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»Cavilo hat keine verwundbare Seite.«

»Doch, sie hat eine. Ihre Leidenschaft für Ertrag. Ihr Erwerbssinn.«

»Ich kann nicht sehen, wie sie das verwundbar macht.«

»Das ist ja genau der Grund, weshalb Sie mich sofort in Ihren Stab aufnehmen müssen. Sie brauchen meinen Weitblick.«

»Sie engagieren!« Oser zuckte erstaunt zurück.

Nun, Miles hatte auf jeden Fall eine Überraschung erreicht. So etwas wie ein militärisches Ziel. »Ich habe gehört, der Posten des Stabschefs für Taktik sei jetzt frei.«

Osers Gesichtsausdruck wechselte von Erstaunen über Verblüffung zu einer Art amüsierter Wut.

»Sie sind verrückt.«

»Nein, nur in schrecklicher Eile. Admiral, zwischen uns ist nichts unwiderruflich schiefgegangen. Noch nicht. Sie haben mich angegriffen — nicht umgekehrt —, und jetzt erwarten Sie, daß ich Sie meinerseits angreife. Aber ich bin nicht im Urlaub, und ich habe keine Zeit zu verschwenden für so persönliche Vergnügen wie Rache.«

Osers Augen verengten sich.

»Was ist mit Tung?«

Miles hob die Schultern. »Lassen Sie ihn vorerst eingesperrt, wenn Sie darauf bestehen. Unversehrt natürlich.« Nur sagen Sie ihm nicht, daß ich das gesagt habe.

»Nehmen wir mal an, ich lasse ihn aufhängen.«

»Ach … das wäre unwiderruflich.« Miles hielt inne. »Ich möchte darauf hinweisen, Tung einzusperren ist, wie wenn Sie sich Ihre rechte Hand abhacken, bevor Sie in den Kampf gehen.«

»Welcher Kampf? Gegen wen?«

»Das ist eine Überraschung. Cavilos Überraschung. Allerdings habe ich ein paar Ideen zu diesem Problem entwickelt, die ich mitzuteilen bereit wäre.«

»Wären Sie?« Oser hatte den gleichen Gesichtsausdruck eines Mannes, der eine Zitrone aussaugt, den Miles dann und wann auf Illyans Gesicht hervorgerufen hatte. Dieser Ausdruck kam Miles fast heimatlich vertraut vor.

Miles fuhr fort: »Als Alternative dazu, daß ich von Ihnen engagiert werde, bin ich bereit, Ihr Auftraggeber zu werden. Ich bin autorisiert, Ihnen einen soliden Vertrag anzubieten, mit allem, was üblich ist: Vergütungen, Ersatz für Ausrüstung, Versicherung, von meinem … Sponsor.« Illyan, hören Sie meine Bitte. »Das kollidiert nicht mit Aslunds Interessen. Sie können zweimal für den gleichen Kampf kassieren, und Sie müssen nicht einmal die Seiten wechseln. Der Traum eines Söldners.«

»Welche Garantien können Sie im voraus geben?«

»Es scheint mir, daß ich derjenige bin, der Anspruch auf eine Garantie hat, Sir. Lassen Sie uns mit kleinen Schritten beginnen. Ich werde keine Meuterei beginnen, Sie hören auf, mich aus Luftschleusen hinauszustoßen. Ich werde mich Ihnen offen anschließen — alle sollen wissen, daß ich angekommen bin —, und ich werde meine Informationen Ihnen zugänglich machen.«

Wie dünn seine Informationen erschienen in der Brise dieser windigen Versprechungen! Zahlen, keine Truppenbewegungen, alles Absichten, sich verschiebende mentale Topographien von Loyalität, Ehrgeiz und Verrat. »Wir werden miteinander konferieren. Sie mögen vielleicht sogar einen Aspekt kennen, der mir fehlt. Dann machen wir von dort aus weiter.«

Oser preßte die Lippen zusammen, verwirrt, halb überredet, zutiefst mißtrauisch.

»Das Risiko, darauf möchte ich hinweisen«, sagte Miles, »das persönliche Risiko ist mehr auf meiner als auf Ihrer Seite.«

»Ich glaube …«

Miles wartete gespannt auf die Worte des Söldners.

»Ich glaube, das werde ich bereuen«, seufzte Oser.

Es brauchte noch einen halben Tag ausführlicher Verhandlungen, nur um die Ariel ins Dock zu bringen. Als die anfängliche Erregung sich legte, wurde Thorne nachdenklicher. Als die Ariel tatsächlich in ihre Halterung manövriert wurde, wurde Thorne ausgesprochen grüblerisch.

»Ich weiß immer noch nicht genau, was Oser davon abhalten soll, uns hereinzuholen, zu betäuben und in aller Ruhe aufzuhängen«, sagte Thorne, während er eine Seitenwaffe anschnallte, mit gedämpfter Stimme aus Rücksicht auf die Ohren des Begleitkommandos, das sich in der Nähe im Fährenlukenkorridor der Ariel bereitmachte.

»Neugier«, sagte Miles zuversichtlich.

»Also gut, dann halt betäuben, mit Schnell-Penta behandeln und aufhängen.«

»Wenn er mich unter Schnell-Penta verhört, dann werde ich ihm genau die Fakten sagen, die ich ihm sowieso sagen wollte.« Und leider noch ein paar mehr. »Und er wird weniger Zweifel haben. Also um so besser.«

Das Klirren und Zischen des Einrastens der Anschlußrohre bewahrte Miles davor, noch mehr leeres Gerede von sich zu geben. Thornes Sergeant löste ohne Zögern die Klammern der Luke, allerdings achtete er auch sorgfältig darauf, nicht als Silhouette in der Öffnung zu stehen, wie Miles bemerkte.

»Kommando antreten!«, befahl der Sergeant. Seine sechs Leute überprüften ihre Betäuber. Thorne und der Sergeant trugen zusätzlich noch Nervendisruptoren, eine fein berechnete Mischung von Waffen: Betäuber, um menschliche Irrtümer einzukalkulieren, die Nervendisruptoren, um die andere Seite dazu zu bringen, keine Fehler zu riskieren. Miles ging unbewaffnet. Er hatte in Gedanken vor Cavilo salutiert — nun ja, mit einer derben Geste allerdings — und seine Filzpantoffeln wieder angezogen. Mit Thorne an seiner Seite übernahm er die Führung der kleinen Prozession und marschierte durch die Anschlußröhre in eine der fast fertiggestellten Andockbuchten der militärischen Station von Aslund.

Seinem Wort getreu hatte Oser eine Gruppe von Zeugen aufgestellt und wartete mit ihnen. Das Kommando von etwa zwanzig Leuten trug eine Mischung von Waffen, die fast der der Gruppe von der Ariel glich.

»Wir sind in der Minderheit«, murmelte Thorne.

»Es hängt alles vom Geist ab«, antwortete Miles murmelnd. »Marschiere, als hättest du ein ganzes Imperium hinter dir.« Und schau nicht über die Schulter zurück, es könnte uns vielleicht einholen. Es sollte uns lieber einholen. »Je mehr Leute mich sehen, um so besser.«

Oser stand wartend in Rührt-euch-Haltung und sah ausgesprochen mürrisch drein. Elena — Elena! — stand an seiner Seite, unbewaffnet, mit erstarrtem Gesicht. Sie preßte die Lippen aufeinander und blickte ihn angespannt voller Mißtrauen an, vielleicht Mißtrauen nicht gegenüber seinen Motiven, aber gewiß gegenüber seinen Methoden. Was für eine Torheit ist das jetzt? fragten ihre Augen. Miles nickte ihr ganz kurz ironisch zu, bevor er vor Oser salutierte.

Widerstrebend erwiderte Oser den militärischen Gruß. »Nun ›Admiral‹ — kehren wir zur Triumph zurück, und kommen wir zum Geschäft«, sagte er heiser.

»In der Tat, ja. Aber machen wir doch zuerst unterwegs einen kleinen Rundgang durch die Station? Natürlich durch die Bereiche, die nicht der obersten Geheimhaltungsstufe unterliegen. Meine letzte Besichtigung wurde nämlich so … ah … unsanft unterbrochen. Nach Ihnen, Admiral?«

Oser knirschte mit den Zähnen. »Oh, nach Ihnen, Admiral.«

Es wurde eine Parade daraus. Miles führte sie gut fünfundvierzig Minuten herum, darin eingeschlossen war ein Gang durch die Cafeteria während der mittäglichen Stoßzeit mit verschiedenen geräuschvollen Unterbrechungen, um die wenigen alten Dendarii, die er erkannte, mit Namen zu grüßen und den anderen ein strahlendes Lächeln zu schenken.

In seinem Kielwasser gab es Gerede: die Unwissenden suchten Erklärungen bei den Wissenden. Eine Aslunder Arbeitsmannschaft war damit beschäftigt, Faserstoffplatten aus der Wand zu reißen, und er hielt an, um ihnen Komplimente wegen ihrer Arbeit zu machen.

Als Oser einen Augenblick abgelenkt war, ergriff Elena die Gelegenheit, sich niederzubeugen und grimmig in Miles’ Ohr zu flüstern: »Wo ist Gregor?«