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Medivh schwieg einen Moment lang, strich sich über den Bart und sagte: »Sonst noch etwas?«

»Es gibt mehr. Details und einzelne Geschichten. Ich habe Schnitzereien von Dämonen gesehen, Bilder, Diagramme.« Wieder fühlte Khadgar das Bedürfnis in sich aufsteigen, Medivh von seiner Vision zu berichten, von der Dämonen-Armee, von Sargeras. Stattdessen sagte er: »Und es gibt ein altes Epos, das erzählt, wie Aegwynn in einem fernen Land gegen eine Horde von Dämonen gekämpft hat.«

Diese Erwähnung brachte ein sanftes, wissendes Lächeln auf Medivhs Gesicht. »Ah ja, ›Das Lied der Aegwynn‹. Man findet dieses Gedicht in den Quartieren vieler mächtiger Zauberer, musst du wissen.«

»Mein Lehrer Lord Guzbah war sehr daran interessiert«, sagte Khadgar.

»Wirklich?«, sagte Medivh lächelnd. »Bei allem gebührenden Respekt, aber ich weiß nicht, ob Guzbah wirklich bereit ist für dieses Gedicht. Zumindest nicht in seiner wahren Form.« Er hob die Augenbrauen. »Was du gesagt hast, entspricht im Grunde der Wahrheit. Viele Menschen gießen sie in die Form von Legenden und Märchen, aber ich glaube, du weißt genauso gut wie ich, dass Dämonen real sind, und dass sie da draußen existieren, und ja, sie stellen tatsächlich eine Bedrohung für jene dar, die auf dieser von der Sonne beschienenen Welt wandeln. Und auch alle anderen Welten müssen sich vor ihnen furchten. Ich glaube jetzt, ich glaube fest, dass deine Welt mit dem roten Himmel ein solcher Ort war, eine andere Welt auf der anderen Seite des Großen Dunklen Jenseits. Das Jenseits ist ein Gefängnis für jene Dämonen, ein Ort ohne Licht, und sie sind sehr, sehr eifersüchtig auf uns und sehnen sich danach, wieder hierher zurückzukehren.«

Khadgar nickte, und Medivh fuhr fort: »Aber deine Annahme, dass ihre Opfer einen schwachen Willen haben, ist falsch, auch wenn es wieder ein gut gemeinter Irrtum ist. Es gibt mehr als genug eigennützige Bauern, die eine dämonische Kraft aus Rache gegen eine frühere Liebe anrufen, oder dumme Kaufleute, die die Rechnung eines Schuldners mit einer schwarzen Kerze verbrennen und dabei den alten Namen einer einst großen dämonischen Kraft in ihrem Mund böse verstümmeln. Aber nicht weniger häufig sind jene, die in vollem Bewusstsein in den Abgrund gehen, die sich für gelehrt halten und sicher fühlen, dass keine Verlockung oder Bedrohung ihnen etwas anhaben kann – dass sie stark genug sind, die dämonischen Energien zu bändigen, die jenseits der Mauern der Welt wüten. Sie sind viel gefährlicher als der Pöbel, denn wie du weißt, ist das Beinahe-Scheitern eines mächtigen Zauberers viel tödlicher als das vollkommene Scheitern eines Versagers.«

Khadgar konnte nur nicken und fragte sich wieder, ob Medivh die Macht hatte, in seinem Geist zu lesen. »Aber dies waren mächtige Magier – Huglar und Hugarin, meine ich.«

»Die mächtigsten in Azeroth«, sagte Medivh. »Die weisesten und besten Zauberer, magische Berater von König Llane. Angesehen, weise und gut versorgt!«

»Sicher hätten sie es besser wissen müssen?«, fragte Khadgar.

»Das sollte man meinen«, sagte Medivh. »Doch hier stehen wir in den Trümmern ihrer Kammer, und ihre dämonenverbrannten Leichen liegen im Weinkeller.«

»Warum haben sie es dann getan?« Khadgar runzelte die Stirn und versuchte, den Magus nicht durch eine dumme Frage zu beleidigen. »Wenn sie so viel wussten, warum haben sie dann einen Dämon beschworen?«

»Dafür kann es viele Gründe geben«, seufzte Medivh. »Vermessenheit, jener falsche Stolz, der vor dem Fall kommt. Übersteigertes Selbstvertrauen – in jedem Einzelnen von ihnen … und noch dadurch verdoppelt, dass sie zusammenarbeiteten. Und Furcht, nehme ich an, vor allem Furcht.«

»Furcht?« Khadgar blickte Medivh fragend an.

»Furcht vor dem Unbekannten«, sagte Medivh. »Furcht vor dem Bekannten. Furcht vor Dingen, die mächtiger sind als sie selbst.«

Khadgar schüttelte den Kopf. »Was könnte mächtiger sein als zwei der größten und weisesten Zauberer von Azeroth?«

»Ah«, machte Medivh, und ein winziges Lächeln erblühte in seinem Bart. »Das bin dann wohl ich. Sie haben sich selbst getötet, als sie einen Dämon riefen und mit Mächten spielten, die man besser in Ruhe lassen sollte, weil sie sich vor mir fürchteten.«

»Vor Euch?«, fragte Khadgar, und die Überraschung in seiner Stimme war größer als er es zeigen wollte. Einen Augenblick lang fürchtete er, er habe den Magus ein weiteres Mal beleidigt.

Aber Medivh atmete nur tief ein und ließ die Luft langsam wieder ausströmen. »Vor mir. Sie waren Narren, aber ich gebe auch mir selbst die Schuld. Komm, Junge. Lothar kann warten. Es ist an der Zeit, dass ich dir die Geschichte der Wächter und des Ordens von Tirisfal erzähle, der alles ist, was zwischen uns und der Finsternis steht.«

8

Lektionen

»Um den Orden zu verstehen«, sagte Medivh, »musst du Dämonen verstehen. Du musst außerdem Magie beherrschen.«

Er setzte sich auf einen der unbeschädigten Stühle, auf dem auch eines der wenigen noch heilen Kissen lag.

»Lord Medivh … Magus«, sagte Khadgar. »Wenn ein Dämon in Stormwind unterwegs ist, sollten wir uns darauf konzentrieren und nicht auf die Geschichtsstunden, für die später noch Zeit sein wird.«

Medivh blickte auf seine Brust, und Khadgar befürchtete, dass ihm ein weiterer Ausbruch des älteren Magiers bevorstand. Doch der schüttelte einfach nur den Kopf und lächelte. »Deine Bedenken würden Sinn ergeben, wenn der Dämon eine Bedrohung für jene in deiner Umgebung wäre. Aber vertrau mir, dass dem nicht so ist. Selbst wenn der Dämon einer der mächtigeren Offiziere innerhalb der Brennenden Legion wäre, hätte er den Großteil seiner persönlichen Macht im Kampf gegen die beiden Magier verloren, die ihn beschworen. Zumindest momentan spielt er keine Rolle.

Wichtig ist nur, dass du verstehst, was der Orden ist, was ich bin und warum andere sich so sehr für ihn interessieren.«

»Aber Magus …«, begann Khadgar.

»Und je eher ich hier fertig bin, desto eher werde ich wissen, ob ich dir diese Informationen anvertrauen kann, und desto eher kann ich mich um diesen lächerlichen Dämon kümmern. Wenn du also willst, dass ich gehe, solltest du mich zu Ende reden lassen. Richtig?«

Khadgar wollte protestieren, überlegte es sich jedoch anders. Er lehnte sich an das breite Sims des geöffneten Fensters. Die Diener hatten ihr Möglichstes getan und die Leichen aus dem Turm entfernt. Aber der Geruch ihres Todes, dieser schwere Gestank der Verwesung, hing noch immer in der Luft.

»Also, was ist Magie?«, fragte Medivh im Tonfall eines Lehrers.

»Ein Energiefeld, das die Welt durchdringt«, antwortete Khadgar, ohne nachzudenken. Es war eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. »Es ist an einigen Orten stärker als an anderen, aber immer präsent.«

»Ja, das ist es«, antwortete der ältere Magier, »zumindest jetzt. Aber es gab eine Zeit, als dem nicht so war.«

»Aber Magie ist allgegenwärtig«, sagte Khadgar, wusste jedoch in dem Moment, da er die Worte aussprach, dass das Gegenteil bewiesen werden würde. »Sie ist so wie Luft oder Wasser.«

»Ja, wie Wasser«, sagte Medivh. »Aber es gab eine Zeit ganz zu Anfang, als sich das gesamte Wasser der Welt an einem Ort befand. All der Regen und die Flüsse und die Seen und die Ströme, all die Schauer und Bäche und Tränen waren an einem Ort, in einem Brunnen.«

Khadgar nickte langsam.

»Was für Wasser gilt, gilt auch für Magie«, sagte Medivh. »Ein Brunnen der Magie. Die Quelle war die Öffnung in eine andere Dimension, ein leuchtendes Tor in ein Land jenseits der Großen Dunkelheit, jenseits der Mauern der Welt. Die ersten Völker, die Zaubersprüche erdachten, lebten rund um diesen Brunnen und verwandelten seine rohe Macht in Magie. Man nannte sie damals die Kaldorei. Wie man sie heute nennt, kann ich nicht sagen.« Medivh sah Khadgar an, aber der jüngere Magier schwieg.