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Mallen blickte ihn von der Seite prüfend an. »Es steht mir nicht zu, über Eure Entscheidung zu richten, dennoch wäre es klüger gewesen, uns allen von diesem Vermächtnis zu berichten, damit wir gemeinsam über eine Lösung hätten nachdenken können.«

»Es war mir nicht vergönnt...«

»Ihr hättet so tun können, als brauchtet Ihr mehr Zeit, um zu prüfen und nachzuforschen. Jetzt sitzen die schlimmsten Feinde unserer Freunde zwischen allen Zwergenreichen, und allein die Götter wissen, was sie mit der Inbesitznahme des Schwarzjochs bezwecken.« Er ging auf Bruron zu und lächelte kühl, als dieser nach kurzem Widerstand die Augen senkte. Die Dritten hatten der Entschlussfreude des Königs nachgeholfen, daran gab es für ihn keinen Zweifel. »Ich verstehe«, sagte er so leise, dass lediglich der Herrscher es vernahm.

»Gar nichts versteht Ihr«, zischte Bruron zurück. »Mein Volk leidet Hunger, und ich muss Getreide für teures Geld kaufen, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Würdet Ihr mir das Korn schenken, so...«

»Es ist unhöflich, in der Gegenwart anderer zu flüstern«, meldete sich der Zwerg polternd in ihrem Rücken. »Aber lasst euch nicht weiter stören, wir kehren zur Front nach Dsôn Balsur zurück und berichten, was du gesagt hast, König Bruron. Auch der Großkönig wird vom Verlust des Schwarzjochs erfahren und danach entscheiden, wie wir dieser Arglist begegnen.«

Mit einem knappen Gruß, der ebenso eine Beleidigung hätte sein können, drehten die Zwerge sich um und schritten zum Tor hinaus.

»Für Gold also«, stellte Mallen ärgerlich fest, als sie weit genug entfernt waren. »Ihr habt das Schwarzjoch verkauft.«

»Nein«, kam es scharf aus dem Mund des Mannes. »Es gibt diesen Vertrag, und ich habe mich lediglich an ihn gehalten.«

»Und gewagt, dass Ihr den Zorn und den Trotz der Zwerge auf Euch und damit auf uns alle zieht?« Mallen schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. »Ich habe mich getäuscht, als ich sagte, ich würde Eure Entscheidung nicht richten: Sie war töricht

»Wie sprecht Ihr...«, wollte Bruron aufbegehren.

»Wie es sich für Euch geziemt - und wie ich es mir auch gefallen lassen müsste, hätte ich diese Torheit begangen.« Mallen gab Bruron keine Gelegenheit zu einer Verteidigung. »Ihr habt keine Ahnung, was in Dsôn Balsur Schreckliches geschieht. Die Zwerge haben in einer Nacht dreihundert Leute verloren, nachdem die Albae ihnen eine Falle gestellt hatten. Sie gaben sich wohl als Vertraute Liútasils aus und überraschten sie im Schlaf. Und da kommt Ihr und überantwortet einen wichtigen Sammelplatz samt Vorräten dem nächsten Feind. Versteht Ihr, welche Ausmaße Euer Tun annehmen kann?«

Bruron wurde blass. »Das wusste ich nicht«, sagte er ehrlich betroffen. »Ich werde meine Weisen damit beauftragen, einen Weg zu finden, die Vereinbarung aufzuheben.«

»Ich bitte Euch darum, König Bruron. Wir brauchen die Zwerge. Die Bande, die unsere Völker vereinen, sind dünn und frisch. Ein Riss an der falschen Stelle, und die Eintracht löst sich auf.« Sein Ärger legte sich, er hatte dem Herrscher genug ins Gewissen geredet. »Ich kam eigentlich, um Euch zu sagen, dass wir mit der Brandrodung des äußeren Waldrings um Dsôn Balsur begonnen haben. Die Bäume brennen schwer, wir brauchen mehr Pech, als wir berechnet haben. Aber sie brennen. Bald beginnt der Sturm auf das dunkle Herz der Albae.«

»Ich habe auch etwas auszurichten, Prinz Mallen.« Der König stockte. »Die Dritten wollen mit Euch sprechen, ihr Unterhändler ist in der Stadt und erwartet Eure Nachricht, um sich mit Euch zu treffen.« Er nannte ihm den Ort, an dem der Zwerg residierte. »Ich habe inzwischen schon einige des kleinen Volkes gesehen, aber diese Art...« Er beherrschte sich, damit sein Unbehagen nicht zu offensichtlich wurde. »Ihr werdet mehr Erfahrung haben als ich.«

»Es gibt nichts mit ihnen zu bereden.« Mallen schwang sich auf den Pferderücken. »Ich reite nach Idoslân, um den letzten Schwarzhäuten, die sich in Toboribor verkriechen und ihre Wunden lecken wollen, den Garaus zu machen.« Seine Hand hob sich zum Gruß.

»Palandiell sei mit Euch und Euren Soldaten«, wünschte ihm Bruron aufrichtig.

»Ich kann es gebrauchen.« Ein kurzer Befehl, und der Prinz ritt, umringt von seinen Leuten, in die Gasse zurück, aus der er gekommen war.

Der Herrscher von Gauragar richtete seine graugelben Augen auf die Listen, die ihm seine Verwalter zeigten. Er hatte einen Entschluss gefasst. Für das Wohl seines Volkes.

Die drei neuen Kisten mit dem Gold der Dritten, die er in neun Umläufen erwartete, erlaubten weitere Getreidelieferungen von seinen Nachbarn. Er würde sie erst aus dem Schwarzjoch werfen, wenn er genügend Geld besaß, um sein Reich zu festigen. Die Vorbehalte Mallens und der Zwerge berührten ihn wenig, sie kannten seine Sorgen nicht. Meine Untertanen haben am furchtbarsten unter dem Toten Land gelitten. Sie sollen sehen, dass eine bessere Zeit angebrochen ist. Kein muffiges Mehl mehr für Brot und Gebäck, nur bester Teig.

»Veranlasst, dass die Speicher restlos geleert werden, jedes Korn soll in den Norden geschafft werden, um meinen Untertanen die Aussaat zu ermöglichen«, verkündete er seine neuen Befehle. »Und bestellt 9000 zusätzliche Fass Gerste aus Tabaîn. Ich möchte keinen einzigen Magen knurren hören.«

*

»Wir müssen uns im Gasthaus verpasst haben.«

Prinz Mallen vernahm die sonore Stimme, die von schräg unten zu ihm heraufdrang. Er riss sich vom Anblick des Wolkenspiels am abendlichen Himmel los, um zu erfahren, wer ihn mitten auf der Straße Richemarks so ungebührlich ansprach, und erkannte einen schwer gerüsteten Zwerg. Er musste sich zwischen den Pferden seiner Leibgarde hindurchgemogelt haben.

»Wir haben uns nicht verpasst. Ich wollte nichts mit Euch zu schaffen haben«, gab er unfreundlich zurück und hielt einen Gardisten, der auf den Zwerg aufmerksam geworden war, mit einer raschen Handbewegung von einer unbedachten Handlung ab, die wohl in einen Kampf gemündet hätte.

Mallen sah eine solche Rüstung, wie sie der Zwerg trug, zum ersten Mal. Die Schulterpanzerung war verstärkt und mit fingerlangen Eisendornen besetzt, Klingen schimmerten an den Unterarmschienen, und selbst die Handschuhe wiesen Eisenspitzen auf. Jeder Hieb des Zwerges würde auch ohne Waffen schwere Wunden reißen. »Habt Ihr einen Namen, oder soll ich Euch einen geben, der Euch nicht gefallen könnte?«

»Wenn er mir nicht gefiele, würde ich dich aus dem Sattel holen. Das bekäme deinem hübschen Pferd nicht.« Der Zwerg grinste breit, die dunklen Tätowierungen in seinem Gesicht verzogen sich und schienen ein neues Muster zu bilden. »Damit das schöne Tier keinen Schaden nimmt, nenne mich Romo. Romo Stahlherz aus dem Clan der Steinmalmer vom Stamme Lorimburs, Neffe des Königs Lorimbas Stahlherz und dessen Unterhändler.«

Mallens Augen glitten über die Rüstung, den rockähnlichen Unterleibschutz aus Eisenplättchen und den dreiköpfigen Morgenstern in seinem Gurt. »Ein Unterhändler? Ihr seht aus, als wolltet Ihr in den Krieg ziehen, Romo Stahlherz. Nun, mit Eurer Zunge schafft Ihr Euch gewiss genügend Feinde.«

»Ich befinde mich immer im Krieg, wie du weißt. Meine Feinde sind zahlreich und mit dir verbündet.« Er zog eine versiegelte Lederbulle aus dem Stiefelschaft. »Ich soll sie dir überreichen, hat mein Oheim mir gesagt, und ihm deine Antwort überbringen.« Auffordernd hielt er ihm die Nachricht hin.

Das Gefühl des Prinzen riet ihm, dass er das Schriftstück besser las, und wenn es nur dazu diente, ihn vor dem zu warnen, was ihm oder den anderen Zwergen bevorstand. Er entfernte das Siegel, öffnete den Verschluss und zog das Pergament heraus.