»Morgen, Thomas«, sagte Queen. »Was ist das für eine aufregende Neuigkeit, die du für mich vom Geschäft der Brüder Browne mitgebracht hast?«
»Ich weiß nicht, wie aufregend sie ist, Inspektor», sagte Velie gelassen und setzte sich auf einen der Stühle, die entlang der Wand standen, »aber für mich hörte es sich sehr wichtig an. Sie haben mir letzte Nacht aufgetragen, etwas über Fields Zylinder herauszufinden. Nun, ich habe das genaue Duplikat davon auf meinem Schreibtisch. Möchten Sie es sehen?«
»Dumme Frage, Thomas«, sagte Queen. »Mach schon!«
Velie verschwand für einen Augenblick und kehrte mit einer Hutschachtel in der Hand zurück. Er öffnete die Verpackung und enthüllte einen sehr gut gearbeiteten, glänzenden Zylinder. Der Inspektor hob ihn neugierig hoch. Auf der Innenseite war die Größe angegeben: 7⅛.
»Unten bei Browne’s hab’ ich mit einem Verkäufer, der schon lange dort arbeitet, gesprochen«, fuhr Velie fort. »Er bedient Field bereits seit Jahren. Es scheint so, als habe Field dort bis auf den kleinsten Knopf alles gekauft – und das schon seit langem. Und er hat immer diesen einen Verkäufer gewünscht. Natürlich weiß der alte Knabe eine ganze Menge über Fields Geschmack und seine Einkäufe.
Er sagt, daß Field ganz schön übertrieb, was seine Kleidung betraf. Sie wurde stets auf Bestellung von Browne’s spezieller Maßschneiderei angefertigt. Er bevorzugte ausgefallene Anzüge und Fräcke und das Neueste in Unterwäsche und Krawatten.«
»Wie war denn sein Geschmack, was Hüte betraf?« warf Ellery ein, ohne von dem Buch, das er gerade las, aufzuschauen.
»Darauf wollte ich noch zu sprechen kommen, Sir«, fuhr Velie fort. »Dieser Verkäufer betonte nachdrücklich die Sache mit den Hüten. Zum Beispiel sagte er, als ich ihn über den Zylinder befragte: ›In dieser Hinsicht war Mr. Field fast fanatisch. In den letzten sechs Monaten hat er nicht weniger als drei davon gekauft!‹ Ich griff das natürlich auf und ließ es anhand der Verkaufsbücher überprüfen. Ganz sicher, Field kaufte drei seidene Zylinder im letzten halben Jahr!«
Ellery und sein Vater sahen sich erstaunt an; beide hatten dieselbe Frage auf den Lippen.
»Drei –«, setzte der Altere an.
»Nun … ist das nicht ein außergewöhnlicher Umstand?« fragte Ellery langsam und griff nach seinem Kneifer.
»Wo in Gottes Namen sind dann die beiden anderen?« fuhr Queen völlig verblüfft fort. Ellery schwieg.
Queen wandte sich ungeduldig an Velie. »Was hast du sonst noch herausgefunden, Thomas?«
»Nichts mehr von Bedeutung«, antwortete Velie, »außer daß Field ein absoluter Kleidernarr war. Das ging so weit, daß er im letzten Jahr fünfzehn Anzüge und nicht weniger als ein Dutzend Hüte, die Zylinder eingeschlossen, gekauft hat!«
»Hüte, Hüte, immer nur Hüte!« stöhnte der Inspektor. »Der Mann muß verrückt gewesen sein. Übrigens – hast du herausgefunden, ob Field jemals Spazierstöcke bei Browne’s gekauft hat?«
Velie machte ein leicht bestürztes Gesicht. »Wieso, Inspektor?« sagte er kläglich. »Ich glaube, da habe ich einen Fehler gemacht. Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, danach zu fragen, und letzte nacht haben Sie mir auch nicht gesagt –«
»Verdammt! Keiner von uns ist vollkommen«, brummte Queen. »Sieh zu, daß du den Verkäufer für mich ans Telefon kriegst, Thomas.«
Velie nahm sich einen der Telefonapparate auf dem Schreibtisch und reichte das Gerät wenig später an seinen Vorgesetzten weiter.
»Hier spricht Inspektor Queen«, sagte der alte Mann rasch. »Wie ich höre, haben Sie Monte Field über eine Reihe von Jahren bedient? … Nun, ich möchte noch ein kleines Detail überprüfen. Hat Field jemals bei Ihnen einen Spazierstock gekauft? … Wie bitte? Oh, ich verstehe … Ja. Noch eine andere Sache. Hat er jemals ganz spezielle Anweisungen für die Herstellung seiner Kleidung gegeben – Extrataschen oder etwas in der Art? … Sie glauben nicht. In Ordnung … Was? Oh, ich verstehe. Vielen Dank.«
Er hängte den Hörer ein und wandte sich um.
»Unser dahingeschiedener Freund«, sagte er voller Abscheu, »scheint eine genauso große Abneigung gegen Stöcke gehabt zu haben, wie er eine Vorliebe für Hüte hatte. Dieser Verkäufer erzählte, er hätte mehrfach versucht, Field für Stöcke zu interessieren, aber der hätte es abgelehnt, einen zu kaufen. Könnte sie nicht leiden, hätte er gesagt. Der Verkäufer hält Extrataschen für ausgeschlossen. So stehen wir wieder mit leeren Händen da.«
»Ganz im Gegenteil«, sagte Ellery gelassen. »Es beweist ziemlich schlüssig, daß der Hut das einzige Kleidungsstück war, das der Mörder an sich genommen hat. Das scheint mir die Dinge doch zu vereinfachen.«
»Ich muß schon ein ziemlicher Trottel sein«, sagte sein Vater mürrisch. »Für mich heißt das noch überhaupt nichts.«
»Übrigens, Inspektor«, warf Velie finster blickend ein, »Jimmy hat Bericht erstattet über die Fingerabdrücke auf Fields Flasche. Es sind einige drauf, aber sie sind zweifellos alle von Field, wie er sagt. Jimmy hatte natürlich einen Fingerabdruck aus der Leichenhalle bekommen, um das zu überprüfen.«
»Nun«, sagte der Inspektor, »vielleicht hat die Flasche auch überhaupt nichts mit dem Verbrechen zu tun. Auf jeden Fall müssen wir erst einmal auf Proutys Bericht warten.«
»Da ist noch etwas, Inspektor«, fügte Velie hinzu. »Dieser Müll – der Kehricht aus dem Theater –, den Panzer auf Ihr Geheiß heute morgen hierher schicken sollte, ist vor ein paar Minuten eingetroffen. Wollen Sie ihn sehen?«
»Auf jeden Fall, Thomas«, sagte der Inspektor. »Bring mir bei der Gelegenheit auch direkt die Liste mit, auf der die Namen der Leute ohne den Kontrollabschnitt der Eintrittskarte stehen. Die jeweiligen Platznummern sind doch jedem Namen beigefügt?«
Velie nickte und verschwand. Queen betrachtete verdrießlich den Hinterkopf seines Sohnes, als der Sergeant mit einem umfänglichen Paket und einer getippten Liste zurückkam.
Sie breiteten den Inhalt des Pakets sorgfältig auf dem Schreibtisch aus. Zum größten Teil bestand er aus zerknüllten Programmheften, Papierfetzen – vor allem aus Konfektschachteln – und vielen Kontrollabschnitten, die nicht von Flint und seinen Mitsuchern gefunden worden waren. Zwei unterschiedliche Damenhandschuhe, ein kleiner brauner Knopf
– vermutlich von einem Herrenjackett –, die Schutzkappe eines Füllfederhalters, ein Damentaschentuch und verschiedene andere Gegenstände, wie sie gewöhnlich in Theatern verloren oder weggeworfen werden, kamen zum Vorschein.
»Sieht nicht so aus, als würden wir hier viel finden«, meinte der Inspektor. »Nun, zumindest sind wir jetzt in der Lage, die Kontrollabschnitte zu überprüfen.«
Velie legte die verlorengegangenen Kontrollabschnitte auf einem Häufchen zusammen und fing an, Queen die Nummern und Buchstaben vorzulesen, der sie dann auf der Liste, die Velie ihm gebracht hatte, abhakte. Es waren nicht viele Abschnitte da, so daß sie mit dem Abhaken schnell durch waren.
»Ist das alles, Thomas?« erkundigte sich der Inspektor und schaute auf.
»Das ist alles, Chef.«
»Nun, nach dieser Liste fehlen immer noch Kontrollabschnitte für etwa fünfzig Personen. Wo ist Flint?«
»Er ist hier irgendwo im Haus, Inspektor.«