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»Genug zu essen«, brummte einer. »Sogar gute Sachen. Wir werden uns das Zeug heute Abend schmecken lassen, Jungs.«

»Major Remka wird sich das Essen schmecken lassen«, sagte ein anderer.

»Wie sollte sie davon erfahren, wenn wir ihr nichts sagen?«, fragte ein Dritter. Thrall sah zu, als der, der als Erster gesprochen hatte, gierig in ein Stück Fleischpastete biss, das Taretha eingepackt hatte.

»Sieh mal an«, sagte der Erste. »Ein Messer.« Er erhob sich und ging zu Thrall, der hilflos in seinem Netz gefangen war. »Hast alles geklaut, was?« Er hielt das Messer vor Thralls Gesicht. Thrall blinzelte nicht einmal.

»Lass ihn, Hult«, sagte der zweite Mann. Er war der Kleinste und Aufgeregteste von den Sechsen. Die anderen hatten ihre Pferde an Äste gebunden und teilten die Beute untereinander auf. Sie packten alles in ihre Satteltaschen und hatten anscheinend entschieden, der mysteriösen Remka, wer immer sie auch war, nichts davon zu erzählen.

»Das behalte ich!«, sagte Hult.

»Du kannst das Essen haben, aber du weißt, dass wir alles andere abgeben müssen«, sagte der zweite Mann. Er schien Respekt vor Hult zu haben und war entschlossen, seine Befehle zu befolgen.

»Und wenn ich’s nicht tue?«, fragte Hult. Thrall mochte ihn nicht. Er sah gemein und wütend aus – so wie Blackmoore. »Was wirst du dann tun?«

»Du solltest dir lieber Gedanken darüber machen, was ich dann tue«, sagte eine neue Stimme. Dieser Mann war groß und schlank. Er wirkte körperlich nicht imposant, aber Thrall hatte gegen genügend gute Krieger gekämpft, um zu wissen, dass Technik manchmal mehr wog als Größe. Wenn man von Hults Reaktion ausging, wurde der Mann respektiert.

»Es gibt diese Regeln, damit wir die Orks im Auge behalten können. Das ist der Erste seit Jahren, der eine menschliche Waffe bei sich trägt. Das müssen wir berichten. Was die angeht …«

Thrall sah entsetzt zu, wie der Mann Tarethas Briefe betrachtete und sich dann mit zusammengekniffenen Augen an ihn wandte. »Du kannst wohl nicht zufällig lesen, was?«

Die anderen Männer lachten so schallend, dass Brotkrumen aus ihren Mündern flogen, doch der Mann, der die Frage gestellt hatte, blieb ernst. Thrall wollte antworten, überlegte es sich jedoch anders. Es war besser so zu tun, als würde er die menschliche Sprache nicht beherrschen.

Der große Mann kam zu ihm. Thrall spannte sich an, erwartete einen Schlag, aber der Mann ging vor ihm in die Hocke und sah Thrall direkt in die Augen. Thrall sah weg.

»Du. Lesen?« Der Mann zeigte mit einem behandschuhten Finger auf die Briefe. Thrall starrte sie an und kam zu dem Schluss, dass selbst ein Ork, der die menschliche Zunge nicht beherrschte, den Zusammenhang erkennen müsste. Deshalb schüttelte er heftig den Kopf. Der Mann sah ihn schärfer an und stand auf. Thrall war sich nicht sicher, ob ihm Glauben geschenkt wurde.

»Er kommt mir bekannt vor«, sagte der Mann. Thrall spürte immer eisigere Kälte in sich aufsteigen.

»Für mich sehen die alle gleich aus«, sagte Hult. »Groß, grün und hässlich.«

»Schade, dass keiner von uns lesen kann«, sagte der Mann. »Ich wette, diese Papiere würden uns einiges erklären.«

»Du willst immer mehr, als deinem Stand zusteht, Waryk«, sagte Hult mit einem Hauch von Abneigung in der Stimme.

Waryk steckte die Briefe zurück in den Sack, nahm Hult trotz halbherziger Proteste das Messer ab und schwang den jetzt fast leeren Sack über den Sattel seines Pferdes. »Leg das Essen weg, bevor ich meine Meinung ändere. Wir bringen ihn zum Lager.«

Thrall hatte angenommen, sie würden ihn auf einen Karren oder einen der Wagen binden, an die er sich erinnerte. Doch sie brachten ihm noch nicht einmal diese winzige Spur von Menschlichkeit entgegen. Stattdessen banden sie einfach einen Strick an dem Netz fest, in das er eingewickelt lag und zogen ihn hinter einem der Pferde her. Nach vielen Jahren im Gladiatorenring hatte sich Thrall eine dicke Haut angeeignet – noch sehr viel dicker als Ork-Haut ohnehin schon war. Was ihn weit mehr verletzte, war der Verlust von Tarethas Briefen. Es war sein Glück, dass keiner der Männer lesen konnte, und er war dankbar, dass sie nicht die Halskette gefunden hatten. In der letzten Nacht hatte er sie angeschaut, und es war ihm gelungen, sie in seine schwarze Hose zu stecken, bevor sie von jemand bemerkt wurde. Dieses Stück von Taretha war ihm also wenigstens geblieben.

Die Reise schien ewig zu dauern. Die Sonne kroch nur langsam über den Himmel. Schließlich erreichten sie eine hohe Steinmauer. Waryk bat um Durchlass, und Thrall hörte, wie ein schweres Gittertor geöffnet wurde. Man drehte ihn auf seinen Rücken, sodass er die Dicke der Mauer bewundern konnte, als sie die Pforte passierten. Gelangweilte Wachen warfen dem Neuankömmling einen kurzen Blick zu, bevor sie sich wieder ihren unterbrochenen Angelegenheiten widmeten.

Das erste, was Thrall bemerkte, war der Gestank. Er erinnerte ihn an die Ställe von Durnholde, war jedoch sehr viel stärker. Er rümpfte die Nase. Hult bemerkte es und lachte.

»Bist wohl schon zu lange von deiner Art getrennt gewesen, Grüner«, sagte er. »Hast vergessen, wie sehr ihr stinkt.« Er kniff sich die Nase zu und rollte mit den Augen.

»Hult!«, warnte ihn Waryk. Er griff nach dem magischen Netz und sprach eine Formel. Thrall spürte, wie sich seine Fesseln lösten und kam auf die Beine.

Er sah sich entsetzt um. Überall hockten Dutzende – vielleicht sogar Hunderte – Orks. Einige saßen in ihren eigenen Exkrementen. Ihre Blicke waren starr, ihre Kiefer mit den Stoßzähnen hingen herab. Einige gingen auf und ab und murmelten unzusammenhängende Worte. Andere schliefen zusammengerollt auf der Erde und schienen noch nicht einmal zu bemerken, wenn jemand auf sie trat. Es gab gelegentlichen Streit, doch der endete stets so rasch, wie er begonnen hatte, als hätten die Beteiligten nicht genügend Kraft, ihn bis zu einer Entscheidung auszufechten.

Was ging hier vor? Wurde Thralls Volk unter Drogen gehalten? Ja, das musste die Erklärung sein. Thrall wusste, was Orks waren, wie wild und grausam sie sein konnten. Er hatte erwartet … nun, er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber sicherlich nicht diese unnatürliche Lethargie.

»Na, komm«, sagte Waryk und schob ihn sanft auf eine Gruppe von Orks zu. »Essen gibt es einmal am Tag, Wasser ist in den Trögen.«

Thrall richtete sich auf und versuchte ein tapferes Gesicht zu machen, als er auf eine Gruppe von fünf Orks zuging, die neben einem Wassertrog saßen. Er fühlte, wie Waryks Blicke auf seinem geschundenen Rücken ruhten und hörte den Mann sagen: »Ich könnte schwören, ihn schon mal gesehen zu haben!« Dann gingen die Männer weg.

Nur ein Ork sah auf, als Thrall näher kam. Thrall war noch nie einem Angehörigen seines Volkes so nahe gewesen – und jetzt waren da sogar fünf.

»Ich grüße euch«, sagte er auf Orkisch.

Sie starrten ihn an. Einer sah zu Boden und grub einen kleinen Stein aus, der im Sand steckte.

Thrall versuchte es noch einmal. »Ich grüße euch!« Er breitete seine Arme in einer Geste aus, von der die Bücher behaupteten, dass so ein Krieger dem anderen Respekt entbot.

»Wo haben sie dich gefangen?«, fragte einer von ihnen schließlich in der Menschensprache. Auf Thralls verwirrten Blick hin, fuhr er fort: »Du beherrschst Orkisch nicht seit der Geburt. Das hört man.«

»Du hast Recht. Ich wurde von Menschen aufgezogen. Sie brachten mir nur wenig Orkisch bei. Ich hatte gehofft, ihr könntet es mich besser lehren.«

Die Orks sahen sich an und begannen zu lachen. »Von Menschen aufgezogen, aha. Hey, Krakis – komm mal rüber. Wir haben hier einen guten Geschichtenerzähler! In Ordnung, Schamane, erzähl uns noch eine!«

Thrall spürte, wie seine Hoffnung auf einen Kontakt mit seinem Volk schwand. »Bitte, ich wollte niemanden beleidigen. Ich bin jetzt ein Gefangener wie ihr. Ich habe noch nie andere Orks getroffen. Ich wollte nur …«

Der eine, der weggesehen hatte, drehte sich zurück, und Thrall brach ab. Die Augen dieses Orks waren feuerrot und schienen zu glühen, als würden sie von innen beleuchtet. »Du wolltest also dein Volk treffen? Nun, du hast uns getroffen. Jetzt lass uns in Ruhe.« Er widmete sich wieder seinem Stein.