Выбрать главу

»Ich will die Dendarii Söldner nicht haben.«

»Ich schon.«

»Oh.« Miles machte eine Pause. »Warum spaltest du dich dann nicht ab mit den Leuten, die dir gegenüber loyal sind und startest dann deine eigene Sache? Das hat es schon einmal gegeben.«

»Sollen wir durchs All schwimmen?« Mit winkenden Fingern imitierte Tung Fischflossen und blies die Backen auf. »Oser kontrolliert das gesamte Material. Mein Schiff eingeschlossen. Die Triumph ist alles an Besitz, was ich in einer dreißigjährigen Karriere angesammelt habe. Was ich durch deine Machenschaften verloren habe. Irgend jemand schuldet mir ein Schiff. Wenn nicht Oser, dann …« Tung blickte mit finsterem Gesicht vielsagend auf Miles.

»Ich versuchte, dir zum Tausch eine ganze Flotte zu geben«, sagte Miles gequält. »Wie hast du die Kontrolle darüber verloren — du alter Stratege?«

Tung klopfte mit einem Finger auf seine linke Brust, in einer Geste, die andeutete, daß er einen Treffer eingesteckt hatte. »Die Dinge liefen zuerst ganz gut, ein Jahr oder anderthalb Jahre lang, nachdem wir Tau Verde verlassen hatten. Ich bekam zwei hübsche kleine Kontrakte hintereinander, draußen in Richtung Ostnetz — Kommandooperationen kleinen Ausmaßes, sichere Sachen. Nun gut, nicht zu sicher — wir mußten schon auf Draht sein. Aber wir schafften es.«

Miles warf einen Blick auf Elena. »Ich hatte davon gehört, ja.«

»Beim dritten kamen wir in Schwierigkeiten. Baz Jesek hatte sich immer mehr und mehr mit Ausrüstung und Wartung beschäftigt — er ist ein guter Ingenieur, das gestehe ich ihm zu —, ich war taktischer Kommandant, und Oser befaßte sich mit den administrativen Problemen. Damals dachte ich, er tue das einfach, weil wir ihm diese Funktion übrig ließen, aber jetzt denke ich, er übernahm sie mit Absicht. Es wäre eine gute Sache gewesen — jeder tut, was er am besten kann —, wenn Oser mit uns gearbeitet hätte, und nicht gegen uns. Ich hätte in der gleichen Situation Attentäter geschickt. Oser engagierte Guerillabuchhalter.

Bei diesem dritten Kontrakt bezogen wir ein bißchen Prügel. Baz steckte bis über beide Ohren in Ingenieur- und Reparaturarbeiten, und als ich wieder aus der Krankenstation kam, hatte Oser einen seiner kampflosen Sonderaufträge arrangiert — Wurmlochwachdienst. Ein langfristiger Kontrakt. Schien zu jenem Zeitpunkt eine gute Idee zu sein. Aber es gab ihm einen Ansatzpunkt. Da keine tatsächlichen Kämpfe stattfanden«, Tung räusperte sich, »langweilte ich mich, paßte nicht auf. Oser hatte mich überlistet, bevor ich erkannte, daß da ein Krieg im Gange war. Er überraschte uns plötzlich mit der finanziellen Reorganisation …«

»Schon sechs Monate zuvor hatte ich dir gesagt, du solltest ihm nicht vertrauen«, warf Elena mit einem Stirnrunzeln ein, »nachdem er versucht hatte, mich zu verführen.«

Tung zuckte verlegen die Achseln. »Diese Versuchung erschien mir verständlich.«

»Die Frau seines Kommandanten zu bumsen?« Elenas Augen funkelten. »Irgend jemands Frau? Damals erkannte ich, daß er nicht ehrlich war. Wenn meine Eide ihm nichts bedeuteten, wie wenig bedeuteten ihm dann seine eigenen?«

»Er akzeptierte dein Nein als Antwort, hast du gesagt«, entschuldigte sich Tung. »Wenn er dich weiter unter Druck gesetzt hätte, dann wäre ich bereit gewesen einzuschreiten. Ich dachte, du solltest geschmeichelt sein, es ignorieren und dann wie gewohnt weitermachen.«

»Avancen dieser Art enthalten eine Beurteilung meines Charakters, die ich alles andere als schmeichelhaft finde, nein danke«, versetzte Elena.

Miles biß sich heimlich ganz fest in die Fingerknöchel, da er sich an sein eigenes Verlangen erinnerte. »Vielleicht war das nur ein früher Zug in seinem Spiel um die Macht«, warf er ein. »In den Verteidigungen des Feindes nach Schwächen zu suchen. Und in diesem Fall keine zu finden.«

»Hm.« Diese Sichtweise schien Elena ein wenig zu trösten. »Wie dem auch sei, Ky war keine Hilfe, und ich wurde es müde, Kassandra zu spielen. Natürlich konnte ich es Baz nicht sagen. Aber Osers Doppelspiel hat nicht alle von uns völlig überrascht.«

Tung runzelte frustriert die Stirn. »In Anbetracht des Kerns aus seinen eigenen übriggebliebenen Schiffen brauchte er nur die Stimmen der Hälfte der anderen Kapitän-Eigner auf seine Seite zu kriegen. Auson stimmte mit ihm. Ich hätte den Mistkerl erwürgen können.«

»Du hast Auson selbst verloren, mit deinem Gejammer über die Triumph«, warf Elena ein, die immer noch sauer war. »Er dachte, du bedrohtest seine Stellung als Kapitän des Schiffes.«

Tung zuckte die Achseln. »Solange ich taktischer Stabschef war und im tatsächlichen Kampfgeschehen den Befehl hatte, da glaubte ich nicht, daß er meinem Schiff wirklich schaden könnte. Ich war damit zufrieden, die Triumph mitfahren zu lassen, als gehörte sie der Flottenkorporation. Ich konnte warten — bis du zurückkämst«, seine dunklen Augen richteten sich funkelnd auf Miles, »und wir herausfänden, was da vor sich ging. Und dann kamst du nicht mehr zurück.«

»Der König wird wiederkehren, oder?«, murmelte Gregor, der fasziniert zugehört hatte. Er blickte Miles an und hob die Augenbrauen.

»Laß es dir eine Lehre sein«, murmelte Miles seinerseits mit zusammengebissenen Zähnen.

Gregor sank zusammen, sein Humor ließ nach.

Miles wandte sich an Tung. »Sicher hat Elena dich über die Irrigkeit einer solchen unmittelbaren Erwartung aufgeklärt.«

»Ich versuchte es«, murmelte Elena. »Obwohl … ich wohl selbst ein bißchen die Hoffnung hegte — ob ich wollte oder nicht —, daß du vielleicht … dein anderes Projekt aufgeben und zu uns zurückkommen würdest.«

Wenn ich an der Akademie durchgerasselt wäre, wie? »Es war kein Projekt, das ich verlassen konnte, außer durch Tod.«

»Das weiß ich jetzt.«

»In spätestens fünf Minuten«, meldete sich Arde Mayhew, »muß ich mich entweder in die Verkehrskontrolle der Transitstation zum Andocken einklinken oder zur Ariel abhauen. Was soll’s denn sein, Leute?«

»Ich kann auf ein Wort hin über hundert loyale Offiziere und Unteroffiziere hinter dich stellen«, sagte Tung zu Miles. »Vier Schiffe.«

»Warum nicht hinter dich selbst?«

»Wenn ich das könnte, dann hätte ich es schon getan. Aber ich werde nicht die Flotte auseinanderreißen, solange ich nicht sicher bin, daß ich sie auch wieder zusammensetzen kann. Ganz und gar. Aber mit dir als Führer, mit deinem Ruf — der durch das, was alles immer wieder erzählt wird, noch zugenommen hat …«

»Als Führer? Oder als Galeonsfigur?« Das Bild mit dem Spieß erschien wieder vor Miles’ geistigem Auge.

Tung öffnete die Hände, als wollte er sich nicht festlegen. »Wie du es wünschst. Die Mehrzahl der Offiziere wird sich auf die Seite des Siegers schlagen. Das bedeutet, wir müssen den Eindruck erwecken, daß wir schnell siegen, falls wir überhaupt etwas unternehmen. Oser hat etwa weitere hundert, die ihm persönlich loyal sind und die wir physisch überwältigen müßten, wenn er darauf besteht, durchzuhalten — was mir die Idee eingibt, daß ein zeitlich gut geplantes Attentat eine Menge Leben retten könnte.«

»Prima. Ich glaube, du und Oser, ihr habt zu lange zusammengearbeitet, Ky. Du beginnst schon zu denken wie er. Noch maclass="underline" Ich bin nicht hierhergekommen, um das Kommando über eine Söldnerflotte zu übernehmen. Ich habe andere Prioritäten.« Er bemühte sich, nicht auf Gregor zu blicken.

»Welche höheren Prioritäten?«

»Wie steht’s mit der Vermeidung eines planetarischen Bürgerkriegs? Vielleicht eines interstellaren Kriegs?«

»Daran habe ich kein berufliches Interesse.« Es klang fast wie ein Scherz.

In der Tat, was bedeuteten Tung Barrayars Qualen? »Hast du schon, wenn du auf der Seite bist, die dem Untergang geweiht wäre. Du wirst nur für das Siegen bezahlt, und du kannst deinen Lohn auch nur ausgeben, wenn du lebst, Söldner.«

Tungs schmale Augen verengten sich noch mehr. »Was weißt du, das ich nicht weiß? Sind wir auf der dem Untergang geweihten Seite?«