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Sefka spannte erwartungsvoll seine Muskeln, und Owen geriet für einen Augenblick in Versuchung. Aber er war müde, seine Wunden waren noch nicht ganz verheilt, und Sefka war wirklich ein Berg von einem Mann. Andererseits – vielleicht konnte er den Disruptor ziehen, bevor… Sefka schien für seine Masse verdammt schnell zu sein. Hazel würde seinen Tod bestimmt rächen. Owen fand den Gedanken nicht besonders tröstend.

Er dachte noch immer über eine Antwort nach, als sich die Tür der Hausmeisterwohnung öffnete und Ohnesorg in den Gang trat. Er blickte Sefka tief in die Augen und stapfte direkt auf ihn zu. Sein Arm schoß vor, und seine Hand schloß sich mit festem Griff um die Genitalien des Riesen. Ein böses Grinsen erschien auf Ohnesorgs Gesicht, als er langsam den Druck verstärkte. Aus Sefkas Gesicht wich jede Farbe, und der Muskelberg sank langsam in die Knie. Ohnesorgs Knöchel traten weiß hervor, als er ein letztes Mal freundlich zudrückte, und Owens Augen tränten allein vom Zusehen. Dann lockerte der ›Hausmeister‹ seinen Griff, reichte mit der anderen Hand zurück in seine Wohnung und zog seinen Mop hervor. Sefka blickte gerade rechtzeitig wieder hoch, um zu sehen, wie der Holzstiel mit unglaublicher Geschwindigkeit auf ihn zuraste. Wenn der Stiel ein Schwert gewesen wäre, wäre Sefkas Kopf durch den Korridor gerollt. Aber so traf der Stiel nur mit solidem Krachen seine Schläfe, und der gewaltige Mann stürzte wie vom Blitz getroffen zu Boden. Wahrscheinlich bedeutet es sogar eine Erleichterung für ihn, dachte Owen, dem ganz schlecht geworden war. Ohnesorg senkte seinen Wischmop und stützte sich darauf, als wäre es ein Zweihänder.

»Nur für die Akten – ich kündige«, brummte er. Dann warf er den Mop in sein Zimmer und verfehlte nur knapp den Kopf von Tobias Mond, der sich zu ihnen gesellte. Ohnesorg musterte den bewußtlosen Inhaber des Olympus’ mit kaltem Lächeln. Anscheinend fiel es seinem Gesicht nicht schwer, diesen Ausdruck aufzusetzen. »Gutes Gefühl zu wissen, daß ich noch immer zupacken kann« brummte er. »Und jetzt sollten wir von hier verschwinden, bevor jemand nach ihm sucht.

Oder nach uns. Wir können später noch überlegen, was wir als nächstes machen.« Ohnesorg atmete tief durch. »Es geht doch nichts über ein wenig Gewalt, um das Blut in Wallung zu bringen. Ich fühle mich schon beinahe wieder wie ein Mensch. Ihr habt besser gute Gründe, um mich aus meinem Ruhestand zu reißen, Owen Todtsteltzer. Ich war zufrieden, daß ich meine Ruhe hatte. Keine Forderungen, keine Verantwortung, nichts. Ihr habt mich geweckt, und ich werde nicht so leicht wieder einschlafen. Wenn ich noch ein letztes Mal gegen das Imperium ziehen soll, dann muß es das auch wert sein.«

»Bleibt bei uns«, erwiderte Owen. »Ihr werdet alle Aufregung haben, die Ihr Euch nur wünscht – und noch ein gutes Stück mehr. Es heißt jetzt entweder wir oder das Imperium; Tod oder Sieg. Andererseits ist das für Euch wahrscheinlich nichts Neues.«

»Da habt Ihr nicht ganz unrecht«, erwiderte Ohnesorg.

»Nicht ganz jedenfalls.«

Der Nebel auf der Straße vor dem Sportpalast war zu einer undurchdringlichen, feuchtkalten Suppe geworden. Die Welt war grau und still. Eine beliebige Anzahl von Attentätern hätte sich mit Leichtigkeit in den Schatten verstecken und der kleinen Gruppe auflauern können, die eben aus der Tür trat.

Owen blickte sich beunruhigt um. Sein einziger Trost war, daß wer auch immer dort lauern mochte, genauso blind war wie sie selbst. Hazel blickte nach links und rechts. Sie machte ein unglückliches Gesicht.

»Erzählt mir nur nicht, daß Ihr nicht wißt, wo wir hin müssen« brummte Owen. »Das fehlt uns noch.«

»Es ist lange her, daß ich hiergewesen bin« verteidigte sich Hazel. »Und der Nebel ist auch nicht gerade hilfreich. Außerdem bist du doch derjenige mit einem eingebauten Kompaß, oder? Du mußt doch wissen, wo wir sind.«

»Oh, ich weiß genau, wo ich bin«, erwiderte Owen schnippisch. »Ich weiß nur nicht, wo alles andere ist. Wenn es Euch hilft, dann kann ich Euch zeigen, in welcher Richtung Norden liegt.«

»Also gut, folgt mir«, sagte Hazel. »Und haltet euch dicht hinter mir. In dieser Suppe verliert man sich ziemlich leicht, und wir haben nicht die Zeit, auch noch Suchtrupps aufzustellen.«

Sie bewegte sich langsam und vorsichtig vom Sportpalast weg und streckte eine Hand nach hinten aus. Owen folgte ihr auf dem Fuß – im wahrsten Sinne des Wortes, denn er trat ihr beinahe in die Hacken. Ohnesorg folgte Owen, und Mond bildete das Schlußlicht. Während sie weitergingen, schälten sich allmählich zu beiden Seiten die grauen, fleckigen und nichtssagenden Mauern von Häusern aus dem Nebel, die die schmale Gasse säumten. Nirgendwo ein Hinweis, wo sie sich befanden. Das einzige Geräusch war das leise Tappen ihrer Schritte im Schnee. Owen versuchte, dem Ganzen eine positive Seite abzugewinnen.

»Wenn schon nichts anderes, dann ist es für unsere eventuellen Verfolger genauso schlimm wie für uns«, sagte er. »Wir könnten in diesem Wetter haarscharf aneinander vorbeilaufen und würden es nicht einmal merken.«

»Außer, wenn sie leise sind und dir zuhören«, sagte Hazel.

»Oder wenn sie einen Esper dabei haben.«

»Da habt Ihr recht«, sagte Owen. »Warum muntert Ihr mich nicht noch ein wenig mehr auf?« Er warf einen Blick nach hinten auf den Hadenmann. »Wie steht’s mit Euch, Mond?

Sehen Eure erstaunlichen Augen etwas Außergewöhnliches?«

»Nur Nebel und noch mehr Nebel, Todtsteltzer«, erwiderte Mond, doch dann hielt er plötzlich inne und legte den Kopf auf die Seite. Auch die anderen blieben stehen und sahen ihn fragend an.

»Was ist?« fragte Owen schließlich.

»Da draußen ist jemand«, erwiderte der aufgerüstete Mann.

»Ich kann hören, wie Schritte im Schnee knirschen.«

»In welcher Richtung?« schnappte Owen und riß seinen Disruptor hervor. »Gebt mir eine Richtung!«

Plötzlich schälte sich eine große Gestalt aus dem Nebel vor ihm. Er riß die Waffe hoch, aber dann erkannte er die Göttin aus dem Sportpalast und ließ sie wieder sinken. Die hinreißende Frau schlenderte verführerisch lächelnd auf ihn zu und hielt die Hände von sich gestreckt, um zu zeigen, daß sie leer waren. Owen wollte sich eben entspannen, als Mond rief:

»Achtung! Es ist nur ein Hologramm! Jemand verbirgt sich dahinter!« Die Augen des Hadenmanns schienen helle Blitze zu schleudern.

Owen riß erneut die Waffe hoch und feuerte augenblicklich.

Der Strahl ging geradewegs durch das Hologramm hindurch, ohne es zu beschädigen, und dann verschwand die Göttin einfach, als die Wand hinter ihr explodierte. Owen erhaschte einen kurzen Blick auf eine flüchtende Gestalt, die im Nebel verschwand. Dann schlug ein Energiestrahl direkt hinter ihm ein, und er sprang in Deckung. Er rief den anderen eine Warnung zu, und plötzlich war Owen allein im Nebel. Er kauerte an einer Hauswand und machte sich so klein wie möglich. Er wechselte den Disruptor von der rechten in die linke Hand und zog das Schwert. Für die nächsten zwei Minuten war nicht nur sein Disruptor, sondern auch der seines Gegners wertlos. Die Kristalle mußten sich erst regenerieren. Also ging es Stahl auf Stahl. Es sei denn, der Bastard schleppt zwei Pistolen mit sich, dachte Owen. Oder er hat einen Freund mit einer Pistole bei sich. Owen fluchte lautlos vor sich hin und lauschte angestrengt in die Stille. Das Kilogramm war ein verdammt guter Trick gewesen, und beinahe wäre er darauf hereingefallen. Derart ausgeklügelte Technik hatte er auf Nebelwelt nicht erwartet.

Langsam kroch er an der Wand entlang nach vorn, immer auf seine Orientierung bedacht. Seine Stiefel knirschten leise im Schnee, egal wie sehr er sich auch um Lautlosigkeit bemühte, und seine Nackenhaare richteten sich in Erwartung des Energiestrahls oder Schwerthiebes auf, den er wahrscheinlich nicht einmal mehr spüren würde. Er wagte es nicht, den Zorn in sich zu wecken, nicht so kurz nach dem letzten Mal. Und er fühlte sich noch immer verdammt schwach durch die Wunden, die er im letzten Kampf erlitten hatte. Sein Aufenthalt in der Regenerationsmaschine an Bord der Sonnenschreiter hatte die Heilungsprozesse für kurze Zeit stark beschleunigt, aber es gab dennoch Grenzen, und er näherte sich ihnen mit Riesenschritten. Eine kräftige Mütze voll Schlaf und ein paar proteinreiche Mahlzeiten würden wahre Wunder bewirken, doch Owen hatte das vage Gefühl, daß seine Verfolger nicht so lange warten würden. Bastarde! Allmählich schien es ihm, als hätte er seit seiner Ächtung nichts anderes mehr getan, als wegzulaufen und sich zu verstecken, und der Gedanke ließ ihn mit den Zähnen knirschen. Irgend jemand würde dafür bezahlen. Er blickte wütend um sich. Dem Nebel schien es egal zu sein.