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»Wir können ihnen nicht vertrauen«, meldete sich Frost hinter ihm. »Sie sind nicht menschlich.«

»Genau das gleiche sagen andere bereits seit vielen Jahren über die Investigatoren«, erwiderte Schwejksam ruhig.

»Wampyre sind in bestimmten Situationen nützliche Werkzeuge, und sie tun aus den gleichen Gründen ihre Pflicht wie Ihr oder ich, Investigator Frost: nur hundertprozentiges Engagement wird uns lebendig wieder von Grendel wegbringen.

Überlaßt mir die Sorge um die Wampyre. Ich möchte, daß Ihr Euch ganz auf die Schläfer konzentriert, Frost.«

Frost zuckte die Schultern. »Zeigt mir einen, und ich konzentriere mich auf ihn. Ihr sagt dauernd wir. Seid Ihr noch immer fest entschlossen, mit uns zu landen?«

»Ja. Wenn wir das Gewölbe aufbrechen, werden rasche Entscheidungen vonnöten sein, und ich plane nicht, sie Stelmach zu überlassen.«

»Ihr sprecht schon wieder von mir?« mischte sich Stelmach ein. Er war lautlos auf der anderen Seite des Kommandositzes, gegenüber Frost, aufgetaucht. Schwejksam riß sich zusammen. Er würde Stelmach nicht die Befriedigung geben, sich seinen Schreck anmerken zu lassen.

»Ich habe eben gesagt, daß wir vielleicht besser einen letzten Blick auf die Aufzeichnungen der ersten Kontaktgruppe werfen. Ein ekelerregender Anblick, aber notwendig. Auch die kleinste Kleinigkeit, die wir von ihnen erfahren, könnte am Ende über Leben und Tod entscheiden. Es besteht immer die Chance, daß uns etwas Neues auffällt. Etwas, das uns nützen könnte.«

Stelmach nickte ausdruckslos, und zu dritt blickten sie auf die Bilder, die auf dem kleinen Schirm vor Schwejksams Kommandantensitz erschienen, nachdem der Kapitän seinen Zugangscode eingegeben hatte. Die meisten Aufnahmen hatten sich bei der Auswertung als unbrauchbar erwiesen. Alles war scheinbar in Ordnung, bis die Gruppe in die unterirdische Stadt eingedrungen war. Allein die Nähe der fremden Technologien schien die Kameras empfindlich in ihrer Funktion gestört zu haben. Sie hatten begonnen, sich scheinbar willkürlich ein- und auszuschalten, so daß später nur noch eine sich ständig ändernde Montage von Menschen, Szenen und Ereignissen auf dem Film zu erkennen gewesen war. Und selbst davon war noch das meiste verschwommen oder unscharf gewesen – als wäre alles so schnell gegangen, daß die Kameras keine Zeit mehr gehabt hätten zu fokussieren. Die rechnergestützte Nachbearbeitung mit Hilfe der Lektronen hatte daran nicht viel ändern können. Der größte Teil dessen, was die Filme zeigten, war so fremdartig, so unbegreiflich, so anders, daß die Lektronen keinerlei Daten in ihren Speichern gefunden hatten, anhand derer sie Vergleiche hätten anstellen können. Schwejksam konnte sich nicht entschließen, deswegen traurig zu sein. Er hatte das unbestimmte Gefühl, daß das gesamte Filmmaterial, intakt und ausreichend scharf rekonstruiert, ausgereicht hätte, ihm graue Haare wachsen zu lassen.

Die Aufzeichnungen bestanden größtenteils aus kurzen Eindrücken und Momentaufnahmen. Es begann mit schnellen Einstellungen, die die fremdartige Umgebung zeigten, dunkel und beunruhigend. Die großen Strukturen waren nicht beleuchtet, und fremdartige Schatten bewegten sich über ihre glatten Oberflächen wie treibende Gedanken, während die Kontaktgruppe sich vorantastete. Die Strukturen schienen nicht einfach nur Gebäude zu sein. Alle möglichen Arten fremdartiger Maschinerie umhüllten sie wie schlafende Schlangen, ragten aus fensterähnlichen Öffnungen oder aus den Wänden wie Tumorgeschwüre. Wahre Alpträume aus verdrehten, schimmernden Materialien, die beinahe aussahen, als wären sie lebendig. Es gab Maschinen, die zu atmen schienen, und spiralförmige Röhren, die vor Schweiß glitzerten. Merkwürdige, reglose Figuren mit blicklosen Augen und Dinge, die sich zu bewegen schienen, bis man näher kam. Die Kontaktgruppe bewegte sich zwischen den massiven Bauwerken hindurch wie eine Horde Ratten, die man in einem Labyrinth ausgesetzt hatte, aus dem es kein Entrinnen gab, und ihre Unterhaltungen klangen immer abgehackter und hysterischer aus den Lautsprechern.

Die Scheinwerfer der Landetruppe glitten über die sich stetig ändernde Szenerie wie die Blitze eines schweren Gewitters, bis sie schließlich zu den gewaltigen stählernen Toren des Gewölbes der Schläfer kamen. Nach den Rekonstruktionen der Lektronen waren die Tore beinahe acht Meter hoch und vier breit; große, glatte Platten aus einem schimmernden Material ohne irgendeine Spur eines Schließmechanismus.

Die Kontaktgruppe versuchte eine Weile erfolglos, die schweren Portale zu öffnen, bevor der Anführer am Ende die Geduld verlor und sie einfach mit einer schweren, tragbaren Disruptorkanone in die Luft jagen ließ. Die Tore flogen zurück, Licht flammte im Innern des Gewölbes auf, und die Schläfer strömten hinaus.

Überall flammte Disruptorfeuer auf, doch die Fremden schienen von allen Seiten zugleich zu kommen, gewaltige Kreaturen, drei Meter groß, in silbern schimmernde Panzer gehüllt, die irgendwie ein Teil ihres Körpers zu sein schienen.

Mäuler, die vor stählernen Zähnen blitzten, weit aufgerissen, scheinbar grinsend. Blut spritzte und tropfte von ihren Kiefern.

Die Marineinfanteristen wehrten sich verzweifelt. Disruptorstrahlen flammten auf. Schwerter wirbelten. Schreie, Rufe.

Die Fremden wüteten mitten unter ihnen, trotz ihrer enormen Größe beinahe zu schnell, um mit dem bloßen Augen gesehen zu werden.

Eine klauenbewehrte Hand fetzte einen menschlichen Kopf von seinem Rumpf, der noch einige Schritte weiterrannte, bevor er zusammenbrach. Ein anderes Ungeheuer riß einem Soldaten durch seinen Kampfpanzer hindurch die Eingeweide aus dem Bauch und steckte seinen Kopf in die so entstandene Höhle. Blut spritzte durch die Luft, zuckende Lichter von Disruptor-Entladungen, Schreie des Entsetzens und des Schmerzes.

Ein Gesicht füllte den Schirm, bettelnd, flehend, und wurde weggerissen. Eine der Kreaturen posierte für einen Augenblick vor der Kamera, eingewickelt in menschliche Eingeweide. Ein Soldat schob einem der Fremden seinen Disruptor in den Mund und feuerte. Der Kopf des Wesens explodierte.

Eine zweite Kreatur stieß ihre klauenbewehrte Hand von hinten in den Rücken des Soldaten, und sie kam aus seiner Brust wieder hervor. Der gepanzerte Fremde wedelte mit dem sterbenden Körper wie mit einer Trophäe. Die Kreaturen liefen an den Wänden entlang und über die Decke wie ein riesiger Schwarm unmöglich großer Insekten.

Die letzten Soldaten starben. Die Kreaturen stampften an den zerfetzten Leichnamen vorbei und verschwanden in Richtung der Planetenoberfläche. Der Schirm zeigte, wie das Licht langsam verlosch, und dann sah man nur noch Dunkelheit.

Die Aufzeichnung endete.

Schwejksam betrachtete den leeren Schirm für einen Augenblick, dann beugte er sich vor und schaltete ab. Die Aufzeichnungen verloren nichts von ihrer beklemmenden Atmosphäre, egal wie oft er sie betrachtete. Die Männer, die die Aufnahmen gemacht hatten, waren alle tot. Das Filmmaterial war von den Schiffslektronen gespeichert worden. Schwejksam konnte es noch immer kaum glauben, daß diese Fremden das Kontaktteam so mühelos abgeschlachtet hatten. Aber er hatte gesehen, wie Schwerter an den Panzern der Fremden zersplitterten, wie Disruptorstrahlen abprallten und scheinbar keinerlei Schäden anrichteten. Allmählich begann er sich zu fragen, ob irgend etwas die Fremden aufhalten könnte. Außer einem weiteren Sengen.

Und ausgerechnet diese Kreaturen wollte die Imperatorin zu ihren neuen Stoßtruppen machen, und er, Johan Schwejksam, sollte sie zu diesem Zweck einfangen.

»Ich denke nicht, daß wir den Truppen diese Aufnahmen zeigen sollten«, sagte Stelmach. »Es würde sie nur nervös machen.«

»Sie haben sie bereits gesehen«, erwiderte Schwejksam.

»Nach meiner Erfahrung halten informierte Soldaten länger durch.«

»Dann werde ich mit Eurer Erlaubnis alles für die Landeoperation vorbereiten, Kapitän«, sagte Stelmach. »Ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen.«