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Ein schwacher Anflug von Zorn huschte über das Gesicht des Sergeanten, als würde er sich an große Ungerechtigkeit erinnern.

»Erst als er mit mir hier Kontakt aufgenommen hatte, als wir in eine Sackgasse geraten waren und noch mal alle Schritte nachgingen in der Hoffnung, eine Spur von Ihnen zu finden, die wir übersehen hatten, da identifizierte ich den fehlenden Kontraktsklaven als Kaiser Gregor. Tage waren da verloren.«

»Ich war mir sicher, Sie würden Kontakt mit Elena BothariJesek aufnehmen, Sir. Sie wußte, wohin wir gegangen waren. Sie wußten doch, daß sie meine eidgebundene Lehnsfrau ist, das steht in meinen Akten.«

Ungari preßte die Lippen zusammen und warf ihm einen wütenden Blick zu, lieferte aber ansonsten keine Erklärung für diesen Fehlgriff.

»Als die erste Welle barrayaranischer Agenten in der HegenNabe ankam, hatten wir endlich genügend Verstärkung, um eine ernsthafte Suche vorzubereiten …«

»Gut! Also weiß man zu Hause, daß Gregor in der Nabe ist. Ich befürchtete schon, Illyan würde immer noch all seine Ressourcen auf Komarr verschwenden, oder, noch schlimmer, in Richtung Escobar.«

Ungari ballte wieder die Fäuste. »Vorkosigan, was haben Sie mit dem Kaiser gemacht?«

»Er ist momentan in Sicherheit, aber trotzdem in großer Gefahr.« Miles dachte eine Sekunde lang darüber nach. »Das heißt, im Moment geht es ihm gut, denke ich, aber das wird sich ändern mit der taktischen …«

»Wir wissen, wo er ist, er wurde vor drei Tagen von einem Agenten bei den Randall’s Rangers entdeckt.«

»Das muß gewesen sein, als ich gerade abgereist war«, rechnete Miles nach. »Nicht, daß er mich hätte entdecken können, ich war im Schiffsgefängnis — was tun wir jetzt in dieser Richtung?«

»Rettungsstreitkräfte werden zusammengezogen, ich weiß nicht, wie groß die Flotte sein wird.«

»Wie steht es mit der Erlaubnis, den Raum von Pol zu durchqueren?«

»Ich zweifle, daß man darauf warten wird.«

»Wir müssen Pol alarmieren, nicht beleidigen. Die …«

»Fähnrich, Vervain hält den Kaiser gefangen!«, knurrte Ungari wütend. »Ich werde nicht …«

»Nicht Vervain hält Gregor gefangen, sondern Kommandantin Cavilo«, unterbrach Miles eilig. »Es ist strikt unpolitisch, ein Komplott zu ihrem privaten Gewinn. Ich glaube — tatsächlich bin ich mir absolut sicher —, die Regierung von Vervain weiß nicht das geringste über ihren ›Gast‹. Unsere Rettungs-Streitkräfte müssen gewarnt werden, keinen feindseligen Akt zu begehen, bevor die cetagandanische Invasionsflotte auftaucht.«

»Die was?«

Miles zögerte, dann sagte er leiser: »Wollen Sie damit sagen, Sie wissen nichts über die cetagandanische Invasion?« Er hielt inne. »Nun ja, nur weil Sie davon noch nichts wissen, muß das noch nicht bedeuten, daß Illyan das noch nicht rausgekriegt hat. Selbst wenn wir nicht herausgefunden haben, wo sie sich innerhalb ihres Imperiums sammeln — sobald der Sicherheitsdienst zusammenzählt, wieviel cetagandanische Raumkriegsschiffe von ihren Heimatstandorten verschwunden sind, wird man erkennen, daß etwas im Busche ist. Irgend jemand muß ja noch solche Dinge im Auge behalten, selbst in der gegenwärtigen Aufregung wegen Gregor.«

Ungari saß immer noch wie betäubt da, deshalb fuhr Miles mit seinen Erklärungen fort. »Ich erwarte, daß eine cetagandanische Streitmacht in den Lokalraum von Vervain eindringt und dann weitermacht, um sich die Hegen-Nabe zu sichern, und zwar mit Einwilligung von Kommandantin Cavilo. Sehr bald. Ich plane, die Dendarii-Flotte auf die andere Seite des Systems zu nehmen und die Cetagandaner am Wurmloch von Vervain zu bekämpfen, und dieses Wurmloch zu halten, bis Gregors Befreiungsflotte eintrifft. Ich hoffe, man schickt mehr als nur ein diplomatisches Verhandlungsteam … Übrigens, haben Sie noch die Blankokreditanweisung für den Söldnervertrag, die Illyan Ihnen gab? Ich brauche sie.«

»Sie, mein Herr«, begann Ungari, als er seiner Stimme wieder mächtig war, »gehen nirgendwohin außer in unsere konspirative Wohnung auf der Aslund-Station. Wo Sie ruhig — sehr ruhig — warten werden, bis Illyans Verstärkungen eintreffen, um Sie mir abzunehmen.«

Miles ignorierte höflich diesen unpraktischen Ausbruch. »Sie müssen doch Daten für Ihren Bericht an Illyan gesammelt haben. Ist da irgend etwas dabei, das für mich von Nutzen ist?«

»Ich habe einen vollständigen Bericht über die Aslund-Station, über die Vorkehrungen der Aslunder Flotte und der Söldner und ihre Stärken, aber …«

»Ich habe das alles inzwischen.« Miles trommelte mit den Fingern ungeduldig auf Osers Komkonsole. »Verdammt. Ich wünsche mir, Sie hätten die letzten zwei Wochen statt dessen auf der Vervain-Station verbracht.«

Ungari knirschte mit den Zähnen. »Vorkosigan, Sie stehen jetzt auf und kommen mit Sergeant Overholt und mir. Oder mein Ehrenwort, ich werde Overholt Sie mit Gewalt davontragen lassen.«

Overholt beäugte ihn mit kalter Berechnung, erkannte Miles. »Das könnte ein ernster Fehler sein, Sir. Schlimmer als Ihre Unterlassung, Elena zu kontaktieren. Wenn Sie mich nur mal die allgemeine strategische Situation erklären lassen …«

Über das Erträgliche hinaus gereizt, stieß Ungari hervor: »Overholt, packen Sie ihn!«

Miles drückte den Alarmknopf an seinem Komkonsolenpult, als Overholt über ihn herfiel. Er sprang um seinen Stuhl herum und stieß ihn aus seiner Verankerung, als Overholt danebengriff. Die Kabinentür öffnete sich zischend. Chodak und seine zwei Wachen stürmten herein, gefolgt von Elena. Overholt, der um die Ecke des Komkonsolenpults hinter Miles herjagte, schlitterte direkt in Chodaks Betäuberfeuer. Er fiel mit einem heftigen Plumps zu Boden, Miles zuckte zusammen.

Ungari sprang auf die Füße und hielt dann inne, eingerahmt von vier auf ihn zielenden Dendarii-Betäubern. Miles kam es vor, als müßte er gleich in Tränen ausbrechen, oder möglicherweise in ein Gelächter. Keins von beiden wäre nützlich gewesen. Er gewann wieder die Herrschaft über seinen Atem und seine Stimme.

»Sergeant Chodak, bringen Sie diese beiden Männer ins Schiffsgefängnis der Triumph. Stecken Sie sie … stecken Sie sie mal in die Zelle neben Metzov und Oser.«

»Jawohl, Admiral.«

Ungari fiel in tapferes Schweigen, wie es sich für einen gefangenen Spion ziemte, und duldete es, hinausgeführt zu werden, obwohl die Adern an seinem Hals vor unterdrückter Wut pulsierten, als er einen zornigen Blick zurück auf Miles warf.

Und ich kann ihn nicht einmal mit Schnell-Penta verhören, dachte Miles bedauernd. Ein Agent auf der Ebene von Ungari hatte sicher ein Implantat mit einer induzierten allergischen Reaktion gegen Schnell-Penta: nicht Euphorie, sondern anaphylaktischer Schock und Tod wären das Ergebnis solch einer Dosis.

Einen Augenblick später erschienen zwei weitere Dendarii mit einer Schwebepalette und brachten den reglosen Overholt weg.

Als sich die Tür hinter ihnen schloß, fragte Elena: »Also gut, um was ging es bei dem Ganzen?«

Miles seufzte tief: »Das war unglücklicherweise mein Vorgesetzter beim Kaiserlichen Sicherheitsdienst, Hauptmann Ungari. Er war nicht in der Stimmung, mir zuzuhören.«

Elenas Augen leuchteten vor perverser Begeisterung.

»Lieber Gott, Miles! Metzov — Oser — Ungari — alle hintereinander — du bist sicherlich hart zu deinen kommandierenden Offizieren. Was wirst du tun, wenn die Zeit kommt, sie alle herauszulassen?«

Miles schüttelte ratlos den Kopf. »Ich weiß es nicht.«

Die Flotte löste sich binnen einer Stunde von der Aslund-Station und bewahrte strikte Funkstille. Die Aslunder gerieten natürlich in Panik. Miles saß im Kommunikationszentrum der Triumph und hörte ihre hektischen Anfragen ab, entschlossen, nicht in den natürlichen Lauf der Ereignisse einzugreifen, es sei denn, die Aslunder eröffneten das Feuer. Bis er Gregor wieder in Händen hatte, mußte er um jeden Preis Cavilo das korrekte Bild präsentieren. Sie in dem Glauben lassen, daß sie bekäme, was sie wollte, oder zumindest, wonach sie verlangt hatte. Tatsächlich versprach der natürliche Lauf der Ereignisse mehr von den Ergebnissen zu liefern, die Miles wünschte, als er durch Planung und Überredung hätte erreichen können. Die Aslunder hatten drei Haupttheorien, wie Miles aus ihrem Funkgeschnatter schließen konnte: die Söldner flohen ganz und gar aus der Hegen-Nabe aufgrund einer geheimen Nachricht von einem bevorstehenden Angriff, die Söldner hauten ab, um sich einem oder mehreren von Aslunds Feinden anzuschließen, oder, am schlimmsten von allem, die Söldner eröffneten einen nicht provozierten Angriff auf besagte Feinde, wobei eine nachfolgende Vergeltung auf die Häupter der Aslunder zurückfallen würde.