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»Noch ein Kamerad, der nicht mehr bei uns ist. Ich hätte nie für möglich gehalten, daß ich so viele gute Freunde überleben würde.«

»Bist du in Ordnung, Owen?« fragte Hazel.

»Ja ja. Mir fehlt nichts. Er tut es noch immer. Er versucht noch immer, mir mein Leben vorzuschreiben.« Owen versuchte, wütend auf seinen Vater zu sein, aber zum ersten Mal in seinem Leben wollte es ihm nicht gelingen. »Es macht mich ganz verrückt, daß mir wirklich keine andere Wahl bleibt, als seinen Plänen zu folgen und seine kostbare Sache aufzunehmen, ob ich daran glaube oder nicht. Allein schon um zu überleben. Er zieht immer noch die Fäden, selbst nach seinem Tod.«

»Ich dachte immer, der Erste Todtsteltzer sei tot«, sagte Hazel. »Ich meine, ich habe auf Golgatha das Holo seiner Gruft gesehen.«

Owen nickte geistesabwesend. »Die Geschichte besagt, daß er gejagt und gestellt wurde und daß die Schattenmänner ihn schließlich vor neunhundertdreiundvierzig Jahren getötet haben. Vierhundert Jahre später wurde seine Unschuld festgestellt, und er wurde rehabilitiert. Sie haben ihm sogar ein Denkmal errichtet. Ich frage mich, wessen Körper sie in die Gruft gelegt haben…

Nun, jedenfalls haben wir jetzt wenigstens eine Wahl, wohin wir als nächstes gehen, oder? Nach Shandrakor, um meinen Urahnen zu suchen, oder nach Haden, um eine Armee aufzuwecken.«

Tobias Mond fixierte Owen mit seinen beunruhigenden goldenen Augen. »Ich warte seit langer Zeit darauf, wieder bei meinem Volk zu sein.«

»Nun, Ihr werdet wohl noch etwas länger warten müssen«, sagte Ohnesorg. »Wenn es auf Shandrakor wirklich eine geheime Waffenkammer gibt, dann müssen wir zuerst dorthin.

Ganz besonders, wenn der Dunkelwüsten-Projektor dort verborgen liegt.«

»Das hier ist immer noch mein Schiff«, sagte Owen. »Ich entscheide, wohin wir fliegen.«

»Dann fang mal an, Todtsteltzer«, brummte Ruby Reise, die während der ganzen Zeit mit einem bösartig aussehenden Dolch ihre Fingernägel bearbeitet hatte. »Eine Menge Leute suchen nach dir, und ich schätze, wir sollten besser nicht mehr hiersein, wenn sie eintreffen.«

»Da hat sie recht«, stimmte Hazel zu.

Owen nickte. »Wir gehen nach Shandrakor. Wenn mein werter Vorfahre dort ist, dann kann er zusammen mit Jakob die Rebellion übernehmen, und vielleicht kann ich mich dann aus dem Geschehen zurückziehen und endlich wieder Ruhe finden. Oz, fahr die Maschinen hoch. Wir starten.«

»Jawohl, Owen. Ich habe eine neue Nachricht vom Kontrollturm.«

»Stell sie durch.«

»Sonnenschreiter, hier spricht die Sicherheitsbehörde von Nebelhafen«, meldete sich eine barsche Stimme. »Ihr habt keine Starterlaubnis. Ich wiederhole, keine Starterlaubnis.

Schaltet Eure Maschinen ab; unsere Leute werden in Kürze an Bord kommen.«

»Da würde ich aber kein Geld drauf verwetten« brummte Owen. »Oz, wie weit sind wir?«

»Sag nur das Wort, Owen.«

»Dann los.«

Die KI unterbrach mitten im Gespräch die Verbindung zum Kontrollturm, und die Sonnenschreiter sprang förmlich von der Landeplattform in den Himmel. Rasch nahmen ein paar Schiffe die Verfolgung auf, aber sie hatten keine Chance, die Sonnenschreiter einzuholen. Owens Schiff schoß durch die Atmosphäre und begab sich in einen Orbit, bereit, jederzeit in den Hyperraum zu springen. Und genau in diesem Augenblick liefen die Dinge erst richtig aus dem Ruder.

»Ah, Owen«, meldete sich Ozymandius. »Wir haben ein Problem. Zwei Imperiale Sternenkreuzer haben Kurs auf uns genommen. Sie scheinen bereits im Orbit auf uns gewartet zu haben. Sie eröffnen das Feuer! «

»Schilde hoch!« gellte Owens Stimme durch die Lounge.

»Ich dachte, wir hätten diese Bastarde auf Virimonde abgehängt! Was zur Hölle tun sie hier?«

»Aus allen Rohren auf uns feuern«, erwiderte Ozymandius leidenschaftslos. »Die Schilde halten noch, aber ich weiß nicht, für wie lange. Sie sind nicht dazu geschaffen, soviel auszuhalten.«

»Zwei Sternenkreuzer?« fragte Jakob Ohnesorg ungläubig.

»Zwei verdammte Sternenkreuzer?«

»Sie müssen es wirklich verdammt ernst auf deinen aristokratischen Arsch abgesehen haben«, sagte Ruby Reise. »Hat dieser Schrotthaufen eine Bewaffnung?«

»Jedenfalls nichts, um einen Sternenkreuzer aufzuhalten«, antwortete Owen. »Oz, leite den Sprung ein. Jetzt!«

»Ich fürchte, das ist unmöglich, Owen. Ich arbeite noch immer an den exakten Raumkoordinaten. Wenn wir zu früh springen, ohne daß alle Berechnungen bis auf die letzte Stelle hinter dem Komma stimmen, könnten wir am Ende in einer Sonne rematerialisieren. Oder etwas ähnlich Unangenehmes.

Gerade sind die Backbordschilde zusammengebrochen. Alles festhalten!«

Das Schiff schüttelte sich heftig, und die Alarmsirenen heulten los. Immer und immer wieder bäumte die Sonnenschreiter sich unter den schweren Treffern der beiden Sternenkreuzer auf, und Rauch zog durch die Lounge. Flaschen fielen aus ihren Halterungen in der Bar und zerschellten am Boden.

Owen klammerte sich an einen Griff in der Wand und überlegte krampfhaft, was er als nächstes unternehmen sollte. In der Nähe – viel zu nah! – vernahm er das krachende Knistern eines ausbrechenden Feuers.

»Oz, Statusbericht!«

»Sieht schlecht aus, und es wird jeden Augenblick schlimmer. Die Hälfte unserer Schilde ist unten, die äußere Hülle ist an siebzehn Punkten durchbrochen, die innere an drei. Wir verlieren rasch Luft.«

»Können wir ihnen nicht davonfliegen?«

»Wenn du sie ärgern willst? Halte durch, Owen. Noch ein paar Minuten, und wir können springen.«

»Wir haben keine paar Minuten mehr! Spring jetzt! Sofort!«

»Ich kann wirklich nicht dazu raten, Owen. Wenn wir augenblicklich springen, kann ich nicht für eine sichere Ankunft garantieren.«

»Spring endlich! Auf der Stelle! Das ist ein verdammter Befehl! «

»Jawohl, Owen. Aber ich lehne jede Verantwortung ab. Also auf nach Shandrakor! Tod oder Sieg!«

Die Beleuchtung flackerte und erlosch. Rauch füllte die Lounge. Das Schiff machte einen Satz zur Seite, als der Bug in einer hallenden Explosion auseinanderflog… und dann war die Sonnenschreiter verschwunden. In den Hyperraum entkommen, auf der Flucht und auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft.

KAPITEL SECHS

UNTER DER ASCHE DIE STADT

Johan Schwejksam, durch Gnade und Vergnügen Ihrer Majestät, der Imperatorin Löwenstein XIV., aufs neue Kommandant eines Sternenkreuzers der Imperialen Flotte, saß steif in seinem Kommandositz auf der Brücke der Unerschrocken und versuchte vergeblich, eine bequeme Haltung einzunehmen.

Nicht, daß mit dem Sitz etwas nicht gestimmt hätte – er war einfach noch zu neu, wie alles andere an Bord auch. Er gab noch nicht an den richtigen Stellen nach, und er erlaubte Schwejksam nicht seine gewohnten Gesten, wie der Sitz an Bord der guten alten Sturmwind. Er war wie der Rest des Schiffs vergangen, verglüht beim Absturz in die Atmosphäre des Planeten Virimonde. Die Sturmwind war viele Jahre lang sein Schiff gewesen, und zwar ein verdammt gutes. Schwejksam seufzte leise. Hier saß er nun, mit einem neuen Schiff unter seinem Kommando und einer zweiten Chance, auf die er keinen Anspruch gehabt und die er nicht erwartet hatte, und er hatte nichts anderes im Sinn, als zu nörgeln. Nun, dachte Schwejksam, wie ich immer sage; jeder soll tun, was er am besten kann.

Aber trotz allem mußte er zugeben, daß die Unerschrocken ein ganz besonderes Schiff war. Selbst wenn sie frisch aus der Werft kam, überall funkelte und blitzte und noch vollkommen unerprobt war. Wenn sie auch nur die Hälfte von dem hielt, was die Ingenieure versprochen hatten, dann wäre sie mit Abstand das schnellste und am besten bewaffnete Schiff der gesamten Imperialen Flotte und ein wahres Wunder der Galaxis.