Выбрать главу

»Im Augenblick scheint alles sicher zu sein. Die Bewegungsmelder schweigen, aber die Fernsensoren sind ausgefallen. Wir sollten uns allmählich mit dem Gedanken vertraut machen, daß der Einfluß der Stadt möglicherweise unsere gesamte Technologie außer Betrieb setzt. Keine Disruptoren, keine Schutzschilde, nichts. Am Ende stehen wir Mann gegen Mann den Schläfern gegenüber und halten nichts in den Händen außer unseren Schwertern und unseren bösen Absichten.

Ich will gar nicht daran denken, was geschieht, wenn die Atemgeräte ausfallen. Sicher, wir hätten noch immer die Wampyre. Sie sind auch unbewaffnet ziemlich tödlich, und ihre Stärke und Schnelligkeit beruhen nicht auf Technologie.

Vielleicht wußten unsere Vorgesetzten ja doch, was sie taten, als sie darauf bestanden, daß wir Wampyre in unser Team aufnehmen. Wie halten sich die Esper?«

»Schwer zu sagen. Sie reagieren ziemlich unterschiedlich, aber das scheint völlig normal zu sein. Ich vertraue darauf, daß die ESP-Blocker das Schlimmste abhalten. Wir wollen die Truppe in Bewegung setzen, Investigator. Je weniger Zeit wir hier unten verbringen, desto besser.«

»Ihr seid ein Spielverderber, Kapitän«, erwiderte Frost. »Ihr gönnt einem auch nicht das kleinste Vergnügen.«

Die Marineinfanteristen übernahmen die Spitze, die Waffen feuerbereit, die Helmscheinwerfer eingeschaltet. Die Kameras auf ihren Schultern arbeiteten noch, obwohl sie ihre Bilder nicht zur Unerschrocken übertragen konnten. Die einzige Möglichkeit, daß eine Aufzeichnung dieser Expedition überleben würde, bestand darin, daß jemand mit ihnen an die Oberfläche zurückkehrte. Frost hielt sich mit leuchtenden Augen vorn bei den Infanteristen auf, als wartete sie nur darauf, daß jemand dumm genug sein könnte, einen Angriff zu starten. Als nächste Gruppe folgte Schwejksam mit den Espern, wenn auch nur deshalb, weil er sie im Auge behalten wollte.

Die Esper ignorierten ihre Umgebung völlig und trotteten mit hängenden Köpfen hinter der ersten Gruppe her. Schwejksam konnte nicht sagen, ob es an der bedrohlichen Atmosphäre der Stadt selbst oder am Einfluß der ESP-Blocker lag. Den Schluß bildete Stelmach mit seinen Wampyren. Die Stadt schien ihnen überhaupt nichts anhaben zu können, doch wahrscheinlich lag es daran, daß sie bereits einmal gestorben und wieder zum Leben erweckt worden waren. Ihnen konnte so schnell nichts und niemand Angst einflößen. Zwei der Wampyre schleppten ein großes Ausrüstungsteil mit sich, über dessen Natur man Schwejksam im unklaren gelassen hatte. Auf seine Nachfrage hin hatte man ihm nur einen kalten Blick geschenkt und erwidert, daß es ihn nichts anginge. Offensichtlich handelte es sich um eine Art Geheimwaffe, die Stelmach ausprobieren sollte, wenn sich eine Gelegenheit dazu bot. Nur ein weiteres Geheimnis, das man Schwejksam vorenthielt. Er grinste schief. Das verdammte Ding würde hier unten wahrscheinlich sowieso nicht mehr funktionieren.

Sie marschierten tiefer in die Stadt hinein, und es wurde schlimmer. Die großen Bauwerke schienen sie förmlich zu erdrücken, aber auch andere Konstruktionen, die auf den ersten Blick nicht so bedrohlich wirkten, trugen zu der feindlichen, klaustrophobischen Atmosphäre bei. Hin und wieder entstanden scheinbar aus dem Nichts enigmatische Projektionen und versperrten ihnen den Weg, und sie mußten entweder darüber hinweg klettern oder einen Umweg einschlagen. Die Oberflächen fühlten sich bei Berührung glatt und ungesund an. Die sich bewegenden Scheinwerfer der Soldaten ließen genausoviel in den tiefen Schatten verschwinden, wie sie enthüllten, und Schwejksam war dafür beinahe dankbar. Was er sah, erschreckte ihn auch so schon genug.

Die Stadt entpuppte sich immer mehr als ein einziger Alptraum aus Stahl und Fleisch; eine unnatürliche Kombination aus atmendem Metall und silbern verdrahtetem Gewebe. Abgerundete Zylinder pulsierten wie leuchtende Eingeweide, und Pumpen mit großen, sich bewegenden Ventilklappen schlugen wie lebende Herzen. Dinge, die anscheinend einst lebendige Kreaturen gewesen waren, waren zu Bestandteilen funktionierender Maschinen gemacht worden. Es gab komplexe Apparate, die Eingeweide und sogar Augen zu besitzen schienen, und lange metallene Gliedmaßen, die ins Nichts baumelten. Dinge bewegten sich ohne offensichtlichen Grund und kamen genauso wieder zur Ruhe, und sie schienen sich den Eindringlingen zuzudrehen oder ihnen hinterherzusehen, als die Truppe sich näherte oder vorbeiging. Es gab große, schwere Maschinen, die aussahen, als wären sie mindestens genauso sehr natürlich gewachsen wie erbaut worden, und kleine, metallene, klappernde Apparate mit hellen Augen, die sich in den Schatten verbargen. Bis jetzt hatten die Soldaten der Versuchung widerstanden, das Feuer auf sie zu eröffnen, aber ihre Geduld wurde arg strapaziert. Ein beinahe spürbarer Druck hatte sich wie eine schwarze Wolke auf die gesamte Mannschaft gelegt. Jedermann spürte, daß er irgendwie beobachtet wurde, und etwas Unbegreifliches schien jedem Geräusch zu lauschen, das sie verursachten. Alle Maschinen befanden sich anscheinend in einwandfreiem Zustand, arbeiteten und funktionierten, als wären ihre Konstrukteure nur eben für einen Augenblick nach draußen gegangen, um Luft zu schnappen, und würden jede Sekunde zurückkehren, Schwejksam beschleunigte seinen Schritt und hielt sich neben Frost.

»Erinnert Euch das hier an etwas?« fragte er leise.

»Ja. Das fremde Schiff und die Basis, die es auf Unseeli errichtet hat. Biomechanik. Eine Kreuzung zwischen lebendem organischen Material und Technologie. Steht weit über allem, was wir bisher erreicht haben.«

»Könnte eine Verbindung bestehen zwischen dem Fremden von Unseeli und den Wesen, die diese Stadt hier erbaut haben?«

»Möglich wär’s. Aber das Schiff auf Unseeli ist erst in jüngster Zeit notgelandet, und diese Ruinen hier sind uralt.

Nach den Sensorauswertungen der Unerschrocken muß diese Stadt hier schon länger existieren als die gesamte Menschheit… Bringt einen ganz schön ins Grübeln, meint Ihr nicht?«

Es wurde immer schlimmer, je weiter sie sich dem Gewölbe näherten. Die unheimlichen Konstruktionen rückten immer enger zusammen und rührten an tiefverborgene Urängste.

Schließlich standen die Gebilde so dicht beieinander, daß die Leute hintereinander gehen mußten. Die Formen und Gebilde schienen einen unterschwelligen Hinweis auf ihre Funktion oder Bedeutung zu enthalten, aber niemals deutlich genug, um einen Sinn zu ergeben. Die Winkel und Proportionen stimmten auf eigenartige Weise nicht – fast, als würden sie mehr verbergen, als sie dem bloßen Auge enthüllten. Die Soldaten wurden immer nervöser und streitsüchtiger. Einige feuerten ihre Waffen in die Dunkelheit ab, doch hinterher konnte niemand sagen, auf wen oder was er geschossen hatte; vielleicht wollte es auch keiner. Die persönlichen Schutzschilde stellten ohne ersichtlichen Grund ihre Arbeit ein. Schwejksam machte einen Versuch, die ESP-Blocker abzuschalten. Er wollte herausfinden, ob seine Kampfesper die Truppe im Ernstfall würden schützen können, aber die Telepathen wurden sofort derart hysterisch, daß er die Blocker wieder einschalten mußte, um zu verhindern, daß seine Leute verrückt wurden. Selbst die Wampyre zeigten mittlerweile eine Reaktion. Sie hielten sich dicht beieinander, und ihre kalten, toten Gesichter blickten angespannt in die Runde. Stelmach schien ein einziges Nervenbündel zu sein; seine Augen waren weit aufgerissen, und sein Mund bebte. Schwejksam spürte einen zunehmenden Schmerz zwischen den Schulterblättern, als seine Muskeln sich verkrampften, und bald hatte er auch das Gefühl, daß seine Gedanken nicht mehr so klar und logisch waren wie noch kurze Zeit zuvor. Manchmal verlor er einfach den Faden und mußte sich stark konzentrieren, um ihn wiederaufzunehmen. Selbst Frost hatte mit ihrem unbekümmerten Summen aufgehört. Sie waren seit einer Dreiviertelstunde unterwegs und tief in die Eingeweide der fremden Stadt vorgedrungen, als es plötzlich geschah. Sie verloren ihren ersten Mann.