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Der König schaute Thu-Kimnibol argwöhnisch an, während dieser trank. Er wirkte aufrichtig. Nein, er war aufrichtig. Sie waren wirklich Freunde geworden. Also, damit hätte ich nun wirklich zu allerletzt gerechnet, dachte er, und Tränen traten ihm in die Augen. Der liebe alte Thu-Kimnibol. Der gute alte Thu-Kimnibol. Ach, du wirst mir wirklich fehlen, wenn du von mir fährst!

„Wein!“ rief er. „Wein für Thu-Kimnibol! Und Wein für den König!“

Weiawala sprang sogleich auf, um nachzuschenken. Als sie in Thu-Kimnibols Griffweite kam, fuhr er mit der Hand über ihre Hüfte und das Bein abwärts. Er ließ nie eine Gelegenheit aus, sie zu berühren und zu streicheln. Seit der Nacht kurz nach seiner Ankunft, in der sie begonnen hatte, das Schlafgemach mit ihm zu teilen, hatte er kaum noch einen Blick für andere Frauen übrig gehabt. Gut, dachte Salaman. Vielleicht führt das zu einer Königlichen Hochzeit. Es gibt einigen Grund zu der Annahme, daß Thu-Kimnibol sich in Dawinno zum Häuptling machen kann, sobald Tanianes Herrschaft vorbei ist, denn dort scheint es keine für diese Stellung geeignete Frau zu geben. Und wie nutzbringend wäre es dann, wenn eine von meinen Töchtern an seiner Seite auf dem Thron von Dawinno säße.

Er trank einen tiefen Schluck. Allmählich fühlte er sich ein wenig besser. Auch der Wind schien sich zu legen.

„Mein lieber Thu-Kimnibol“, wiederholte er nach einiger Zeit.

Und dann erfolgte ein Knall, als klatschte ein Riese die Hand gegen die Palastmauer. Die kurze Windstille war vorüber. Der Sturm griff mit verdoppelter Wut erneut an. Und damit war auch Salamans kurzer Augenblick des Wohlbehagens vorbei. Auf einmal war da ein Hämmern unter seiner Schädeldecke und eine Verkrampfung in seiner Brust.

„Was ist das für eine gräßliche Nacht“, flüsterte Thaloin Vladirilka zu. „Das wird den König verrückt machen.“ Es war wirklich kaum hörbar geflüstert, doch Salamans Ohren waren außergewöhnlich geschärft, wenn der Schwarzwind wehte. Die Worte kamen bei ihm an wie ein Gebrüll.

„Was war das? Wie? Ihr glaubt, ich werde wahnsinnig? Redet ihr das über mich?“ Er schrie es laut und sprang auf. Thaloin hielt den Arm zum Schutz vors Gesicht und wich zurück. Alle im Saal waren wie erstarrt. Salaman reckte sich drohend vor der Frau auf. „Eine gräßliche Nacht. Diese gräßliche Jahreszeit. Eine gräßliche Nacht! Schrecklich! Furchtbar! Der Lange Winter ist zurückgekehrt, sagst du? Weib, du jammerst und beklagst dich die ganze Zeit über nur. Kannst du dich denn niemals mit dem zufriedengeben, was du hast? Ich sollte dich wahrhaftig in die Kälte verbannen, damit du endlich begreifst, was das wirklich ist!“ Thu-Kimnibol schaute ihn starr an. Der König klammerte sich, um Halt zu finden, an der Tischkante fest. Wut schießt wie Lava durch sein Gehirn. Im nächsten Moment fängt er an zu brüllen und zu toben. Mit größter Mühe kann er sich davor zurückhalten, Thaloin quer durch den Saal zu schleudern. Seine eheliche Gefährtin, die er hochschätzt. Vielleicht hat sie ja recht. Vielleicht ist er schon wahnsinnig geworden. Dieser verfluchte Wind, dieses verdammte Wetter!

Ich ruiniere den Abend, denkt er. Ich bringe Schande über mich und meine ganze Familie — vor den Augen Thu-Kimnibols.

„Ihr müßt mir vergeben“, sagt er mit einem heiseren rauhen Flüstern. „Dieser Wind — es geht mir nicht gut.“

Er blickt durch den Saal, hab zornfunkelnd, halb um Entschuldigung bittend. Fordert alle auf, etwas zu sagen. Doch es sagt niemand etwas. Seine drei Gefährtinnen sind schreckensstarr. Thaloin sieht aus, als wollte sie gleich unter den Tisch kriechen. Vladirilka ist kreidebleich. Nur Sinithista, die gelassenste und kräftigste der drei, scheint einigermaßen die Kontrolle bewahrt zu haben. „Du!“ sagt er und befiehlt sie mit einem Kopfnicken an seine Seite. Dann eilt er unter dem Brüllen des Sturmes mit der Frau in sein Schlafgemach.

Mitten in der Nacht befällt den König eine Schreckensphantasie. Er bildet sich ein, er liegt nicht bei seiner gewohnten Bettgenossin, Sinithista, sondern schläft einem Weibe der Hjjks bei, deren harter beschuppter Leib sich fest an ihn preßt.

Ihre schwarzborstigen Vorderkrallen streicheln ihm die Wangen. Die kräftigen mehrfach artikulierten Hinterbeine umklammern fest seine Schenkel, und die mittleren Glieder haben seine Hüften umfaßt. Die riesigen glitzernden Facettenaugen wölben sich wie giftige Pilzkappen und senken sich voll Leidenschaft über seine Augen. Sie stößt scharfe schabende Wollustlaute aus. Und das schlimmste, auch er preßt sich mit gleicher Glut an sie, seine Finger gleiten behutsam über die orangeroten Atmungsschläuche, die neben ihrem Kopf baumeln, seine Lippen irren zu ihrem kräftigen scharfen Schnabel. Und seine Zeugungsrute, riesenhaft und luststeif, steckt tief in einer geheimnisvollen Öffnung an ihrem langen starren Chitinthorax.

Vor Entsetzen schreit er, und es ist ein schreckliches Jammergebrüll, halb schmerzhaft, halb Wut, das fast die Wälle der Stadt zum Einstürzen bringen könnte, dann reißt er sich los. Mit einem heftigen Satz springt er vom Lager und begibt sich blindwütig auf die Suche nach einer Glühbeerkerze.

„Mein Herr?“ Sinithistas Stimme rief ihn leise, klagend-enttäuscht .

Salaman stand nackend und von konvulsivem Zucken gepackt am Fenster. Es gelang ihm, ein Licht zu finden und es zu enthüllen. Keine Hjjk! Nein. Nur Sinithista, die im Bett sitzt und ihn erstaunt anstarrt. Sie zitterte. Ihre Brust wogte, und ihr Genitalbereich zeigte sich in Erregungsschwellung. Er blickte zu seiner Paarungsrute hinab, die noch immer steif war und schmerzhaft pochte. Also war alles nur ein Traum gewesen. Er hatte in seinem trunkenen Schlaf mit ihr kopuliert und sie für etwas anderes gehalten — für.

„Mein Herr, was bekümmert dich denn?“

„Nichts. Es ist nichts weiter. Nur ein böser Traum.“

„Dann komm doch wieder ins Bett!“

„Nein“, sagte er fest. Denn wenn er in dieser Nacht wieder schlafen sollte, würde ihn der Traum erneut packen. Vielleicht — wenn er Sinithista aus der Schlafkammer schicken würde —, aber nein, nein, es wäre noch schlimmer, dann allein zu sein. Er wagt nicht, die Augen zu schließen, nicht für einen Moment. Denn dann würde hinter seinen Lidern das Schreckensbild dieses Ungeheuers erneut über ihn herfallen.

„Mein Herr und König.“ Das Weib schluchzte jetzt.

Sie tat ihm leid. Schließlich, er hatte sie mitten im Kopulationsakt alleingelassen. Er hatte sie in vielen Wochen nicht zu sich genommen, nicht seit ihn die Faszination mit Vladirilka überkommen hatte, und nun mußte sie den Eindruck gewinnen, daß er sie zurückwies.

Doch ins Bett würde er nicht zurückkehren.

Er trat zu ihr, legte ihr sacht die Hand auf die Schulter und flüsterte: „Dieser Alptraum hat mich so durcheinandergebracht, daß ich erst mal frische Luft brauche. Ich komm dann später wieder zu dir, wenn mein Kopf wieder klar ist. Schlaf du erst mal ein bißchen weiter.“

„Herr, dein Schrei war schrecklich.“

„Ja.“ Er griff sich ein Gewand, warf es über und verließ das Zimmer.

Im ganzen Palast herrschte Finsternis. Die Luft war eisig. Aus dem Osten fegte ein schneidender Wind herüber, und wie grimmige Gespenster kamen weiße Schneewirbel auf ihm dahergeritten. Doch Salaman konnte nicht hierbleiben — das ganze Haus kam ihm von seinem ungeheuerlichen Wahntraum wie vergiftet vor. Er stieg also hinab und hinunter und trat hinaus zu den Stallungen. Verschlafen blickten zwei Stallknechte auf, als er eintrat, aber als sie sahen, daß es der König war, rollten sie sich wieder zusammen. Sie waren an seine Launen gewöhnt. Wenn der König mitten in der Nacht ein Xlendi haben wollte, schön, für sie war das nicht weiter aufregend.

Er suchte sich ein Tier, und dann ritt er an den Stadtwall und zu seinem persönlichen Aussichtspavillon.