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Greibenfeld erhob sich sofort. „Euer Ehren. Wir haben in den vergangenen dreißig Tagen, in denen sich diese Fuzzys in unserem Stützpunkt aufhielten, ein Wörterbuch mit etwa hundert Fuzzyvokabeln zusammengestellt, die alle ihrer Bedeutung nach klar sind. Dazu kommt noch eine große Anzahl weiterer Ausdrücke, deren Bedeutung wir noch nicht ergründet haben. Und was den Trick mit dem Feuerzeug betrifft, so möchte ich dazu sagen, Little Fuzzy — wir kannten seinen Namen nicht und bezeichneten ihn als M 2 — hat das durch Beobachtung selbst gelernt. Wir haben ihn auch nicht gelehrt, Pfeife zu rauchen. Er kannte das schon, ehe wir etwas mit ihm zu tun hatten.“

Jack erhob sich, während Greibenfeld noch sprach. Als der Captain geendet hatte, sagte er:

„Captain Greibenfeld, ich möchte Ihnen und Ihren Leuten dafür danken, daß Sie für die Fuzzys gesorgt haben. Und ich freue mich sehr, daß Sie gelernt haben, ihre Sprache zu hören und danke Ihnen für all die schönen Dinge, die Sie ihnen gegeben haben. Aber warum haben Sie mir nicht mitgeteilt, daß sie in Sicherheit waren? Wissen Sie, ich habe im letzten Monat darunter sehr gelitten.“

„Ich weiß das, Mr. Holloway und kann nur sagen, daß wir das sehr bedauern, aber wir konnten nicht riskieren, unseren Geheimagenten im Forschungszentrum, der die Fuzzys am Morgen nach ihrer Flucht herausgeschmuggelt hat, zu kompromittieren.“

„Nun, Captain Greibenfeld“, sagte der Oberrichter, „ich nehme an, daß Sie weiteres Beweismaterial über die Beobachtungen und Studien, die Sie auf Xerxes angestellt haben, vorbringen möchten. Zunächst möchte ich aber für das Protokoll genau festgestellt haben, wann und wie sie nach Xerxes gebracht wurden.“

„Ja, Euer Ehren. Wir können das sofort erledigen. Darf ich Sie bitten, den vierten Namen auf der Liste, die ich Ihnen gab, aufzurufen.“

Der Oberrichter griff nach einem Blatt Papier.

„Leutnant Ruth Ortheris, TFN-Reserve“, rief er.

Diesmal blickte Jack Holloway in den großen Bildschirm, in dem er jedermann sehen konnte. Coombes' Gesicht war einen Augenblick totenbleich und starr. Ernst Mallin zitterte vor Wut, während Ben Rainsford unmittelbar neben ihm grinste. Als Ruth vor das Richterpult trat, bereiteten ihr die Fuzzys eine Ovation; sie erinnerten sich an sie und mochten sie. Leutnant Ortheris gab zunächst unter dem Lügendetektor Namen und Dienstrang an und begann dann mit ihrem Bericht. Die ganze Zeit über blieb der Kontrollschirm blau.

„Mein Auftrag war, zu überprüfen, ob die Zarathustragesellschaft die Bedingungen ihres Vertrages unter den Gesetzen der Föderation einhielt. Ich hatte bis Mitte des vergangenen Monats, abgesehen von einigen Unregelmäßigkeiten in der Finanzverwaltung in Zusammenhang mit Generalresident Emmert nichts zu berichten. Dann erhielt ich am Abend des fünfzehnten Juni eine wichtige Nachricht…“

Das war der Tag, an dem Ben seinen Bandbericht an Juan Jimenez weitergegeben hatte; sie berichtete, wie dieses Band zu ihrer Kenntnis gelangt war und fuhr fort:

„Ich leitete sobald wie möglich eine Kopie des Bandes an Commander Aelborg weiter. Am nächsten Abend rief ich Xerxes aus Dr. van Biebeeks Boot an und berichtete meine Erfahrungen mit den Fuzzys. Man informierte mich, daß Leonard Kellogg ebenfalls eine Kopie des Bandes besaß und Victor Grego eingeschaltet hatte. Kellogg und Ernst Mallin seien zum Betakontinent geschickt worden und hätten Anweisung, die Veröffentlichung des Berichtes zu verhindern und gleichzeitig Beweismaterial dafür zu fabrizieren, daß Dr. Rainsford und Mr. Holloway vorhätten, einen großen wissenschaftlichen Schwinde aufzuziehen.“

„Nun, Leutnant Ortheris, das ist zwar sehr interessant, aber uns interessiert im Augenblick mehr, wie die Fuzzys nach Xerxes kamen“, warf Pendarvis ein.

„Darauf komme ich sofort, Euer Ehren“, sagte sie. „Am Abend des Freitags, des zweiundzwanzigsten, wurden die Fuzzys Mr. Holloway weggenommen und nach Mallorys Port gebracht; Mohammed O'Brien gab sie an Juan Jimenez weiter, die sie ins Forschungszentrum brachte und sie in einem Zimmer hinter seinem Büro in Käfige steckte. Sie entkamen unmittelbar darauf. Ich fand sie am nächsten Morgen und konnte sie aus dem Gebäude schmuggeln und an Commander Aelborg weiterleiten. Wie das im einzelnen vor sich ging, werde ich nicht aussagen, das wäre ein Bruch meiner Sicherheitsvorschriften.“

Brannhard erhob sich. „Ich möchte die Zeugin fragen, ob ihr etwas über die vier anderen Fuzzys bekannt ist, die von Jack Holloway am Freitag in der Nähe des Ferny Creek gefunden wurden.“

„Natürlich, das sind meine Fuzzys, und ich habe mir ihretwegen schon Sorgen gemacht. Sie heißen Komplex, Syndrom, Id und Super-Ego.“

„Ihre Fuzzys, Leutnant?“

„Nun, ich habe mich um sie gekümmert und mit ihnen gearbeitet; Juan Jimenez und ein paar Tierfänger der Gesellschaft fingen sie auf dem Betakontinent. Man hielt sie auf einer Farm etwa fünfhundert Meilen nördlich von hier. Ich habe die ganze Zeit mit ihnen gearbeitet, und Dr. Mallin war auch meistens dort. Und dann kam am Montag abend Mr. Coombes und holte sie.“

„Mr. Coombes sagten Sie?“ fragte Gus Brannhard.

„Mr. Leslie Coombes, der Generalanwalt der Gesellschaft. Er sagte, die Fuzzys würden in Mallorys Port gebraucht. Erst am nächsten Tag erfuhr ich, wozu man sie gebraucht hatte. Man hatte sie kurz vor der Fuzzyjagd freigelassen, in der Hoffnung, daß sie dabei umkommen würden.“

Sie blickte zu Coombes hinüber; wenn Blicke töten könnten, wäre er jetzt ebenso tot wie Kurt Borch gewesen.

„Die hätten also vier Fuzzys geopfert, nur um eine Geschichte zu belegen, die sowieso auffliegen mußte?“ fragte Brannhard.

„Das war kein Opfer. Sie mußten diese Fuzzys loswerden und hatten Angst, sie selbst zu töten, da sie fürchteten, dann am Ende genauso wie Leonard Kellogg unter Mordanklage gestellt zu werden. Jeder einzelne, der mit ihnen zu tun hatte, von Ernst Mallin bis zum kleinsten Laboranten war nämlich davon überzeugt, daß es sich um intelligente Wesen handelte.“

Pendarvis dankte ihr mit einem Kopfnicken und blickte dann auf. „Ich hätte jetzt gerne Dr. Ernst Mallin gehört.“

Wieder sprang Coombes auf. „Euer Ehren, ich möchte vor weiteren Aussagen allein mit meinem Mandanten sprechen.“

„Ich sehe keinen Grund, weshalb wir dazu die Verhandlung unterbrechen sollten, Mr. Coombes. Sie können sich nachher mit Mr. Mallin unterhalten, solange Sie wollen.“ Pendarvis klopfte mit dem Hammer auf den Tisch und sagte: „Dr. Ernst Mallin, darf ich Sie in den Zeugenstand bitten?“

15.

Ernst Mallin schrumpfte zusammen, als wollte er sich verkriechen. Er wollte nicht aussagen. Diesen Augenblick fürchtete er seit Tagen. Jetzt würde er sich auf diesen Stuhl setzen müssen, und sie würden ihm Fragen stellen, und er konnte sie nicht der Wahrheit nach beantworten, und dieser Bildschirm über seinem Kopf…

Als der Gerichtsbeamte ihn an der Schulter berührte, glaubte er zuerst, seine Beine müßten ihm den Dienst versagen. Der Weg zum Zeugenstuhl kam ihm meilenlang vor. Aber irgendwie erreichte er den Stuhl und setzte sich, und dann stülpten sie ihm den Helm über den Kopf und befestigten die Elektroden. Früher hatte man Zeugen einmal einen Eid abgenommen, wonach sie sich verpflichteten, die Wahrheit zu sagen. Das war heute nicht mehr üblich. Es war auch nicht mehr nötig.

Der Bildschirm blieb blau, während er seinen Namen angab und über seinen beruflichen Werdegang berichtete. Einmal flackerte ein rotes Muster über den Schirm, als er eine Veröffentlichung erwähnte — die Arbeit war ausschließlich von einem seiner Studenten gefertigt, und er hatte sie nur unter seinem Namen herausgegeben. Das hatte er vergessen, aber sein Gewissen wußte es sehr wohl.