Выбрать главу

KAPITEL 13

Jedoch wurde allen seinen drei Identitäten an diesem Nachmittag eine Bewegungspause gewährt. Ein kleines Gymnastikstudio an Bord wurde für seinen exklusiven Gebrauch reserviert. Eine Stunde lang untersuchte er die gesamte Anlage gründlich, während er verschiedene Geräte ausprobierte, und prüfte die Entfernungen und die Wege zu bewachten Ausgängen. Er sah eine Reihe von Möglichkeiten, wie Ivan auf einen Wächter hätte losgehen und dann ausbrechen können. Nicht aber der zerbrechliche, kurzbeinige Miles, Einen Moment lang wünschte er tatsächlich, er hätte Ivan dabei.

Auf seinem Weg zurück zu Zelle 13 mit seinem Begleiter kam Miles an einem anderen Gefangenen vorbei, der gerade an der Wachstation eingeliefert wurde. Der andere ging schlurfend und blickte wild drein, sein blondes Haar war so schweißnaß, daß es braun wirkte. Der Schock des Wiedererkennens traf Miles um so mehr, als er sah, welche Veränderungen der Mann durchgemacht hatte. Osers Leutnant. Der Killer mit dem kühlen Gesicht war wie verwandelt. Er trug nur graue Hosen, sein Oberkörper war nackt. Seine Haut war gesprenkelt mit bläulichen Malen der Schockstab-Folter. Frische Hypospray-Einspritzstellen zogen sich wie kleine rosafarbene Pfotenabdrücke seinen Arm hinauf. Er murmelte dauernd mit feuchten Lippen, zitterte und kicherte. Er schien gerade von einem Verhör zurückzukommen.

Miles war so überrascht, daß er nach der linken Hand des Mannes griff, um nachzusehen — ja, er erkannte seine verschorften Bißspuren an den Knöcheln, Erinnerung an den Kampf letzte Woche in der Luftschleuse der Triumph, auf der anderen Seite des Systems. Der schweigende Leutnant schwieg nicht mehr.

Miles’ Wächter forderten ihn streng auf weiterzugehen. Er stolperte fast, als er über die Schulter zurückschaute, bis die Tür von Zelle 13 sich seufzend schloß.

Was tun Sie hier? Das mußte die am häufigsten gestellte und am wenigsten beantwortete Frage in der Hegen-Nabe sein, sagte sich Miles. Doch war er sicher, daß Osers Leutnant sie beantwortet hatte — Cavilo mußte eine der besten Gegenspionageabteilungen in der Nabe befehligen. Wie schnell hatte der oserische Söldner Miles und Gregor hier aufgespürt? Wie schnell hatten Cavilos Leute ihn enttarnt und geschnappt? Die Male auf seinem Leib waren nicht älter als einen Tag …

Die wichtigste Frage von allen: war der Oserer auf die Vervain-Station im Rahmen einer allgemeinen, systematischen Suche gekommen, oder war er spezifischen Hinweisen gefolgt — war Tung bloßgestellt? Elena verhaftet? Miles lief es eiskalt über den Rücken, und er rannte verzweifelt und hilflos hin und her. Habe ich gerade meine Freunde umgebracht?

Also, was Oser wußte, das wußte jetzt auch Cavilo, die ganze alberne Mischung aus Wahrheit, Lügen, Gerüchten und Irrtümern. Also war die Identifikation von Miles als ›Admiral Naismith‹ nicht unbedingt von Gregor ausgegangen, wie Miles zuerst angenommen hatte. (Der Veteran von Tau Verde war offensichtlich als unvoreingenommener Zeuge zu einer Überprüfung herbeigeholt worden.) Wenn Gregor Cavilo systematisch Informationen vorenthielt, so würde sie es jetzt erkennen. Wenn er überhaupt etwas vorenthielt. Vielleicht war er schon in sie verliebt. In Miles’ Kopf hämmerte es, und es kam ihm vor, als würde sein Kopf bald explodieren.

Die Wachen kamen in der Mitte des Nachtzyklus, um ihn zu holen und hießen ihn, sich anzuziehen. Endlich das Verhör, oder? Er dachte an den sabbernden Oserer und duckte sich. Er bestand darauf, sich zu waschen, und brachte alle Klettverschlüsse und Ärmel- wie Hosenaufschläge seiner RangerUniform so langsam und bedächtig in Ordnung, bis die Wachen ungeduldig vom einen Fuß auf den anderen zu treten und mit den Fingern vielsagend auf die Schockstäbe zu klopfen begannen.

Auch er würde in Kürze ein sabbernder Narr sein. Andrerseits, was konnte er möglicherweise zu diesem Zeitpunkt noch unter Schnell-Penta sagen, das die Sache noch schlimmer machen würde? Cavilo wußte doch schon alles, soweit er es sagen konnte. Er schüttelte die Griffe der Wachen ab und marschierte zwischen ihnen aus dem Schiffsgefängnis mit all der einsamen Würde, die er aufbieten konnte.

Sie führten ihn durch das nächtlich dämmerige Schiff und verließen ein Liftrohr an einer Stelle, die mit ›G-Deck‹ bezeichnet war. Miles wurde hellwach. Gregor sollte hier irgendwo in der Nähe sein … Sie kamen zu einer Kabinentür, die nur die Aufschrift ›10A‹ trug, die Wachen tippten am Schloß den Code für die Bitte um Erlaubnis zum Eintreten ein. Die Tür glitt zur Seite.

Cavilo saß am Komkonsolenpult, ein Lichtkegel ließ in dem düsteren Raum ihr weißblondes Haar glänzen und leuchten. Sie befanden sich jetzt offensichtlich im persönlichen Büro der Kommandantin, das sich an ihre Unterkunft anschloß. Miles suchte mit Augen und Ohren nach Anzeichen der Anwesenheit des Kaisers.

Cavilo war in voller Montur, in ihrer gepflegten Arbeitsuniform. Wenigstens war Miles nicht der einzige, der zur Zeit wenig Schlaf hatte, er stellte sich optimistisch vor, daß sie ein bißchen müde wäre. Sie legte einen Betäuber auf ihr Pult, bedenklich bereit für ihre rechte Hand, und entließ die Wachen. Miles reckte den Hals und hielt nach dem Hypospray Ausschau. Sie streckte sich und lehnte sich zurück. Der Duft ihres Parfüms, ein frischerer, herberer, weniger nach Moschus riechender Duft als der, den sie als Livia Nu getragen hatte, ging von ihrer weißen Haut aus und kitzelte Miles’ Nase. Er schluckte.

»Setzen Sie sich, Lord Vorkosigan.«

Er setzte sich auf den Stuhl, auf den sie gezeigt hatte, und wartete. Sie beobachtete ihn mit einem abwägenden Blick. Seine Nasenlöcher begannen abscheulich zu jucken. Er hielt die Hände unten und möglichst still. Die erste Frage dieses Gesprächs sollte ihn nicht mit dem Finger in der Nase erwischen.

»Ihr Kaiser ist in schrecklichen Schwierigkeiten, kleiner VorLord. Um ihn zu retten, müssen Sie zu den Oserischen Söldnern zurückkehren und sie wieder übernehmen. Wenn Sie dort wieder das Kommando haben, werden wir weitere Instruktionen übermitteln.«

Miles stutzte. »Gefahr von wem?«, stieß er hervor. »Von Ihnen?«

»Überhaupt nicht! Greg ist mein bester Freund. Die Liebe meines Lebens, zumindest. Ich würde alles für ihn tun. Ich würde sogar meine Karriere aufgeben.« Sie lächelte scheinheilig.

Miles verzog angewidert den Mund, Cavilo grinste.

»Wenn es Ihnen einfällt, den Aktionen irgendeinen anderen Verlauf zu geben, statt Ihre Instruktionen auf den Buchstaben zu befolgen, nun dann könnte Greg in unvorstellbare Schwierigkeiten kommen. In die Hände seiner schlimmsten Feinde.«

Schlimmer als Sie? Nicht möglich … — oder doch?

»Warum wollen Sie, daß ich die Leitung der Dendarii Söldner übernehme?«

»Das kann ich Ihnen nicht sagen.« Ihre Augen weiteten sich, sie funkelten geradezu ob ihres privaten, ironischen Scherzes. »Es ist eine Überraschung.«

»Was würden Sie mir geben, um dieses Unternehmen zu unterstützen?«

»Transport zur Aslund-Station.«

»Was sonst? Truppen, Geschütze, Schiffe, Geld?«

»Man hat mir gesagt, Sie könnten es mit Ihrem Grips allein schaffen. Das möchte ich gern sehen.«

»Oser wird mich umbringen. Er hat es schon einmal versucht.«

»Das Risiko muß ich eingehen.«

Dieses ›ich‹ habe ich wirklich gern, Lady. »Sie wollen, daß ich umgebracht werde«, war Miles Schlußfolgerung. »Was ist, wenn ich statt dessen Erfolg habe?« Seine Augen begannen zu tränen, er schniefte. Bald würde er seine Nase reiben müssen, sie juckte wie verrückt.

»Der Schlüssel der Strategie, kleiner Vor«, erklärte sie liebenswürdig, »ist nicht, einen Pfad zum Sieg zu wählen, sondern es so einzurichten, daß alle Pfade zu einem Sieg führen. Idealerweise. Ihr Tod hat einen Nutzen für mich, Ihr Erfolg einen anderen. Ich will betonen, daß jeder verfrühte Versuch, mit Barrayar Kontakt aufzunehmen, sich als sehr kontraproduktiv erweisen könnte. Sehr.«