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Das wurde ja immer schlimmer. Wenn sich eine solche Denkweise bis nach Midway herumsprach … Mit einem Mal war sie froh über Colonel Malins Ratschlag, den Bürgern gewisse Zugeständnisse zu machen, bevor die auf die Idee kamen, ein viel größeres Stück vom Kuchen zu fordern. »Ich weiß Ihre Unterstützung zu schätzen, Arbeiterin Ivaskova. Ich werde mich in Kürze wieder bei Ihnen melden.« Dann beendete sie das Gespräch und atmete laut seufzend aus.

Wie sollte sie diese Bewegung auf Kane beschränken?

Und was wäre, wenn auf dem Planeten tatsächlich eine umfassende Revolte ausbrach, während die von den Schlangen kontrollierten mobilen Einheiten sich immer noch im Orbit aufhielten? Die Antwort darauf war ihr natürlich klar, weshalb ihr auch bei der Vorstellung übel wurde, wie viel Zerstörung und Tod von dort oben auf den Planeten herabregnen würde.

Eigentlich konnte sie es sich gar nicht leisten, solchen Gedanken nachzugehen, und das war auch gar nicht erforderlich. Es geht darum, meine eigene Position in Midway zu beschützen. Wenn ich anfange, mir Gedanken über das Wohl der Bürger zu machen … okay, darüber mache ich mir sehr wohl Gedanken. »Es wäre für Kane von Nutzen, wenn man sich mit uns verbünden würde.«

»Madam Präsidentin?«, fragte Marphissa.

»Ich habe nur laut gedacht, Kommodor. Von unerwünschten Mitteilungen an unsere Crew einmal abgesehen – glauben Sie, von dieser Einrichtung der mobilen Streitkräfte könnte eine Gefahr für uns ausgehen? Sie sind sehr daran interessiert, das Schlachtschiff zu behalten.«

Marphissa zog nachdenklich die Brauen zusammen. »Wenn sie es haben wollen, werden sie es nicht mit improvisierten Massewerfern zerstören. Trotzdem sollten wir es außer Reichweite schaffen. Wenn ich einen zweiten Schweren Kreuzer andocken lasse, können wir es mit mäßiger Geschwindigkeit abschleppen, bis wir eine Stelle erreichen, an der der Planet den Blick auf das Schiff versperrt.«

»Hervorragend. Machen Sie das.«

»Wenn sie nicht alle ihre Schlepper in die Luft gejagt haben, als dieser Jäger hochging, dann könnten sie damit versuchen, das Schlachtschiff zu erreichen. Sollte es dazu kommen, können wir die eintreffenden Schlepper zerstören, oder wir lassen Colonel Rogeros Soldaten auf die Arbeiter los, sobald sie an Bord gelangen.«

»Die zweite Lösung wäre angebrachter, falls es überhaupt dazu kommt«, erwiderte Iceni und betrachtete ihr Display. »Wir müssen auch noch jemanden hinter den drei Kriegsschiffen herschicken, die von den Schlangen kontrolliert werden.«

»Die können wir nicht einholen«, erwiderte Marphissa. »Es sei denn, sie beschließen, gegen uns zu kämpfen.«

»Ich weiß, aber wir können sie vom zweiten Planeten verscheuchen. Wenn es stimmt, was die Arbeiter der Einrichtung für die mobilen Streitkräfte sagen, dann haben die Schlangen vorangegangene Massenunruhen bereits niedergeschlagen und kontrollieren nach wie vor den Planeten. Viele von ihnen können aber nicht mehr leben, und deshalb benutzen sie die Kriegsschiffe, um die Bevölkerung in Schach zu halten.«

»Wenn wir eine Streitmacht entsenden, um sie zu vertreiben …«

»Dann werden die Senior-Schlangen entweder versuchen, in der Bevölkerung unterzutauchen oder zu diesen drei Einheiten zu gelangen, damit sie durch den nächsten Sprungpunkt entkommen können«, führte Iceni den Satz zu Ende. »Zwei unserer Schweren Kreuzer werden damit beschäftigt sein, das Schlachtschiff ein Stück weit wegzuschleppen.«

»Womit ein Schwerer Kreuzer übrig ist«, folgerte Marphissa. »Wir schicken die C-555 hin, außerdem vier Leichte Kreuzer und vier Jäger. Das wird mehr als genug sein, um die Schlangen zu überwältigen, falls sie auf die Idee kommen sollten, sich auf ein Gefecht mit uns einzulassen, und wir haben immer noch zwei Schwere Kreuzer, zwei Leichte Kreuzer und die restlichen fünf Jäger, falls wir das Schlachtschiff vor einem Selbstmordanschlag oder einer anderen Flotte beschützen müssen, die genau im falschen Moment auftauchen könnte.«

»Veranlassen Sie das. Lassen Sie den Befehlshaber der C-555 wissen, dass er das Kommando über die dermaßen aufgeteilte Flotte hat. Ich will sehen, wie er damit umgeht. Und noch eines: Schicken Sie sofort einen Jäger zurück nach Midway, damit General Drakon über alles informiert wird, was sich hier bislang abgespielt hat. Sorgen Sie dafür, dass der Jäger mit den aktuellsten Zahlen versorgt wird, was unsere Schätzung angeht, wann sich das Schlachtschiff aus eigener Kraft in Bewegung wird setzen können, ohne dass wir uns Sorgen darüber machen müssen, es könnte uns um die Ohren fliegen.«

Iceni sah auf ihr Display und versuchte nachzudenken und sich daran zu erinnern, ob sie wohl irgendetwas vergessen hatte. Sie hatte von dem einzelnen Jäger gesprochen. War da nicht noch irgendein anderer einzelner Jäger gewesen? O ja! »Kommodor, haben Sie gehört, was diese Arbeiterin darüber gesagt hat, was mit diesem Jäger im Primärdock geschehen ist?«, fragte sie Marphissa leise genug, um den Eindruck zu erwecken, diese Frage sei nur für die Kommodor bestimmt, obwohl sie wusste, die Spezialisten auf der Brücke würden mithören können. »Die haben den Jäger in die Luft gesprengt, als die, die sich an Bord befanden, gerade abfliegen wollten. Alle an Bord sind dabei gestorben.«

»Alle?«, erwiderte Marphissa, schaute Iceni an und begriff dann, was die Bemerkung sollte. »Die gesamte Crew? Die haben nicht bloß die Schlangen getötet und die anderen verschont?«

»Nein. Offenbar hat das Leben des Personals der mobilen Streitkräfte für sie genauso wenig Bedeutung wie das Leben der Schlangen.« Ihre Aussage, die zweifellos schon bald in der Flotte kursieren würde, sollte die Besatzungen der verschiedenen Einheiten hoffentlich gegen die Propaganda des Arbeiterkomitees immun machen, die eine nicht zu unterschätzende Bedrohung darstellte. Zumindest würde das auf ihren Kriegsschiffen eine gesunde Portion Argwohn gegenüber allem wecken, was die Arbeiter von sich geben würden.

Zwölf Stunden später beobachtete Iceni, wie die Umrisse der Einrichtung der mobilen Streitkräfte allmählich hinter dem Gasriesen verschwanden, da die Schweren Kreuzer C-448 und C-413 unter großen Anstrengungen die ungeheure Masse des Schlachtschiffs durchs All bewegten. Betrachtete man das Bild auf dem Display, dann sah es eher so aus, als würde die Einrichtung im Schneckentempo ihre Position verlassen, nicht aber das Schlachtschiff. »Mehr beschleunigen können wir nicht?«, wollte Iceni wissen.

Marphissa spreizte hilflos die Hände. »Das könnten wir schon, Madam Präsidentin, aber wir müssen auch wieder abbremsen. Je stärker wir beschleunigen, umso länger benötigen wir, das Schiff wieder zum Stillstand zu bringen.«

»Tja, den Gesetzen der Physik muss sich wohl sogar eine Präsidentin unterordnen.« Ein Komm-Alarm ertönte. »Die Einrichtung der mobilen Streitkräfte ruft mich«, sagte sie. »Wahrscheinlich ist ihnen aufgefallen, dass wir uns mit dem Schlachtschiff entfernen.«

»Selbst ein Arbeiterkomitee sollte einsehen, dass es kein Druckmittel in der Hand hat, um Sie zur Herausgabe des Schiffs zu zwingen.« Marphissa beugte sich vor und aktivierte dabei die Privatsphäre, die sich um ihren Sessel herum bildete. »In der Crew kursieren Gerüchte über das, was sich in der Einrichtung abgespielt haben muss. Es gibt wenig Verständnis für das, was sie getan haben, dafür stimmen ihnen viele in dem Punkt zu, was sie erleiden mussten.«