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Lothar nickte. »Ein Wirbelsturm, das stimmt. Und vermutlich auch ein Gewitter.«

Khadgar hob die Schultern. »Er hat Launen, wie jeder.«

»Hm«, sagte der Champion des Königs. »Wenn ein Stallknecht schlechte Laune hat, tritt er einen Hund. Wenn ein Magier schlechte Laune hat, verschwindet eine Stadt. Das meine ich nicht beleidigend.«

»Ich empfinde es nicht als Beleidigung, Herr«, sagte Khadgar und dachte an die toten Magier im Turmzimmer. »Ihr fragtet, was mit ihm sei. Nun, all das ist mit ihm.«

»Hm«, machte Lothar erneut. »Er ist ein sehr mächtiger Mann.«

Und du machst dir ebensolche Sorgen wegen ihm wie die anderen Zauberer, dachte Khadgar. Laut sagte er jedoch nur: »Er sagt Gutes über Euch.«

»Was denn?«, fragte Lothar schneller, als er es vermutlich wollte.

Khadgar wählte seine Worte mit Bedacht. »Nur dass Ihr ihm treu gedient habt, als er krank war.«

»Das stimmt«, grunzte der Champion und riss den zweiten Schlegel ab.

»Und dass Ihr sehr aufmerksam seid«, fügte Khadgar hinzu. Er war der Ansicht, dass er damit Medivhs Meinung über den Krieger ausreichend dargelegt hatte.

»Schön, dass ihm das auffällt«, sagte Lothar mit vollem Mund. Sie schwiegen, während Lothar kaute und hinunterschluckte. »Hat er den Wächter erwähnt?«

»Wir haben darüber gesprochen«, sagte Khadgar, der den Eindruck hatte, sich auf sehr dünnem Eis zu bewegen. Medivh hatte ihm nicht gesagt, wie viel Lothar wusste. Er entschied sich, nicht mehr dazu zu sagen.

»Und es steht dem Schüler nicht zu, über die Taten seines Meisters zu diskutieren, richtig?«, fragte Lothar mit einem Lächeln, das eine Idee zu gezwungen wirkte. »Komm schon, du bist aus Dalaran. In diesem magischen Schlangennest gibt es mehr Geheimnisse als an jedem anderen Ort des Kontinents. Das meine ich auch nicht beleidigend.«

Khadgar antwortete diplomatisch: »Mir ist aufgefallen, dass es hier weniger offensichtliche Rivalitäten zwischen den Magiern gibt als in Lordaeron.«

»Willst du wirklich behaupten, dass dir deine Lehrer keine Liste von Dingen mitgegeben haben, die du beim hohen Magus in Erfahrung bringen sollst?« Lothars Grinsen war jetzt ehrlicher, wirkte beinahe schon mitfühlend.

Khadgar spürte, wie er errötete. Die tastenden Bemerkungen des älteren Kriegers kamen der Wahrheit immer näher. »Alle Bittstellungen der Violetten Zitadelle liegen Medivh vor. Er hat sich bisher sehr wohlwollend gezeigt.«

»Hm«, knurrte Lothar. »Dann fragen sie wohl nicht nach wichtigen Dingen. Ich weiß, dass die Magier hier – auch Huglar und Hugarin, mögen die Heiligen ihren Seelen gnädig sein – ihm ständig Löcher in den Bauch fragten und sich dann beim König oder mir beschwerten, wenn sie keine Antwort erhielten. Als ob wir ihn kontrollieren könnten!«

»Ich glaube, das kann keiner«, sagte Khadgar und spülte jeden weiteren Kommentar mit seinem Bier herunter.

»Noch nicht einmal seine Mutter, so weit ich weiß«, sagte Lothar. Es war nur ein kurzer Satz, aber er hatte die Wirkung eines Dolchstoßes. Khadgar wollte Lothar nach ihr fragen, hielt sich aber zurück.

»Ich bin wohl zu jung, um etwas zu wissen«, sagte er. »Ich habe einiges über sie gelesen. Sie muss eine mächtige Magierin gewesen sein.«

»Und diese Macht ruht jetzt in ihm«, sagte Lothar. »Sie ließ ihn an diesem Hof von einem Zauberer zeugen, säugte ihn mit reiner Magie und erfüllte ihn mit ihrer Kraft. Ja, ich weiß alles darüber, setzte die Puzzleteile zusammen, nachdem er ins Koma fiel. Er war jung, viel zu jung. Selbst heute mache ich mir Sorgen.«

»Ihr fürchtet, er wäre zu mächtig«, sagte Khadgar. Lothar starrte ihn plötzlich durchdringend an. Der junge Magier kniff die Lippen zusammen. Mit seiner unbedachten Äußerung hatte er seinen Gastgeber praktisch beschuldigt.

Doch Lothar lächelte und schüttelte den Kopf. »Ganz im Gegenteil, Junge, ich fürchte, dass er nicht mächtig genug ist. Furchtbare Dinge geschehen in den Königreichen. Diese Orks, die du vor einem Monat sahst, vermehren sich wie Kaninchen. Und die Trolle, die beinahe ausgestorben waren, tauchen jetzt immer häufiger auf. Und Medivh jagt gerade einen Dämon … Uns stehen üble Zeiten bevor, und ich hoffe, nein ich bete, dass er dem gewachsen ist. Über zwanzig Jahre lebten wir ohne Wächter, während er im Koma lag. In einer Zeit wie dieser will ich so keine weiteren zwanzig Jahre verbringen.«

Khadgar war das Gespräch plötzlich unangenehm. »Als Ihr gefragt habt, wie es um ihn steht, meintet Ihr …«

»… was ich sagte«, fiel ihm Lothar ins Wort. »Ich will nicht, dass er jetzt schwächer wird. Orks, Trolle, Dämonen … und dann gibt es da noch …« Lothar ließ den Satz im Nichts enden, sah Khadgar an und sagte: »Ich kann davon ausgehen, dass du mittlerweile vom Wächter weißt?«

»Davon könnt Ihr ausgehen«, antwortete Khadgar.

»Und auch vom Orden?«, fragte Lothar lächelnd. »Du musst nicht antworten, junger Mann, deine Augen haben dich verraten. Du solltest nie mit mir Karten spielen.«

Khadgar fühlte sich in die Enge getrieben. Medivh hatte ihm befohlen, dem Champion nicht zu viel zu verraten, aber Lothar schien bereits ebenso viel zu wissen, wie Khadgar selbst. Wenn nicht sogar mehr.

Lothar sprach mit ruhiger Stimme weiter. »Wir hätten Med nicht wegen eines einfachen magischen Fehlers gerufen. Selbst dann nicht, als zwei Magier in ihren eigenen Zaubern gefangen wurden. Huglar und Hugarin gehörten zu unseren Besten, zu unseren Mächtigsten. Es gab eine Magierin, die noch mächtiger war, doch sie starb bei einem Unfall vor zwei Monaten. So weit ich weiß, gehörten alle drei deinem Orden an.«

Khadgar spürte, wie es ihm kalt über den Rücken lief. Mühsam antwortete er: »Ich glaube nicht, dass ich darüber reden möchte.«

»Dann lass es«, sagte Lothar. Seine Augenbrauen waren so eng zusammengezogen, dass sie wie Hügel in einer uralten Landschaft wirkten. »Drei mächtige Magier, die Mächtigsten in Azeroth. Kein Vergleich zu Med oder seiner Mutter natürlich, aber trotzdem große und mächtige Zauberer. Alle tot. Dass ein Magier Pech hat oder sich überrumpeln lässt, kann ich nachvollziehen, aber gleich drei? Ein Krieger glaubt nicht an eine solche Häufung von Zufällen.

Und es gibt noch mehr Ungereimtheiten«, fuhr der Champion des Königs fort. »Ich habe meine eigenen Quellen, von denen ich Dinge erfahre. Karawanenhändler, Söldner und Abenteurer, die in die Stadt kommen, erzählen dem alten Lothar viel. Ich erfahre Dinge aus Ironforge und Alterac, sogar aus Lordaeron. Missgeschicke wie die erwähnten, grassieren wie eine Seuche. Ich glaube, dass jemand – oder schlimmer noch: etwas – die großen Magier dieses Geheimordens jagt, und zwar hier und in Dalaran selbst. Daran gibt es keinen Zweifel.«

Khadgar fiel auf, dass der ältere Mann ihn eindringlich musterte, während er sprach. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass diese Theorie zu den Gerüchten passte, die er vor seiner Abreise in der Violetten Zitadelle gehört hatte. Uralte Magier starben plötzlich, und die Spitze der Hierarchie vertuschte das. Das große Geheimnis der Kirin Tor … Teil eines größeren Problems.

Trotz dieser Erkenntnis wandte sich Khadgar ab und blickte über die Stadt hinaus.

»Ja, wohl auch in Dalaran«, sagte Lothar. »Ich erfahre nur wenig von dort, aber ich würde wetten, dass die Neuigkeiten die gleichen sind, oder?«

»Glaubt Ihr, dass der Lord Magus in Gefahr schwebt?«, fragte Khadgar. Sein Wunsch, Lothar nichts zu erzählen, schwand im Angesicht der offensichtlichen und ehrlich erscheinenden Sorge des alten Kriegers.

»Ich glaube, dass Medivh grundsätzlich eine Gefahr ist«, sagte Lothar. »Und ich bewundere jeden, der es wagt, sich unter dem gleichen Dach wie er aufzuhalten.« Es klang wie ein Witz, aber der Champion des Königs lächelte nicht. »Ja, etwas ist da draußen, und es steht vielleicht in Zusammenhang mit den Dämonen, den Orks oder etwas Schlimmerem. Und ich möchte zu einem solchen Zeitpunkt nicht unsere stärkste Waffe verlieren.«