Выбрать главу

Kahlan zog die Knie hoch, schlang die Arme darum und zog sich ein Stück zurück. »Es handelt sich um eine Kraft, eine magische Kraft, die von der Mutter an die Tochter vererbt wird und die fast bis zur Entstehung der Länder zurückreicht, bis vor das finstere Zeitalter.« Richard wußte nicht, was mit dem ›finsteren Zeitalter‹ gemeint war, unterbrach sie aber nicht. »Wir werden damit geboren, der Zauber ist ein Teil von uns und kann von uns ebensowenig getrennt werden wie du von deinem Herzen. Eine Frau, die Konfessor ist, wird auch einen Konfessor gebären. Immer. Doch diese Kraft ist nicht bei allen von uns gleich, bei manchen ist sie schwächer, bei anderen stärker.«

»Du kannst dich also nicht davon lösen, selbst wenn du es wolltest. Aber was ist das für eine Kraft?«

Sie sah fort, ins Feuer. »Es ist eine Kraft, die durch Berührung heraufbeschworen wird. Sie ist immer da, in uns. Wir kehren sie nicht hervor, wenn wir sie benutzen wollen, im Gegenteil, wir müssen sie immer zurückhalten und benutzen sie, indem wir unseren Griff lockern und sie freisetzen.«

»So ähnlich wie den Bauch einziehen?«

Sein Vergleich brachte sie zum Lächeln. »So ähnlich.«

»Und was tut diese Kraft?«

Sie spielte verlegen mit dem Zipfel ihres Umhanges. »Das läßt sich mit Worten nur schwer ausdrücken. Ich hätte nie gedacht, daß eine Erklärung so mühsam wäre. Doch für jemanden, der nicht aus den Midlands ist, läßt es sich nur schwer in Worte fassen. Ich habe es bis jetzt noch nie tun müssen. Genaugenommen bin ich nicht einmal sicher, ob es überhaupt geht. Es ist ein wenig, als wollte man einem Blinden Nebel erklären.«

»Versuche es.«

Sie nickte und sah ihm kurz in die Augen.

»Es ist die Kraft der Liebe.«

Richard hätte fast losgelacht. »Und davor soll ich Angst haben? Vor der Kraft der Liebe?«

Kahlan richtete sich auf. Die Empörung war ihren Augen anzusehen. Empörung und dieser zeitlose Blick, mit dem ihn auch Adie und Shota angeblitzt hatten, und der ihm sagte, daß er sich im Ton vergriffen hatte und selbst sein zaghaftes Lächeln unverschämt war. Eine Haltung, die er von ihr nicht kannte. Eiskalt wurde ihm bewußt, daß Kahlan es nicht gewohnt war, daß jemand ihre Kraft oder ihre Person belächelte. Ihr Blick verriet mehr über ihre Kraft als alle Worte. Was immer diese Kraft war, sie hatte bestimmt nichts Lächerliches. Sein vorsichtiges Lächeln schwand dahin. Als sie sicher war, daß er sich nicht weiter respektlos benehmen würde, fuhr sie fort.

»Du verstehst nicht. Nimm es nicht auf die leichte Schulter.« Sie kniff die Augen zusammen. »Sobald du von ihr berührt wirst, bist du nicht mehr derselbe wie zuvor. Du bist für immer verändert. Darüber hinaus bist du demjenigen ergeben, der dich berührt hat, und zwar ausschließlich. Was immer du gewollt hast, was oder wer du gewesen bist, hat für dich alle Bedeutung verloren. Für den, der dich berührt hat, würdest du alles tun. Dein Leben gehört nicht mehr dir, sondern ihr. Dein altes Selbst existiert nicht mehr.«

Richard spürte die Gänsehaut auf seinen Armen. »Wie lange hält dieser Zauber, oder was es ist, an?«

»Solange derjenige lebt, den ich berühre«, sagte sie tonlos.

Richard spürte, wie die Kälte seinen restlichen Körper ergriff. »Man könnte also sagen, daß du Menschen verhext?«

Sie seufzte. »Nicht ganz so, aber wenn es dir hilft, könntest du es vermutlich so nennen. Aber die Berührung durch einen Konfessor ist viel mehr. Viel stärker und endgültiger. Verhexen kann rückgängig gemacht werden. Shota hat dich verhext, auch wenn du es nicht gemerkt hast. Es bedeutet einen Zuwachs. Hexen können nichts dafür, so sind sie eben. Aber dein Zorn und der Zorn des Schwertes haben dich beschützt. Die Berührung meiner Kraft ist einmalig und unwiderruflich. Nichts könnte dich schützen. Wenn ich jemanden berühre, kann dieser Mensch nicht mehr zurückgeholt werden, weil diese Person nach der Berührung nicht mehr existiert. Dieser Mensch ist für immer verloren. Wie auch sein freier Wille. Einer der Gründe, warum ich nicht zu Shota wollte, ist der, daß Hexen Konfessoren nicht ausstehen können. Sie sind wahnsinnig eifersüchtig auf unsere Macht. Und zwar weil sich ein Mensch nach der Berührung vollkommen hingibt. Er wird alles tun, was ein Konfessor von ihm verlangt.« Sie sah ihn stechend an. »Alles.«

Richard spürte, wie sein Mund trocken wurde, während seine Gedanken in alle Richtungen gleichzeitig schossen und er sich verzweifelt an seine Hoffnungen und seine Träume klammerte. Nur durch Fragen konnte er Zeit gewinnen und sie zusammenhalten. »Funktioniert es bei jedem?«

»Bei jedem Menschen. Bis auf Darken Rahl. Die Zauberer haben mich gewarnt, daß der Zauber der Ordnung ihn vor unserer Berührung beschützt. Er hat von mir nichts zu fürchten. Bei denen, die keine Menschen sind, funktioniert es hauptsächlich deswegen nicht, weil sie nicht über das nötige Mitgefühl verfügen, damit der Zauber sie verändern kann. Einen Gar zum Beispiel würde meine Berührung nicht verändern. Bei einigen anderen Wesen funktioniert es, wenn auch nicht wie bei Menschen.«

Er sah sie argwöhnisch an. »Und Shar? Sie hast du doch berührt, oder?«

Kahlan nickte und lehnte sich ein wenig zurück. Sie ließ wieder den Kopf hängen. »Ja. Sie lag im Sterben und war einsam. Sie litt darunter, von den anderen ihrer Art entfernt zu sein. Sie wollte nicht einsam sterben. Sie hat mich darum gebeten. Dadurch verlor sie ihre Angst. Sie wurde durch eine Liebe für mich ersetzt, die keinen Raum ließ für Qualen und Einsamkeit. Von ihr war nichts mehr übrig als ihre Liebe zu mir.«

»Und als wir uns kennengelernt haben, als uns das Quadron verfolgt hat? Da hast du doch auch einen der Männer berührt, oder?«

Kahlan nickte und ließ sich an den Stamm sinken. Sie raffte den Umhang um sich und starrte ins Feuer. »Obwohl sie geschworen hatten, mich zu töten, gehören sie mir, sobald ich sie berühre«, sagte sie entschieden. »Sie würden bis zum Tod kämpfen, um mich zu beschützen. Aus diesem Grund schickt Rahl auch vier Männer aus, um Konfessoren zu töten. Man erwartet, daß sie einen berührt, dann sind drei übrig, die diesen und den Konfessor töten können. Es braucht drei, weil der eine so wild kämpft, daß er gewöhnlich einen oder oft auch zwei tötet, aber dann bleibt immer noch einer, der den Konfessor töten kann. Ganz selten gelingt es ihm, die verbliebenen drei zu töten. Das ist mit dem Quadron passiert, das mich vor der Überquerung der Grenze verfolgt hat. Ein Quadron ist die beste Einheit, die man aussenden kann. Sie haben fast immer Erfolg, und wenn nicht, schickt Rahl einfach das nächste. Auf dem Grat wurden wir nur deswegen nicht getötet, weil du sie getrennt hattest. Der, den ich berührt habe, hat seinen Begleiter getötet, während du die beiden anderen beschäftigt hast. Dann ging er auf die beiden übrigen los. Aber du hattest einen vom Felsen gestoßen, also hat er sein Leben geopfert, um den Anführer in die Tiefe zu stürzen. Er tat es, weil er dann nicht mehr in einem Schwertkampf verlieren konnte. Damit verlor er zwar sein Leben, aber das war für ihn nach meiner Berührung ohne Bedeutung. Nur so konnte er sicher sein, mich zu schützen.«

»Kannst du nicht einfach alle vier berühren?«

»Nein. Die Kraft läßt nach der ersten Berührung nach. Es dauert, bis sie sich regeneriert hat.«

Er spürte das Heft des Schwertes an seinem Ellenbogen, und plötzlich kam ihm eine Idee. »Als wir durch die Grenze gingen, hat uns der letzte Mann aus dem Quadron verfolgt. Ich habe ihn getötet, aber … eigentlich habe ich dich damit gar nicht gerettet, stimmt’s?«

Sie schwieg einen Augenblick, bevor sie antwortete. »Ein einzelner Mann, ganz gleich wie groß oder kräftig er ist, kann einem Konfessor nicht gefährlich werden, nicht einmal einem schwachen Konfessor, geschweige denn mir. Wärst du nicht gekommen … ich wäre mit ihm fertig geworden. Tut mir leid, Richard«, hauchte sie, »aber du hättest ihn nicht zu töten brauchen.«

»Schön«, meinte er trocken, »wenigstens habe ich dich davor bewahrt, es selbst tun zu müssen.«