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»Oh, Sergeant«, sprach ihn Miles fröhlich an, während er auf einen Steuerkasten klopfte, »können Sie sich das hier mal anschauen, bitte?«

»Ich bin in einer Minute da«, Chodak gab seinem Begleiter ein Zeichen, einem Mann in der Uniform eines einfachen Soldaten von Aslund.

Als ihre Köpfe zusammensteckten und ihre Rücken dem Korridor zugekehrt waren, zischte Chodak: »Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Was tun Sie hier?« Es war ein Zeichen seiner Erregung, daß er sein gewohnheitsmäßiges ›Sir‹ wegließ.

»Das ist eine lange Geschichte. Im Augenblick brauche ich Ihre Hilfe.«

»Aber wie sind Sie hier hereingekommen? Admiral Oser hat überall auf der Transitstation Wachen, die nach Ihnen Ausschau halten. Man könnte keinen Sandfloh einschmuggeln.«

Miles grinste überzeugend. »Ich habe meine Methoden.« Und sein nächster Plan war gewesen, einen Weg auszuhecken, wie er genau zu dieser Transitstation da drüben kam … Wahrhaftig, Gott beschützte Narren und Verrückte. »Im Augenblick brauche ich einen Kontakt mit Oberstleutnant Elena Bothari-Jesek. Dringend. Oder, wenn es mit ihr nicht geht, dann zu Kommodore Jesek. Ist sie hier?«

»Sie sollte hier sein. Die Triumph liegt im Dock. Kommodore Jesek ist meines Wissens mit dem Reparaturtender draußen.«

»Nun gut, wenn nicht Elena, dann Tung. Oder Arde Mayhew. Oder Leutnant Elli Quinn. Aber ich ziehe Elena vor. Sagen Sie ihr — aber niemandem anderen —, daß ich unseren alten Freund Greg bei mir habe. Sagen Sie ihr, sie soll mich in einer Stunde in den Quartieren der Kontraktarbeiter treffen, in Greg Bleakmans Unterkunft. Geht das?«

»Es geht, Sir.« Chodak eilte davon, dabei sah er beunruhigt aus. Miles flickte seine arg lädierte Wand wieder zusammen, brachte das Paneel wieder an Ort und Stelle an, nahm seinen Werkzeugkasten auf und ging ganz lässig davon, wobei er das Gefühl zu unterdrücken suchte, als hätte er ein blinkendes rotes Licht auf dem Kopf. Er behielt seine Schutzbrille auf und hielt sein Gesicht gesenkt, und außerdem wählte er die am wenigsten bevölkerten Korridore, die er finden konnte. Sein Magen knurrte. Elena wird dich speisen, sagte Miles ihm mit Nachdruck. Später. Die blauen und grünen Kittel wurden mehr, und daran erkannte Miles, daß er sich den Quartieren der Kontraktarbeiter näherte.

Es gab ein automatisches Verzeichnis der Bewohner. Miles zögerte, dann tippte er ein: ›Bleakman, G.‹ Modul B, Raum 8. Er fand das Modul, sah auf sein Chrono — Gregor müßte jetzt schichtfrei haben — und klopfte. Die Tür öffnete sich mit einem Seufzen, und Miles schlüpfte hinein.

Gregor war da: er saß schläfrig auf seinem Bett. Es war ein Schlafraum für eine Person. Hier war man ungestört, wenn es auch kaum Platz genug zum Umdrehen gab. Ungestörtheit war ein größerer psychologischer Luxus als Raum. Selbst Technikersklaven mußten ein Minimum an Glück haben, sie hatten zuviel Möglichkeiten zur Sabotage, und deshalb konnte man es nicht riskieren, sie durchdrehen zu lassen.

»Wir sind gerettet«, verkündete Miles. »Ich habe gerade Kontakt mit Elena aufgenommen.« Er ließ sich auf das Ende des Bettes plumpsen, jetzt, da auf dieser Insel der Sicherheit seine Spannung plötzlich nachließ, fühlte er sich schwach.

»Elena ist hier?« Gregor fuhr sich mit der Hand durch sein Haar. »Ich dachte, du wolltest zu deinem Hauptmann Ungari.«

»Elena ist der erste Schritt zu Ungari. Oder, wenn Ungari nicht erreichbar ist, dann der erste Schritt, um uns hier herauszuschmuggeln. Wenn Ungari nicht so verdammt darauf bestanden hätte, daß die linke Hand nicht wissen darf, was die rechte tut, dann wäre es viel leichter. Aber es wird funktionieren.«

Er musterte Gregor besorgt. »Ist bei dir alles gutgegangen?«

»Ein paar Stunden lang Beleuchtungskörper anzubringen, ruiniert meine Gesundheit noch nicht, da kannst du beruhigt sein«, sagte Gregor trocken.

»War das die Arbeit, die man dir zu tun gab? Irgendwie nicht gerade das, was ich mir vorgestellt hatte …«

Gregor schien jedenfalls in Ordnung zu sein. Tatsächlich äußerte sich der Kaiser fast vergnügt über seine Tätigkeit als Arbeitssklave, sofern man Gregors Maßstab von Vergnügtheit zugrundelegte.

Vielleicht sollten wir ihn jedes Jahr für zwei Wochen in die Salzminen schicken, um ihn glücklich und mit seiner regulären Aufgabe zufrieden zu halten. Miles entspannte sich ein bißchen.

»Es ist schwer, sich Elena Bothari als Söldnerin vorzustellen«, sagte Gregor nachdenklich.

»Unterschätze sie nicht.« Miles verbarg einen Moment elementaren Zweifels. Fast vier Jahre. Er wußte, wie sehr er sich während dieser vier Jahre verändert hatte. Wie stand es mit Elena? Ihre Jahre konnten kaum weniger hektisch gewesen sein. Die Zeiten ändern sich. Die Menschen ändern sich mit ihnen … Nein. Dann müßte er sich ebenso in Zweifel ziehen wie Elena.

Das halbstündige Warten, bis sein Chrono den vereinbarten Zeitpunkt erreicht hatte, war eine ungute Pause: genug, um die Spannung, die Miles antrieb, zu lockern und ihn von Müdigkeit überfluten zu lassen, aber nicht genug, um ihn ausruhen zu lassen oder ihn zu erfrischen. Er war sich kläglich bewußt, daß er seinen Schwung verlor, daß Wachsamkeit gerade jetzt dringend notwendig war, wo Wachsamkeit und folgerichtiges Denken wie Sand zwischen seinen Fingern zerronnen. Er blickte abermals auf sein Chrono. Eine Stunde war zu unbestimmt gewesen. Er hätte die genaue Minute nennen sollen. Aber wer wußte, welche Schwierigkeiten und Aufschübe Elena von ihrer Seite her überwinden mußte?

Miles blinzelte heftig. An seinen schwankenden und unzusammenhängenden Gedanken erkannte er, daß er dabei war, im Sitzen einzuschlafen. Die Tür öffnete sich zischend, ohne daß Gregor auf den Knopf gedrückt hatte.

»Hier ist er, Leute!«

Eine halbe Korporalschaft grau und weiß gekleideter Söldner füllte die Öffnung und den dahinter liegenden Korridor. Es brauchte kaum die Betäuber und Schockstäbe in ihren Händen und die gezielte Attacke auf seine Person, um Miles zu verdeutlichen, daß diese unangenehme Truppe nicht im Auftrag von Elena kam.

Der Adrenalinstoß vertrieb kaum den Nebel der Müdigkeit in seinem Kopf. Und was gebe ich jetzt vor zu sein? Ein bewegliches Ziel? Er sackte gegen die Wand und regte sich nicht einmal auf, obwohl Gregor sich mit einem Ruck erhob und in dem beschränkten Raum einen tapferen Versuch der Verteidigung unternahm: mit einem treffsicheren Karatetritt stieß er einem der anstürmenden Söldner den Betäuber aus der Hand. Daraufhin schmetterten zwei Männer Gregor gegen die Wand. Miles zuckte zusammen.

Dann wurde Miles selbst mit einem Ruck aus der Koje geholt, um von einem Wirrnetzfeld umwickelt, dreifach umwickelt zu werden. Das Feld verursachte ihm einen brennenden Schmerz. Sie benutzten eine Stärke, die ausgereicht hätte, um ein galoppierendes Pferd zu lähmen. Was denkt ihr denn bloß, was ich bin, Jungs?

Der aufgeregte Anführer der Gruppe rief in den Kommunikator an seinem Handgelenk: »Ich habe ihn, Sir!«

Miles hob ironisch die Augenbrauen. Der Anführer wurde rot und stellte sich kerzengerade hin, seine Hand zuckte bei dem Bemühen, nicht zu salutieren. Miles lächelte leicht. Der Anführer preßte seine Lippen aufeinander. Ha. Habe ich dich fast dazu gebracht, nicht wahr?

»Nehmt sie mit!«, befahl der Anführer.

Miles wurde zwischen zwei Männern zur Tür hinausgetragen, seine gebundenen Füße baumelten lächerliche Zentimeter über den Boden. Hinter ihm wurde der stöhnende Gregor dahingeschleift. Als sie an einem Querkorridor vorbeikamen, sah Miles aus den Augenwinkeln Chodaks angespanntes Gesicht in den Schatten.