Выбрать главу

Ganz anders. Sehr langsam und sehr, sehr vorsichtig näherte sich Miles Zentimeter um Zentimeter der Komkonsole und rief die Sicherheitsleute. Cavilo beobachtete ihn nachdenklich. Nach ein paar Augenblicken, als es an der Zeit war, daß gleich die Verstärkungen hereinstürmen mußten, kam sie langsam auf ihn zu. »Ich habe Sie unterschätzt, wissen Sie.«

»Ich habe Sie nie unterschätzt.«

»Ich weiß. Ich bin nicht gewöhnt an solche … danke.«

Verächtlich schleuderte sie den Nervendisruptor gegen Miles’ Körper. Dann fletschte sie plötzlich die Zähne, drehte sich um, schlang einen Arm um Miles’ Hals und küßte ihn heftig. Ihr Timing war perfekt: Die Sicherheitsleute, angeführt von Elena und Sergeant Chodak, stürmten durch die Tür, kurz bevor Miles Cavilo abschütteln konnte.

Miles trat von der Fähre der Triumph durch das kurze Anschlußrohr an Bord der Prinz Serg. Er blickte sich neidisch in dem sauberen, geräumigen und schön beleuchteten Korridor um, dann schaute er auf die Reihe schneidiger und glitzernder Ehrenwachen, die Haltung annahmen, auf die geschniegelten Offiziere, die in ihren grünen kaiserlich barrayaranischen Uniformen warteten. Er blickte verstohlen und besorgt an seiner eigenen grauweißen Dendarii-Uniform hinab. Die Triumph, Haupt und Stolz der Dendarii-Flotte, schien zu etwas Kleinem, Abgenutztem und Verbrauchten zu schrumpfen. Na klar, aber ihr Burschen würdet jetzt nicht so hübsch aussehen, wenn wir uns nicht so hart abgenutzt hätten, tröstete Miles sich selbst.

Tung, Elena und Chodak guckten auch alle wie Touristen.

Miles ließ sie Haltung annehmen, um die schneidigen militärischen Willkommensgrüße ihrer Gastgeber entgegenzunehmen und zu erwidern.

»Ich bin Oberstleutnant Natochini, stellvertretender Kommandeur der Prinz Serg«, stellte sich der ranghöchste Barrayaraner vor. »Leutnant Yegorov hier wird Sie und Oberstleutnant Bothari-Jesek zu Ihrem Treffen mit Admiral Vorkosigan führen, Admiral Naismith. Kommodore Tung, ich werde Sie persönlich auf der Prinz Serg herumführen, und es wird mir eine Freude sein, alle Ihre Fragen zu beantworten. Falls die Antworten nicht der Geheimhaltung unterliegen, natürlich.«

»Natürlich.« Tungs breites Gesicht sah enorm befriedigt aus. Wirklich, wenn Tung noch ein bißchen selbstgefälliger würde, dann könnte er implodieren.

»Wir werden uns Admiral Vorkosigan zum Mittagessen in der Offiziersmesse der höheren Ränge anschließen, nach Ihren Treffen und unserem Rundgang«, fuhr Oberstleutnant Natochini an Miles gewandt fort. »Unsere letzten Dinnergäste hier waren der Präsident von Pol und seine Begleitung, vor zwölf Tagen.«

In dem sicheren Bewußtsein, daß die Söldner die Bedeutung des Privilegs verstanden, das ihnen eingeräumt wurde, führte der barrayaranische Offizier Tung und Chodak, die beide glücklich waren, den Korridor hinab. Miles hörte, wie Tung leise kicherte: »Mittagessen mit Admiral Vorkosigan, höhö …«

Leutnant Yegorov dirigierte Miles und Elena in die entgegengesetzte Richtung. »Sie sind Barrayaranerin, Madame?«, wollte er von Elena wissen.

»Mein Vater war achtzehn Jahre lang ein durch Lehnseid gebundener Gefolgsmann des verstorbenen Grafen Piotr«, erklärte Elena. »Er starb im Dienste des Grafen.«

»Ich verstehe«, sagte der Leutnant respektvoll. »Sie sind also mit der Familie bekannt.« Das erklärt Ihre Einladung, konnte Miles ihn fast denken sehen.

»Ah, ja.«

Der Leutnant blickte mit etwas mehr Zweifel auf ›Admiral Naismith‹ herab. »Und … hm … ich habe gehört, daß Sie Betaner sind, Sir?«

»Ursprünglich«, sagte Miles in seinem breitesten betanischen Akzent.

»Sie … finden vielleicht die Art, wie wir Barrayaraner manche Dinge tun, ein bißchen formeller, als Sie es gewohnt sind«, warnte der Leutnant. »Der Graf, verstehen Sie, ist an den Respekt und die Ehrerbietung gewöhnt, die seinem Rang zustehen.«

Miles beobachtete amüsiert, wie der ernsthafte Offizier nach einer höflichen Methode suchte, um ihm zu sagen: Nennen Sie ihn ›Sir‹, wischen Sie nicht Ihre Nase an Ihrem Ärmel ab und unterlassen Sie Ihre verdammten egalitären betanischen Frechheiten. »Sie dürften ihn als sehr respekteinflößend empfinden.«

»Ein echter Wichtigtuer, nicht wahr?«

Der Leutnant runzelte die Stirn. »Er ist ein großer Mann.«

»Och, ich wette, wenn wir ihm beim Essen genügend Wein zu trinken geben, dann wird er schon auftauen und schmutzige Geschichten erzählen wie jeder andere auch.«

Yegorovs höfliches Lächeln fror auf seinen Lippen fest. Elena rollte mit den Augen, beugte sich herab und flüsterte energisch: »Admiral, benehmen Sie sich!«

»Oh, ist schon gut«, seufzte Miles bedauernd. Der Leutnant war über Miles’ Kopf hinweg Elena einen dankbaren Blick zu.

Miles bewunderte im Vorübergehen, daß alles wie aus dem Ei gepellt aussah. Abgesehen davon, daß sie neu war, hatte man bei der Planung der Prinz Serg an die Diplomatie ebenso wie an den Krieg gedacht und ein Schiff gebaut, das geeignet war, den Kaiser bei Staatsbesuchen zu befördern, ohne an militärischer Wirksamkeit einzubüßen. In einem Querkorridor, dessen Wandverkleidung zum Teil offenstand, sah er einen jungen Fähnrich, der eine Technikergruppe bei kleineren Reparaturen dirigierte — nein, bei Gott, das war originale Installationsarbeit.

Die Prinz Serg hatte den Orbit mit den Arbeitsmannschaften noch an Bord verlassen, wie Miles gehört hatte. Er blickte schnell über die Schulter zurück. Wenn Gott und General Metzov es nicht anders gewollt hätten, dann wäre ich jetzt hier an Bord. Wenn er seine Nase auf der Insel Kyril bloße sechs Monate sauber gehalten hätte … — er empfand einen Stich unlogischen Neides auf den geschäftigen Fähnrich.

Sie betraten den Offiziersbereich. Leutnant Yegorov führte sie durch ein Vorzimmer in ein spartanisch eingerichtetes Flaggbüro, das doppelt so groß war wie alles, was Miles je zuvor auf einem barrayaranischen Raumschiff gesehen hatte. Admiral Graf Aral Vorkosikan blickte von seinem Komkonsolenpult auf, als die Türen lautlos zur Seite glitten. Miles trat ein, und dabei wurde ihm plötzlich flau im Magen.

Um seine Emotionen zu verbergen und in den Griff zu bekommen, sagte er lässig: »He, ihr kaiserlichen Schnecken werdet alle dick und weichlich, wenn ihr in solchem Luxus herumhängt, wißt ihr das?«

»Ha!« Admiral Vorkosigan stolperte fast, als er sich von seinem Sessel erhob und hastig um die Ecke seines Schreibtisches polterte. Nun ja, kein Wunder, wie kann er richtig sehen mit all dem Wasser, das ihm in den Augen steht? Er schloß Miles heftig in die Arme. Miles grinste und blinzelte und schluckte, als sein Gesicht gegen den kühlen grünen Ärmel gedrückt wurde, und er hatte seine Züge fast wieder unter Kontrolle, als ihn Graf Vorkosigan eine Armlänge von sich hielt, um ihn besorgt und prüfend zu betrachten. »Geht es dir gut, Junge?«

»Wirklich gut. Wie hat dir dein Wurmlochsprung gefallen?«

»Wirklich gut«, erwiderte Graf Vorkosigan flüsternd. »Sieh dich vor! Es gab Momente, da manche meiner Berater wollten, daß man dich erschießt. Und es gab Momente, da war ich einer Meinung mit ihnen.«

Leutnant Yegorov, dem das Wort mitten in der Ankündigung ihrer Ankunft abgeschnitten worden war (Miles hatte ihn nicht sprechen hören, und er zweifelte, ob sein Vater ihn gehört hatte), stand da, den Mund noch offen und vollkommen verwirrt. Leutnant Jole, der selber ein Grinsen unterdrückte, erhob sich von der anderen Seite des Komkonsolenpults und führte Yegorov sanft und gütig wieder zur Tür hinaus. »Danke, Leutnant. Der Admiral weiß Ihre Dienste zu schätzen, das wäre es dann …«