Выбрать главу

»Halt, noch nicht!«, sagte Metzov. Er blickte sich in den Querkorridoren um und zitterte fast. »Hast du einen Wächter, der taubstumm ist?«

»Wohl kaum!« Cavilo schaute ungehalten auf ihren rätselhaft erregten Untergebenen. »Dann zum Schiffsgefängnis.«

»Nein«, sagte Metzov scharf. Er zögerte, den Kaiser in eine Zelle zu werfen, wie Miles erkannte. Metzov wandte sich an Gregor und sagte mit völligem Ernst: »Dürfte ich Ihr Ehrenwort haben, Sire — Sir?«

»Was?«, schrie Cavilo. »Ist bei dir eine Schraube locker, Stanis?«

»Ein Ehrenwort«, merkte Gregor würdevoll an, »ist ein Versprechen, das zwischen ehrenhaften Feinden gegeben wird. Ich bin bereit, Ihre Ehrenhaftigkeit anzunehmen. Aber erklären Sie sich damit zu unserem Feind?«

Eine ausgezeichnete Wortklauberei, erkannte Miles an.

Metzovs Blick fiel auf Miles. Seine Lippen wurden schmal. »Vielleicht nicht Ihr Feind. Aber Sie sind unklug bei der Wahl Ihrer Favoriten. Ganz zu schweigen von den Ratgebern.«

Gregors Gesichtsausdruck war jetzt sehr schwer zu entziffern. »Manche Bekanntschaften werden mir aufgedrängt. Auch manche Ratgeber.«

»In meine Kabine«, Metzov hob abwehrend die Hand, als Cavilo ansetzte, ihm zu widersprechen, »vorläufig. Für unser Einleitungsgespräch. Ohne Zeugen und ohne Sicherheitsaufnahmen. Danach entscheiden wir, Cavie.«

Cavilo kniff die Augen zusammen. »In Ordnung, Stanis. Bring sie weg.« Ihre offene Hand wölbte sich ironisch und wies die Männer an, weiterzugehen.

Metzov postierte zwei Wachen vor der Tür seiner Kabine und schickte die übrigen weg. Als die Tür sich hinter ihnen wieder geschlossen hatte, fesselte er Miles mit einem Strick und setzte ihn auf den Boden.

Aus tief eingewurzelter Ehrerbietung ließ er dann Gregor auf dem gepolsterten Stuhl vor dem Komkonsolenpult, dem besten in dem spartanisch eingerichteten Raum, Platz nehmen.

Cavilo, die mit überkreuzten Beinen auf dem Bett saß und das Spiel beobachtete, widersprach der Logik von Metzovs Vorgehen. »Warum den Kleinen fesseln und den Großen nicht?«

»Du kannst ja deinen Betäuber ziehen, falls er dich beunruhigt«, riet Metzov. Schwer atmend stellte er sich hin, die Hände in die Hüften gestemmt und musterte Gregor. Er schüttelte den Kopf, als könnte immer noch nicht seinen Augen trauen.

»Warum nicht deinen Betäuber?«

»Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich in seiner Gegenwart eine Waffe ziehe.«

»Wir sind jetzt allein, Stanis«, sagte Cavilo mit einem sarkastischen Unterton. »Würdest du mir freundlicherweise erklären, was dieser Unsinn soll? Und es sollte schon überzeugend klingen.«

»O ja. Der da …« — er zeigte auf Miles — »ist Lord Miles Vorkosigan, der Sohn des Premierministers von Barrayar. Admiral Aral Vorkosigan — ich hoffe, du hast von ihm schon gehört.«

Cavilo senkte ihre Augenbrauen. »Was hatte er dann auf Pol Sechs zu tun, in der Verkleidung eines betanischen Waffenhändlers?«

»Da bin ich mir nicht sicher. Das letzte, was ich gehört hatte, war, daß er unter Arrest des Kaiserlichen Sicherheitsdienstes stand, obwohl natürlich niemand glaubte, daß es denen ernst damit wäre.«

»Vorläufige Haft«, korrigierte Miles. »Rein formal.«

»Und er …« — Metzov drehte sich um und zeigte auf Gregor — »ist der Kaiser von Barrayar. Gregor Vorbarra. Was er hier tut, kann ich mir nicht vorstellen.«

»Bist du sicher?« Sogar Cavilo war verblüfft.

Als Metzov hartnäckig nickte, begannen ihre Augen hoffnungsvoll zu funkeln. Sie schaute Gregor an, als sehe sie ihn zum ersten Mal. »Wirklich. Wie interessant.«

»Aber wo ist sein Sicherheitsteam? Wir müssen sehr vorsichtig vorgehen, Cavie.«

»Was ist er ihnen wert? Oder dem Höchstbietenden?«

Gregor lächelte sie an. »Ich bin ein Vor, Madame. In einem gewissen Sinn der Vor. Risiko im Dienst ist der Beruf des Vor. An Ihrer Stelle würde ich nicht annehmen, daß mein Wert unbegrenzt wäre.«

Gregors Beschwerde hatte einen wahren Kern, dachte Miles, wenn er nicht gerade dabei war, Kaiser zu sein, dann schien er überhaupt kaum jemand zu sein. Aber er spielte sicherlich seine Rolle gut.

»Eine Gelegenheit, ja«, sagte Metzov, »aber wenn wir uns einen Feind schaffen, mit dem wir nicht fertigwerden …«

»Wenn wir ihn als Geisel behalten, dann sollten wir doch mit ihnen leicht fertigwerden können«, merkte Cavilo nachdenklich an.

»Ein anderer und klügerer Weg wäre«, warf Miles dazwischen, »uns zu helfen, daß wir schnell und sicher weiterkommen, und dafür ein lukratives und ehrenvolles Dankeschön zu bekommen. Gewissermaßen eine Strategie des doppelten Gewinns.«

»Ehrenvoll?« Metzovs Augen glühten. Er verfiel in ein brütendes Schweigen, dann murmelte er: »Aber was machen die hier? Und wo ist diese Schlange Illyan? Ich möchte auf jeden Fall den Mutanten haben. Verdammt! Man muß das Spiel kühn spielen, oder überhaupt nicht.« Er starrte boshaft auf Miles. »Vorkosigan … also. Und was bedeutet jetzt Barrayar für mich? Eine Armee, die mir nach fünfunddreißig Jahren Dienst einen Dolchstoß in den Rücken versetzt hat …« Er richtete sich entschlossen auf, zog aber noch nicht, wie Miles bemerkte, eine Waffe in Anwesenheit des Kaisers.

»Ja, laß sie ins Schiffsgefängnis bringen, Cavie.«

»Nicht so schnell«, sagte Cavilo nachzudenklich. »Schick den Kleinen in den Bunker, wenn du magst. Er ist nichts wert, sagst du?«

Der einzige Sohn des mächtigsten militärischen Führers auf Barrayar hielt zur Abwechslung einmal den Mund. Wenn, wenn, wenn …

»Vergleichsweise«, sagte Metzov hinhaltend, er schien plötzlich zu befürchten, daß er um seine Beute betrogen würde.

»Sehr gut.« Cavilo steckte den Betäuber lautlos in ihr Halfter, sie hatte schon vor einer Weile aufgehört, damit zu zielen und statt dessen mit ihm herumgespielt. Sie trat zur Tür, öffnete sie und winkte den Wachen. »Bringt ihn«, sie zeigte auf Gregor, »in Kabine Neun, Deck G. Klemmt die herausführende Kommunikationsleitung ab, versperrt die Tür und postiert eine Wache mit einem Betäuber davor. Aber versorgt ihn mit allem vertretbaren Komfort, den er vielleicht verlangt.« Sie fügte zu Gregor flüsternd hinzu: »Es ist das komfortabelste Quartier für besuchende Offiziere, das die Kurins Hand zur Verfügung stellen kann … ah …«

»Nennen Sie mich Greg«, seufzte Gregor.

»Greg. Ein hübscher Name. Kabine Neun liegt direkt neben meiner. Wir werden dieses Gespräch in Kürze fortsetzen, nachdem Sie sich … äh … erfrischt haben. Vielleicht beim Dinner. Beaufsichtige seine Unterbringung dort, ja, Stanis?«

Sie schenkte beiden Männern ein unparteiisches glitzerndes Lächeln und schwebte hinaus, eine hübsche Mieze in Stiefeln. Dann streckte sie den Kopf noch einmal herein und zeigte auf Miles. »Bringt ihn zum Schiffsgefängnis!«

Der zweite Wächter winkte Miles mit dem Betäuber und stupste ihn mit einem glücklicherweise nicht aktivierten Schockstab, damit er Cavilo folgte.

Die Kurins Hand war, nach seinen Eindrücken unterwegs zu schließen, ein viel größeres Kommandoschiff als die Triumph, und konnte größere und stärkere Kampf- und Enterkräfte ins Feld schicken, war aber entsprechend schwerfällig zu manövrieren. Das Schiffsgefängnis war auch größer, entdeckte Miles kurz darauf, und wirkungsvoller gesichert. Durch einen einzigen Eingang kam man zu einer optimal gestalteten Wachmonitorstation, von der zwei Flure als Sackgassen zu den Zellen führten.

Der Frachterkapitän verließ gerade die Wachstation unter dem wachsamen Auge des Soldaten, der den Befehl hatte, ihn zu begleiten. Er warf Cavilo einen feindseligen Blick zu.

»Wie Sie sehen, sind sie bei guter Gesundheit«, sagte Cavilo zu ihm. »Meine Hälfte des Handels, Kapitän. Schauen Sie, daß Sie weitermachen, um Ihren Teil zu erfüllen.«