Выбрать главу

»Daran hängt — hänge ich, wenn ich es nicht schaffe, ihn zurückzubringen«, flüsterte Miles zurück. »Zu kompliziert, erzähl ich dir später.«

»O Gott.« Sie rollte mit den Augen.

Als er, nach Osers zunehmend finsterer werdendem Gesicht zu urteilen, fast die Grenze von dessen arg beanspruchter Duldsamkeit erreicht hatte, duldete Miles es seinerseits, wieder zur Triumph geführt zu werden. Cavilos Befehlen gehorchend, hatte Miles keinen Versuch unternommen, Kontakt mit Barrayar aufzunehmen. Aber wenn Ungari ihn nach diesem Spektakel nicht finden konnte, dann war es Zeit, diesen Mann zu feuern. Ein Prärievogel, der einen verrückten Paarungstanz auf den Boden trommelt, hätte kaum ein auffälligeres Schauspiel darbieten können.

Die letzten Handgriffe des Aufbaus waren in der Andockbucht der Triumph noch im Gange, als Miles mit seiner Parade dort durchkam. Ein paar Aslunder Arbeiter in Gelbbraun, Hellblau und Grün lehnten sich herüber, um von den Laufplanken herunterzuglotzen. Militärtechniker in ihren dunkelblauen Uniformen hielten mitten in der Installation inne, um ihn anzustarren, danach mußten sie ihre Verbindungen neu sortieren und ihre Schrauben neu festziehen. Miles unterließ es zu lächeln und zu winken, damit nicht Osers zusammengebissene Zähne abbrachen. Kein Ködern mehr, jetzt war es Zeit, ernsthaft zu werden. Die ungefähr dreißig Söldner konnten beim nächsten Rollen des Würfels sich von einer Ehrenwache in eine Gefängniswache verwandeln.

Thornes großer Sergeant, der neben Miles ging, schaute sich in der Bucht um und bemerkte, daß einiges neu eingebaut war. »Die Laderoboter sollten morgen um diese Zeit vollautomatisch funktionieren«, merkte er an. »Das wird eine Verbesserung sein — Scheiße!«

Seine Hand fiel plötzlich auf Miles’ Kopf und schob ihn nach unten. Der Sergeant drehte sich halb herum und griff nach seinem Halfter, als ihn der knisternde blaue Blitz einer Nervendisruptorladung voll in die Brust traf, und zwar in der Höhe, wo Miles’ Kopf gewesen war. Er zuckte krampfhaft zusammen, sein Atem stand still. Der Geruch von Ozon, heißem Plastik und verbranntem Fleisch drang an Miles’ Nase.

Miles versuchte sich in Deckung zu werfen, schlug auf dem Boden auf, rollte davon. Ein zweiter Blitz klatschte auf das Deck, das von ihm ausgehende Feld stach wie zwanzig Wespen entlang Miles’ ausgestrecktem Arm. Miles zog ruckartig die Hand zurück. Als der Körper des Sergeanten zusammensackte, packte Miles die Jacke des Mannes und verbarg sich unter ihm, er vergrub seinen Kopf und sein Rückgrat dort, wo das Fleisch am kräftigsten war, unter dem Rumpf des Sergeanten.

Er zog seine Arme und Beine so eng an sich, wie er nur konnte. Ein weiterer Blitz knisterte in der Nähe in den Boden, dann trafen zwei kurz hintereinander den Körper des Sergeanten. Selbst mit der absorbierenden Masse dazwischen war es schlimmer als der Schlag eines Schockstabes mit Starkstrom.

Miles hörte Schreien, Plumpsen, Kreischen, Rennen, Chaos. Das zirpende Summen von Betäuberfeuer. Eine Stimme: »Er ist dort oben! Los, schnappt ihn!«, und eine andere Stimme, hoch und heiser. »Du hast ihn entdeckt, er gehört dir. Schnapp du ihn!« Noch ein Blitz traf das Deck.

Das Gewicht des großen Mannes und der Gestank seiner tödlichen Wunden drückten auf Miles’ Gesicht. Miles wünschte sich, der Kerl hätte noch weitere fünfzig Kilo Masse an sich gehabt. Kein Wunder, daß Cavilo bereit gewesen war, zwanzigtausend betanische Dollar für einen Schutzanzug zu zahlen.

Von all den abscheulichen Waffen, mit denen Miles je konfrontiert worden war, war diese wohl die persönlich schrecklichste. Eine Kopfverletzung, die ihn nicht ganz tötete, aber ihm sein Menschsein stahl und ihn als ein Tier oder eine Pflanze zurückließ, war der schlimmste Alptraum. Sein Intellekt war sicherlich die einzige Rechtfertigung für seine Existenz. Ohne ihn …

Das Knistern eines Nervendisruptors, der nicht auf ihn zielte, drang an sein Ohr. Miles drehte den Kopf, um zu schreien, gedämpft durch Stoff und Fleisch.

»Betäuber! Betäuber! Wir wollen ihn lebendig für ein Verhör!« Er gehört dir, schnapp du ihn … Er sollte sich unter diesem Körper hervorschieben und an dem Kampf teilnehmen. Aber wenn er das besondere Ziel des Attentäters war, und warum sollte man Ladungen in eine Leiche pumpen … Vielleicht sollte er doch bleiben, wo er war. Er wand sich und versuchte, seine Hände und Beine noch enger an sich zu ziehen.

Das Geschrei ebbte ab, das Schießen hörte auf. Jemand kniete neben ihm nieder und versuchte, den Körper des Sergeanten von Miles herunterzurollen. Miles brauchte einen Augenblick, bis er erkannte, daß er die Uniformjacke des Mannes loslassen mußte, damit er befreit werden konnte. Er hatte Schwierigkeiten, seine Finger auszustrecken.

Thornes Gesicht schwebte über ihm, bleich und heftig atmend.

»Bist du unverletzt, Admiral?«

»Ich glaube«, keuchte Miles.

»Er hat auf dich gezielt«, berichtete Thorne, »nur auf dich.«

»Das habe ich bemerkt«, stotterte Miles. »Ich bin nur leicht geröstet.«

Thorne half ihm, sich aufzusetzen. Miles zitterte so schlimm wie nach der Prügel mit dem Schockstab. Er betrachtete seine zuckenden Hände, berührte mit einer den Leichnam neben sich in morbidem Erstaunen.

Jeder Tag meines restlichen Lebens wird dein Geschenk sein. Und ich weiß nicht einmal deinen Namen. »Dein Sergeant — wie war sein Name?«

»Collins.«

»Collins. Danke.«

»Ein guter Mann.«

»Das habe ich bemerkt.«

Oser kam heran, er sah angespannt aus. »Admiral Naismith, damit habe ich nichts zu tun.«

»Oh?« Miles blinzelte. »Hilf mir hoch, Bei …«

Das mochte ein Fehler gewesen sein, denn Thorne mußte ihm dann helfen stehenzubleiben, während seine Muskeln zuckten. Er fühlte sich schwach, erschöpft wie ein Kranker. Elena — wo? Sie hatte keine Waffe …

Da war sie, mit einer weiteren Söldnerin. Sie schleppten einen Mann in der dunklen Uniform eines einfachen Aslunder Soldaten auf Miles und Oser zu. Jede der beiden Frauen hielt einen gestiefelten Fuß, die Arme des Mannes schleiften empfindungslos über das Deck. Betäubt? Tot?

Sie ließen die Füße mit einem Plumps neben Miles fallen, mit dem selbstverständlichen Gehabe von Löwinnen, die ihren Jungen Beute brachten. Miles blickte auf ein tatsächlich sehr bekanntes Gesicht hinab. General Metzov. Was tun Sie hier?

»Erkennen Sie diesen Mann?«, fragte Oser den Aslunder Offizier, der sich ihnen eilends angeschlossen hatte. »Ist er einer von euren Leuten?«

»Ich kenne ihn nicht …« Der Aslunder kniete sich nieder, um nach Ausweisen zu suchen. »Er hat einen gültigen Paß …«

»Er hätte mich umlegen können und wäre davongekommen«, sagte Elena zu Miles, »aber er feuerte dauernd auf dich. Du warst klug genug, dich nicht von der Stelle zu rühren.«

Ein Triumph seiner Intelligenz oder ein Versagen seiner Nerven? »Ja, ganz recht.«

Miles machte einen weiteren Versuch, selbst zu stehen, gab es auf und stützte sich auf Thorne. »Ich hoffe, du hast ihn nicht getötet.«

»Nur betäubt«, sagte Elena und hielt die Waffe zum Beweis hoch.

Irgend jemand Intelligenter mußte sie ihr zugeworfen haben, als das Durcheinander begann.

»Sein Handgelenk ist wahrscheinlich gebrochen.«

»Wer ist er?«, fragte Oser. Ganz ehrlich, sagte sich Miles.

»Nun ja, Admiral«, Miles fletschte die Zähne, »ich habe Ihnen gesagt, daß ich Ihnen mehr geheime Informationen geben würde, als Ihr Nachrichtendienst in einem Monat zusammenbringen kann. Darf ich Ihnen überreichen«, fast wie eine Vorspeise — Miles machte eine Geste, die an einen Kellner erinnern sollte, der eine Wärmeglocke von einem Silbertablett hob, aber vermutlich sah es nur wie eine weitere Muskelzuckung aus, »General Stanis Metzov, Stellvertretender Kommandant von Randall’s Rangers.«

»Seit wann verüben höhere Stabsoffiziere Attentate an der Front?«