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»Die Vor sind eine Kriegerkaste, aber ja.«

»Wie wurde sie von der herrschenden Schicht — wie auch immer die sich nennt — aufgenommen? Ich hatte gedacht, die Barrayaraner seien total provinziell, voller Vorurteile gegen Leute von anderen Planeten.«

»Das sind wir auch«, gab Miles fröhlich zu. »Der erste Kontakt, den die meisten Barrayaraner — aller Schichten — mit Leuten von anderen Planeten hatten, nach dem Ende der Zeit der Isolation, als Barrayar wiederentdeckt wurde, war der Kontakt mit den Invasions-Streitkräften der Cetagandaner. Sie haben einen schlechten Eindruck hinterlassen, der noch jetzt anhält, drei, vier Generationen, nachdem wir sie abgeschüttelt haben.«

»Aber dennoch hat niemand die Entscheidung Ihres Vaters in Frage gestellt?«

Miles hob verblüfft das Kinn. »Er war schon über vierzig. Und … und er war Lord Vorkosigan.« Das bin ich auch. Warum funktioniert es bei mir nicht genauso?

»Ihre Vorgeschichte machte keinen Unterschied?«

»Sie war Betanerin. Ist Betanerin. Zuerst im Astronomischen Erkundungsdienst, dann als Kampfoffizierin. Kolonie Beta hatte gerade dazu beigetragen, uns gründlich zu schlagen bei dem dummen Versuch, den wir mit der Invasion von Escobar machten.«

»Obwohl sie also eine Feindin war, half ihr ihre militärische Vorgeschichte tatsächlich, Respekt und Anerkennung bei den Vor zu gewinnen?«

»Ich nehme es an. Dazu kam, daß sie sich einen ausgesprochen lokalen militärischen Ruf in den Kämpfen während Vordarians Griff nach dem Thron erwarb, in dem Jahr, als ich geboren wurde, und das zweimal.

Sie führte loyale Truppen, oh, einige Male, wenn mein Vater nicht an zwei Orten gleichzeitig sein konnte.« Und war persönlich für die Sicherheit des versteckten fünfjährigen Kaisers verantwortlich gewesen. Erfolgreicher als bisher ihr Sohn für den fünfundzwanzigjährigen Gregor. Total vermasselt, das war der Ausdruck, der ihm dazu einfiel. »Niemand hat sich seither mit ihr noch angelegt.«

»Hm.« Cavilo lehnte sich zurück und murmelte halb zu sich selbst: »Also, es ist gegangen. Deshalb kann es gehen.«

Was? Was kann gehen? Miles rieb sich mit der Hand übers Gesicht, er versuchte sich wach zu machen und zu konzentrieren. »Wie geht es Gregor?«

»Sehr vergnüglich.«

Gregor der Traurige … vergnüglich? Aber wenn Cavilos Sinn für Humor dem Rest ihrer Persönlichkeit entsprach, dann war es vermutlich ein übler Humor. »Ich meinte seine Gesundheit.«

»Eher besser als Ihre, nach Ihrem Aussehen zu schließen.«

»Ich hoffe, daß er besser ernährt wird.«

»Was, eine Kostprobe des wirklichen militärischen Lebens ist zu stark für Sie, Lord Vorkosigan? Sie haben das gleiche zu essen bekommen wie meine Leute.«

»Das kann nicht sein.« Miles hielt einen halb abgeknabberten Frühstücksriegel hoch. »Sie hätten inzwischen schon gemeutert.«

»Oh, mein Lieber.« Sie betrachtete das widerliche Stück mit einem mitleidigen Stirnrunzeln. »Die! Ich dachte, sie wären schon für ungenießbar erklärt worden. Wie sind die hierhergekommen? Irgend jemand muß hier knausern. Soll ich Ihnen ein reguläres Menü bestellen?«

»Ja, danke«, sagte Miles sofort und machte dann eine Pause. Sie hatte seine Aufmerksamkeit hübsch von Gregor auf ihn selbst gelenkt. Er mußte sich auf den Kaiser konzentrieren. Wieviel nützliche Informationen hatte Gregor inzwischen ausgespuckt?

»Sie müssen einsehen«, sagte Miles vorsichtig, »daß Sie einen massiven interplanetarischen Vorfall zwischen Vervain und Barrayar schaffen.«

»Überhaupt nicht«, sagte Cavilo vernünftig. »Ich bin Gregs Freundin. Ich habe ihn davor bewahrt, in die Hände der vervanischen Geheimpolizei zu fallen. Er ist jetzt unter meinem Schutz, bis sich die Gelegenheit ergibt, ihn wieder auf seinen rechtmäßigen Platz zu setzen.«

Miles blinzelte. »Haben die Vervani so etwas wie eine Geheimpolizei?«

»Etwas ganz Ähnliches.« Cavilo hob die Schultern. »Barrayar hat natürlich zweifellos eine. Stanis scheint sich wegen ihr ziemliche Sorgen zu machen. Sie müssen beim Kaiserlichen Sicherheitsdienst sehr in Verlegenheit darüber sein, daß sie ihren Schützling so gründlich verloren haben. Ich glaube, daß ihr Ruf übertrieben ist.«

Nicht ganz. Ich gehöre zum Sicherheitsdienst, und ich weiß, wo Gregor ist. So hat der Sicherheitsdienst praktisch die Situation im Griff. Miles wußte nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Oder die Situation den Sicherheitsdienst.

»Wenn wir alle so gute Freunde sind«, sagte Miles, »warum bin ich dann in diese Zelle gesperrt?«

»Natürlich auch zu Ihrem Schutz. Schließlich hat General Metzov offen gedroht, Ihnen … ah … — was war es noch mal? —, alle Knochen im Leib zu brechen.« Sie seufzte. »Ich fürchte, der liebe Stanis ist dabei, seine Nützlichkeit zu verlieren.«

Miles erblaßte, als er sich daran erinnerte, was Metzov sonst noch bei dem Gespräch gesagt hatte. »Wegen … Illoyalität?«

»Überhaupt nicht. Illoyalität kann manchmal sehr nützlich sein, unter richtiger Leitung. Aber die gesamte strategische Situation kann sich demnächst drastisch ändern. Unvorstellbar. Und nach all der Zeit, die ich damit verschwendet habe, ihn mir warmzuhalten. Ich hoffe, daß nicht alle Barrayaraner so langweilig sind wie Stanis.« Sie lächelte kurz. »Das hoffe ich doch sehr.«

Sie lehnte sich vor und sah ihn gespannt an. »Ist es wahr, daß Gregor … äh … von zu Hause weglief, um dem Druck seiner Berater zu entgehen, eine Frau zu heiraten, die er nicht ausstehen konnte?«

»Er hatte es mir gegenüber nicht erwähnt«, sagte Miles verblüfft. Warte mal — was hatte Gregor dort draußen vor? Er sollte lieber vorsichtig sein und nicht aus der Reihe tanzen. »Allerdings gibt es da Besorgnis. Wenn er in absehbarer Zeit ohne Erben sterben sollte, dann befürchten viele, daß ein Kampf zwischen verschiedenen Gruppen ausbrechen könnte.«

»Er hat keinen Erben?«

»Die verschiedenen Gruppen können sich nicht einigen. Außer auf Gregor.«

»Also wären seine Berater froh, wenn er heiratete.«

»Überglücklich, nehme ich an. Hm …« Miles’ Unbehagen an dieser Wendung des Gespräches verwandelte sich plötzlich in eine Erleuchtung, wie der Blitz vor der Druckwelle. »Kommandantin Cavilo — Sie stellen sich doch nicht etwa vor. Sie könnten sich zur Kaiserin von Barrayar machen, oder?«

Ihr Lächeln wurde wölfisch. »Natürlich könnte ich das nicht. Aber Greg könnte es.« Sie richtete sich auf, offensichtlich verärgert über die Verblüffung auf Miles’ Gesicht. »Warum nicht? Ich habe das richtige Geschlecht. Und offensichtlich auch die richtige militärische Vorgeschichte.«

»Wie alt sind Sie?«

»Lord Vorkosigan, wirklich, was für eine unhöfliche Frage.« Ihre blauen Augen funkelten. »Wenn wir auf derselben Seite wären, könnten wir zusammenarbeiten.«

»Kommandantin Cavilo, ich glaube, Sie verstehen Barrayar nicht. Oder die Barrayaraner.« Tatsächlich hatte es Epochen in der Geschichte von Barrayar gegeben, in die Cavilos Art der Kommandoführung gepaßt hätte. Zum Beispiel die Terrorherrschaft von Kaiser Yuri dem Wahnsinnigen. Aber man hatte die letzten zwanzig Jahre versucht, von alldem wegzukommen.

»Ich brauche Ihre Kooperation«, sagte Cavilo. »Oder zumindest könnte sie sehr nützlich sein. Für beide von uns. Ihre Neutralität könnte ich … tolerieren. Ihre aktive Opposition wäre jedoch ein Problem. Für Sie. Aber wir sollten es vermeiden, uns schon in diesem frühen Stadium in den Fallen negativer Einstellungen zu verfangen, nicht wahr?«

»Was ist mit der Frau und dem Kind dieses Frachterkapitäns geschehen? Mit der Witwe und dem Waisenkind vielmehr?«, fragte Miles durch die Zähne.

Cavilo zögerte kurz. »Der Mann war ein Verräter. Von der schlimmsten Sorte. Hat seinen Planeten für Geld verkauft. Er wurde bei einem Akt der Spionage gefaßt. Es gibt keinen moralischen Unterschied zwischen dem Befehl zu einer Exekution und ihrer Ausführung.«