Выбрать главу

»Jetzt kannst du Mäuschen spielen«, sagte Chodak zu ihm aus dem Mundwinkel und grinste. »Betrachte es als ein Geschenk.«

»Es war nicht gerade freiwillig«, sagte Miles zu Tung. Er biß die Zähne zusammen, und das nur zum Teil deshalb, weil er sich bei dem Begeisterungsausbruch des Eurasiers nicht in die Zunge beißen wollte. »Und wir sind noch nicht im Geschäft.«

Tut mir leid, Ky. Ich kann diesmal nicht dein Strohmann sein. Du mußt mir folgen. Miles machte die eisige Miene und entfernte nachdrücklich Tungs Hände von seinen Schultern.

»Dieser vervanische Frachterkapitän, den du ausgesucht hast, hat mich direkt an Kommandantin Cavilo ausgeliefert. Und ich habe mich seitdem gefragt, ob das ein Zufall war.«

»Ach!« Tung trat zurück und sah aus, als hätte ihn Miles gerade in den Magen geboxt.

Miles fühlte sich so, als hätte er es getan. Nein, Tung war kein Verräter. Aber Miles wagte nicht, den einzigen Vorteil aufzugeben, den er hatte.

»Verrat oder Pfusch, Ky?« Und hast du aufgehört, deine Frau zu schlagen?

»Pfusch«, flüsterte Tung, der ganz blaß geworden war. »Verdammt, ich werde diesen falschen Hund umbringen …«

»Das wurde schon erledigt«, sagte Miles kalt. Tung hob die Augenbrauen in Überraschung und Respekt.

»Ich bin in die Hegen-Nabe aufgrund eines Kontraktes gekommen«, fuhr Miles fort, »der jetzt fast unrettbar durcheinandergebracht ist. Ich bin nicht hierher zurückgekommen, um dir das faktische Kampfkommando über die Dendarii zu übergeben …« — ein Schlag, wie Tungs besorgte Züge bewiesen, doch er versuchte sofort, diesen Ausdruck verschwinden zu lassen — »es sei denn, du bist bereit, meinen Zwecken zu dienen. Prioritäten und Ziele werden von mir bestimmt. Nur das Wie unterliegt deiner Entscheidung.« Und wer war wohl dabei, wem das Kommando über die Dendarii zu übergeben? Sofern diese Frage Tung nicht in den Sinn kam.

»Als mein Verbündeter«, begann Tung.

»Nicht Verbündeter. Dein Befehlshaber. Oder nichts«, sagte Miles.

Tung stand stämmig da und zuckte verwirrt mit den Augenbrauen. Schließlich sagte er in mildem Ton: »Papa Kys kleiner Junge scheint erwachsen zu werden.«

»Das ist nicht die Hälfte davon. Bist du dabei oder nicht?«

»Die andere Hälfte davon ist etwas, das ich hören will.« Tung saugte an seiner Unterlippe. »Ich bin dabei.«

Miles streckte die Hand aus. »Abgemacht.«

Tung ergriff sie entschlossen und mit Nachdruck. »Abgemacht.«

Miles atmete auf. »Also gut. Ich habe dir beim letztenmal ein paar Halbwahrheiten gesagt. Jetzt sage ich dir, was wirklich vor sich geht.«

Er begann auf und ab zu gehen, und sein Zittern war nicht bloß die Nachwirkung des Nervendisruptors. »Ich habe einen Kontrakt mit einem interessierten Außenseiter, aber da ging es nicht um militärische Einschätzung, das ist nur die Tarnung, die ich Oser vortäuschte. Als ich jedoch zu dir sagte, es gehe um die Verhinderung eines planetarischen Bürgerkriegs, so war das keine Tarnung. Ich wurde von den Barrayaranern engagiert.«

»Sie engagieren normalerweise keine Söldner.«

»Ich bin kein normaler Söldner. Ich werde vom Kaiserlich Barrayaranischen Sicherheitsdienst bezahlt« — Gott, endlich eine ganze Wahrheit —, »dafür, daß ich eine Geisel finde und befreie. Nebenbei hoffe ich, eine jetzt bevorstehende Invasion einer cetagandanischen Flotte davon abzuhalten, die Hegen-Nabe zu erobern. Unsere zweite strategische Priorität wird sein, beide Seiten des vervanischen Wurmlochsprungs zu besetzen und so viel mehr, wie wir können, bis barrayaranische Verstärkungen eintreffen.«

Tung räusperte sich. »Zweite Priorität? Was ist, wenn sie nicht kommen? Sie müssen an Pol vorbei … Und … hm … die Befreiung einer Geisel hat normalerweise keinen Vorrang vor flottenweiten strategisch-taktischen Operationen, oder?«

»Angesichts der Identität dieser Geisel garantiere ich dir, daß sie kommen. Der Kaiser von Barrayar, Gregor Vorbarra, wurde entführt. Ich habe ihn gefunden, wieder verloren, und jetzt muß ich ihn zurückbekommen. Wie du dir vorstellen kannst, erwarte ich, daß die Belohnung für seine Rückkehr beträchtlich sein wird.«

Tungs Gesicht war eine Studie von Erschrecken und Erleuchtung.

»Dieser dünne, nervenschwache Kerl, den du neulich im Schlepptau hattest — das war er, nicht wahr?«

»Ja, das war er. Und im Vertrauen gesagt, du und ich, wir haben es geschafft, ihn direkt an Kommandantin Cavilo auszuliefern.«

»Oh, verdammt.« Tung rieb sich seinen kurzgeschorenen Schädel. »Sie wird ihn direkt an die Cetagandaner verkaufen.«

»Nein. Sie hat vor, ihre Belohnung von Barrayar zu kassieren.«

Tung öffnete den Mund, schloß ihn wieder, hielt einen Finger hoch. »Wart mal einen Augenblick …«

»Es ist kompliziert«, gab Miles hilflos zu. »Das ist der Grund, weshalb ich den einfachen Teil, die Besetzung des Wurmlochs, an dich delegiere. Für den Teil der Geiselbefreiung werde ich verantwortlich sein.«

»Einfach. Die Dendarii Söldner. Wir fünftausend. Ohne jede Hilfe. Gegen das Imperium von Cetaganda. Hast du in den letzten vier Jahren verlernt zu zählen?«

»Denk an den Ruhm. Denk an deinen Ruf. Denk daran, wie großartig sich das in deinem nächsten Lebenslauf ausmachen wird.«

»Auf meinem leeren Ehrengrabmal, meinst du wohl. Niemand wird genügend von meinen verstreuten Atomen einsammeln können, um ein Begräbnis zu veranstalten. Wirst du meine Bestattungskosten tragen, Sohn?«

»Ich werde für Pomp sorgen. Fahnen, Tänzerinnen und genug Bier, um deinen Sarg nach Walhalla zu schwemmen.«

Tung seufzte. »Nimm Pflaumensaft, um den Sarg schwimmen zu lassen, ja? Trink das Bier. Nun gut.« Er stand einen Moment lang schweigend da und rieb sich seine Lippen. »Der erste Schritt ist, dafür zu sorgen, daß die Flotte in einer Stunde einsatzbereit ist statt in vierundzwanzig Stunden.«

»Das ist noch nicht geschehen?« Miles runzelte die Stirn.

»Wir waren auf Verteidigung eingestellt. Wir gingen davon aus, daß wir mindestens sechsunddreißig Stunden zur Verfügung hätten, um alles zu untersuchen, was auf uns durch die Nabe zukäme. Oder Oser ging davon aus. Es wird etwa sechs Stunden dauern, uns zu einer Einsatzbereitschaft von einer Stunde zu bringen.«

»In Ordnung … das ist dann der zweite Schritt. Dein erster Schritt wird sein, dich mit Kapitän Auson zu küssen und zu versöhnen.«

»Der kann mal meinen Arsch küssen!«, schrie Tung. »Der Hohlkopf …«

»Wird gebraucht, um die Triumph zu kommandieren, während du die Flottentaktik leitest. Du kannst nicht beides tun. Ich kann die Flotte so kurz vor dem Einsatz nicht umorganisieren. Wenn ich eine Woche Zeit hätte für eine Säuberung — nun ja, die habe ich nicht. Osers Leute müssen überredet werden, auf ihren Posten zu bleiben. Wenn ich Auson habe«, Miles hochgehaltene Hand schloß sich wie ein Käfig, »dann kann ich mit dem Rest fertig werden. So oder so.«

Tung willigte frustriert knurrend ein. »In Ordnung.« Sein düsterer Blick ging langsam in ein Grinsen über. »Ich würde jedoch etwas dafür geben, um zu sehen, wie du ihn dazu bringst, daß er Thorne küßt.«

»Jedes Wunder zu seiner Zeit.«

Kapitän Auson, der schon vor vier Jahren ein massiger Mann gewesen war, hatte noch ein bißchen mehr Gewicht angesetzt, aber sonst schien er unverändert. Er trat in Osers Kabine, sah die auf ihn gerichteten Betäuber und blieb mit geballten Fäusten stehen. Als er Miles sah, der auf dem Rand von Osers Komkonsolentisch saß (ein psychologischer Trick, um seinen Kopf in gleicher Höhe wie alle anderen zu haben, Miles befürchtete, wenn er auf dem Dienststuhl säße, dann würde er aussehen wie ein Kind an einem Eßtisch, das ein erhöhten Sitz brauchte), ging Ausons Gesichtsausdruck von Ärger in Entsetzen über.

»Oh, zum Teufel! Nicht schon wieder Sie!«