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»Langsam, langsam«, sagte Owen und hob abwehrend die Hände. »Das geht mir alles viel zu schnell. Ich kann gar keine Rebellion anführen. Ich bin nur ein Historiker und kein Kämpfer.«

»Aber er hat recht«, mischte sich Hazel ein, »wenn er sagt, daß wir nicht bis in alle Ewigkeit weglaufen können. Irgendwann werden sie uns finden und töten. Wir sind zu wichtig geworden. Wenn wir selbst auf Nebelwelt nicht mehr sicher sind…?«

»Aber das reicht nicht!« erwiderte Owen. »Eine Rebellion gegen den Thron verstößt gegen alles, an das zu glauben ich erzogen wurde!«

»Nicht gegen den Thron«, korrigierte ihn Hazel. »Gegen die Imperatorin.«

Owen blickte sie an. »Ich dachte, ich hätte diese Unterscheidung bereits gemacht.«

»Ich weiß. Ich habe zugehört«, sagte Hazel und fuhr schnell fort, bevor jemand anderes etwas sagen konnte: »Denk wenigstens darüber nach, Owen. Du hast gesagt, du willst verhindern, daß in Zukunft solche Dinge wie eben mit dem Mädchen geschehen können.«

»Ich muß nachdenken«, erwiderte Owen. »Ihr verlangt zuviel von mir.«

»Die Zeit läuft gegen uns, Todtsteltzer«, sagte Mond. »Ihr müßt Euch rasch entscheiden, oder die Ereignisse werden Euch die Entscheidung aus der Hand nehmen.«

Owen blickte den Hadenmann wütend an. »Was wollt Ihr von mir, Mond?«

»Jetzt im Augenblick? Eine Mitfahrgelegenheit. Ihr besitzt ein Sternenschiff, und ich nicht. Ich möchte, daß Ihr mich zu der verlorenen Welt Haden und meinen wartenden Brüdern mitnehmt.«

Owen hätte alles erwartet, aber nicht das. Die Koordinaten des Planeten Haden waren eines der größten Rätsel des Imperiums. Sie waren gegen Ende der Rebellion verlorengegangen: der letzte, verzweifelte Schachzug der aufgerüsteten Menschen. Und trotz aller verzweifelter Anstrengungen auf Seiten des Imperiums war Haden seit nunmehr beinahe zwei Jahrhunderten von allen Sternenkarten und aus allen Datenbänken verschwunden. Ein Ding der Unmöglichkeit in einem Imperium, das auf Informationen beruhte – aber irgendwie hatten es die aufgerüsteten Hadenmänner (oder ihre Agenten) geschafft, jeden noch so kleinen Hinweis auf die Position des Planeten Haden und seiner Bewohner aus der Imperialen Matrix zu entfernen. Owen war es schwergefallen, diese Tatsache zu akzeptieren – immerhin war er Historiker –, doch nach mehreren Monaten ergebnisloser Recherchen, nachdem er jeder noch so schwachen Spur und jedem noch so vagen Gerücht nachgegangen war, ohne irgend etwas zu erreichen, hatte er sich gezwungen gesehen, seine Niederlage einzugestehen. Haden war verloren, weil seine Bewohner das so gewollt hatten, und dabei würde es auch bleiben. Und so verschwand Haden aus der Geschichte und wechselte hinüber in das Reich der Legenden, ein Alptraum, mit dem man ungehorsame Kinder einschüchterte.

Wenn du nicht artig bist, dann holen dich die Hadenmänner.

Nachdenklich blickte Owen Tobias Mond in die Augen.

»Ihr behauptet, die Koordinaten von Haden zu kennen?«

»Unglücklicherweise nicht, nein, sonst würde ich gewiß nicht mehr auf Nebelwelt festsitzen. Aber die Antwort wartet irgendwo dort draußen, und ich werde sie finden. Und bis dahin biete ich Euch meine Dienste an als Soldat in Eurem Krieg. Besorgt mir ein paar volle Energiekristalle und einen Kyberchirurgen, der sie implantiert, und ich werde ein ausgezeichneter Verbündeter sein. Ist es nicht das, was Ihr braucht?«

»Ich weiß nicht«, entgegnete Owen. »Ich glaube, ich weiß allmählich überhaupt nichts mehr. Selbst wenn es uns gelingen sollte, Haden zu finden – ich weiß nicht, ob ich wirklich das Risiko eingehen kann, mich mit Verrätern an der Menschheit zu verbünden. Mit den Schlächtern von Brahmin II. Den Mördern von Madraguda. Vielleicht gehe ich am Ende als der schlimmste Verräter aller Zeiten in die Geschichte ein.«

»Es spielt keine Rolle, ob Ihr uns wollt«, sagte Mond langsam. »Ihr braucht uns, wenn Eure Rebellion erfolgreich sein soll.«

»Also gut«, willigte Owen ein. »Ihr seid mein Mann, bis ich Euch etwas anderes mitteile. Und jetzt laßt uns von hier verschwinden. Ich bin recht erstaunt, daß wir nicht schon von Kopfgeldjägern umzingelt sind.«

»Denk doch mal ‘ne Minute nach«, sagte Hazel. »Würdest du dich mit jemandem anlegen wollen, der soeben einen Wampyr besiegt und seinen ganzen Anhang von Plasmakindern getötet oder in die Flucht geschlagen hat?«

»Ein gutes Argument, Hazel«, stimmte Owen zu. »Aber wir wollen uns dennoch in Bewegung setzen. Es macht mich nervös, hier herumzustehen.«

»Ich glaube, wir sollten dich als erstes zu einem Arzt bringen«, sagte Hazel. »Du hast eine Menge Prügel einstecken müssen, bevor der Hadenmann dir… aus der Klemme geholfen hat.«

»Ich habe mich schon besser gefühlt«, gestand Owen.

»Aber es geht auch so. Eine der vielen nützlichen Eigenschaften des Todtsteltzer-Talents. Wunden, die mich nicht umbringen, heilen innerhalb recht kurzer Zeit von alleine. Ich werde zwar für einige Zeit ziemlich wacklig auf meinen Beinen stehen, aber Ihr und Tobias Mond seid ja da, um auf mich aufzupassen, nicht wahr?«

Hazel gab keine Antwort. Nach einer Weile wechselte sie das Thema: »Wohin gehen wir?«

»Zum Olympus-Sportpalast, im Uferbezirk. Wo zur Hölle das auch sein mag. Wenn ich schon eine ganze Armee zur Rebellion führen soll, dann will ich wenigstens Jakob Ohnesorg an meiner Seite wissen. Wir werden später nach Eurer Kopfgeldjägerfreundin suchen, Hazel. Immer vorausgesetzt, sie ist uns noch nicht auf den Fersen, um die Belohnung auf unsere Köpfe zu kassieren.«

»Möglich wär’s jedenfalls«, gestand Hazel. »Freundschaft ist eine gute Sache, aber Geld hält sich länger, Also gut, ich kenne den Weg. Folgt mir einfach. Wir bleiben in Seitenstraßen und im Schatten, wo wir nur können. Ich fühle mich allmählich, als hätte mir jemand eine Zielscheibe auf den Rücken gemalt.«

Sie setzte sich mehr oder weniger zuversichtlich in Bewegung, und Owen und Tobias Mond folgten ihr durch den dichten Nebel. Owen trottete über die Straße, die Augen in weite Ferne gerichtet, tief in Gedanken versunken. Die Ereignisse mochten sich vielleicht überschlagen, aber er war noch immer bei klarem Verstand, und er hatte seine Zweifel an der Geschichte, die Tobias Mond ihm präsentiert hatte. Wie groß waren die Chancen, daß ein Hadenmann genau im richtigen Augenblick aus dem Nichts auftauchte und ihm den Hintern rettete? Viel wahrscheinlicher war, daß Mond ihnen schon die ganze Zeit über gefolgt war und auf eine Gelegenheit gewartet hatte, die ihn gut aussehen und ihr Vertrauen gewinnen lassen würde. Aber was machte ihn so wichtig für Mond, wenn es nicht der Preis auf seinen Kopf war? Sicher hätte Mond eine Möglichkeit gefunden, ein anderes Schiff zu nehmen, wenn er vorgehabt hätte, den Planeten zu verlassen. Und für jemanden, der vorgab, die Koordinaten von Haden nicht zu kennen, schien er sich ziemlich sicher, daß er die verlorene Welt in nicht allzu ferner Zukunft finden würde. Owen machte ein mürrisches Gesicht. Und wie paßte das alles in die verschlungenen Intrigen und Pläne seines Vaters, die ihn ja in erster Linie nach Nebelwelt gebracht hatten?

Mehr und mehr gelangte Owen zu der Überzeugung, daß einiges mehr hinter dieser vertrackten Geschichte steckte, als er bis jetzt herausgefunden hatte. Unsichtbare Kräfte führten ihn unmerklich in eine Richtung, die zu vermeiden er sich den größten Teil seines Lebens bemüht hatte. Aber wenn es schon so gekommen war, dann hatte er für die Drahtzieher im Hintergrund noch ein paar unliebsame Überraschungen in petto.