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Wieder waren mir die Hände auf dem Rücken gefesselt worden, wofür sich Ceralt vielfach entschuldigt hatte, aber freilassen wollte er mich nicht. Meinen Kriegerinnen war es genauso ergangen.

Sehr zu freuen schienen sich die Männer über den Anblick von Ranistard und über das, was ihnen mit uns gelungen war, aber wir waren von ohnmächtiger Wut erfüllt. Niemals hatten sich die Hosta an einem Überfall beteiligt, und nun waren sie selbst das Opfer eines Überfalls geworden. Das war etwas, was blutig gerächt werden mußte!

»In weniger als einer Stunde werden wir dort sein«, sagte Ceralt zufrieden. Er ritt an der Seite von Telion, und ich konnte sehen, daß Larid genauso fühlen mußte wie ich. Sie befühlte heimlich ihre Fesseln und suchte nach einer schwachen Stelle.

Ich hatte dies auch getan, ohne Erfolg.

»Wir werden gerade zurechtkommen, um an einem guten Mahl teilzunehmen«, sagte Telion. »Das wird den Frauen auch guttun. Der Haferschleim hat sie zwar bei Kräften gehalten, er ist aber kaum etwas, von dem sie sich sonst ernähren. Ein Jammer, daß sie nicht in der Lage waren, Fleisch zu kauen.«

»Mit dem Betäubungsmittel im Leib nicht«, erwiderte Ceralt.

»Aber das brauchten wir, um sie ruhig zu halten. Obwohl«, fügte er lachend hinzu, »Jalav manchmal gar nicht so ruhig war.«

»So ging's mir auch«, entgegnete Telion lachend. »Vielleicht wäre das gar keine schlechte Idee, daß man dem Essen für die Zeiten, wo man ein liebes und gefügiges Weib haben will, immer solch ein Mittel zufügen sollte.«

Beide hatten gut lachen, denn sehr oft auf der Reise hatte Ceralt von mir Gebrauch gemacht, und ich nahm an, daß es Larid nicht anders ergangen war. Ich hatte Ceralt gewiß manche Freude bereitet, und manche Freude von ihm empfangen, und doch fand ich die Art, eine Kriegerin so zu behandeln, sehr demütigend, und würde sie nicht so bald vergessen. Bisher hatte ich noch kein Wort mit Ceralt geredet, und ich hatte auch die Absicht, es so zu halten, bis ich meine Freiheit wiederbekommen hatte.

Neben Telion ritt Nidisar, doch er konnte wenig Freude an der Gegenwart von Fayan empfinden. Er hatte zärtlich mit ihr geredet, als die Nebel sie verlassen hatten, aber sie hatte sich geweigert, überhaupt von ihm Kenntnis zu nehmen. Sie tat so, als ritt sie alleine auf dem Kan, und hatte auf keine Bemühung von Nidisar reagiert. Traurig saß er hinter ihr. Bald erreichten wir die Tore von Ranistard. Ein eisiger Schauer strich bei dem Gedanken an das, was sich in seinen Mauern befand, über mich und meine Kriegerinnen hinweg. Ängstlich hielten wir nach einer Gelegenheit zu entfliehen, Ausschau. Die Männer preßten uns enger an sich und sprachen tröstend auf uns ein, aber sie hatten ja auch nicht die Todesangst verspürt, die von den Kristallen ausging, und die Qual, die sie uns bereitet hatten.

Hinter den Toren standen viele Männer, die uns freudig begrüßten, und die Krieger grüßten lachend zurück, stolz auf den Erfolg ihres Überfalles. Aus den Fenstern der Behausungen ringsum hingen Tücher, wohl um den Hosta zu zeigen, daß sie jetzt geringer als alle anderen Stämme der Midanna waren, in der Gefangenschaft der Männer.

Nur sehr wenige Sklavenweiber waren zu sehen. Sie standen hinter den Männern und lächelten, vermutlich zufrieden über den Gedanken, daß nun andere ihre Knechtschaft teilen mußten. Vor dem Haus des Galiose standen viele Tische, die bedeckt waren mit Speisen und Getränken, und auf nahegelegenen Feuern wurden einige Nilnod gegrillt.

Nicht weit von diesen Feuern hielten wir an. Ceralt sprang ab und hob mich herunter. Die anderen Männer machten dasselbe mit den Kriegerinnen, die sie hergebracht hatten. Dann erschien Galiose an der Spitze einer Anzahl bewaffneter Männer. Er schritt an uns vorbei, wobei er kurz vor mir stehenblieb und mich mit breitem Grinsen begrüßte, dann hob er die Arme zum Gruß und rief: »Ranistard begrüßt seine neuen Bürger!«

Unter den Männern ringsherum erhob sich lebhafter Beifall, als er fortfuhr: »Wir sind hoch erfreut, die Hosta erneut unter uns begrüßen zu dürfen, und noch mehr erfreut darüber, daß sie uns diesmal keine Schwerter an die Kehlen halten.« Alle lachten, mit Ausnahme der Hosta, die sich natürlich wünschten, ihre Schwerter in Händen zu halten. »Ihr Weiber werdet die Freiheit der Stadt genießen«, fuhr Galiose mit einem Lächeln fort, »denn alles wurde für euer Kommen vorbereitet. Keine Waffe wird sich in eurer Reichweite befinden, und die Tore und Mauern werden schwer bewacht sein. Ihr könnt euch frei bewegen, wie ihr wollt, um unsere Stadt kennenzulernen, dürft aber den Toren und Mauern auf höchstens zwei Straßen nahekommen. Hält sich ein Weib nicht daran, wird es zur sofortigen Bestrafung demjenigen übergeben, der es hergebracht hat. Ihr wurdet hierhergebracht, um den Bedürfnissen der Männer zu dienen, und hier werdet ihr bleiben. Die Männer der Stadt werden zukünftig für euren Schutz und eure Bedürfnisse sorgen, und ihr habt sie gut zu versorgen.«

Alle Männer brachen in großen Jubel aus, als nun unsere Fesseln gelöst wurden, und Galiose auf die Tische hinwies und erklärte: »Der Hohe Senat hat für die Hosta ein Fest vorbereitet und lädt alle Männer ein, daran teilzunehmen. Greift zu!« Zufrieden murmelnd bewegten sich die Männer auf die Tische zu, jedoch die Hosta blieben dort stehen, wo sie standen. Erstaunt und verärgert sagte Galiose: »Warum bewegt ihr euch nicht? Habt ihr nicht verstanden, daß ihr an die Tafeln eingeladen seid? Kommt und eßt!«

Wieder erhielt er keine Antwort. Ratlos sah er sich um, dann fiel sein Blick auf mich, und mit einem leichten Grinsen sagte er: »Liebliche Jalav, es ist nicht lange her, da hast du an meiner Tafel gespeist. Du weißt, daß ihr nichts zu befürchten habt von mir. Erkläre das den anderen.«

»Die Hosta fürchten die Männer aus den Städten nicht«, erklärte ich ihm, »also essen sie auch nicht auf ihren Befehl. Sie werden bald wieder frei sein, und diesen Tag sollten die Männer fürchten!«

Galiose ballte die Fäuste vor Zorn, und Telion sagte: »Ich erkenne nun den Grund, warum die Weiber sich nicht rühren. Sie gehorchen nur Jalav, und wenn diese in den Himmel fahren würde, würden sie hinterherfahren.«

»Ich wollte, meine Gefolgschaft wäre so gehorsam, wie es ihre ist«, meinte Galiose. »Was können wir tun, Jäger?« wandte er sich an Ceralt. »Ich möchte nicht, daß sie mir in der Gefangenschaft verhungern, wie es so mancher Lellin tut.« »Ich weiß es nicht«, entgegnete Ceralt und rieb sich die Stirn mit seiner großen, kräftigen Hand. »Ich hatte nicht gedacht, daß sie das verweigert, was man ihr freiwillig anbietet.« Dann sagte er mit herzlicher Stimme zu mir: »Jalav, ich möchte nicht, daß du leidest, aber ihr Hosta seid jetzt nicht mehr frei, weil wir Männer euch als Gefährtinnen genommen haben. Du gehörst mir, um mich in Liebe zu umsorgen. Wenn du nicht aus freiem Willen essen willst, dann werde ich dich mit dem Haferschleim füttern, wie ich das auf dem Ritt hierher getan habe. Ist es das, was du willst, gefüttert zu werden und behandelt zu werden wie eine Sklavin?«

»Jalav ist keine Sklavin«, entgegnete ich, ohne ihn anzusehen. »Sie gibt nichts darum, was ein Mann will. Telion wurde gefangengenommen und wieder freigelassen, Ceralt wurde gefangengenommen und wieder freigelassen, die Stadt zusammen mit Galiose wurde von uns eingenommen und wieder freigegeben – aber die Städter machen aus denen, die sie gefangennehmen, lebenslange Sklaven. Städter haben keine Ehre, und eine Kriegerin kann vor ihnen nur ausspucken.« Nach meinen Worten herrschte betroffene Stille und die Männer sahen sich unbehaglich an, denn sie wußten, daß ich die Wahrheit gesagte hatte. Doch Ceralt ergriff mich und zog mich näher zu sich heran.

»Fühle dich nicht betrogen, Jalav!« sagte er. »Ich habe dich nicht als Sklavin hierhergebracht, aber meine Liebe zu dir ist zu groß, als daß ich getrennt von dir leben könnte. Du wirst bald mit dem Leben in der Stadt vertraut sein, und dann wirst du begreifen, was ich für dich getan habe. Du wirst lernen, daß das Leben reich und warm sein kann, nicht kalt und leer und in Blut getaucht. Ich zweifle nicht daran, daß du dann meine Liebe erwidern wirst, Frau meines Herzens, und deswegen werde ich dich bei mir behalten. Komm mit mir zur Tafel, denn ich kann dich nicht hungern sehen!«