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Zwei Stunden später kehrten Malin und Morgan zurück. Sie betraten gemeinsam den Raum, gingen dann aber in verschiedene Richtungen weiter. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf die Orbitalstation. »Wir haben den Plan auf der Tatsache aufgebaut, dass Colonel Dun den größten Teil ihrer Zeit in Industrieanlagen verbracht hat. Das war auch die Begründung, warum man ihr das Kommando über die Station gegeben hat. Ihre Militärzeit hat sie mit strategischen Systemen verbracht.«

»Nuklearwaffen?«, wollte Drakon wissen.

»Ja, zum größten Teil. Planung und Design.«

Morgan lächelte lässig. »Sie wird nach einem großangelegten Angriff Ausschau halten. Raketen, große Sturmschiffe, etwas in diesen Dimensionen. Colonel Dun besitzt keine Erfahrung mit Einsätzen von Bodentruppen oder Spezialeinheiten.«

»Wie viele Tarnanzüge stehen uns nach dem Angriff auf den ISD noch zur Verfügung?«, erkundigte sich Drakon.

»Genügend.« Morgan grinste noch breiter. »Die haben wir schon in den Plan einbezogen.«

Drakon rief den Plan auf. Eine Begabung, an deren Beherrschung er intensiv gearbeitet hatte, war die Fähigkeit, die wesentlichen Punkte eines Einsatzplans schnell zu erfassen. Die Konzentration auf irgendwelche Details konnte einen Befehlshaber daran hindern, das Gesamtbild wahrzunehmen und zu erkennen, ob der Plan insgesamt überhaupt sinnvoll war.

Dieser spezielle Plan war sinnvoll, aber daran hatte er auch nie gezweifelt. »Zwei Sturmeinheiten.«

Malin nickte. »Eine, die alle Truppen aufspürt, die loyal zu Dun stehen, und die Dun mit allen Mitteln ausschaltet. Die andere sorgt dafür, dass von der Einrichtung nichts abgeworfen wird, indem sie alle Geräte sichert und deaktiviert, mit denen so etwas möglich wäre. Wir glauben, dass Colonel Kai …«

»Kai wird das nicht machen, und Gaiene und Rogero ebenfalls nicht. Dun mag vor Selbstbewusstsein strotzen, aber wir können sie nicht für so gedankenlos halten, dass sie nicht überwachen lässt, wo sich meine ranghöchsten Befehlshaber aufhalten und wo ich bin. Wenn einer von uns vieren sich auf den Weg in den Orbit macht oder nur schon hier auf dem Planeten bei ungewöhnlichen Aktivitäten beobachtet wird, dann wird Dun davon erfahren.«

Verdutzt zog Morgan die Brauen hoch. »Bleiben dann nur noch diejenigen übrig, an die ich gerade denke?«

»Richtig. Sie beide. Malin wird eine Sturmeinheit befehligen, Sie die andere.«

»Dun könnte uns auch beobachten«, wandte Malin ein.

»Könnte. Aber sie hat nicht unendlich große Ressourcen, um jeden hier unten zu überwachen. Außerdem wird sie wahrscheinlich davon ausgehen, dass Sie beide sich immer da aufhalten, wo ich bin.«

»Wie nett.« Morgan bewegte die Finger einer Hand, als mache sie sich darauf gefasst, schon in den nächsten Minuten in Aktion zu treten. »Ich will die Einheit, die Jagd auf Dun macht.«

»Von mir aus«, gab Malin beiläufig zurück. »General, Sie haben nach dem Grund gefragt, wieso Dun in dieses Sternensystem versetzt wurde.«

»Ja, was haben Sie herausgefunden?«

»Wir sind auf ihre ISD-Akte gestoßen, aber da findet sich kein Hinweis auf den Grund für ihre Abkommandierung.«

Drakon sah ihn verdutzt an. »Gar nichts?«

»Nein, Sir. Ich weiß, das ist sehr ungewöhnlich. Allmählich frage ich mich, ob Dun nicht vielleicht selbst eine Schlange ist, die streng verdeckt arbeitet.«

»Ihr Profil passt aber nicht zu jemandem von diesem Verein«, ergänzte Morgan. »Trotzdem können wir es nicht ausschließen, und falls es zutrifft, dann könnte Dun viel gefährlicher sein, als wir bislang gedacht haben. Es gibt in ihrer Karriere zu viele Details zu überprüfen, die das in Zweifel ziehen könnten. Wir wissen zwar über ihre Erfahrung Bescheid, aber sie könnte derzeit auf Befehl der Schlangen handeln.«

»Wie lange brauchen Sie, ehe sie keine Gefahr mehr darstellt?«

»Wir können die Truppenbewegungen mit den Routineflügen zur Einrichtung selbst und zu anderen orbitalen Positionen tarnen, aber das dauert seine Zeit. Vierundzwanzig Stunden. Ich wollte die Zeit eigentlich verkürzen, aber dann haben wir die Lücken in Duns ISD-Unterlagen entdeckt. Jetzt will ich in erster Linie sicherstellen, dass sie nicht auf uns aufmerksam wird.«

Wenn Morgan zur Vorsicht riet, dann war das so untypisch, dass es umso wichtiger war, sich ihre Meinung genau anzuhören. »Also gut, vierundzwanzig Stunden. Präsidentin Iceni und ich werden Diskussionen mit Dun beginnen, damit sie möglichst abgelenkt ist. Von Ihnen beiden will ich erst wieder hören, wenn die Einrichtung Ihrer Kontrolle untersteht.«

»Ich kann Sie in eine eng gebündelte Verbindung für die Datenströme der Sturmeinheiten einbeziehen«, schlug Malin ihm vor. »Zwar ein wenig zeitverzögert, weil das über diverse Relais läuft, damit Duns Leute nicht darauf aufmerksam werden. Aber wir müssen das ohnehin machen, um die Teams zu koordinieren, und die Verbindung sollte vor einer Entdeckung sicher sein.«

Das klang verlockend, vor allem weil er ansonsten einfach hier herumsitzen würde, während seine beiden Colonels ihr Leben riskierten. »Danke, richten Sie das so ein«, sagte er und nickte zustimmend.

Iceni hatte sich als geschickt darin erwiesen, Colonel Dun immer wieder mit Versprechungen zu ködern, die sie ihr zwar vor die Nase hielt, die dabei aber immer ein klein wenig außerhalb ihrer Reichweite blieben. Drakon musste einräumen, dass er dieses Geschick zunehmend bewunderte, was aber natürlich nicht hieß, dass er ihr deswegen auch vertraute. Vielmehr war es so, dass er sich zu fragen begann, ob sie mit ihm etwa das gleiche Spiel trieb, ohne dass er selbst das durchschaute. Oder ob sie damit bei ihm anfangen würde, wenn sie es auf einmal für notwendig hielt.

Er war nicht in der Lage gewesen, die Streitkräfte zu überwachen, die im Rahmen normaler Schiffsladungen an Bord von Shuttles oder Transportern nach oben gebracht wurden. Falls Dun irgendetwas beobachtete, musste das das Gleiche sein, das Drakon auch sehen konnte.

Allerdings handelte es sich auch nicht um einen massiven militärischen Schlag. Bei Colonel Dun befanden sich rund vierzig Soldaten, die alle aus diesem System stammten, sodass ihre Erfahrung ebenso begrenzt war wie ihre Ausbildung. Gegen sie waren die Leute der beiden je fünfzehn Mann starken Eingreiftruppen unter der Führung von Malin und Morgan bestens ausgebildete Veteranen. Wäre da nicht das Risiko eines verheerenden Bombardements gewesen, hätte sich Drakon keine Gedanken über den Ausgang dieses Einsatzes gemacht. Aber leider bestand genau dieses Risiko.

Ein Alarmsignal auf seinem Tisch begann zu blinken. Er atmete tief durch, dann nahm er das eingehende Signal an, und ein großes Fenster mit zahlreichen Unterfenstern öffnete sich vor ihm. Zu sehen waren Bilder der Sturmeinheiten.

Er konzentrierte sich, verdrängte alle Gedanken und richtete seine ganze Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Bilder vor ihm, die das wiedergaben, was von den Tarnanzügen der Kommandosoldaten aufgezeichnet wurde. Zwölf Unterfenster, zwei davon für Malin und Morgan, der Rest für die Sektionsführer, die je von zwei weiteren Kommandosoldaten begleitet wurden.

Gut die Hälfte dieser Sektionen befand sich bereits auf der Einrichtung, einige von ihnen öffneten speziell entwickelte Kisten, aus deren Inneren sie in Lagerräumen zum Vorschein kamen. Andere dagegen hielten sich in der eisigen Leere des Alls auf, während der Rest mit großen Sätzen von benachbarten Orbitalanlagen zu ihnen herüberkam. Ihre Tarnanzüge machten sie dabei so unsichtbar, wie es der menschliche Erfindergeist hinbekommen konnte. Malin drehte den Kopf zur Seite, sein Blick wanderte über eine Reihe von Armaturen, die sich über einen Abschnitt an der Außenhülle erstreckten. Auch wenn die Anzüge die Männer für andere unsichtbar erscheinen ließen, konnte Malin sie durch die Verbindung untereinander sehr wohl als geisterhafte Abbilder »sehen«.