Schwejksams Hand verkrampfte sich um den Kolben seiner Pistole, bis die Knöchel weiß hervortraten. Er wappnete sich auf den Ansturm von Schläfern, die wie Berserker auf die Eindringlinge eindrangen; aber da war nichts. Überhaupt nichts. Und jetzt, nachdem die beiden Kanonen das Feuer eingestellt hatten, war es auf einmal sehr still. Das einzige Geräusch war das angespannte, erwartungsvolle Atmen der Mitglieder des Kontaktteams. Dann sprang ein einzelner Schläfer aus der Tür, und Blut spritzte durch die Luft, als er sich mit irrer Wut mitten unter die wartenden Soldaten stürzte.
Das Wesen war groß und furchterregend. Schwejksam konnte außer einem glitzernden Schuppenpanzer und blitzenden Stahlzähnen nichts erkennen. Es bewegte sich schneller unter den Männern, als sie denken konnten, und riß und fetzte sich mit Klauen und Zähnen seinen Weg durch die Soldaten, packte sie und warf sie durch die Luft, als wögen sie nicht mehr als ein Blatt im Wind. Die Infanteristen feuerten ihre Disruptoren, aber das Wesen war nie dort, wo sie hinzielten.
Es war riesig, es war schnell, es war tödlich, und es war anscheinend überall zugleich. Disruptorstrahlen fuhren durch das Getümmel, und zwei Infanteristen und ein Wampyr brachen von freundlichem Feuer getroffen zusammen.
Endlich griffen die Kampfesper ein und überschütteten die Kreatur mit einer gewaltigen Woge psychokinetischer Energie. Sie hielten das Wesen durch die bloße Macht ihrer Gedanken an Ort und Stelle fest. Es sah aus wie ein Alptraum aus spitzem, blutbesudeltem Panzer, mit entfernt
menschenähnlicher Gestalt, aber einem herzförmigen Kopf, der vollkommen fremdartig und ausdruckslos schien.
Einen Augenblick lang hielten alle wie erstarrt inne, dann stürzten sich die Wampyre auf das Wesen und versuchten, es mit ihren überlegenen Kräften zu Fall zu bringen. Aber die Kraft der Esper erlahmte bereits. Ohne die schützenden ESP-Blocker war die Stadt für ihren sensiblen Verstand einfach unerträglich. Die Kreatur drehte ihren unmenschlichen Kopf, und aus ihren Augen und ihrem Mund fuhren Strahlen knisternder Energie und zerrissen die angreifenden Soldaten in heftigen, blutigen Explosionen. Der Schläfer machte eine ruckhafte Bewegung, und neue Stacheln wuchsen aus seinem Panzer und durchbohrten die sich an ihm festklammernden Wampyre. Schwarzes Blut strömte aus ihren Mündern, aber sie schrien nicht und lockerten nicht den Griff. Dann explodierten die Stacheln wie Splittergranaten und zerfetzten einen Teil der Wampyre, die wie blutige Nadelkissen durch die Gegend flogen.
»Verbrennt seinen Verstand!« kreischte Schwejksam, doch die Esper konnten ihn nicht hören. Aus ihren Nasen, ihren Augen und Ohren trat Blut und rann an ihren Gesichtern herab wie purpurne Tränen… und plötzlich brachen die Fesseln zusammen, mit denen sie die fremde Kreatur gehalten hatten.
Das Wesen schüttelte die verbliebenen Wampyre ab, als wären sie nichts. Frost trat vor und zielte sorgfältig, dann schoß sie der Kreatur aus allernächster Nähe in den Kopf. Der Energiestrahl prallte wirkungslos vom glänzenden Schuppenpanzer des Wesens ab und zischte in die Dunkelheit davon. Der Schläfer packte den letzten überlebenden Wampyr mit beiden Händen, riß seinen Kopf ab und warf ihn weg, dann biß er in den blutigen Hals des Leichnams und saugte das schwarze Blut heraus wie ein Kind, dem man einen Leckerbissen gegeben hatte. Anschließend wandte es sich langsam um und blickte mit blutigem Lächeln auf Frost und Schwejksam wie ein Dämon aus irgendeiner kybernetischen Hölle.
Schwejksam sah gehetzt in die Runde. Die Wampyre waren tot. Stelmach schien in einen Schock gefallen zu sein. Nur zwei der Esper und sieben Infanteristen standen noch auf den Beinen. Schwejksam wurde übel. Es schien unmöglich, daß so viele der besten Kämpfer des Imperiums so schnell sterben konnten. Frost steckte die Pistole weg und zog eine Brandgranate aus ihrem Gürtel. Schwejksam legte eine Hand auf ihren Arm.
»Wenn Ihr diese Granate auf so kurze Distanz benutzt, dann werden wir alle dabei sterben. Außerdem, wer sagt uns, daß sie ausreicht? Dieser ekelhafte Bastard hat selbst Energiestrahlen abgeschüttelt, als seien sie Wasser.«
Frost grinste ihn an. »Ich wollte sie ihm zu fressen geben.«
»Keine schlechte Idee«, erwiderte Schwejksam. »Aber wir haben noch einen letzten Trumpf, den wir ausspielen können.
Stelmach! Es wird Zeit, daß Ihr Eure geheime Waffe einsetzt!«
Der Sicherheitsoffizier starrte den Kapitän mit leeren Augen an. Er stand noch immer unter Schock. Schwejksam fluchte heftig und trat ein paar Schritte in Stelmachs Richtung. Die Kreatur warf den Leichnam des Wampyrs achtlos beiseite und setzte sich langsam, beinahe lässig auf Schwejksam zu in Bewegung. Sie schien zu wissen, daß er nirgendwohin fliehen konnte. Schwejksam feuerte seinen Disruptor. Er zielte zwischen die unheimlichen Augen des Wesens, aber einmal mehr verpuffte der Energiestrahl wirkungslos. Frost packte ihre Granate und schoß vor. Das Wesen wischte sie mit einem lockeren Schlag zur Seite. Sie krachte mit voller Wucht gegen die stählerne Wand des Gewölbes und sank benommen zu Boden. Die Granate rollte unaktiviert aus ihrer plötzlich kraftlosen Hand.
Schwejksam hob entschlossen das Schwert. Das Grinsen der Kreatur schien noch breiter und blutiger zu werden.
Dann aktivierte Stelmach seine Geheimwaffe, und alles schien sich plötzlich wie in Zeitlupe zu bewegen. Ein leuchtend goldenes Feld hüllte das fremde Wesen ein. Es erstarrte wie versteinert. Sein Maul war noch immer zu einem purpurnen Grinsen aufgerissen. Eine unheimliche Kälte schien durch Schwejksams Knochen zu strömen, und er benötigte all seine Kraft, um zurückzutreten. Sein Verstand schien langsam und wirr wie Sirup, als er Frost am Arm packte und sie aus dem Einflußbereich des Strahlungsfelds zog. Nach einem Augenblick reagierte sie, und gemeinsam stolperten sie zurück zu Stelmach und seiner leise summenden Maschine. Rasch erholten sie sich, und Schwejksam nickte seinem Sicherheitsoffizier zu.
»Ich bin froh, daß ich Euch am Ende doch mitgenommen habe. Was zur Hölle ist das für ein Apparat?«
»Ein Stasisprojektor. Es setzt alles und jedes aus beinahe jeder Entfernung in Stasis. Das Ding verbraucht eine irrsinnige Energie, aber zum Glück nicht auf eine derartig kurze Distanz.«
»Korrigiert mich, wenn ich mich irre«, unterbrach Frost Stelmachs euphorische Ausführungen. Ihre Stimme klang noch ein wenig unsicher. »Aber ich dachte, daß man ein Stasisfeld nicht projizieren kann? Man errichtet es an Ort und Stelle und schaltet es entweder ein oder aus?«
»Das war früher einmal so«, erwiderte Stelmach.
»Und wie kommt es«, fragte Schwejksam leicht verärgert,
»daß dieser Projektor arbeitet, während alle anderen Apparate versagen?«
»Dieses kleine Spielzeug basiert auf einer anderen Technologie«, erklärte Stelmach. »Der gleichen Technologie übrigens, die den reuen Hyperraumantrieb hervorgebracht hat.
Muß ich noch mehr sagen? Nein, ich denke nicht. Ganz offensichtlich ist diese Technologie ein gut Teil unempfindlicher als unsere eigene. Vielleicht ist sie sogar mit der hier gefundenen verwandt… Trotzdem, ich empfehle, daß wir den Extraterrestrier so schnell wie möglich nach oben schaffen und in Fesseln legen. Nur für den Fall.«
»Moment mal!« sagte Schwejksam. »Warum habt Ihr das verdammte Ding nicht bereits in dem Augenblick eingesetzt, als das Ungeheuer aus der Tür gestürmt kam? Warum mußtet Ihr warten, bis die meisten von uns tot sind?«
»Richtig. Warum?« stimmte Frost dem Kapitän gefährlich leise zu.
»Ah«, erklärte Stelmach. »Die Techniker, die mir dieses nette kleine Spielzeug in die Hand gaben, waren sich nicht ganz sicher, ob es auch funktionieren würde. Tatsächlich dachten sie, es bestünde eine kleine, aber nicht zu vernachlässigende Chance, daß das Ding ziemlich heftig in die Luft fliegen könnte, wenn man es einschaltet. Deshalb setzte ich es erst ein, als es nicht mehr anders ging.«