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Gregor blickte standhaft auf Elenas Gesichtsscheibe. Sein Schritt wurde nicht langsamer und geriet nicht ins Stocken. Er blieb erst stehen, als seine Brust die wulstige Mündung der Kanone berührte. Es war ein außerordentlich dramatischer und eindrucksvoller Augenblick.

Miles war so in der Würdigung dieser Situation versunken, daß er etwas länger brauchte, um seinen Finger ein paar verschwindend wenige Zentimeter zu bewegen und den Knopf an seiner Steuerbox zu drücken, der die Drucktüren schloß.

Das Schott war nicht für langsames Schließen programmiert worden, es knallte schneller zu, als das Auge folgen konnte. Kurze Geräusche von Plasmafeuer auf der anderen Seite, Rufe — Cavilo schrie einen ihrer Männer an, gerade rechtzeitig, um ihn von dem fatalen Fehler abzuhalten, eine Mine gegen die Wand eines geschlossenen Raumes abzufeuern, in dem er sich selber aufhielt. Dann herrschte Schweigen.

Miles ließ sein Plasmagewehr fallen und riß seinen Helm herunter. »Allmächtiger Gott, das hatte ich nicht erwartet. Gregor, du bist ein Genie.«

Gregor hob sanft einen Finger und schob die Mündung der Plasmakanone zur Seite.

»Hab keine Angst«, sagte Miles. »Keine unserer Waffen ist geladen. Ich wollte keinen Unfall riskieren.«

»Ich war mir fast sicher, daß es so war«, murmelte Gregor. Er blickte über die Schultern auf die Drucktüren zurück. »Was hättest du gemacht, wenn ich mich nicht in Bewegung gesetzt hätte?«

»Weiter geredet. Verschiedene Kompromisse ausprobiert. Ich hatte noch einen Trick oder zwei … hinter der anderen Drucktür ist ein Kommando mit geladenen Waffen. Am Ende, wenn sie nicht anbiß, wäre ich bereit gewesen, aufzugeben.«

»Genau das hatte ich befürchtet.«

Einige seltsame gedämpfte Geräusche drangen durch die Drucktür.

»Elena, übernimm du«, sagte Miles. »Räum auf. Fang Cavilo lebend, wenn möglich, aber ich möchte nicht, daß irgendwelche Dendarii bei dem Versuch ums Leben kommen. Geh kein Risiko ein. Vertrau auf nichts, was sie sagt.«

»Ich habe kapiert.« Elena salutierte schwungvoll und gab ihrem Kommando ein Zeichen. Die Leute traten zur Seite, um ihre Waffen zu laden. Elena begann über den Befehlskanal mit dem Anführer des zweiten Kommandos zu beraten, das auf Cavilos anderer Seite wartete, und mit dem Kommandanten der Kampffähre der Ariel, die sich aus dem Raum näherte.

Miles führte Gregor durch den Korridor, um ihn so schnell wie möglich aus dem Gebiet des möglichen Durcheinanders zu entfernen. »In den Taktikraum, und dann werde ich dich informieren. Du mußt einige Entscheidungen treffen.«

Sie betraten ein Liftrohr und fuhren aufwärts. Mit jedem Meter, um den die Entfernung zwischen Gregor und Cavilo zunahm, atmete Miles leichter.

»Meine größte Sorge«, sagte Miles, »bis wir persönlich miteinander sprachen, war, daß Cavilo wirklich gelungen war, was sie glaubte getan zu haben, nämlich deinen Geist zu vernebeln. Ich konnte nicht erkennen, woher sie ihre Ideen haben sollte, wenn nicht von dir. Ich war nicht sicher, was ich in diesem Fall tun konnte, außer mitzuspielen, bis ich dich an höhere Experten auf Barrayar weitergeben konnte. Wenn ich überlebte. Ich wußte nicht, wie schnell du sie durchschauen würdest.«

»Oh, sofort«, sagte Gregor und zuckte die Achseln. »Sie hatte das gleiche hungrige Lächeln im Gesicht, das Vordrozda zu zeigen pflegte. Und seit ihm ein Dutzend zweitrangiger Kannibalen. Einen machthungrigen Schmeichler kann ich jetzt schon auf tausend Meter Entfernung riechen.«

»Ich ergebe mich meinem Meister der Strategie«, Miles gepanzerte Hand machte die Andeutung eines Kniefalls. »Weißt du, daß du dich selbst gerettet hast? Sie hätte dich den ganzen Weg mit nach Hause genommen, wenn ich nicht vorbeigekommen wäre.«

»Es war leicht.« Gregor runzelte die Stirn. »Voraussetzung war nur, daß ich überhaupt keine persönliche Ehre habe.« Der Blick aus Gregors Augen war todernst, erkannte Miles, bar jeden Triumphs.

»Man kann einen ehrlichen Menschen nicht betrügen«, sagte Miles unsicher. »Oder eine ehrliche Frau. Was hättest du getan, wenn sie dich heimgebracht hätte?«

»Das hängt davon ab.« Gregor starrte in die Ferne. »Wenn es ihr gelungen wäre, dich umzubringen, dann hätte ich sie vermutlich hinrichten lassen.«

Gregor blickte zurück, als sie aus dem Liftrohr traten. »Das ist besser. Vielleicht … vielleicht gibt es einen Weg, ihr eine faire Chance zu geben.«

Miles blinzelte. »Ich wäre sehr vorsichtig damit, Cavilo überhaupt irgendeine Art von Chance zu geben, wenn ich du wäre. Ich würde sie nicht einmal mit einer Zange anfassen. Verdient sie eine Chance? Weißt du wirklich, was los ist, wie viele sie verraten hat?«

»Zum Teil. Und doch …«

»Doch was?«

Gregors Stimme wurde so leise, daß sie fast unhörbar wurde: »Ich wünschte mir, sie wäre echt gewesen.«

»… und das ist die gegenwärtige taktische Situation in der Nabe und im Lokalraum von Vervain, soweit meine Informationen reichen«, schloß Miles seine Darstellung für Gregor. Sie hatten den Besprechungsraum der Ariel ganz für sich allein, Arde Mayhew stand Wache im Korridor.

Miles hatte mit seinem Schnellüberblick begonnen, als Elena berichtete, daß die feindliche Entermannschaft erfolgreich hinter Schloß und Riegel gebracht war. Er hatte nur eine Pause gemacht, um sich aus seiner schlecht sitzenden Rüstung zu schälen und wieder seine graue Dendari-Uniform anzuziehen. Die Rüstung hatte er eilends von derselben Soldatin geliehen, die ihm schon vorher mit Kleidung ausgeholfen hatte, und die Installationen waren notgedrungenermaßen nicht angeschlossen gewesen.

Miles hielt das Holoviddisplay in der Mitte des Tisches an. Könnte er doch auch die echte Zeit und die Ereignisse mit dem Tippen auf eine Taste anhalten, um ihr schreckliches Vorwärtsstürmen aufzuhalten.

»Du wirst feststellen, daß unsere größten Wissenslücken bei den genauen Informationen über die cetagandanischen Streitkräfte liegen. Ich hoffe, daß die Vervani einige dieser Lücken füllen werden, wenn wir sie überzeugen können, daß wir ihre Verbündeten sind, und daß die Rangers noch mehr Informationen übergeben werden. Auf die eine oder andere Weise.

Nun — Majestät — liegt die Entscheidung bei dir. Kämpfen oder fliehen? Ich kann die Ariel jetzt unmittelbar von den Dendarii abziehen, um dich heimzubringen, und das wäre eine geringe Einbuße bei diesem heißen und schmutzigen Wurmlochkampf. Feuerkraft und Panzerung werden dort gefragt sein, nicht Schnelligkeit. Es gibt wenig Zweifel daran, wofür mein Vater und Illyan stimmen würden.«

»Nein.« Gregor bewegte sich. »Andrerseits sind sie nicht hier.«

»Stimmt. Im Gegensatz dazu, um das gegenteilige Extrem zu nehmen, willst du der Oberbefehlshaber in dem Schlamassel sein? Sowohl dem Namen nach als auch de facto?«

Gregor lächelte sanft. »Was für eine Versuchung. Aber meinst du nicht, es wäre eine gewisse … äh … Hybris, die Führerschaft im Kampf zu übernehmen, ohne vorher Gefolgschaft im Kampf gelernt zu haben?«

Miles errötete leicht. »Ich — hm! — war mit einem ähnlichen Dilemma konfrontiert. Du hast die Lösung getroffen, sie heißt Ky Tung. Wir werden uns mit ihm beraten, wenn wir später wieder auf der Triumph sind.« Miles hielt inne. »Es gibt noch ein paar andere Dinge, die du für uns tun könntest. Wenn du das willst. Echte Dinge.«

Gregor rieb sich das Kinn und betrachtete Miles so, wie er auch ein Spiel beobachten würde. »Heraus damit, Lord Vorkosigan.«

»Legitimiere die Dendarii. Präsentiere sie den Vervani als die barrayaranische Eingreiftruppe. Ich kann nur bluffen. Dein Wort ist Gesetz. Du kannst einen rechtlich bindenden Verteidigungspakt zwischen Barrayar und Vervain schließen — mit Aslund auch, wenn wir sie dazu bewegen können. Dein größter Wert ist — tut mir leid — diplomatisch, nicht militärisch. Geh auf die Vervain-Station und verhandle mit diesen Leuten. Und ich meine wirklich verhandeln.«