Er stellte mehrere Mannschaften auf, erklärte ihnen die Spielregeln und führte etliche Trainings durch (das Netz hatten Zwinkererfrauen geknüpft; es wurde natürlich viel niedriger aufgehängt als in der großen Welt).
Zuerst wurden Ausscheidungsspiele ausgetragen, die großen Zuspruch fanden. Man spielte von früh bis spät und ging erst am Abend auseinander. Die Zahl der Spielbegeisterten wuchs von einem Tag zu dem anderen, und die Lederarbeiter mußten sich tüchtig anstrengen, um die Nachfrage nach neuen Bällen zu befriedigen. Es wurden Mannschaften mit höchst wunderlichen Namen gebildet: „Löwen", „Lieblinge des Schicksals", „Säbelzahntiger", „Wackere Burschen", „Fliegende Affen" und viele andere. Dann begann ein Turnier um die Landesmeisterschaft. Die Angst vor dem Überfall des Feindes war wie weggeblasen. Die Zwinkerer waren jetzt springlebendig, ja sie zwinkerten auch nicht mehr soviel wie früher, denn dazu reichte ihnen einfach nicht die Zeit.
Um den Spielplatz drängten sich unzählige Fans. Tim war jetzt wieder guter Dinge. „Nicht umsonst sagte mein Vater, daß Sport eine famose Sache ist", dachte er vergnügt. „Natürlich versteht er was davon, wo er doch in der Auswahl von Kansas gespielt hat!" Der Wettstreit, dem die Marranen zusahen, war wirklich fesselnd. Es war das Endspiel um die Landesmeisterschaf, das zwischen den „Fliegenden Affen" (Kapitän: Din Gior) und „Anus Unbesiegbaren Freunden" (Kapitän: Tim O'Kelli) ausgetragen wurde. Als die Springer ankamen, stand es gerade 13:13, und jede Mannschaft hoffte auf den Sieg. 14: 13. Die „Affen" in Führung!... 14: 14.
Sekunden später stand es 15: 14 zugunsten der „Unbesiegbaren"! Eine halbe Minute danach folgte der Ausgleich: 15: 15.
Selbst wenn der Himmel einstürzen würde, hätte in diesen spannenden Minuten niemand das Spiel verlassen?
Jede Mannschaft tat das Äußerste. Die Spieler zeigten Wunder an Geschicklichkeit. Sie sprangen hoch in die Luft, drehten sich wie Kreisel und nahmen die unwahrscheinlichsten Bälle.
Die Marranen jauchzten vor Begeisterung: Das war ein Spiel nach ihrer Art. Verzückt stellten sie sich vor, welche Sprünge sie bei einem solchen Spiel vollführen und wie sie den Ball ins gegnerische Feld hineinschmettern würden! Bald hatten sich unter ihnen zwei Parteien gebildet, von denen eine den „Affen", die andere den „Unbesiegbaren" den Daumen drückte. Man begann auch wieder Wetten zu schließen. Die Zuschauer quittierten jeden Schmetterball mit brausendem Beifall. 16: 15 - die „Unbesiegbaren" wieder in Führung. Noch ein Schlag, und sie hatten gewonnen! Aber was war das denn? Fassungslos gewahrten die Marranen eine vertraute Gestalt, die einen Spieler am Netz ablöste. Es war kein anderer als Bois, ihr Bois, der angeblich erschlagene, den Schweinen zum Fraß vorgeworfene Bois! Ging das mit rechten Dingen zu? Ja, es war ihr Bois, der jetzt einen Schmetterball glänzend parierte..
Hatte sie der Große Urfin zum besten gehalten? Oder hatte vielleicht der kleine hölzerne Lump ihn selbst betrogen? Vielleicht war überhaupt alles Lug und Trug?
Jetzt hatte ein Spieler den Ball so ungeschickt zugepaßt, daß die Zuschauer in schallendes Gelächter ausbrachen.
17: 15! Die „Unbesiegbaren" hatten gewonnen, sie waren jetzt Landesmeister. Bois stürzte auf den Graben zu, hinter dem er seine Landsleute erblickt hatte, begrüßte sie herzlich über den Graben hinweg und machte ihnen Zeichen, herunterzukommen. Die Marranen erhoben die Augen zu Urfin. Zuerst waren es fragende, verständnislose Blicke, die sie ihm zuwarfen, dann begannen ihre Augen zornig zu funkeln. Entsetzt schlug Urfin die Hände vor die Augen, dann wandte er sich jählings um und ergriff die Flucht.
Er lief, stolperte und fiel, erhob sich und rannte weiter. Sein Herz hämmerte zum Zerspringen, unausstehliche Angst zerriß seine Brust. Ihm schien, als sause ein Hagel von Steinen ihm nach, als schwingen ergrimmte Rächer ihre schweren Keulen über seinen Kopf...
Indes hatte kein Marrane die Verfolgung des gestürzten Gottes aufgenommen. In seinem Rücken donnerte es:
„Lügner! Gauner! Gemeiner Verleumder! Falscher Gott!" Das war das Ende. Der weise Karfax hatte sich in seiner Vorhersage nicht geirrt. Alle hatten sich von Urfin abgewandt, selbst der sanfte Meister Petz. Eine solche Schmach ist schlimmer als der Tod.
Über den Graben wurden Bretter gelegt, über die die ehemaligen Feinde aufeinander zuliefen. Schon entstanden gemischte Volleyballmannschaften, Bälle flogen in die Luft und Rufe erklangen: „Schlag! ... Aus! ... Zu... "
Hannibal und Cäsar aber scharrten mit den Hufen und schnaubten, ihre Herren zum Aufbruch mahnend.
Bald kam auch die Stunde, da die wunderbaren Maultiere Ann und Tim in sausendem Galopp nach Hause trugen.
Otdych bei Moskau 1967-1969
MEINE LIEBEN LESER!
Mit diesen Abenteuern Urfin Juices, der sich Tückisch und schwindlerisch zum Feuergott ausriefen ließ, wollte ich die Geschichten über das Zauberland und seine wunderbaren Bewohner beenden. Da ich aber von euch viele Briefe bekomme, in denen ihr fragt, was aus den Helden geworden ist, entschloß ich mich, erneut zur Feder zu greifen und ein fünftes Märchen zu schreiben.
Dieses Märchen heißt „Der gelbe Nebel". Darin werdet ihr den Scheuch und den Eisernen Holzfäller, Ann und Tim, Charlie Black und die Krähe Kaggi-Karr, den Drachen Oicho und ihre Kameraden wiederfinden. Über das Zauberland ist ein Unglück hereingebrochen. Arachna, eine Riesenhexe, hatte 5000 Jahre in einer Höhle der Weltumspannenden Berge geschlafen. Als sie erwachte, wollte sie sich das Zauberland unterwerfen und zu dessen Kaiserin ausrufen lassen. Die freiheitliebenden Völker wiesen jedoch ihr Ansinnen zurück. Da beschwor sie einen giftigen gelben Nebel herauf, der das ganze Land überzog.
Um Hilfe gebeten, nahmen Ann, Tim und der einbeinige Seemann, der zufällig wieder in Kansas weilte, den Kampf gegen die Hexe auf. Um der mächtigen Zau berin eine ebenbürtige Kraft entgegenzustellen, fertigte Charlie Black einen eisernen Riesen namens Tilli-Willi an. Nach einem langen und erbitterten Kampf, in dem das . Zauberland schier zugrunde ging, trug die Tapferkeit und Freundschaft unserer Helden den Sieg davon.
Mut und Freundschaft haben immer gesiegt. Sie werden auch in Zukunft aus jeder Prüfung siegreich hervorgehen.
Alexander Wolkow