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»Ganz recht.« Miles setzte seine Tasse ab und beugte sich vor. »Ich war von meinem Auftraggeber nicht nur autorisiert zu beobachten, sondern auch, Krieg in der Hegen-Nabe zu verhindern, wenn möglich.« Nun ja, gewissermaßen. »Ich fürchte, das wird nicht länger möglich sein. Wie sieht das von deiner Seite aus?«

Thorne runzelte die Stirn. »Wir waren vor fünf Tagen das letzte Mal im Dock. Das war, als die Aslund sich diese Inspektion vor dem Andocken ausgedacht haben. Alle kleineren Schiffe wurden diesbezüglich zum Dienst rund um die Uhr vergattert. Da sich jetzt ihre militärische Station der Fertigstellung nähert, werden unsere Auftraggeber immer nervöser im Hinblick auf Sabotage — Bomben, biologische Waffen …«

»Darüber möchte ich mich nicht streiten. Wie steht es mit … hm … internen Angelegenheiten der Flotte.«

»Du meinst die Gerüchte von deinem Tod, deinem Leben und/oder deiner Auferstehung? Sie sind alle erledigt, vierzehn verzerrte Versionen. Ich hätte nichts darauf gegeben — du bist schon früher mal gesichtet worden, weißt du —, aber dann hat Oser plötzlich Tung verhaftet.«

»Was?« Miles biß sich auf die Lippe. »Nur Tung? Nicht Elena, Mayhew, Chodak?«

»Nur Tung.«

»Das gibt keinen Sinn. Wenn er Tung verhaftet hat, dann würde er ihn unter Schnell-Penta verhört haben, und der müßte dann Elena verpfiffen haben. Es sei denn, sie ist als Köder frei geblieben.«

»Die Lage wurde wirklich gespannt, als Tung verhaftet wurde. Explosiv. Ich glaube, wenn Oser gegen Elena und Baz vorgegangen wäre, dann hätte das schon den Krieg ausgelöst. Aber er hat keinen Rückzieher gemacht und Tung nicht wieder eingesetzt. Alles ist sehr instabil. Oser bemüht sich, den alten inneren Kreis getrennt zu halten, das ist der Grund, weshalb ich schon fast eine ganze verdammte Woche hier draußen bin. Aber das letztenmal, als ich Baz sah, da war er so gereizt, daß er fast nahe dran war zu kämpfen. Und das war eigentlich das letzte, was er tun wollte.«

Miles atmete langsam und bedächtig aus. »Ein Kampf … ist genau das, was Kommandantin Cavilo wünscht. Das ist der Grund, weshalb sie mich zurückgeschickt hat, als Geschenk eingepackt in diese … würdelose Verpackung. Das Bodpod der Zwietracht. Es ist ihr gleich, ob ich gewinne oder verliere, solange die Kräfte ihres Feindes sich in chaotischem Zustand befinden, sobald sie ihre Überraschung losläßt.«

»Hast du schon herausbekommen, worin ihre Überraschung besteht?«

»Nein. Die Rangers waren an einem bestimmten Punkt dabei, sich für eine Art Bodenangriff vorzubereiten, daß sie mich hierher geschickt haben, läßt vermuten, daß Aslund ihr Ziel ist, entgegen aller strategischen Logik. Oder etwas anderes? Die Gedanken dieser Frau sind unglaublich verdreht. Ha!« Er klopfte mit der Faust in einem nervösen Rhythmus in seine Hand. »Ich muß mit Oser reden. Und diesmal muß er mir zuhören. Ich habe darüber nachgedacht. Eine Kooperation zwischen uns ist möglicherweise die einzige Vorgehensweise, die Cavilo nicht erwartet und die nicht einen halb durchgesägten Ast ihres Strategiebaums für mich bereithält … Bist du bereit, dies alles für mich einzufädeln, Bei?«

Thorne verzog abwägend die Lippen. »Von hier aus, ja. Die Ariel ist das schnellste Schiff der Flotte. Ich kann der Vergeltung entkommen, wenn es sein muß.« Thorne grinste.

Sollten wir nach Barrayar abhauen? Nein — Cavilo hatte noch Gregor in ihrer Gewalt. Lieber den Eindruck erwecken, als folgte er ihren Anweisungen. Noch eine kleine Weile.

Miles holte lang Atem und ließ sich auf dem Sitz im Navigationsraum der Ariel nieder. Er hatte sich gründlich gereinigt und eine grau-weiße Söldneruniform von der kleinsten Frau auf dem Schiff ausgeborgt. Die hochgerollten Hosenaufschläge waren nicht zu sehen: hübsch in Stiefel gestopft, die fast paßten. Ein Gürtel überdeckte die Schließe, die am zu engen Hosenbund offenstand. Die lockere Jacke sah gut aus, wenn er sich hinsetzte. Die endgültigen Änderungen hatten Zeit für später. Er nickte Thorne zu. »In Ordnung. Mach deinen Kanal auf.«

Ein Summen, ein Glitzern, und Admiral Osers Falkengesicht erschien auf der Vidscheibe. »Ja, was ist los — Sie!« Sein Mund klappte zu wie ein Schnabel, seine Hand, an der Seite verschwommen sichtbar, tippte auf Tasten der Bordsprechanlage und auf die Vidschaltung.

Diesmal kann er mich nicht zur Luftschleuse hinauswerfen, aber er kann mich abstellen. Jetzt mußte schnell gesprochen werden.

Miles lehnte sich vor und lächelte. »Hallo, Admiral Oser. Ich habe meine Einschätzung der Streitkräfte der Vervani in der Hegen-Nabe abgeschlossen. Und meine Schlußfolgerung ist, daß Sie sich in großen Schwierigkeiten befinden.«

»Wie kommen Sie auf diesen gesicherten Kanal?«, knurrte Oser. »Dichtstrahl, doppelte Verschlüsselung … Kommunikationsoffizier, finden Sie das heraus!«

»Wie, das werden Sie erst in ein paar Minuten bestimmen können. Sie werden mich auf Sendung halten müssen, bis Sie es herausfinden«, sagte Miles. »Aber Ihr Feind befindet sich auf der Vervain-Station, nicht hier. Nicht auf Pol, nicht auf Jackson’s Whole. Und ganz sicher bin ich es nicht. Ist Ihnen aufgefallen, daß ich Vervain-Station gesagt habe, nicht Vervain. Kennen Sie Cavilo? Ihr Gegenstück auf der anderen Seite des Systems?«

»Ich bin ihr ein paarmal begegnet.«

Osers Gesicht war jetzt zurückhaltend, er wartete darauf, daß sein hektisch suchendes Technikerteam ihm Bericht erstattete.

»Gesicht wie ein Engel, Gemüt wie eine tollwütige Schleichkatze?«

Osers Lippen zuckten ganz leicht. »Sie sind ihr begegnet.«

»O ja. Cavilo und ich, wir hatten einige offene Aussprachen, die … äh … lehrreich waren. Informationen sind zur Zeit in der Nabe das wertvollste Handelsgut. Jedenfalls sind sie meins. Ich will einen Handel machen.«

Oser hielt die Hand hoch, zum Zeichen für eine Pause, und ging kurz offline. Als sein Gesicht wieder erschien, war sein Gesichtsausdruck düster.

»Kapitän Thorne, das ist Meuterei!«

Thorne lehnte sich in den Aufnahmebereich der Vidkamera und sagte munter: »Nein, Sir, ist es nicht. Wir versuchen Ihren undankbaren Hals zu retten, wenn Sie es erlauben. Hören Sie auf den Mann. Er hat Informationen, die wir nicht haben.«

»Er hat Informationen, nun gut«, und leise: »Verdammte Betaner, die halten zusammen …«

»Ob Sie nun mich bekämpfen oder ich Sie bekämpfe, Admiral Oser, wir verlieren beide«, sagte Miles schnell.

»Sie können nicht gewinnen«, sagte Oser. »Sie können nicht meine Flotte übernehmen. Nicht mit der Ariel.«

»Die Ariel wäre nur ein Anfang, wenn es dazu käme. Aber nein, ich kann vermutlich nicht gewinnen. Was ich tun kann, ist ein fürchterliches Durcheinander anrichten. Ihre Streitkräfte aufspalten — Ihre Beziehungen zu Ihrem Auftraggeber stören —, jede Waffenladung, die Sie verbrauchen, jedes Stück Ausrüstung, das beschädigt wird, jeder Soldat, der verletzt oder getötet wird, ist reiner Verlust bei einem inneren Kampf wie diesem. Niemand gewinnt, außer Cavilo, die nichts dafür aufwendet. Das ist genau der Grund, aus dem sie mich hierhergeschickt hat. Wieviel Profit erwarten Sie davon, daß Sie genau das tun, was Ihr Feind von Ihnen erwartet, na?«

Miles wartete atemlos. Osers Kiefer mahlten; er kaute an dieser leidenschaftlichen Argumentation. »Was ist Ihr Profit?«, fragte er schließlich.

»Aha. Ich fürchte, ich bin die gefährliche Variable in dieser Rechnung, Admiral. Ich bin nicht um des Profits willen dabei.« Miles grinste. »Deshalb ist es mir egal, was ich ruiniere.«

»Informationen, die Sie von Cavilo bekommen haben, sind alle nur Scheiße wert«, sagte Oser.

Er beginnt zu verhandeln — er zappelt am Haken, er zappelt am Haken! Miles schluckte einen Jubelschrei runter und bemühte sich um ein ernstes Gesicht.

»Alles, was Cavilo sagt, muß sicherlich mit großer Sorgfalt gesiebt werden. Aber, ah … Schönheit ist, was Schönheit tut. Und ich habe ihre verwundbare Seite herausgefunden.«