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»Du kannst vor uns allen sprechen«, sagte Hellscream. Sie waren an der Oberfläche und genossen einen frischen Spätherbstabend, während sie sich die Beute schmecken ließen, die Thrall eigenhändig erjagt hatte.

Rekshak warf einen unfrohen Blick in Thralls Richtung, dann grunzte er. »Wie Ihr wünscht. Menschen beginnen die Wälder zu durchkämmen. Sie tragen rot-goldene Livree und führen einen schwarzen Falken in ihrem Banner.«

»Blackmoore!«, keuchte Thrall. Würde dieser Mann denn niemals Ruhe geben? Würde man ihn, Thrall, bis ans Ende der Welt jagen und schließlich in Ketten zurückschleppen, damit Blackmoore sich wieder an ihm ergötzen konnte?

Nein. Eher würde er sich mit eigener Hand das Leben nehmen, als dass er in die Sklaverei zurückkehrte. Es brannte in ihm zu sprechen, doch die Höflichkeit gebot es, dass Hellscream seinem Mann selbst antwortete.

»Wie ich es vermutet hatte«, sagte Hellscream ruhiger, als Thrall es erwartet hatte.

Offensichtlich war auch Rekshak überrascht. »Mylord«, sagte er, »der Fremde Thrall bringt uns alle in Gefahr. Wenn sie unsere Höhlen finden, sind wir ihnen ausgeliefert. Sie werden uns entweder töten oder wie Schafe zusammentreiben, um uns in ihre Lager zu stecken!«

»Nichts von beidem wird geschehen«, erklärte Hellscream. »Und Thrall hat uns nicht in Gefahr gebracht. Es war meine Entscheidung, ihn bei uns aufzunehmen. Willst du dies in Frage stellen?«

Rekshak senkte den Kopf. »Nein, mein Häuptling.«

»Thrall wird bleiben«, erklärte Hellscream.

»Ich danke Euch, großer Häuptling«, sagte Thrall, »aber Rekshak hat Recht. Ich muss gehen. Ich kann den Warsong-Clan nicht länger gefährden. Ich werde euch verlassen und den Menschen eine falsche Fährte legen, die sie von euch fort, zugleich aber auch nicht zu mir führen wird.«

Hellscream lehnte sich näher zu Thrall hin, der zu seiner Rechten saß. »Aber wir brauchen dich, Thrall«, sagte er. Seine Augen leuchteten in der Finsternis. »Ich brauche dich. Also werden wir schnell handeln, um unsere Brüder in den Lagern zu befreien.«

Doch Thrall schüttelte weiterhin den Kopf. »Der Winter kommt. Es wird schwer sein, eine Armee zu ernähren. Und … es gibt etwas, das ich tun muss, bevor ich bereit bin, an Eurer Seite zu stehen und unsere Brüder zu befreien. Ihr sagtet mir, dass Ihr meinen Clan gekannt habt, die Eiswölfe. Ich muss sie finden und mehr darüber erfahren, wer ich bin und wo ich herkomme, bevor ich an Eurer Seite stehen kann. Ich hatte gehofft, im Frühling zu ihnen reisen zu können, doch es scheint, dass ich nicht länger warten darf.«

Hellscream blickte Thrall lange Zeit an. Der größere Ork wich diesen schrecklichen roten Augen nicht aus. Schließlich nickte Hellscream traurig.

»Obwohl in mir der Wunsch nach Rache brennt, erkenne ich in dir den weiseren Verstand. Unsere Brüder leiden in der Gefangenschaft, aber ihre Trägheit lindert vielleicht auch ihren Schmerz. Wenn die Sonne ihr Gesicht heller zeigt, ist immer noch genug Zeit, sie zu befreien. Ich kann dir nicht genau sagen, wo die Eiswölfe leben, doch tief in meinem Kern weiß ich, dass du sie finden wirst, wenn dir dies bestimmt ist.«

»Ich werde euch im Morgengrauen verlassen«, sagte Thrall, dem das Herz schwer in der Brust wurde. Er sah, wie auf der anderen Seite der flackernden Feuers Rekshak, der ihn nie gemocht hatte, zustimmend nickte.

Am nächsten Morgen nahm Thrall traurig Abschied vom Warsong-Clan und von Grom Hellscream.

»Ich möchte dir dies schenken«, sagte Hellscream und nahm eine Knochen-Halskette von seinem viel zu dünn gewordenen Hals. »Dies sind die Reste meiner ersten Beute. Ich habe meine Symbole in sie eingraviert. Jeder Ork-Häuptling wird sie erkennen.«

Thrall wollte widersprechen, aber Hellscream zog seine Lippen von den scharfen, gelben Zähnen zurück und knurrte. Da er nicht den Wunsch hatte, den Häuptling zu verärgern, der so gut zu ihm gewesen war – und auch den ohrenbetäubenden Schrei kein weiteres Mal hören wollte –, senkte Thrall den Kopf, damit Grom ihm die Kette um seinen dicken Hals legen konnte.

»Ich werde die Menschen von euch weg führen«, wiederholte Thrall.

»Wenn dir dies nicht gelingt, ist es auch nicht wichtig«, sagte Hellscream. »Wir werden sie alle niedermachen.« Er lachte wild, und Thrall schloss sich ihm dabei an. Noch immer lachend begab er sich auf den Weg in die kalten Nordlande, von wo er stammte.

Nach ein paar Stunden machte er einen Umweg und kehrte zu dem kleinen Dorf zurück, in dem er Essen gestohlen und den Menschen Angst eingejagt hatte. Er ging nicht zu nahe heran, denn seine scharfen Ohren hatten bereits die Stimmen der Soldaten gehört. Aber er ließ ein Zeichen zurück, das Blackmoores Männer finden sollten.

Obwohl es ihm fast das Herz brach, nahm er das Wickeltuch, das das Symbol der Eiswölfe trug, und riss einen großen Streifen davon ab. Er befestigte ihn südlich des Dorfes an einem gezackten Baumstumpf. Er wollte, dass man ihn leicht fand, aber es sollte nicht zu offensichtlich sein. Er sorgte außerdem dafür, dass er mehrere große, leicht zu erkennende Fußspuren in der weichen, schlammigen Erde hinterließ.

Mit ein wenig Glück würden Blackmoores Männer auf den Fetzen des verräterischen Stoffes stoßen, die Fußspuren finden und annehmen, dass Thrall auf dem Weg nach Süden sei. Er ging vorsichtig in seinen eigenen Fußspuren zurück – eine Taktik, von der er in einem seiner Bücher gelesen hatte – und wählte für seinen weiteren Weg felsigen oder anderen geeigneten Untergrund.

Er blickte in Richtung der Alterac-Berge. Grom hatte ihm erzählt, dass sich ihre Gipfel selbst mitten im Sommer weiß gegen den blauen Himmel abhoben. Thrall würde sich in ihr Herz begeben, ohne genau zu wissen, worauf er sich einließ, während das Wetter dabei war, sich zu wenden. Es hatte bereits ein oder zwei Mal leicht geschneit. Bald würde der Schnee dick und schwer fallen, und am heftigsten in den Bergen.

Der Warsong-Clan hatte ihm reichlich Vorräte mitgegeben. Er hatte mehrere Streifen getrockneten Fleisches, einen Wasserschlauch, in dem er Schnee sammeln und schmelzen konnte, einen dicken Umgang, der ihn vor den scharfen Zähnen des Winters schützte, und ein paar Hasenfallen, damit er das Trockenfleisch ergänzen konnte.

Das Schicksal und das Glück – sowie die Freundlichkeit Fremder und eines Menschenmädchens – hatten ihn bis hierher gebracht. Grom hatte angedeutet, Thrall würde noch eine Bestimmung zu erfüllen haben. Wenn dies tatsächlich der Fall war, dann musste er darauf vertrauen, dass er zu diesem Schicksal ebenso geführt werden würde, wie er bis hierher geleitet worden war.

Er hievte den Sack auf seinen Rücken, und ohne auch nur einen einzigen Blick zurück zu werfen, begann Thrall auf die lockenden Berge zuzustapfen, in deren zerklüfteten Spitzen oder versteckten Tälern irgendwo der Eiswolf-Clan zuhause war.

12

Die Tage wurden zu Wochen, und Thrall begann, das Vergehen der Zeit nicht mehr an den Sonnenaufgängen zu messen, sondern an den Schneefällen. Bald war das Trockenfleisch, das der Warsong-Clan ihm mitgegeben hatte, verbraucht, obwohl er es sehr sparsam rationierte. Die Fallen hatten nur gelegentlich Erfolg, und je höher er kam, desto weniger Tiere fing er darin.

Wenigstens Wasser war kein Problem. Überall gab es eisige Bäche und später dann dicke, weiße Schneewehen. Mehr als einmal wurde er von einem plötzlichen Sturm überrascht und vergrub sich im Schnee, bis das Unwetter vorüber war. Jedes Mal hoffte er verzweifelt, dass es ihm gelingen würde, sich später wieder aus dem tückischen Weiß herauszugraben.

Die winterliche Bergwelt begann ihren grimmigen Tribut zu fordern. Thralls Bewegungen wurden langsamer und langsamer, und mehr als einmal legte er sich zur Ruhe und wäre beinahe nicht wieder aufgestanden. Die Nahrung ging ihm aus, und weder Hasen noch Murmeltiere waren so unvorsichtig, sich in seinen Fallen zu verfangen. Dass es hier überhaupt tierisches Leben gab, wusste er nur, weil er gelegentlich Spuren im Schnee fand und nachts das unheimliche Heulen ferner Wölfe hörte. Er begann, Blätter und Baumrinde zu essen, um seinen rumorenden Magen zu beruhigen.