Выбрать главу

Die erste Methode zum Angriff auf ein Wurmloch, die zur Auswahl stand, war List, Bestechung und Infiltration, d. h. Betrug. Die zweite, zu deren Ausführung auch List bevorzugt wurde, bestand in einem Umweg, indem man Streitkräfte über eine andere Route (wenn es sie gab) in den umstrittenen Lokalraum schickte. Die dritte war, einen Angriff mit einem Opferschiff zu eröffnen, das eine ›Sonnenwand‹ legte, eine massive Decke von kleinen Nuklearprojektilen, die als Einheit plaziert wurden und eine Welle der Zerstörung aufbauten, die den Raum um das Wurmloch von fast allem freiräumte, häufig auch von dem Angriffsschiff, aber Sonnenwände waren teuer, schnell zerstreut und nur lokal wirksam.

Die Cetagandaner hatten versucht, alle drei Methoden zu kombinieren, wie die Unordnung der Rangers und der schmutzige radioaktive Nebel, der aus der Umgebung ihrer ersten Eroberung ausströmte, bezeugten.

Die vierte anerkannte Lösung des Problems eines Frontalangriffs auf ein bewachtes Wurmloch war, den Offizier zu erschießen, der den Angriff vorschlug. Miles hoffte, die Cetagandaner würden sich auch zu dieser Methode durchringen, sobald er mit seiner Arbeit fertig wäre. Die Zeit verging. Miles befestigte einen Stationsstuhl in der Halterung und studierte das zentrale Display, bis ihm die Augen tränten und sein Geist in einen hypnotischen Dämmerschlaf zu fallen drohte, dann stand er auf, schüttelte sich, ging zwischen den Dienststationen umher und schaute dabei den anderen über die Schulter.

Die Cetagandaner manövrierten. Das plötzliche und unerwartete Eintreffen der Dendarii-Streitmacht während ihrer Ruhepause hatte sie zeitweilig in Verwirrung gestürzt, ihr geplanter Schlußangriff auf die gestressten Vervani mußte notwendigerweise im Flug in noch eine weitere, sanfter werdende Runde von punktuellen Angriffen umgewandelt werden. Das war teuer. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Cetagandaner wenige Möglichkeiten, ihre Anzahl oder ihre Bewegungen zu verbergen. Das Eingreifen der Dendarii legte den Cetagandanern die Folgerung nahe, daß die Söldner über verborgene Reserven verfügten (wer wußte, wie unbegrenzt? Miles sicher nicht), die auf der anderen Seite des Wurmlochsprungs versteckt waren. In Miles flackerte kurz die Hoffnung auf, daß diese Drohung allein schon genügen könnte, um die Cetagander zum Abbruch ihres Angriffs zu veranlassen.

»Nö«, seufzte Tung, als Miles ihm diesen optimistischen Gedanken anvertraute. »Sie stecken schon zu tief drin. Die Metzgerrechnung ist schon zu hoch für sie, als daß sie noch vorgeben könnten, sie hätten nur Faxen gemacht. Selbst für sie selber. Ein cetagandanischer Kommandant, der jetzt aufstecken würde, käme zu Hause vor ein Kriegsgericht. Sie werden noch weitermachen, wenn es schon lange hoffnungslos ist, weil ihre hohen Tiere verzweifelt ihre blutenden Ärsche mit einer Siegesfahne bedecken wollen.«

»Das ist … abscheulich.«

»Das ist das System, mein Sohn, und nicht nur für die Cetagandaner. Einer der verschiedenen eingebauten Defekte des Systems. Und außerdem«, Tung grinste kurz, »es ist für sie noch nicht ganz so hoffnungslos. Eine Tatsache, die wir vor ihnen zu verheimlichen versuchen werden.«

Die cetagandanischen Kräfte begannen sich zu bewegen, ihre Richtungen und Beschleunigungen signalisierten die Absicht, einen schweren Stoß durchzuführen. Der Trick war, lokale Konzentration von Kräften zu versuchen, drei oder vier Schiffe, die sich gegen ein gegnerisches zusammenrotteten und so die Plasmaspiegel des Verteidigers überwältigten. Die Dendarii und die Vervani würden eine gleiche Strategie gegenüber versprengten Cetagandanern versuchen, ausgenommen ein paar bravouröse Kapitäne auf beiden Seiten, die mit den neuen Imploderlanzen ausgerüstet waren und ein wahnsinnig wagemutiges Spiel trieben, indem sie versuchten, ein Ziel in die kurze Reichweite der Waffe zu bekommen.

Miles versuchte auch, ein Auge auf die Dispositionen der Rangers zu haben. Nicht jedes Ranger-Schiff hatte vervanische Berater an Bord, und Kampfaufstellungen, die die Rangers vor die Cetgandaner brachten, waren solchen sehr vorzuziehen, in denen Rangers im Rücken von Dendarii positioniert wurden.

Das ruhige Gemurmel der Techniker und Computer in dem Taktikraum veränderte kaum seinen Rhythmus. Es hätte eigentlich einen Tusch geben sollen mit Trommelwirbel und Dudelsäcken, etwas, das diesen Tanz mit dem Tod ankündigte. Aber wenn die Realität überhaupt in diese gepolsterte Blase einbrach, dann plötzlich, absolut und endgültig.

Eine Vidnachricht unterbrach sie, eine schiffsinterne — ja, es gab noch ein wirkliches Schiff, das sie umhüllte: ein atemloser Offizier meldete sich bei Tung: »Hier das Schiffsgefängnis, Sir. Passen Sie dort oben auf sich auf. Wir hatten einen Ausbruch. Admiral Oser ist entkommen und hat auch all die anderen Gefangenen rausgelassen.«

»Verdammt«, sagte Tung, warf einen zornigen Blick auf Miles und zeigte auf das Vid.

»Erledige das. Scheuche Auson hoch.«

Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Taktikdisplay zu und murmelte: »Zu meiner Zeit wäre so etwas nicht passiert.«

Miles schlüpfte auf den Stuhl an der Kommunikationsstation und rief die Brücke der Triumph an. »Auson! Haben Sie das mit Oser gehört?«

Ausons irritiertes Gesicht erschien auf dem Schirm. »Ja, wir arbeiten daran.«

»Befehlen Sie extra Kommandowachen zum Taktikraum, zur Maschinenabteilung und Ihrer Brücke. Das ist eine wirklich schlechte Zeit für Unterbrechungen hier unten.«

»Wem sagen Sie das! Wir sehen, daß die Scheißkerle von Cetas auf uns zukommen.« Auson schaltete wieder ab.

Miles begann die internen Sicherheitskanäle abzuhören und hielt nur inne, um die Ankunft gut bewaffneter Wachen auf dem Korridor zur Kenntnis zu nehmen. Oser hatte offensichtlich Helfer bei dieser Flucht gehabt, einen loyalen oserischen Offizier oder derer mehrere, was Miles seinerseits zu der Frage veranlaßte, wie es mit der Sicherheit der Sicherheitswachen bestellt war.

Und würde Oser versuchen, sich mit Metzov und Cavilo zusammenzutun? Ein paar Dendarii, die für Disziplinarverfehlungen eingesperrt gewesen waren, wurden in den Korridoren herumwandernd aufgegriffen und ins Schiffsgefängnis zurückgebracht, ein weiterer kam von selbst zurück. In einem Laderaum wurde ein mutmaßlicher Spion gestellt. Noch kein Zeichen von den wirklich Gefährlichen …

»Da haut er ab!«

Miles wählte den Kanal an. Eine Frachtfähre löste sich aus ihrer Halterung an der Seite der Triumph und bewegte sich in den Raum hinaus.

Miles übersprang diverse Kanäle, bis er schließlich die Feuerleitstation fand. »Nicht, ich wiederhole, nicht auf diese Fähre feuern!«

»Hm …«, kam die Antwort. »Jawohl, Sir. Nicht feuern.«

Warum bekam Miles den unterschwelligen Eindruck, daß der Techniker überhaupt nicht die Absicht gehabt hatte, Feuer zu eröffnen?

Eine sichtlich gut koordinierte Flucht. Die spätere Hexenjagd würde scheußlich werden.

»Schalten Sie mich zu dieser Fähre durch!«, verlangte Miles vom Kommunikationsoffizier. Und, ach ja, schicken Sie eine Wache in die Korridore bei der Fährenluke … Dafür war es zu spät.

»Ich werd’s versuchen, Sir, aber sie antworten nicht.«

»Wie viele sind an Bord?«

»Einige, aber wir sind nicht ganz sicher …«

»Schalten Sie mich durch. Die müssen zuhören, auch wenn sie nicht antworten wollen.«

»Ich habe einen Kanal, Sir, aber ich weiß nicht, ob sie zuhören.«

»Ich werd’s versuchen.« Miles holte Atem. »Admiral Oser. Wenden Sie Ihre Fähre, und kommen Sie zur Triumph zurück. Es ist zu gefährlich dort draußen. Sie rasen Hals über Kopf in eine Gefechtszone. Kehren Sie um, und ich werde persönlich Ihre Sicherheit garantieren …«