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Und dann bewegte er sich ein einziges Mal nicht schnell genug, sah zu spät voraus, was sein Gegner vorhatte, und Abbotts Hand schloß sich wie ein Schraubstock um Owens Handgelenk. Alles Gefühl wich aus Owens Fingern, und das Schwert entglitt seinem tauben Griff. Abbott lachte siegessicher. Owen griff mit seiner freien Hand zum Stiefelschaft, zog einen Dolch hervor und rammte ihn zwischen die Rippen des Wampyrs. Einen Augenblick strömte schwarzes Blut hervor, dann versiegte es wieder. Der Wampyr grinste nur und schleuderte Owen weit von sich. Die Menge wich vor dem strauchelnden Todtsteltzer zurück, und er prallte heftig auf den festgetrampelten Schnee. Die Luft wich aus Owens Lungen. Langsam rollte er sich herum und unterdrückte ein Stöhnen. Seine Hand war völlig taub. Abbott stapfte ohne Eile heran. Der Wampyr grinste noch immer. Der Dolchgriff ragte vergessen zwischen seinen Rippen hervor.

Owen kam unsicher hoch und stützte sich auf ein Knie. Er verharrte einen Augenblick und versuchte wieder zu Atem zu kommen, als seine gesunde Hand einen harten Gegenstand im Schnee ertastete. Sein Herzschlag setzte für einen Augenblick aus, als er erkannte, was es war: Hazels Disruptor! Endlich lächelte das Glück auch ihm einmal zu. Er hatte eine zweite Chance. Abbott ragte drohend über ihm auf und packte Owen mit beiden Händen am Kragen. Er hob ihn mühelos hoch, und Owens Füße strampelten hilflos in der Luft.

»Es ist vorbei, kleiner Mann«, knurrte Abbott.

»Darauf könnt Ihr Euren Arsch verwetten«, knurrte Owen.

Und hob die Hand mit Hazels Waffe, stieß sie in Abbotts verblüfft aufgerissenen Mund und drückte ab. Der Energiestrahl ließ den Kopf des Wampyrs zerplatzen wie einen überreifen Kürbis, und schwarzes Blut und graue Fetzen von Gehirn spritzten durch die Luft. Abbotts Griff löste sich langsam, und der Todtsteltzer fiel auf den blutbesudelten Schnee. Er stolperte auf die Beine, schob Hazels Disruptor in den Gürtel und tastete mit der gesunden Hand nach seinem Schwert. Die andere schlug er verzweifelt gegen den Oberschenkel, damit das Gefühl wieder zurückkehrte. Dann endlich fiel Abbotts Körper zusammen und lag still.

Die Zuschauermenge stürzte vor und fiel über den Leichnam her wie Ratten über einen Kadaver. Sie zerrissen die Kleider des toten Wampyrs, schnitten große Stücke Fleisch aus ihm und saugten daran wie Blutegel. Ihre Münder bearbeiteten gierig das blasse Fleisch. Andere kämpften miteinander um das Blut, das noch immer aus der großen Wunde an Abbotts Hals strömte. Owen stolperte zu Hazel hinüber, die wieder auf die Beine gekommen war und verwirrt den Kopf schüttelte. Als er sich näherte, blickte sie alarmiert zu ihm auf.

Dann erkannte sie ihn, entspannte sich ein wenig und ließ den Blick über die blutrünstige Menge schweifen.

»Ich schätze, wir sollten wirklich machen, daß wir von hier verschwinden, Hazel«, sagte Owen. Er streckte seine verletzte Hand und verzog das Gesicht, als tausend Nadeln in seinen Fingern zu stechen begannen. Dann gab er Hazel den Disruptor zurück. Sie nickte und blickte sich um.

»Ich bekomme allmählich das Gefühl, daß es nicht so einfach wird, Todtsteltzer.«

Owen folgte ihrem Blick und erstarrte. Der Mob hatte den Leichnam des Wampyrs vergessen und formierte sich erneut um die beiden. Auf den meisten Gesichtern waren Flecken schwarzen Blutes zu sehen. Alle Augen waren auf Hazel und Owen gerichtet. Zunehmende Spannung erfüllte die Luft, und die Gesichter der Plasmakinder füllten sich nach und nach mit dumpfem Haß. Ihr Herr und Meister, ihr Gott war tot. Es würde kein wundervolles Blut mehr geben, durch das sie sich selbst zeitweilig wie Götter gefühlt hatten. Owen warf einen gehetzten Blick über die Menge, aber die Chancen standen überall gleich schlecht, egal wohin er sah. Der Mob näherte sich von allen Seiten zugleich.

Zuerst behinderte die Masse sich durch ihre schiere Menge selbst; sie waren nicht gewohnt zusammenzuarbeiten und standen sich gegenseitig im Weg. In ihnen brannte das schwarze Blut ihres toten Herrn, und sie kämpften gegeneinander um die Möglichkeit, sich auf den Mann zu stürzen, der ihren Gott getötet hatte. Owen benutzte das Schwert mit kalter Präzision. Er tötete leidenschaftslos und mit dem geringstmöglichen Einsatz seiner Kräfte. Die Blutsüchtigen starben und fielen zu Dutzenden, doch immer neue nahmen den Platz der Gefallenen ein. Hazel hielt ihm den Rücken frei, aber von allen Seiten drangen Schwerter, Macheten und Dolche auf die beiden ein. Owen wehrte sich verzweifelt gegen die drohende Niederlage. Der Zorn raste hell und kraftvoll in seinem Blut, aber er wußte nicht, wie lange er noch anhalten würde. Eine doppelt so helle Kerze brannte schließlich auch doppelt so schnell nieder.

Er durchbohrte einen Mann, der mager wie ein Skelett und in stinkende Felle gehüllt war, wich dem Hieb seines Hintermannes aus und zog seine Klinge brutal durch das Gesicht eines dritten, der sich zu nahe herangewagt hatte. Owen blutete inzwischen aus mehr als einem Dutzend kleinerer Wunden, aber er war viel zu angespannt, um Schmerz zu empfinden.

Ein Teil des Blutes, mit dem seine Kleidung besudelt war, stammte von ihm selbst. Er knurrte, trat und stieß mit seiner Waffe um sich und setzte all seine übernatürlichen Todtsteltzer-Kräfte ein, doch der Mob drang ununterbrochen vor, besinnungslos vor Wut und blindem Verlangen, Owen zu zerreißen. Glitzernder Stahl fuhr aus allen Richtungen gleichzeitig auf Owen und Hazel herab, und er konnte nicht alle Klingen gleichzeitig parieren oder kontern. Plötzlich erkannte er mit ruhiger Gelassenheit, daß Hazel und er den Kampf nicht überleben würden. Es waren einfach zu viele. Nur ein einziger Glückstreffer, und der Kampf wäre vorüber.

Eine verdammte Hölle von Tod für einen Todtsteltzer, von namenlosen Hunden in einer namenlosen Seitengasse niedergerissen zu werden. Owen grinste schwach, während er unablässig tötete. Dieses Gefühl hatte er schon einmal gehabt. Daheim auf Virimonde, als seine eigenen Leute ihn umzingelt hatten und wild auf seinen Kopf ausgewesen waren. Aber dann war Hazel wie aus dem Nichts erschienen und hatte ihn gerettet. Diesmal steckte sie in genauso großen Schwierigkeiten wie er selbst. Diesmal würde sie ihn nicht retten können … vielleicht konnte er sie retten. Er drehte und wendete den Gedanken in seinem Kopf und fand ihn gut. Owen verdankte ihr sein Leben, und Todtsteltzer bezahlten ihre Schulden immer. Auf diese Weise wäre sein Tod wenigstens nicht völlig sinnlos.

Er zwang die verzerrten Gesichter mit ein paar weit ausholenden, waagerechten Hieben zurück und verschaffte sich ein wenig Luft, dann zog er seinen Disruptor. Inzwischen war genügend Zeit vergangen, um den Kristall wieder aufzuladen.

Ein Teil des Mobs wich bereits beim Anblick der Waffe zurück. Owen neigte den Kopf zur Seite und schrie nach Hazel.

Er konnte ihren Rücken spüren, der gegen den seinen stieß und ihm zeigte, daß sie noch lebte und kämpfte, aber er vermochte nicht zu sagen, in welchem Zustand sie sich befand.

»Hazel, ich habe einen Plan!«

»Ich hoffe, es ist ein guter Plan, Todtsteltzer!«

»Ich schieße mit meinem Disruptor eine Gasse durch den Mob. Ihr rennt los, sobald Ihr die Lücke seht. Ich werde den Pöbel ablenken.«

»Bist du verrückt? Ich lass’ dich nicht einfach hier sterben!

Ich hab’ deinen Arsch nicht gerettet, um jetzt einfach davonzulaufen!«

»Hazel, ich kann uns nicht beide gleichzeitig retten. Wenn Ihr nicht rennt, dann werden wir beide sterben. Bitte, laßt mich Euch diesen Dienst erweisen! laßt mich wenigstens Euch retten!«

Eine kurze Pause, dann kehrte ihre Stimme zurück: »Du bist ein tapferer Kerl, Todtsteltzer. Ich wünschte, ich hätte dich schon früher kennengelernt. Mach’s.«