»Foulspawn von der Brennenden Legion«, sagte Aegwynn. »Du bist es, der hier der Narr ist.«
Der Dämonen-Anführer stieß einen Schrei aus und reckte sein blutiges Schwert, aber Aegwynn war zu schnell für ihn. Sie hob eine Hand mit drei ausgestreckten Fingern. Die narbenbedeckte Brust Foulspawns löste sich auf und ließ nur eine Wolke blutiger Splitter zurück. Seine muskulösen Arme sanken herab, seine Beine gaben nach, und er brach zusammen. Sein Gesicht, auf dem noch immer ein Blick entsetzter Überraschung eingegraben war, fiel nach vorne in den schmelzenden Schnee und verschwand.
Das war das Signal für die Drachen. Sie alle wandten nun ihre Köpfe der versammelten Horde der gerufenen Dämonen zu. Die großen, fliegenden Kreaturen stürzten herab, und Flammen schossen aus ihren geöffneten Mäulern. Die vorderste Reihe der Dämonen wurde verbrannt, in einem einzigen Augenblick zu nicht mehr als Asche reduziert, während andere versuchten, ihre Waffen zu ziehen, ihre eigenen Zauber bereit zu machen, zu fliehen.
Im Zentrum der Armee erhob sich ein Gesang, der nun ein intensives Flehen war – und ein leidenschaftlicher Ruf. Dies waren die Mächtigsten der dämonischen Hexer, die ihre Energie konzentrierten, während die Krieger an den Rändern die Drachen mit tödlichen Opfern bekämpften.
Die Dämonen gruppierten sich neu und schlugen zurück, und auch Drachen begannen nun, vom Himmel zu fallen, ihre Körper von eisernen Pfeilen und flammenden Blitzen durchbohrt, ihr Geist von zauberischen Giften und höllischen Visionen heimgesucht. Doch weiter schrumpfte der Kreis um das Zentrum der Dämonen, als mehr und mehr Drachen sich für die Jagd rächten. Die Rufe im Zentrum wurden verzweifelter und undeutlicher.
Khadgar betrachtete Aegwynn. Sie stand stocksteif im Schnee, ihre Fäuste waren geballt, ihre grünen Augen brannten vor Macht, und ihre Lippen hatten sich zu einem bösen Grinsen geöffnet. Auch sie sang, etwas Dunkles und Unmenschliches, das Khadgar noch nie zuvor gehört hatte. Sie bekämpfte den Zauber, den die Dämonen gewoben hatten, aber sie entzog ihm auch Energie für sich selbst und formte sie zu einem Schwert, das für ihre Hände bestimmt war – einer hellen Klinge, um ihre Feinde zu vernichten.
Die Schreie der Dämonen im Zentrum erreichten eine fiebrige Höhe, und jetzt schrie auch Aegwynn, während ein Nimbus von Energie um sie herum knisterte. Ihr Haar wehte in mystischen Winden um ihren Kopf. Sie erhob beide Arme und entließ die letzten Worte ihrer Beschwörung.
Und es gab einen Blitz im Zentrum der dämonischen Horde, wo die Hexer sangen und schrien und beteten. Es war ein Riss im Universum, dieses Mal ein heller Spalt, als habe sich ein Tor zur Sonne selbst geöffnet. Die Energie wirbelte in Spiralarmen heraus, und die Dämonen hatten nicht einmal genug Zeit zu schreien, als sie sie ergriff, sie von innen heraus verbrannte und nur tote Schatten zurückließ, wo sie gerade noch gestanden hatten.
Alle Dämonen wurden von dem Zauber erfasst und auch ein paar der Drachen, die sich dem Zentrum der dämonischen Horde zu sehr genähert hatten. Sie waren gefangen wie Motten in einer Flamme und starben in einem einzigen furchtbaren Augenblick.
Aegwynn stieß einen matten Atemzug aus und lächelte. Es war das Lächeln des Wolfs, des Raubtiers, des Siegers. Wo die dämonische Horde gewesen war, stand jetzt nur noch eine Rauchsäule, die sich als große Wolke zum Himmel erhob.
Doch während Khadgar zusah, wurde die Wolke flacher und sammelte sich um sich selbst, wurde dunkler und intensiver, wie eine düstere Gewitterfront. Doch indem sie ihre Macht konzentrierte, wurde sie stärker, und ihr Herz wurde schwärzer, wurde Purpur und Ebenholz.
Aus der finsteren Wolke trat ein Gott.
Es war eine titanische Gestalt, größer als alle Riesen der Legenden, größer als jeder Drache. Die Haut des Gottes sah aus, als sei sie aus Bronze gegossen, und er trug eine schwarze Rüstung aus geschmolzenem Obsidian. Sein langer Bart und sein wildes Haar bestanden aus lebenden Flammen, und mächtige Hörner ragten über seinen dunklen Brauen hervor. Seine Augen hatten die Farbe des Unendlichen Abgrunds. Als er seine Füße in diese Welt setzte, bebte die Erde. Er trug einen gigantischen Speer, in den Runen eingegraben waren, von denen brennendes Blut tropfte, und er hatte einen langen Schwanz, der in einem Feuerball endete.
Die überlebenden Drachen flohen vom Schlachtfeld und suchten die Sicherheit des dunklen Waldes und der fernen Felswände. Khadgar konnte es ihnen nicht verübeln. So viel Macht Medivh auch besitzen mochte, so viel Macht seine Mutter hier bewiesen hatte, sie waren nur zwei kleine Kerzen verglichen mit der wütenden Feuersbrunst der Macht dieses Dämonenlords.
»Sargeras«, zischte Aegwynn.
»Wächterin«, donnerte der große Dämon mit einer Stimme, die so tief war wie der Ozean. In der Ferne zerbarsten die eisigen Klippen, als sie sein höllisches Organ als Echo zurückwerfen wollten.
Die Wächterin richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und sagte: »Ich habe dein Spielzeug zerbrochen. Wir sind hier fertig. Flieh, so lange du noch dein Leben hast.«
Khadgar sah die Wächterin an, als habe sie den Verstand verloren. Selbst er konnte sehen, dass sie von ihrem Kampf erschöpft war, fast so leer wie Khadgar nach seiner Konfrontation mit den Orks. Sicher durchschaute der titanische Dämon ihre List. Das Epos sprach von Aegwynns Sieg. Würde Khadgar stattdessen Zeuge ihres Todes werden?
Sargeras lachte nicht, aber seine Stimme donnerte über das Land hinweg und drückte es nieder, auch den geisterhaften Khadgar.
»Die Zeit von Tirisfal ist zu Ende«, erklärte der Dämon. »Diese Welt wird bald der Invasion der Brennenden Legion zum Opfer fallen.«
»Nicht so lange es einen Wächter gibt«, sagte Aegwynn. »Nicht so lange ich lebe und jene, die nach mir kommen.« Ihre Finger schlossen sich, und Khadgar konnte sehen, dass sie Macht in sich hinein zog, ihren Geist, ihren Willen und ihre Energie für einen großen Angriff konzentrierte. Khadgar trat einen Schritt zurück, dann noch einen, dann einen dritten. Wenn sein älteres Selbst ihn in der Vision hatte sehen können, wenn der junge Medivh ihn hatte sehen können, konnten ihn dann nicht auch diese beiden großen Mächte, Zauberin und Monster, wahrnehmen?
Oder war er vielleicht zu klein, um von Wesen wie ihnen bemerkt zu werden?
»Ergib dich jetzt«, sagte Sargeras. »Ich könnte jemanden von deiner Stärke gebrauchen.«
»Nein«, sagte Aegwynn, ihre Hände zu festen Fäusten geballt.
»Dann stirb, Wächterin, und lass deine Welt mit dir sterben«, sagte der titanische Dämon und hob seinen blutenden Runenspeer.
Aegwynn riss beide Hände in die Höhe und entließ einen wilden Schrei, halb Fluch, halb Gebet. Ein flammender Regenbogen von Farben, wie man ihn auf dieser Welt noch nie gesehen hatte, brach aus ihren Handflächen hervor und schlängelte sich nach oben wie ein lebender Blitz. Er drang wie ein Dolch ins Zentrum von Sargeras’ Brust ein.
Der Angriff schien Khadgar wie ein Bogenschuss, der gegen ein Schiff abgefeuert wurde, ebenso klein, ebenso wirkungslos. Doch Sargeras stolperte unter dem Schlag, wurde einen halben Schritt zurückgeworfen und ließ seinen großen Speer fallen. Die Waffe schlug auf den Boden wie ein Meteorit, der in die Erde fährt. Der Schnee kräuselte sich unter Khadgars Füßen. Er fiel auf ein Knie, blickte aber weiter zum Dämonen-Lord auf.
Wo Aegwynns Zauber den Dämon getroffen hatte, dehnte sich Finsternis aus. Nein, nicht Finsternis, eher Kälte. Das heiße, bronzene Fleisch des Titanen starb und wurde durch eine kalte, leblose Masse ersetzt. Sie breitete sich vom Zentrum seiner Brust aus wie eine Feuersbrunst und verschlang das dämonische Fleisch.
Sargeras betrachtete die sich ausweitende Vernichtung mit Überraschung, dann Besorgnis, dann Furcht. Er hob eine Hand, um sie zu berühren, und sie sprang auch auf seine Finger über, fraß sich den Arm hinauf und verwandelte ihn in eine tote Masse rauen, schwarzen Metalls. Nun begann Sargeras einen eigenen Zauber zu singen. Er zog alle Energie, die er besaß, zusammen, um den Prozess umzukehren, um die Flut zu stoppen, um das ihn verschlingende Feuer zu löschen. Seine Worte wurden heißer und leidenschaftlicher, und seine noch nicht angegriffene Haut flackerte vor leuchtender Energie. Er strahlte wie eine Sonne und schrie Flüche, als die dunkle Kälte den Ort erreichte, wo sein Herz sein musste.