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Als er einige Zeit später wieder zum Vorschein kam, fühlte er sich schon ein ganzes Stück besser. Er führte seine neuen Kameraden durch das Schiff und genoß ihre Reaktionen auf den sybaritischen Luxus überall an Bord. Schließlich versammelten sich alle in der Lounge und nahmen in komfortablen Sesseln Platz. Jeder hielt ein Glas mit einem wärmenden Getränk in der Hand. Hazel hatte vorgeschlagen, daß sie sich irgendwo in der Stadt einen Platz zum Rasten suchen sollten, wo sie nicht gestört würden, aber Owen hatte sich rasch dagegen entschieden. Er hatte nicht die Absicht, irgendwo zu schlafen, wo die Flöhe husteten und Wanzen in den Betten wohnten.

»Also gut, Ozymandius«, sagte er leichthin. »Wir hatten jetzt alle genügend Zeit, um uns ein wenig aufzuwärmen.

Heraus mit den schlechten Neuigkeiten. Was ist seit unserer letzten Unterhaltung passiert?«

»Du würdest nicht die Hälfte davon glauben, Owen«, erwiderte die KI. »Praktisch jeder verdammte Einwohner dieses Planeten hat versucht, während deiner Abwesenheit in das Schiff einzubrechen. Sie benutzten alles mögliche. Vom Lektronenvirus bis hin zu Hammer und Meißel. Ich habe versucht, vernünftig mit ihnen zu reden. Ich habe versucht, sie mit Gewalt zu überzeugen. Aber es kamen immer mehr.

Schließlich habe ich den Kontrollturm überreden können, ein großes Kontingent von Wachen an den Eingängen zum Raumhafen zu stationieren, und das half ein wenig. Ach so, bevor ich es vergesse…« Als ob eine KI je etwas vergessen könnte! »… der Diensthabende hat mich gebeten auszurichten, daß er dir ein paar Worte sagen möchte. Zwei, um genau zu sein. Sie lauten: Auf Nimmerwiedersehen. Nebelhafen will, daß wir so schnell wie möglich von hier verschwinden, und wenn wir uns weigern, ziehen sie ihre Esper zusammen und werfen uns in den Raum. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube nicht, daß sie bluffen.«

Owen runzelte de Stirn. »Befinden sich Imperiale Schiffe in der Nähe?«

»Schwer zu sagen, während ich hier unten festhänge.

Jedenfalls ist nichts Offensichtliches auf den Fernsensoren zu erkennen. Aber sie könnten im Orbit eine kleine Flotte hinter ihren Tarnschirmen verstecken, und wir würden es erst bemerken, nachdem sie das Feuer auf uns eröffnet haben. Das nächste Mal, wenn du dir eine Jacht kaufst, dann such dir etwas mit mehr Feuerkraft aus, ja?«

»Beruhige dich, Ozymandius«, sagte Owen. »Du machst dir zu viele Sorgen. Dieses Schiff ist schneller als alles, was die Eiserne Hexe hinter uns herschicken kann.«

»Geschwindigkeit ist nicht alles, Owen. Es dauert seine Zeit, die Berechnungen durchzuführen, die zum Hyperraumsprung erforderlich sind, selbst für jemanden wie mich. Und während dieser Zeit sind wir praktisch eine sitzende Ente, auf die man auch noch eine Zielscheibe gemalt hat.

Wenn du fertig bist, dann würde ich mich gerne mit dir und Jakob Ohnesorg unterhalten.«

Ohnesorg bedachte Owen mit einem fragenden Blick, und Owen zuckte die Schultern. »Ozymandius findet lauter versteckte Dateien in seinen Speichern, die mein Vater ihm eingefüttert hat. Sie tauchen nur nach und nach und immer erst dann auf, wenn es notwendig erscheint. Anscheinend hat Euer Aufenthalt an Bord des Schiffs wieder neue Dateien sichtbar werden lassen.«

»Fang an, Ozymandius«, sagte Ohnesorg und wandte sich an Owen. »Das letzte Mal, daß ich von Eurem Vater hörte, mußte ich Strafporto für die Botschaft zahlen.«

»Jaaah«, erwiderte Owen gedehnt. »Das klingt ganz nach Papa.«

Und dann stand sein Vater plötzlich vor ihnen in der Lounge der Sonnenschreiter. Lebensgroß und doppelt so dreist. Beim Anblick des Hologramms schloß sich eine kalte Hand um Owens Herz. Sein Vater sah ganz genauso aus wie beim letzen Mal, als er ihn lebend gesehen hatte, nur vierundzwanzig Stunden bevor man ihn auf der Straße als Verräter am Imperium gemeuchelt hatte. Owen wurde bewußt, daß er sich nie von ihm hatte verabschieden können, und er wunderte sich, warum diese Tatsache plötzlich so viel Bedeutung gewann. Der alte Todtsteltzer machte einen angegriffenen und besorgten Eindruck, aber seine Stimme klang fest und höflich wie immer.

»Hallo Jakob! Ist schon eine Weile her, was? Wenn Ihr dies hier seht, bin ich bereits tot, und der junge Owen hat sich auf die Suche nach Euch gemacht. Achtet mir gut auf ihn. Er ist mutig, aber kein Krieger. Verbringt seine ganze Zeit damit, über Büchern und Geschichten zu brüten. Fragt mich nicht, von wem er das hat. Nicht ganz das, was ich für meinen Sohn und Erben im Sinn hatte, aber ich hoffe, daß ihn die Distanz zu mir wenigstens schützt, wenn die Dinge schieflaufen. Ich würde gerne glauben, daß alles am Ende zu etwas gut war.

Jakob, laßt unsere Sache nicht fallen, nur weil ich tot bin.

Kämpft weiter. Ich will nicht umsonst gestorben sein.

Owen, mein Sohn. Wenn alles nach Plan verlaufen ist, dann befindest du dich im Besitz des Todtsteltzer-Rings. Achte gut auf ihn. In ihm sind die Koordinaten des Planeten Shandrakor verborgen, wohin der Erste Todtsteltzer, der Gründer unseres Clans, vor vielen Jahrhunderten fliehen mußte, als er am Hof in Ungnade gefallen war. Lerne nun das große Geheimnis unserer Familie, mein Sohn: Er ist nicht tot. Der Erste Todtsteltzer liegt in seiner Fluchtburg auf Shandrakor in einem Stasisfeld, und dort befindet sich auch eine große Waffenkammer, in der uralte und verbotene Waffen lagern. Du mußt nach Shandrakor gehen und ihn wecken. Er weiß viele geheime Dinge, einschließlich des Orts, an dem der

Dunkelwüsten-Projektor verborgen ist. Mit dieser Waffe, die seit vielen Jahrhunderten verschollen ist, werden deine Kräfte allem ebenbürtig sein, was das Imperium gegen dich aufzubieten vermag.

In meinem Ring verborgen findest du auch die Koordinaten der verlorenen Welt Haden, der Heimat der aufgerüsteten Krieger. In der Gruft von Haden findest du eine ganze Armee von ihnen. Sie liegen in Stasis und warten darauf, erweckt zu werden. Unsere Familie hat in der Vergangenheit Geschäfte mit ihnen gemacht, und sie schulden uns etwas. Sie werden deinen Namen respektieren und an deiner Seite kämpfen. Wie weit du ihnen vertraust, liegt an dir.

Es tut mir leid, daß ich dir all das aufbürden mußte, mein Sohn. Es war nie beabsichtigt, daß du eines Tages eine solche Last tragen solltest. Aber mir scheint, wir haben einen Verräter in unserer Mitte. Einer nach dem anderen wurden alle Schlüsselfiguren in unserer geplanten Rebellion enttarnt und getötet. Ich kann nur annehmen, daß auch meine Zeit bald gekommen ist. Ich habe die KI mit allem beladen, von dem ich glaube, es könnte dir vielleicht nützlich sein, und die Dateien so tief in ihr versteckt, wie es nur möglich war. Dies ist meine letzte Botschaft; es wird keine weitere geben. Du bist jetzt auf dich alleine gestellt, Owen, mein Sohn. Ich wünschte… ich wünschte, wir hätten mehr miteinander geredet. Ich weiß, daß du meine Intrigen nie gutgeheißen hast, oder unsere Sache, aber ich hoffe, du hast in der Zwischenzeit erkannt, warum es so wichtig für mich war. Ich hoffe, du hast unsere Sache inzwischen zu deiner eigenen gemacht. Sei stark, mein Sohn. Tu, was du tun mußt.

Ich war kein wirklich schlechter Vater, oder? Ich weiß, daß ich nicht so oft für dich da war, wie ich eigentlich hätte da sein sollen, doch es gab immer so viele dringende Angelegenheiten zu erledigen. Denke nie, ich hätte dich nicht geliebt. Du kannst Jakob Ohnesorg vertrauen. Er ist ein guter Mann. Ich denke dauernd, daß ich noch etwas sagen müßte, aber mir fällt nichts mehr ein. Lebewohl, Owen. Lebewohl.«

Das Hologramm schaltete sich ab, und Owens Vater verschwand. Lange Zeit herrschte Schweigen in der Lounge der Sonnenschreiter. Jakob Ohnesorg seufzte schwer.