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Metzovs Amüsement ließ nach. »Ich habe mit dieser Söldnerschlampe überhaupt nichts gemeinsam. Ich war ein kaiserlicher Offizier.« Er blickte finster vor sich hin. »Fünfunddreißig Jahre lang. Und man hat mich kaltgestellt. Nun ja, man wird schon noch entdecken, daß das ein Fehler war.« Metzov warf einen Blick auf sein Chrono. »Ich verstehe immer noch nicht, warum Sie hier sind. Sind Sie sicher, daß es nicht etwas anderes gibt, was Sie mir jetzt sagen wollen, privat, bevor Sie morgen alles Cavilo unter Schnell-Penta sagen?«

Miles kam zu dem Schluß, daß Cavilo und Metzov das alte Spiel des Verhörs mit verteilten Rollen geplant hatten: zuerst kommt der gute Kerl und fragt, dann der böse. Nur hatten sie ihre Zeichen verwechselt und beide zufällig die Rolle des Bösen übernommen. »Wenn Sie wirklich hilfreich sein wollen, dann bringen Sie Gregor zum Konsul von Barrayar. Oder schicken Sie wenigstens eine Nachricht dorthin, daß er hier ist.«

»Zur rechten Zeit könnten wir das tun. Unter passenden Bedingungen.« Metzov kniff seine Augen zusammen und musterte Miles. Gab ihm Miles ebensoviel Rätsel auf, wie er Miles? Nach längerem Schweigen rief Metzov den Wächter über seinen Armbandkommunikator und zog sich zurück. Zum Abschied sagte er nichts Bedrohlicheres als: »Ich sehe Sie dann morgen, Vorkosigan.« Das war unheilvoll genug.

Ich verstehe auch nicht, warum Sie hier sind, dachte Miles, als sich die Tür zischend schloß und das Schloß piepste. Offensichtlich wurde irgendein planetarischer Bodenangriff geplant. Sollten Randall’s Rangers den Stoßkeil einer vervanischen Invasionsstreitmacht spielen?

Cavilo hatte sich heimlich mit einem hochrangigen Repräsentanten des Konsortiums von Jackson’s Whole getroffen. Warum? Um die Neutralität des Konsortiums während des bevorstehenden Angriffs zu sichern? Das machte vorzüglich Sinn, aber warum hatten die Vervani nicht direkt verhandelt? Damit sie Cavilos Arrangements ableugnen konnten, wenn der Bai-Ion zu früh aufstieg? Und wer oder was war das Ziel? Nicht die Station des Konsortiums, offensichtlich, und auch nicht deren ferner Mutterplanet Jackson’s Whole.

Da blieben noch Aslund und Pol übrig. Aslund, eine Sackgasse, war strategisch keine Versuchung. Es wäre besser, zuerst Pol zu nehmen, Aslund von der Nabe abzuschneiden (mit Unterstützung des Konsortiums) und dann in Ruhe den schwachen Planeten zu erledigen. Aber Pol hatte Barrayar hinter sich, das nichts lieber hätte als eine Allianz mit seinem nervösen Nachbarn, die dem Kaiserreich einen Brückenkopf in der Hegen-Nabe einräumen würde.

Ein offener Angriff müßte Pol in die wartenden Arme von Barrayar treiben. Dann blieb also nur Aslund übrig, aber …

Das ergibt keinen Sinn. Dies war fast noch beunruhigender als der Gedanke, daß Gregor unbewacht mit Cavilo dinierte, oder die Angst vor dem angekündigten chemischen Verhör. Ich verstehe gar nichts. Das gibt alles keinen Sinn.

Den ganzen Nachtzyklus hindurch, den das gedämpfte Licht markierte, drehte sich die Hegen-Nabe mit ihrer ganzen strategischen Komplexität in Miles’ Kopf. Die Nabe, und Bilder von Gregor. Gab Cavilo ihm bewußtseinsverändernde Drogen zu essen? Hundekuchen, wie sie ihm serviert wurden? Oder Steak und Champagner? Wurde Gregor gefoltert? Verführt?

Visionen von Cavilos/Livia Nu’s dramatischem roten Abendkleid wallten vor Miles’ geistigem Auge. Verlebte Gregor wunderbare Stunden? Miles glaubte, daß Gregor nur wenig mehr Erfahrungen mit Frauen gehabt hatte als er selbst, aber er hatte in diesen letzten paar Jahren wenig Kontakt mit dem Kaiser gehabt, nach allem, was er wußte, hielt sich Gregor jetzt einen Harem. Nein, das konnte nicht sein, sonst hätte Ivan die Fährte aufgenommen und darüber Kommentare von sich gegeben. Ausführliche Kommentare. Wie empfänglich war Gregor für eine sehr altmodische Art der Bewußtseinsmanipulation?

Der Tageszyklus kroch vorbei, und Miles erwartete jeden Augenblick, daß er zu seiner allerersten Erfahrung eines SchnellPenta-Verhörs abgeholt würde. Was würden Cavilo und Metzov mit der bizarren Wahrheit von Miles’ und Gregors Odyssee anfangen? Drei Kauriegel trafen nach unbestimmbaren Intervallen ein, und die Lichter wurden wieder gedämpft und markierten eine weitere Schiffsnacht. Drei Mahlzeiten und kein Verhör.

Was hielt die da draußen auf? Es gab keine Geräusche oder subtile Gravitationsschwankungen, die darauf hingedeutet hätten, daß das Schiff das Dock verließ, sie waren immer noch mit der Vervain-Station verbunden. Miles versuchte, sich körperlich müde zu machen, indem er hin- und herlief: zwei Schritte, Wendung, zwei Schritte, Wendung, zwei Schritte … aber der einzige Erfolg bestand darin, daß sein Körpergeruch intensiver wurde und daß ihm schwindelte.

Ein weiterer Tag schlängelte sich vorbei, und eine weitere ›Nacht‹ mit gedämpftem Licht. Ein weiterer Frühstücksknabberriegel fiel durch die Öffnung auf den Boden. Dehnte oder komprimierte man künstlich die Zeit, um seine biologische Uhr zu verwirren, damit er für das Verhör weichgemacht würde? Warum die Mühe?

Er kaute an seinen Fingernägeln. Er kaute an seinen Zehennägeln. Er zog winzige grüne Fäden aus seinem Hemd und versuchte damit seine Zähne wie mit Zahnseide zu reinigen. Dann versuchte er aus winzigen, winzigen Knoten kleine grüne Muster zu machen. Schließlich verfiel er auf die Idee, Botschaften zu flechten. Konnte er ›Hilfe, ich bin gefangen …‹ als Makramee knüpfen und mit Hilfe statischer Aufladung auf dem Rücken von irgend jemands Jacke anbringen? Das heißt, falls überhaupt jemals wieder jemand käme? Er hatte schon H, I, L in zarter Spinnwebschrift geschafft, da blieb der Faden an einem Niednagel hängen, während er sein stoppeliges Kinn rieb, und aus seiner Bitte wurde ein unleserliches grünes Knäuel. Er zog einen weiteren Faden heraus und begann aufs neue.

Das Schloß blinkte und piepste. Miles schreckte hoch und erkannte erst jetzt, daß er in dem Gemurmel seiner Isolation in einen fast hypnotischen Dämmerschlaf verfallen war. Wieviel Zeit war vergangen?

Sein Besucher war Cavilo, forsch und geschäftsmäßig in ihrer Ranger-Uniform. Ein Wächter bezog Posten direkt vor der Zellentür, die sich hinter Cavilo schloß. Eine weitere private Plauderei, so schien es. Miles bemühte sich, seine Gedanken zusammenzubekommen, sich zu erinnern, was er vorhatte.

Cavilo ließ sich gegenüber Miles an derselben Stelle nieder, die auch Metzov gewählt hatte, in fast der gleichen entspannten Haltung, und beugte sich vor, die Hände locker auf den Knien verschränkt, aufmerksam und selbstsicher. Miles saß mit überkreuzten Beinen, an die Wand gelehnt, und er fühlte sich deutlich im Nachteil. »Lord Vorkosigan, ah …« Sie hob den Kopf, brach ab und bemerkte: »Sie schauen überhaupt nicht gut aus.«

»Einzelhaft bekommt mir nicht.« Seine Stimme, die er lange nicht mehr benutzt hatte, klang krächzend, er mußte innehalten und sich räuspern. »Vielleicht ein Bibliotheksprojektor …« — sein Gehirn kam knirschend in Gang —, »oder besser, eine Gelegenheit zur körperlichen Bewegung.« Die ihn aus seiner Zelle und in Kontakt mit Menschen bringen würde, die er zu irgend etwas anstiften könnte. »Meine medizinischen Probleme zwingen mich zu einer disziplinierten Lebensweise, wenn sie nicht akut werden und mich behindern sollen. Ich brauche unbedingt eine Bewegungspause, oder ich werde wirklich krank.«

»Hm. Wir werden sehen.« Sie fuhr mit der Hand durch ihr kurzes Haar und faßte ihn wieder ins Auge. »Also, Lord Vorkosigan, erzählen Sie mir von Ihrer Mutter.«

»Ha?« Eine höchst verwirrende, jähe Wendung für ein militärisches Verhör. »Weshalb?«

Sie lächelte gewinnend. »Gregs Erzählungen haben mein Interesse geweckt.«

Gregs Erzählungen? War der Kaiser mit Schnell-Penta behandelt worden? »Was … wollen Sie wissen?«

»Nun gut … ich habe gehört, Gräfin Vorkosigan stamme von einem anderen Planeten, sei eine Betanerin, die in Ihre Aristokratie eingeheiratet hat.«