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Jetzt empfand er sogar so etwas wie Dankbarkeit für die Blockade. Nicht, daß die Schiffe ihm Rückendeckung gegeben hätten – selbst dann nicht, wenn die Dinge ein zweites Mal in einer Katastrophe enden sollten –, aber sie würden sicherstellen, daß keine der fremdartigen Kreaturen jemals den Planeten verlassen könnte, ganz gleich, was dort unten geschah. Selbst, wenn sie Grendel erneut würden sengen müssen. Schwejksam erschauerte kurz und verdrängte auch diesen Gedanken wieder. Die wichtigen Dinge zuerst: Überprüfung, ob die Quarantäne noch aufrechterhalten wird, für den Bericht. Er ließ das Flaggschiff der Quarantäneflotte durch seinen Komm-Offizier rufen, und die kalten, bedächtigen Gesichtszüge von Kapitän Bartek an Bord der Herausforderung füllten den Schirm. Bartek, der Schlächter. Er hatte das Kommando beim Sengen von drei Planeten geführt – und bei der Niederschlagung von einem Dutzend Rebellionen, wobei ihm jedes Mittel recht gewesen war. Ein persönlicher Liebling der Eisernen Hexe und genau der richtige Mann, um eine Quarantäne wie diese durchzusetzen. Versuch nur, Bartek zu bestechen, und du kannst deine Eier im All suchen.

Schwejksam nickte dem anderen höflich zu.

»Letzter Kontakt, bevor wir zur Landung ansetzen, Kapitän Bartek. Ich möchte nur sichergehen, daß alles in Ordnung ist.

Für den Bericht.«

Bartek rümpfte die Nase und fixierte Schwejksam mit kaltem, unbeirrbarem Blick. »Also gut, für Euren Bericht, Kapitän: Die Quarantäne besteht noch immer. Keine Verstöße.

Kein Schiff hat seit Beginn dieser Operation einen Landeversuch überlebt, und auf dem Planeten selbst gab es keinerlei Hinweise auf Aktivitäten seitens fremder Lebensformen.

Meine Befehle lauten, mich bereit zu halten und zu beobachten, wie Eure Leute in den Pinassen nach unten gehen. Sie werden unten von Bord gehen, und die Pinassen kehren augenblicklich zur Unerschrocken zurück, wo sie von meinen Leuten einer gründlichen Inspektion unterzogen werden. Also, wenn Ihr oder Eure Leute dort unten etwas auslöst, das Ihr nicht unter Kontrolle halten könnt, Kapitän Schwejksam, dann hat es keinen Sinn, von der Oberfläche fliehen zu wollen.

Versteht mich richtig, Kapitän Schwejksam. Ihr seid mitsamt all Euren Leuten vollkommen entbehrlich. Man hat mir ausdrücklich den Befehl erteilt, daß ich Euch unter gar keinen Umständen in irgendeiner Weise zu Hilfe kommen darf, wenn Ihr erst auf Grendel gelandet seid. Was auch immer dort unten geschehen mag – wenn Ihr erst gelandet seid, seid Ihr auf Euch allein gestellt. Und für den schlimmsten aller denkbaren Fälle bin ich angewiesen, die Unerschrocken ohne Zögern zu zerstören, wenn auch nur das leiseste Risiko einer Kontamination besteht. Habe ich mich klar ausgedrückt, Kapitän Schwejksam?«

»Äußerst klar, Kapitän Bartek«, erwiderte Schwejksam gelassen. »Ich habe die Aufzeichnungen der ersten Kontaktgruppe gesehen. Geht keinerlei Risiko ein, Bartek. Johan Schwejksam Ende.«

Er spürte mehr als er hörte, wie Frost sich hinter ihm rührte, während Barteks Gesicht vom Bildschirm verschwand und dem Anblick von Grendels enigmatischer Oberfläche wich.

Schwejksam drehte den Kopf und blickte den Investigator an.

»Gibt es ein Problem, Investigator?«

Frost schnaubte. »Ich denke, er ist zu heiß. Er hat noch nie etwas anderes getan, als aus sicherem Abstand Befehle zu erteilen. Er hat noch nie in seinem Leben selbst an einem Kampf teilgenommen. Er hat noch nie einen Gegner mit den eigenen Händen getötet. Liebling der Akademie, aber ohne Saft und Kraft. Wirklich.«

»Nichts, um das Ihr Euch sorgen müßtet, Investigator. Wir waren schon häufiger in brenzligen Situationen und hatten keinerlei Rückendeckung.«

»Aber da mußten wir uns wenigstens keine Gedanken machen, von unseren eigenen Leuten in den Rücken geschossen zu werden.« Sie warf einen schnellen, mißbilligenden Blick zu dem Sicherheitsoffizier, der an der Sensorkonsole stand und schweigend die jüngsten Analysen der Fernsensoren studierte. »Selbst auf unserem eigenen Schiff sind wir nicht sicher. K. Stelmach. Ich frage mich, wofür das K. steht. Kalfaktor? Kain? Kehricht?… Kolporteur?«

»Wahrscheinlich alles zusammen«, erwiderte Schwejksam leise. »Außerdem könntet Ihr jederzeit in der Schiffsdatenbank nachsehen.«

»Hab ich bereits versucht. Er hat es mit einem persönlichen Sicherheitscode geschützt. Muß ja wirklich ziemlich peinlich sein.«

»Ignoriert ihn einfach, Frost. Wir erledigen unsere Aufgaben genau wie immer. Ich hoffe nur, daß wir diesmal mehr Glück haben. Grendel sieht ganz danach aus, als könnte der Planet uns eine verdammt unangenehme Überraschung bereiten. Eine Schande, daß es keine Überlebenden des ersten Kontaktteams gibt. Ich hätte zu gerne ein paar Eindrücke aus erster Hand, was uns dort unten erwartet.«

»Es gab einen Überlebenden«, erwiderte Frost. »Den Investigator. Sie hat in ihrer Aufgabe versagt, die Gefahren rechtzeitig zu erkennen.«

»Hätte ich wissen müssen, daß ein Investigator überlebt, wenn überhaupt jemand. Was geschah mit ihr?«

»Sie wurde auf eine Höllenweit verbannt.«

»Wo sie verdammt niemandem nützt. Wirklich typisch.

Trotzdem. Ich bin überrascht, daß man sie nicht exekutiert hat.«

»Die Höllenwelt wird das besorgen.«

Schwejksam entschied, das Thema nicht weiterzuverfolgen.

Frost war eindeutig empfindlich, was ihre Kollegin anging.

Sie waren angeblich alle vollkommen, verläßlich, unüberwindlich. Jedenfalls stand das in der Beschreibung ihres Berufsbildes. Genau wie ein Schiffskommandant immer wissen mußte, was das beste für Schiff und Mannschaft war…

Schwejksam grinste sarkastisch und lehnte sich in seinem Sitz zurück. Zeit, daß die Schau begann. Zuerst würde er aus sicherer Entfernung einen genauen Blick auf den Landeplatz werfen. Die Entscheidung, wo sie landen würden, war bereits gefallen, und ferngesteuerte Einheiten waren damit beschäftigt, sichere Landeplattformen zu errichten. Schwejksam brachte die entsprechende Ansicht auf seinen kleinen Schirm und betrachtete nachdenklich das Bild. Grendel besaß keine festen Landmassen mehr. Nur Asche. Schwejksam hatte diesen Platz ausgesucht, weil eines der wenigen Dinge, die seine Sensoren ihm übereinstimmend verraten hatten, ein darunter liegendes Gewölbe in einer Tiefe von etwas mehr als eineinhalb Kilometern war. Es schien ihm der einfachste Weg, um dorthin zu gelangen. Ferngesteuerte Ausgrabungsmaschinen waren bereits dabei, einen Tunnel durch die Asche nach unten zu graben.

Doch das Gewölbe war nicht das einzige, was die Sensoren dort unten gefunden hatten. Es war kilometerweit in alle Richtungen von einer riesigen Stadt umgeben, beziehungsweise von ihren Überresten. An der Oberfläche war keine Spur der verlassenen Städte mehr zu finden. Das Sengen hatte nichts als einen einzigen, endlosen Ozean aus Asche zurückgelassen, der sich von Pol zu Pol erstreckte. Aber unter der Asche, wie durch ein Wunder von all der Zerstörung vollkommen unberührt, lagen die Überreste einer fremden Zivilisation. Auch das erste Kontaktteam war durch eine unterirdische Stadt gekommen, um zu seinem Gewölbe zu gelangen. Die Erfahrung hätte sie fast alle in den Wahnsinn getrieben. Die Stadt hatte etwas an sich gehabt, das der menschliche Verstand kaum ertragen konnte.

Die Sensoren verrieten nicht viel über die Stadt unter der Erde, außer daß es sie gab und daß sie vollkommen verlassen war. Und genau in der Mitte der ausgedehnten Fläche lag der Eingang zum Gewölbe der Schläfer. Das Gewölbe: ein gewaltiges, stählernes Grab von der Größe eines Berges. Nur daß das, was in diesem Grab schlief, sehr leicht aufwachte.