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»Ich bin nicht gerade sehr überrascht von der Nachricht«, bemerkte Ellery. »Sie weist auf einen möglichen Grund für die ›50.000‹ in dem Programmheft hin. Die Zahl ist nicht nur einfach eine Geldsumme, sie bedeutet mehr als das – nämlich ein Geschäft, bei dem fünfzigtausend Dollar zu gewinnen waren. Nicht schlecht für eine Nacht, wenn er lebend davongekommen wäre.«

»Und was ist mit den zwei anderen Zahlen?« fragte Queen.

»Darüber werde ich ein wenig nachgrübeln müssen«, antwortete Ellery und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. »Ich wüßte wirklich gerne, was das für eine Art von Geschäft ist, bei der eine solch hohe Summe als Preis gezahlt wird«, fügte er hinzu und putzte abwesend seinen Kneifer.

»Was es auch für ein Geschäft gewesen sein mag«, sagte der Inspektor in belehrendem Ton, »mein Sohn, du kannst sicher sein, daß es ein übles war.«

»Ein übles?« fragte Ellery mit ernster Stimme.

»Geld ist die Wurzel allen Übels«, erwiderte der Inspektor grinsend.

»Nicht nur die Wurzel, Vater, sondern auch die Frucht«, sagte Ellery, ohne den Ton zu verändern.

»Wieder ein Zitat?« spottete der alte Herr.

»Fielding«, sagte Ellery gelassen.

Elftes Kapitel

in welchem die Vergangenheit ihre Schatten wirft

Das Telefon klingelte. »Q? Hier ist Sampson«, erklang die Stimme des Staatsanwalts aus dem Telefon.

»Guten Morgen, Henry«, sagte Queen. »Wo bist du? Wie fühlst du dich heute morgen?«

»Ich bin in meinem Büro und fühle mich hundsmiserabel«, gab Sampson leise lachend zurück. »Der Doktor ist der festen Überzeugung, daß ich es nicht mehr lange mache, wenn ich so weiterschufte, und in meiner Dienststelle ist man davon überzeugt, daß die Stadt untergeht, wenn ich nicht zur Arbeit erscheine. Nach was soll man sich da richten? … Nun zur Sache, Q.«

Der Inspektor gab Ellery ein Zeichen, als wollte er sagen: »Ich weiß genau, was jetzt kommt!«

»Ja, Henry?«

»Hier ist ein Herr in meinem Privatbüro, den du besser kennenlernen solltest«, fuhr Sampson in etwas gedämpfterem Tonfall fort. »Er will dich sehen, und ich fürchte, du mußt alles stehen und liegen lassen und schleunigst herkommen. »Er« – Sampsons Stimme war nur noch ein Flüstern – »er ist ein Mensch, den ich mir nicht unnötig zum Feind machen will, Q, alter Junge.«

Der Inspektor runzelte die Stirn. »Ich nehme an, du redest von Ives-Pope«, sagte er. »Ist er verärgert, weil wir seinen Sonnenschein gestern abend befragt haben?«

»Nein, das nicht«, sagte Sampson. »Er ist wirklich ein netter alter Knabe. Nur – sei freundlich zu ihm, Q, bitte.«

»Ich werde ihn mit Glacehandschuhen anfassen«, kicherte der alte Mann. »Wenn dich das ein wenig beruhigt, werde ich meinen Sohn mitschleppen. Normalerweise kümmert er sich um unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen.«

»Das wäre schön«, sagte Sampson dankbar.

Der Inspektor legte auf und wandte sich an Ellery. »Der arme Henry sitzt wirklich in der Klemme«, sagte er spöttisch, »und ich kann ihm nicht vorwerfen, daß er versucht, es allen recht zu machen. Pfeift aus dem letzten Loch, und die Politiker setzen ihn unter Druck, dieser Krösus lamentiert in seinem Büro herum. … Komm, mein Sohn, wir werden jetzt den berühmten Franklin Ives-Pope kennenlernen!«

Ellery stöhnte und streckte seine Arme von sich. »Du hast bald noch einen Kranken hier, wenn das so weitergeht.« Trotzdem sprang er auf und setzte sich seinen Hut auf. »Dann wollen wir diesen Industriekapitän mal begutachten.«

Queen sah Velie grinsend an. »Bevor ich es vergesse, Thomas … Ich möchte, daß du heute ein wenig herumschnüffelst. Du sollst herausfinden, warum Monte Field, der eine florierende Kanzlei besaß und einen ziemlich aufwendigen Lebensstil führte, nur sechstausend Dollar auf seinem Privatkonto hatte. Vielleicht ist es die Börse oder die Rennbahn, aber das will ich eben genau wissen. Vielleicht geht das aus den eingelösten Schecks hervor. Lewin ist schon in Fields Büro und kann dir dort helfen. Und wenn du schon dabei bist – das könnte ausgesprochen wichtig werden, Thomas –, mach eine vollständige Aufstellung all dessen, was Field gestern unternommen hat.«

Die beiden Queens machten sich auf den Weg zu Sampsons Dienststelle.

Das Büro des Staatsanwalts war ein geschäftiger Ort, und selbst ein Polizeiinspektor wurde in diesen heiligen Hallen nur wenig beachtet. Ellery war schlechtgelaunt, aber sein Vater lächelte, und schließlich kam der Staatsanwalt höchstpersönlich aus seinem Heiligtum gestürzt und richtete ein Wort des Tadels an den Büroangestellten, der seine Freunde hatte warten lassen.

»Hüte deine Zunge, junger Mann«, warnte Queen, während Sampson sie in sein Büro führte, wobei er immer noch Verwünschungen gegen den Missetäter ausstieß. »Bin ich überhaupt fein genug angezogen für ein Treffen mit dem Dollarkönig?«

Sampson hielt ihnen die Tür auf. Vom Eingang aus erblickten die beiden Queens einen Mann, der – die Hände auf dem Rücken ineinandergelegt – durch das Fenster nach draußen auf die langweilige Aussicht blickte. Als der Staatsanwalt die Tür schloß, drehte er sich behend um – erstaunlich beweglich für einen Menschen von seinem Gewicht.

Franklin Ives-Pope war ein Überbleibsel aus einer wirtschaftlich gesünderen Zeit. Er ähnelte jenem starken, selbstsicheren Typ von Magnaten, die wie der alte Cornelius Vanderbilt die Wall Street nicht nur durch ihren Reichtum, sondern ebensosehr durch die Kraft ihrer Persönlichkeit beherrscht hatten. Ives-Pope hatte klare graue Augen, stahlgraues Haar, einen grauen Bart, einen kräftigen, immer noch jugendlich elastischen Körper und den unmißverständlichen Ausdruck gebieterischer Autorität. Wie er so gegen das Licht des schäbigen Fensters stand, war er ein durch und durch eindrucksvoller Mann, und Ellery und Queen war bei ihrem Eintritt sofort klar, daß hier ein Mensch vor ihnen stand, der wußte, was er wollte.

Noch bevor Sampson – etwas verlegen – die Vorstellung übernehmen konnte, sprach der Financier mit einer tiefen, angenehmen Stimme: »Ich nehme an, Sie sind Queen, der Menschenjäger«, sagte er. »Ich wollte Sie schon lange einmal kennenlernen, Inspektor.« Er reichte ihm eine große, kraftvolle Hand, die Queen würdevoll schüttelte.

»Überflüssig zu sagen, daß ich den gleichen Wunsch hatte, Mr. Ives-Pope«, sagte er mit einem leichten Lächeln. »Ich habe auch einmal an der Wall Street spekuliert, und ich glaube, ich habe etwas Geld bei Ihnen gelassen. – Dies, Sir, ist mein Sohn Ellery, der ganze Stolz der Familie Queen.«

Der stattliche Mann betrachtete Ellery wohlwollend von oben bis unten. Er schüttelte ihm die Hand und bemerkte dabei: »Sie haben einen bemerkenswerten Vater, mein Junge!«

»Nun gut!« seufzte der Staatsanwalt, während er den dreien Stühle anbot. »Ich bin froh, daß das schon mal geschafft ist. Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, Mr. Ives-Pope, wie mich dieses bevorstehende Treffen nervös gemacht hat. Queen ist nämlich ein kleiner Teufel, wenn es um den Austausch von Höflichkeiten geht, und es hätte mich nicht überrascht, wenn er Ihnen gleich bei der Begrüßung Handschellen angelegt hätte!«

Der stattliche Mann löste die Spannung mit einem herzhaften Lachen.