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«Wenn ein paar Leute wissen, daß wir nach einem Killer fahnden, so ist das immer noch besser, als daß wir ihnen Einladungen zum Begräbnis des Präsidenten schicken müssen«, knurrte Bouvier.»Zwei Jahre lang haben wir die OAS bekämpft. Die Instruktionen des Präsidenten gingen dahin, daß es über diese Dinge keine Schlagzeilen geben und nichts an die breite Öffentlichkeit gelangen dürfe.«

«Aber meine Herren«, schaltete sich der Minister ein,»das genügt jetzt. Ich war es, der Kommissar Lebel ermächtigt hat, mit den Leitern ausländischer Polizeibehörden in dieser Sache Fühlung aufzunehmen. Das geschah«- er blickte zu Saint Clair hinüber —»nach Rücksprache mit dem Präsidenten.«

Die allgemeine Belustigung über die Niederlage des Obersten war unverhohlen.

«Sonst noch etwas?«fragte Roger Frey.

Rolland hob die Hand.

«Wir unterhalten ein ständiges Büro in Madrid«, sagte er.»Es gibt eine Anzahl OAS-Flüchtlinge in Spanien, und deswegen haben wir es eingerichtet. Wir könnten über den Nazi Kassel Erkundigungen einziehen, ohne auf die Westdeutschen angewiesen zu sein. Soweit ich weiß, sind unsere Beziehungen zum Bonner Auswärtigen Amt noch immer nicht die allerbesten.«

Seine Anspielung auf die Argoud-Entführung und die daraus resultierende Verärgerung Bonns rief hier und dort ein amüsiertes Lächeln hervor. Frey sah Lebel fragend an.

«Danke«, sagte der Detektiv,»es wäre außerordentlich hilfreich, wenn Sie den Mann lokalisieren könnten. Im übrigen kann ich alle Abteilungen nur bitten, mir weiterhin die Unterstützung zuteil werden zu lassen, die Sie mir schon während der vergangenen vierundzwanzig Stunden gewährten.«

«Dann also bis morgen, meine Herren«, sagte der Minister, nahm die vor ihm liegenden Papiere und erhob sich. Die Sitzung war beendet.

Draußen auf der Freitreppe atmete Lebel tief die milde Pariser Nachtluft ein. Die Kirchturmuhren schlugen zwölf und läuteten den neuen Tag ein. Es war Donnerstag, der 13. August.

Kurz nach Mitternacht rief Barrie Lloyd Superintendent Thomas in dessen Wohnung in Chiswick an. Thomas war gerade im Begriff gewesen, die Nachttischlampe auszuknipsen, und hatte angenommen, daß der SIS-Mann ihn am anderen Morgen anrufen würde.»Ich habe den Durchschlag des Berichts gefunden, von dem wir sprachen«, sagte Lloyd.»In gewisser Weise hatte ich recht. Es handelt sich tatsächlich nur um einen Routinebericht über ein Gerücht, das damals auf der Insel umging. Erhielt, kaum daß er eingegangen war, den Vermerk: >Keine Maßnahme erforderlich< Wie ich schon sagte, hatten wir zu der Zeit genügend andere Dinge um die Ohren.«

«Ist irgendein Name erwähnt worden?«fragte Thomas leise, um seine neben ihm liegende Frau nicht im Schlaf zu stören.

«Ja, ein gewisser Charles Chalthrop, ein britischer Geschäftsmann, der etwa zu jenem Zeitpunkt verschwand. Er braucht mit der Geschichte nichts zu tun gehabt zu haben, aber das Gerücht bringt seinen Namen damit in Verbindung.«

«Danke, Barrie. Ich gehe der Sache gleich morgen früh nach. «Er legte den Hörer auf und knipste die Nachttischlampe aus.

Als gewissenhafter junger Mann verfaßte Lloyd eine kurze Notiz über das Ansuchen und seine Reaktion hierauf und sandte sie an die zentrale Verteilerstelle. In den frühen Morgenstunden überflog der diensttuende Beamte die Notiz und war einen Augenblick unschlüssig. Da sie Paris betraf, steckte er sie schließlich in den Umschlag, der für das Referat Frankreich des Foreign Office bestimmt war. Den Gepflogenheiten entsprechend, sollte der Umschlag noch im Laufe des Vormittags dem Leiter des Referats persönlich ausgehändigt werden.

VIERZEHNTES KAPITEL

Der Schakal wurde wie immer gegen 7 Uhr 30 wach, trank den ihm ans Bett servierten Tee, wusch, duschte und rasierte sich. Als er angezogen war, holte er die 1000 Pfund aus dem aufgeschlitzten Kofferfutter hervor, steckte die gebündelten Scheine in die Innentasche seines Jacketts und begab sich ins Frühstückszimmer. Um 9 Uhr hatte er das Hotel verlassen und schlenderte, nach Banken Ausschau haltend, die Via Manzoni hinauf und hinunter. Zwei Stunden lang suchte er eine Bank nach der anderen auf und wechselte seine englischen Pfund ein. Zweihundert tauschte er in italienische Lire um, die restlichen achthundert in französische Francs.

Gegen elf hatte er die gesamte Summe eingewechselt und nahm auf einer Cafeterrasse Platz, um einen Espresso zu trinken. Anschließend begab er sich zum zweitenmal auf die Suche. Nach anfänglichem Umherirren hatte er sich zu einem unweit der Garibaldi-Station befindlichen Arbeiterviertel durchgefragt, wo er in einer Nebenstraße nahe der Porta Garibaldi eine Reihe abschließbarer Garagen entdeckte. Das entsprach genau dem, was er gesucht hatte. Der Besitzer, der auch die Garage an der Straßenecke betrieb, vermietete ihm eine der Boxen. Die Miete für zwei Tage betrug 10000 Lire und lag damit weit über dem üblicherweise geforderten Preis; aber schließlich war die Mietdauer sehr kurz.

In einem nahen Eisenwarengeschäft kaufte er einen Overall, eine Metallschere, einige Meter dünnen Stahldraht, einen Lötkolben und eine etwa dreißig Zentimeter lange Stange Lötzinn.

Er packte alles das in eine Leinwandtasche, die er im gleichen Laden erstanden hatte, und stellte sie in der Garage ab. Dann steckte er den Schlüssel ein und fuhr in die Innenstadt, um zu Mittag zu essen.

Am frühen Nachmittag ließ er sich per Taxi zu einer kleinen, offenkundig nicht allzu gut gehenden Autoverleihfirma fahren, der er seinen Besuch von der Stadt aus telephonisch avisiert hatte. Er mietete einen zweisitzigen Alfa-Romeo (Baujahr 1962) und erklärte beiläufig, daß er eine vierzehntägige Italienrundfahrt zu unternehmen und den Wagen anschließend zurückzubringen gedenke.

Sein Paß wie auch sein britischer und sein internationaler Führerschein waren in Ordnung, und die Versicherung konnte innerhalb einer Stunde durch eine nahe Firma, die diese Dinge für den Automobilverleih routinemäßig erledigte, abgeschlossen werden. Die Höhe der Hinterlegungssumme war beträchtlich; sie entsprach dem Gegenwert von über 100 Pfund. Dafür stand ihm der Wagen ohne weitere Formalitäten sogleich zu Verfügung. Der Zündschlüssel steckte schon im Zündschloß, und der Inhaber der Firma wünschte ihm gute Reise und einen erholsamen Urlaub.

Auf seine vorsorgliche Anfrage bei der Automobile Association in London hatte er die Auskunft erhalten, daß es, da sowohl Frankreich als auch Italien der Europäischen

Wirtschaftsgemeinschaft angehörten, keiner umständlichen Formalitäten bedurfte, um mit einem in Italien polizeilich gemeldeten Wagen nach Frankreich zu fahren, vorausgesetzt, die Wagenpapiere, der Leihvertrag und die Versicherungspolice waren in Ordnung.

Am Informationstisch des Automobil Club Italiano am Corso Venezia hatte man ihm eine angesehene Versicherungsgesellschaft empfohlen, die darauf spezialisiert war, Autofahrer auf Auslandsreisen zu versichern. Dort schloß er eine Zusatzversicherung für eine Fahrt nach Frankreich ab und zahlte wiederum in bar. Die Firma, so wurde ihm bedeutet, arbeitete mit einer großen französischen Versicherungsgesellschaft aufs engste zusammen; Verrechnungsschwierigkeiten seien also nicht zu befürchten.

Anschließend fuhr er den Alfa zum Continentale, stellte ihn auf dem für Hotelgäste reservierten Parkplatz ab und suchte sein Zimmer auf, um den Koffer mit den Einzelteilen des zusammenlegbaren Gewehrs zu holen. Kurz nach der Teezeit war er wieder in der kleinen Nebenstraße bei der Porta Garibaldi und fuhr den Wagen in die Garage.

Nachdem er die Lötkolbenschnur in den Kontakt der Deckenbeleuchtung gesteckt und den Lichtstrahl der auf den Boden gelegten Stablampe so gerichtet hatte, daß er die Unterseite des Wagens beschien, machte er sich hinter vorsorglich verschlossenen Türen an die Arbeit. Zwei Stunden lang war er damit beschäftigt, die dünnen Stahlröhren, die das zerlegte Gewehr enthielten, sorgfältig mit den inneren Flanschen des Chassis' zu verlöten. Einer der Gründe, weshalb er sich für einen Alfa entschieden hatte, war die Tatsache, daß der Wagen, wie er schon in London beim Studium italienischer Automobilkataloge hatte feststellen können, ein solides Stahlchassis mit tiefen seitlichen Flanschen besaß.