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Obwohl es Thrall schwer fiel, die richtigen Worte in der Ork-Sprache zu finden, verstand er doch wesentlich mehr als er selbst zu sagen vermochte. Also blieb er stumm und hörte zu.

Die Orks, die ihn zu Hellscream bringen wollten, waren überrascht über die Energie, die er ausstrahlte. Thrall bemerkte, dass viele von ihnen braune oder schwarze Augen hatten, nicht das merkwürdige Rot der meisten Orks aus dem Lager. Kelgar hatte vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem »Feuerblick« und der seltsamen Lethargie gab, unter der die Orks litten. Thrall wusste nicht, ob es stimmte und hoffte, durch Zuhören mehr zu erfahren.

Die Orks erwähnten zwar nicht die rotglühenden Augen, sprachen aber über das Phänomen der Lethargie. Viele der Worte, die Thrall nicht verstand, erklärten sich durch den verachtenden Tonfall, in dem sie ausgesprochen wurden. Nicht nur Thrall war abgestoßen und angewidert von den einst legendären Kämpfern, die sich jetzt schlimmer als Vieh behandeln ließen. Ein Stier griff wenigstens an, wenn man ihn zu sehr reizte …

Über ihren Kriegsherrn sprachen sie lobend und voller Achtung. Sie erwähnten auch Thrall und fragten sich, ob er vielleicht ein neuer Spion sei, der Groms Lager ausfindig machen und die Menschen in einen feigen Angriff führen sollte. Thrall hoffte verzweifelt, dass er einen Weg finden würde, um sie von seiner Ehrenhaftigkeit zu überzeugen. Er würde alles tun, um sich ihnen zu beweisen.

Schließlich kam die Gruppe zum Stehen. Der Anführer, der den Namen Rekshak trug, knotete eine Schärpe auf, die er um seine breite Brust trug. Er hielt sie in beiden Händen und ging auf Thrall zu. »Du wirst …«

Er sagte etwas auf Orkisch, das Thrall nicht verstand. Trotzdem wusste er, was Rekshak wollte. Thrall überragte die anderen Orks, deshalb senkte er gehorsam den Kopf und ließ sich die Augen verbinden. Die Schärpe roch nach Schweiß und Blut.

Sie hätten ihn jetzt leicht töten oder einfach gefesselt und mit verbundenen Augen seinem Schicksal überlassen können. Thrall akzeptierte diese Möglichkeit und zog sie einem weiteren Tag im Gladiatorenring vor. Dort hätte er nur für den Ruhm eines brutalen Bastards gekämpft, der es ihm mit Prügeln lohnte.

Er stolperte mit unsicheren Schritten vorwärts. Irgendwann traten zwei Orks lautlos neben ihn und packten seine Arme. Er vertraute ihnen, ihm blieb keine andere Wahl.

Er hatte keine Möglichkeit die verstreichende Zeit zu schätzen, und der Marsch schien ewig zu dauern. Irgendwann endete der weiche, warme Waldboden unter seinen Füßen und wurde von kaltem Fels abgelöst. Auch die Luft wurde kühler. Thrall nahm die Klangveränderung in den Stimmen der anderen Orks wahr und begriff, dass sie sich unter der Erde befanden.

Schließlich stoppten sie. Thrall neigte seinen Kopf, und die Schärpe wurde entfernt. Sogar das geringe Licht, das die Fackeln spendeten, ließ ihn blinzeln, während seine Augen sich nach der Dunkelheit unter dem Tuch daran gewöhnten.

Er befand sich in einer weitläufigen Höhle. Spitze Steine ragten aus dem felsigen Boden und der Decke. Thrall hörte Wasser in einiger Entfernung zu Boden tropfen. Es gab mehrere kleine Höhlen, die von der großen abzweigten. Viele der Eingänge waren mit Fellen zugehängt. Die Rüstungen hatten schon bessere Zeiten gesehen, und Waffen, die abgenutzt, aber gut gepflegt aussahen, lagen überall herum. Ein kleines Feuer brannte in der Mitte, sein Rauch stieg zur Decke empor.

Das also war der Ort, an den sich der legendäre Grom Hellscream und die Überreste seines einst gefürchteten Warsong-Clans zurückgezogen hatten.

Aber wo war der berühmte Häuptling selbst? Thrall sah sich um. Zwar waren mehrere Orks aus den Höhlen getreten, aber keiner hatte die Haltung oder die Kleidung eines wahren Führers.

Er wandte sich an Rekshak. »Du sagtest, du würdest mich zu Hellscream bringen. Aber ich sehe ihn hier nicht.«

»Du siehst ihn nicht, aber er ist anwesend. Er sieht dich«, sagte ein anderer Ork, der ein Fell zur Seite schob und in die Höhle trat. Er war fast so groß wie Thrall, aber nicht so kräftig. Er sah älter aus und sehr müde. Die Knochen verschiedener Tiere und vielleicht auch Menschen hingen an einer Kette um seinen dünnen Hals. Er hatte eine Körperhaltung, die Respekt gebot, und Thrall war gewillt, ihn zu bezeugen. Wer auch immer dieser Ork war, er hatte eine wichtige Stellung innerhalb des Clans inne. Und er beherrschte die menschliche Sprache fast so fließend wie Thrall.

Thrall neigte den Kopf. »Das mag sein, aber ich möchte mit ihm sprechen, nicht nur seine unsichtbare Gegenwart genießen.«

Der Ork lächelte. »Du hast Mut und Feuer«, sagte er. »Das ist gut. Ich bin Iskar, Berater des großen Häuptlings Hellscream.«

»Mein Name ist …«

»Du bist kein Unbekannter, Thrall von Durnholde.« Thrall sah Iskar überrascht an und dieser fuhr fort: »Viele haben von Generalleutnant Blackmoores Haus-Ork gehört …«

Thrall knurrte tief in seiner Kehle, beherrschte sich jedoch. Er hatte den Begriff schon öfter gehört, aber es verletzte ihn, das Wort aus dem Mund eines anderen Orks zu hören.

»Wir haben dich natürlich noch nie kämpfen sehen«, sagte Iskar. Er verschränkte die Hände auf dem Rücken und begann um Thrall herumzugehen und ihn dabei von oben bis unten zu mustern. »Orks dürfen die Gladiatorenkämpfe nicht besuchen. Während du Ruhm im Ring fandest, wurden deine Brüder geschlagen und missbraucht.«

Thrall konnte sich nicht mehr beherrschen. »Ich fand keinen Ruhm! Ich war ein Sklave, der Blackmoore gehörte, und wenn du nicht glaubst, dass ich ihn hasse, dann sieh dir das an!« Er drehte sich um, sodass sie seinen Rücken betrachten konnten. Sie blickten darauf und begannen zu seinem Ärger zu lachen.

»Dort gibt es nichts zu sehen, Thrall von Durnholde«, sagte Iskar. Thrall begriff, dass die Magie der Heilsalbe ihre Arbeit zu gut gemacht hatte. Von den furchtbaren Schlägen Blackmoores und seiner Männer war keine Spur zurückgeblieben. »Du willst unser Mitgefühl, erscheinst uns jedoch heil und gesund.«

Thrall fuhr herum. Zorn wallte in ihm auf. Er versuchte ihn herunterzuschlucken, aber es gelang ihm nicht. »Ich war ein Ding, ein Stück Besitz. Glaubst du, ich bekam etwas für das Blut, das ich im Ring verlor? Blackmoore erhielt das Gold, während ich in einer Zelle gehalten und nur zu seiner Unterhaltung herausgeführt wurde. Die Narben auf meinem Körper sind vielleicht unsichtbar, das begreife ich jetzt. Doch ich wurde nur geheilt, damit ich zurück in den Ring steigen konnte, um meinem Herrn noch mehr Reichtum einzubringen. Die Narben, die du nicht sehen kannst, liegen viel tiefer. Ich entkam, wurde in ein Lager geworfen, und dann kam ich hierher, um Hellscream zu finden. Allerdings bezweifele ich allmählich, dass er überhaupt existiert. Ich darf wohl nicht darauf hoffen, einen Ork zu finden, der für all das steht, was ich von unserem Volk erwarte.«

»Und was erwartest du von unserem Volk, du, der den Namen eines Sklaven trägt?«, provozierte ihn Iskar unverdrossen weiter.

Thralls Atem beschleunigte sich, aber er behielt die Kontrolle, so wie Sergeant es ihn gelehrt hatte. »Orks sind stark, listig, mächtig. Sie sind schreckliche Gegner im Kampf. Sie haben einen Kampfgeist, der nicht gebrochen werden kann. Lass mich mit Hellscream sprechen, und er wird erkennen, dass ich würdig bin.«

»Wir werden sehen«, sagte Iskar. Er hob die Hand, und drei Orks betraten die Höhle. Sie legten ihre Rüstungen an und griffen nach ihren Waffen. »Diese drei sind unsere besten Kämpfer. Sie sind, wie du sagtest, stark, listig und mächtig. Sie kämpfen, um zu töten oder um zu sterben, aber nicht wie du im Gladiatorenring. Deine Spiele werden dir hier nichts nützen. Nur Können wird dich retten. Wenn du überlebst, wird Hellscream dir vielleicht Audienz gewähren – vielleicht auch nicht.«

Thrall sah Iskar an. »Er wird mich zu sich lassen«, sagte er zuversichtlich.