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»Deshalb sind wir ja gekommen.« Sie wandte sich den drei Soldaten zu, die ihr vorsichtig gefolgt waren. Ein vierter hielt am nächsten Querkorridor Wache. »Es scheint, daß wir direkt Glück gehabt haben«, sagte sie zu ihnen. »Geht mal vor und macht die Durchgänge auf unserer Fluchtroute frei — ganz diskret. Dann verschwindet. Ihr seid nicht hier gewesen und habt nichts gesehen.«

Sie nickten und zogen sich zurück. Miles hörte sie im Weggehen murmeln: »War er das?«

»Ja, klar …«

Miles, Gregor und Elena drängten sich neben die Betäubten in die Schleuse und schlossen vorübergehend die innere Tür. Chodak hielt draußen Wache. Elena half Gregor, dem Oserer, der seiner Körpergröße am nächsten kam, die Stiefel auszuziehen, während Miles die blaue Gefangenenkleidung ablegte und dann in Victor Rothas zerknitterter Kleidung dastand, die jetzt um so schlimmer aussah, da er sie vier Tage getragen und darin geschlafen und geschwitzt hatte. Miles wünschte sich Stiefel anstatt der Sandalen, die die Füße verwundbar machten, aber hier waren keine in seiner Größe dabei.

Während Gregor sich eine grau-weiße Uniform überzog und seine Füße in die Stiefel steckte, tauschten er und Elena vorsichtige Blicke aus.

Jeder war über den anderen erstaunt.

»Du bist es wirklich.« Elena schüttelte entsetzt den Kopf. »Was tust du hier?«

»Es war alles ein Irrtum«, sagte Gregor.

»Keine Lüge bitte. Wessen Irrtum?«

»Meiner, fürchte ich«, sagte Miles. Es ärgerte ihn ein wenig, daß Gregor ihm nicht widersprach.

Ein eigentümliches Lächeln, ihr erstes, verzog Elenas Lippen. Miles nahm sich vor, sie nicht um eine Erklärung dieses Lächelns zu bitten.

Dieser eilige Wortwechsel glich nicht im geringsten auch nur einem der vielen, vielen Gespräche, die er in seinem Kopf für diese erste, herzergreifende Begegnung mit ihr eingeübt hatte.

»In wenigen Minuten wird die Suche losgehen, wenn diese Kerle sich nicht zurückmelden«, sagte Miles nervös. Er hob zwei Betäuber auf, das Wirrnetzfeld und das Vibra-Messer und steckte sie in seinen Hosenbund. Nach reiflicher Überlegung erleichterte er schnell die vier Oserer um ihre Kreditkarten, Passierscheine, Ausweise und um ihr Bargeld, stopfte alles in seine und Gregors Taschen und stellte sicher, daß Gregor seine aufspürbare Gefangenenkennkarte wegwarf.

Zu seinem geheimen Entzücken fand er auch einen nur halb verzehrten Nahrungsriegel, von dem er dann und wann etwas abbiß. Er kaute, während Elena sie wieder aus der Schleuse führte. Pflichtbewußt bot er Gregor einen Biß an, aber der schüttelte nur den Kopf. Wahrscheinlich hatte Gregor in dieser Cafeteria gegessen.

Chodak strich hastig Gregors Uniform zurecht, und dann marschierten sie alle los, Miles in der Mitte, halb versteckt, halb bewacht. Bevor er wegen seiner Auffälligkeit halb paranoid wurde, nahmen sie ein Liftrohr nach unten, kamen einige Decks weiter unten wieder heraus und befanden sich in einer großen Frachtschleuse, die an eine Fähre angekoppelt war. Ein Mann von Elenas Vorkommando, der scheinbar müßig an einer Wand lehnte, nickte ihnen zu. Chodak salutierte andeutungsweise, dann trennte er sich von ihnen und eilte davon.

Miles und Gregor folgten Elena durch die Gelenkdichtung der Fährenluke in den leeren Frachtraum einer der Fähren der Triumph, dabei traten sie aus dem künstlichen Schwerkraftfeld des Mutterschiffes abrupt in den Schwindel des freien Falls. Sie schwebten nach vorn zur Pilotenkabine.

Elena verschloß die Kabinenluke hinter ihnen und wies Gregor mit hastigen Gesten auf den leeren Sitz am Platz des Bordingenieuers und Kommunikationsoffiziers.

Die Plätze des Piloten und des Copiloten waren besetzt. Arde Mayhew grinste Miles über die Schulter fröhlich zu, winkte grüßend und salutierte. Miles erkannte den glattgeschorenen Rundkopf des zweiten Mannes, noch bevor der sich umdrehte.

»Hallo, mein Sohn.« Ky Tungs Lächeln war weit mehr ironisch als fröhlich. »Willkommen zurück. Du hast dir ja ganz schön Zeit gelassen.« Tung hielt die Arme gekreuzt und salutierte nicht.

»Hallo, Ky.« Miles nickte dem Eurasier zu.

Tung hatte sich jedenfalls nicht verändert. Er schaute immer noch so aus, als könnte er jedes Alter zwischen vierzig und siebzig haben. Er war immer noch gebaut wie ein Panzer aus alter Zeit. Immer noch schien er mehr zu sehen als er sagte, und das war außerordentlich unbequem für Leute mit schlechtem Gewissen.

Mayhew, der Pilot, sprach in seinen Kommunikator: »Verkehrskontrolle, ich habe jetzt herausgefunden, was mit dem roten Licht auf meiner Steuertafel los war. Fehlerhafte Druckanzeige. Alles repariert. Wir sind bereit zum Start.«

»Es wird Zeit, C-2«, erwiderte eine körperlose Stimme. »Ihr könnt starten.«

Die flinken Hände des Piloten aktivierten die Steuerung zum Schließen der Luke und richteten die Steuerdüsen aus. Es zischte und klirrte ein bißchen, dann legte die Fähre von ihrem Mutterschiff ab und begann ihre Flugbahn. Mayhew schaltete den Kommunikator ab und stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus. »Wir sind sicher. Vorläufig.«

Elena zwängte sich hinter Miles auf die andere Seite des Durchgangs und verschränkte ihre langen Beine.

Miles hakte einen Arm um einen Haltegriff, um sich gegen Mayhews gegenwärtige sanfte Beschleunigung zu verankern. »Ich hoffe, du hast recht«, sagte Miles, »aber was veranlaßt dich, das zu glauben?«

»Er meint: sicher zum Reden«, sagte Elena. »Nicht sicher in irgendeinem kosmischen Sinn. Dies ist ein geplanter Routineflug, abgesehen von uns nicht registrierten Passagieren. Wir wissen, daß euer Fehlen noch nicht bemerkt wurde, sonst hätte die Verkehrskontrolle uns gestoppt. Oser wird zuerst die Triumph und die militärische Station nach euch durchsuchen. Wir können euch vielleicht sogar wieder an Bord der Triumph schmuggeln, sobald die Suche auf größere Gebiete ausgedehnt wurde.«

»Das ist Plan B«, erklärte Tung, der sich mit seinem Sitz herumdrehte und Miles jetzt sein Profil zeigte. »Oder vielleicht Plan C. Plan A beruhte auf der Annahme, daß eure Befreiung viel geräuschvoller vor sich ginge, und bestand darin, sofort zur Ariel zu fliehen, die jetzt in einer Vorpostenstellung positioniert ist, und die Revolution auszurufen. Ich bin dankbar für die Chance, die Dinge ein bißchen … hm … weniger spontan ins Rollen zu bringen.«

Miles würgte. »Gott! Das wäre schlimmer gewesen als beim ersten Mal.« Eingebunden in eine ineinandergreifende Kette von Ereignissen, die er nicht kontrollierte, abkommandiert als Bannerträger einer Söldnermeuterei, an die Spitze ihres Zugs gestoßen mit so viel freiem Willen wie ein Kopf auf einem Spieß … »Nein. Keine spontanen Sachen, nein danke. Ganz bestimmt nicht.«

»Also«, Tung legte seine kräftigen Finger an den Spitzen zusammen, »wie ist dein Plan?«

»Mein was?«

»Plan«, Tung sprach das Wort mit sarkastischer Sorgfalt aus. »Mit anderen Worten: Warum bist du hier?«

»Die gleiche Frage hat mir Oser auch gestellt«, seufzte Miles. »Würdet ihr mir glauben, daß ich nur aufgrund eines Zufalls hier bin? Oser würde es nicht. Ihr wißt nicht zufällig, warum er mir nicht glauben würde, hm?«

Tung verzog seine Lippen. »Zufall? Vielleicht. Deine ›Zufälle‹, das habe ich einmal angemerkt, haben eine Art, deine Feinde darin zu verstricken, daß reife und sorgfältige Strategen ganz grün vor Neid werden. Da alles viel zu folgerichtig war für bloße Zufälle, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß es sich um unbewußtes Wollen handeln muß. Wenn du nur bei mir geblieben wärst, mein Sohn, dann hätten wir zusammen … — oder vielleicht bist du nur ein überragender Opportunist. In diesem Fall richte ich deine Aufmerksamkeit auf die gute Gelegenheit, die jetzt vor dir liegt, nämlich die Dendarii Söldner wieder zu übernehmen.«

»Du hast meine Frage nicht beantwortet«, merkte Miles an.

»Du hast meine nicht beantwortet«, entgegnete Tung.