnahme der Beleuchtung, die hoch oben an der Decke brannte. Der gewaltige marmorne Kamin war kalt, doch der Fußboden konnte erst vor kurzem gebohnert und poliert worden sein, denn nirgendwo fand sich auch nur eine Spur von Staub. Ganz plötzlich waren auch die anderen in der Halle bei ihm, und sie blickten genauso verwirrt drein, wie er sich fühlte.

»Was zur Hölle war das?« fragte Hazel ungläubig. Ihre Hand fiel in einem Reflex auf die Pistole an ihrer Hüfte.

»Ein Transferportal«, erwiderte Owen. »Ich habe davon gehört, aber ich hätte niemals erwartet, ein funktionierendes Portal vorzufinden. Sie wurden vor Jahrhunderten geschaffen; Teleportation von einem Ort zum anderen, um der Aristokratie die Mühen und Strapazen körperlicher Bewegung zu ersparen. Aber sie setzten sich nicht durch, weil sie so unglaublich viel Energie verbrauchten. Und weil sie ein Alptraum waren, was die Sicherheit anging. Dann tauchten die ersten Esper auf und ersetzten die Portale. Keine Energiequelle war mehr nötig, und sie waren viel billiger. Das Imperium zieht seit jeher Sklavenarbeit Maschinen vor. Jedenfalls muß diese Burg eine unglaubliche Energiequelle besitzen, wenn das Transferportal nach all den Jahren noch funktioniert.«

»Neunhundertvierzig«, sagte Ohnesorg. »Neunhundertvierzig Jahre! Wer immer diese Burg errichtet hat, sie wurde gebaut, um eine Ewigkeit zu überdauern.«

»Mir kommt da gerade ein ziemlich übler Gedanke«, mischte sich Hazel leise ein. »Wenn diese Burg von Lektronen gewartet wird – kann es dann nicht sein, daß die KIs von Shub sie übernommen haben? Sie sollen eine Menge Technologie besitzen, die wir nicht haben.«