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Richard nahm das Kaninchen. Es wurde bereits kalt. Er schnitt ein Stück ab und reichte es ihr, dann riß er ein Stück für sich selbst ab. »Warum sollte jemand die Konfessoren fürchten oder hassen?«

»Die Verwandten und Freunde eines Verurteilten hassen uns oft, weil sie nicht glauben, daß ihre Lieben die Dinge getan haben, die sie uns beichten. Lieber glauben sie, wir bringen sie durch einen Trick zu einem Geständnis.« Sie knabberte an dem Fleisch, riß kleine Stücke ab und kaute sie langsam. »Ich habe festgestellt, daß die meisten Menschen nicht gerne an die Wahrheit glauben. Meist bedeutet sie ihnen nicht viel. Einige haben versucht, mich umzubringen. Aus diesem Grund ist immer ein Zauberer bei uns. Er soll uns beschützen, bis unsere Kraft sich regeneriert hat.«

Richard schluckte seinen Bissen hinunter. »Das scheint mir als Grund nicht ganz zu reichen.«

»Es geht nicht einfach nur um das, was wir tun. Für jemanden, der nicht damit aufgewachsen ist, muß das alles sehr fremd klingen. Die Sitten der Midlands mit ihrer Magie müssen dir sehr seltsam vorkommen.« Seltsam war wohl kaum das richtige Wort, dachte er. Beängstigend käme der Sache schon näher.

»Konfessoren sind unabhängig, und dagegen haben die Menschen was. Die Männer haben etwas gegen uns, weil uns keiner von ihnen beherrschen oder sagen kann, was wir tun sollen. Frauen haben etwas gegen uns, weil wir nicht das gleiche Leben führen wie sie, die traditionelle Frauenrolle. Wir versorgen keinen Mann und ordnen uns auch keinem unter. Wir gelten als privilegiert. Unser Haar ist lang, ein Symbol unserer Macht. Sie zwingt man, die Haare kurz zu tragen als Zeichen der Unterwerfung unter ihren Mann und jede andere Person, die im Rang höher steht als sie. Dir kommt das vielleicht unbedeutend vor, aber in unserem Volk ist nichts unbedeutend, das mit Macht zu tun hat. Eine Frau, die sich die Haare über die für ihren Status schickliche Länge wachsen läßt, muß als Strafe einen Teil ihres Status aufgeben. In den Midlands gelten lange Haare bei einer Frau als Zeichen der Macht, das fast schon an Herausforderung grenzt. Es ist das Zeichen, daß wir tun dürfen, was uns beliebt, und daß niemand uns Befehle geben kann. Wir sind für alle eine Bedrohung. Dein Schwert signalisiert den Menschen so ziemlich dasselbe. Kein Konfessor würde das Haar kurz tragen, und es nagt an den Menschen, daß uns niemand dazu zwingen kann. Ironischerweise sind wir unfreier als sie, doch diesen Aspekt sehen sie nicht. Wir erledigen die unappetitlichen Aufgaben für sie, und doch steht es uns nicht zu, frei über unser Leben zu entscheiden. Wir sind Gefangene unserer Kraft.«

Kahlan aß den Rest des Fleisches, das er ihr gegeben hatte, während er über die Ironie des Ganzen nachdachte. Die Konfessoren brachten den verhaßtesten Kriminellen die Liebe, nicht aber jenen, denen sie sie gerne schenken wollten. Offensichtlich überlegte sie immer noch, wie sie es ihm erklären sollte.

»Ich finde dein langes Haar schön«, sagte er. »Mir gefällt es, wie es ist.«

Kahlan lächelte. »Danke.« Sie warf die Knochen ins Feuer, sah einen Augenblick zu, dann blickte sie auf ihre Hände und tickte die Daumennägel zusammen. »Und dann ist da noch die Geschichte, daß wir uns einen Gatten suchen müssen.«

Richard aß sein Stück Fleisch und schmiß den Knochen ins Feuer. Er lehnte sich an den Stamm. Das gefiel ihm überhaupt nicht. »Einen Gatten suchen? Was soll das heißen?«

Sie betrachtete ihre Hände, als könnte sie dort Zuflucht finden. »Wenn ein Konfessor das Alter erreicht, in dem sie Mutter werden kann, muß sie sich einen Gatten erwählen. Ein Konfessor kann sich jeden Mann aussuchen, den sie will, sogar einen, der bereits verheiratet ist. Sie darf durch die Midlands streifen, um einen geeigneten Vater für ihre Töchter zu suchen, einen, der stark ist und in ihren Augen vielleicht gutaussehend. Was immer sie will. Männer haben entsetzliche Angst vor einem Konfessor, der einen Gatten sucht, weil sie nicht erwählt und nicht von ihr berührt werden wollen. Frauen haben entsetzliche Angst, weil sie nicht wollen, daß ihr Mann, ihr Bruder oder ihr Sohn erwählt wird. Sie alle wissen, in dieser Angelegenheit haben sie nichts zu sagen. Wer sich einem Konfessor bei der Gattenwahl in den Weg stellt, wird von ihm erwählt. Die Menschen haben Angst vor mir, erstens, weil ich die Mutter Konfessor bin, und zweitens, weil ich den Zeitpunkt der Wahl längst überschritten habe.«

Richard klammerte sich noch immer hartnäckig an seine Hoffnungen und Träume. »Aber was ist, wenn du jemanden magst und er dich auch?«

Kahlan schüttelte traurig den Kopf. »Konfessoren haben keine Freunde außer anderen Konfessoren. Das Problem stellt sich nicht, niemand würde etwas für einen Konfessor empfinden. Jeder Mann hat Angst vor uns.« Sie verschwieg, daß sich das Problem jetzt sehr wohl stellte. Ihre Stimme stockte. »Von klein auf hat man uns beigebracht, der Mann, den wir erwählen, müsse stark sein, damit die Kinder, die wir bekommen, ebenfalls stark sind. Aber es darf niemand sein, für den wir etwas empfinden, denn wir würden ihn zerstören. Deswegen kann auch nichts aus … uns beiden werden.«

»Aber … warum?« Er spürte, wie er gegen ihre Worte, ihre Kraft, anzukämpfen begann.

»Weil…« Sie sah fort. Sie konnte nicht verhindern, daß sich die Qual in ihrem Gesicht spiegelte. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Weil die Kontrolle eines Konfessors im Kampf mit der Leidenschaft nachlassen würde. Sie würde sie, ohne es zu wollen, in ihn hineinströmen lassen, und dann wäre er nicht mehr der, für den sie etwas empfindet. Sie kann nichts dagegen tun. Nichts. Er wäre der ihre, aber es wäre nicht mehr dasselbe. Der, für den sie etwas empfindet, wäre bei ihr, aber nur wegen der Magie und nicht mehr aus freien Stücken, und schon gar nicht, weil er es so will. Er wäre nur eine Schale, die enthält, was sie hineingegeben hat. Kein Konfessor könnte das einem Mann wünschen, für den sie etwas empfindet. Deswegen haben sich Konfessoren seit längst vergessenen Zeiten von den Männern abgeschottet, denn sie haben Angst, sie könnten Zuneigung für einen entwickeln. Wir werden als herzlos bezeichnet, aber das ist nicht wahr. Wir alle fürchten, was unsere Berührung aus dem Mann machen würde, den wir lieben. Manche Konfessoren erwählen Männer, die unbeliebt sind oder gar gehaßt werden, nur um kein gutes Herz zu zerstören. Es sind zwar nur wenige, die diesen Weg gehen, aber es ist ihr gutes Recht. Kein Konfessor würde einen anderen deswegen kritisieren. Wir haben alle Verständnis dafür.« Sie sah ihn aus tränenüberströmten Augen an und flehte, er möge sie verstehen.

»Aber … ich könnte doch…« Er wußte nicht, wie er sein Herz schützen sollte.

»Ich nicht. Für mich wäre das, als wolltest du bei deiner Mutter sein, und statt dessen hättest du Shota, die vorgibt, deine Mutter zu sein. Nur daß es nicht stimmt. Begreifst du das?« schluchzte sie. »Wärst du damit wirklich glücklich?«

Richard fühlte, wie die Welt seiner Hoffnungen in den Flammen seines Begreifens verglühte. Er schluckte die qualvolle Hitze in seiner Kehle.

»Das Haus der Seelen«, fragte er mit belegter Stimme, »war es das, wovon Shota gesprochen hat? Hast du dort um Haaresbreite deine Kraft gegen mich verwendet?« Sein Ton war kühler, als er beabsichtigt hatte.

»Ja.« Ihre Stimme brach vor Mitgefühl, als sie versuchte, nicht zu weinen. »Tut mir leid, Richard.« Sie verknotete ihre Finger. »Nie zuvor habe ich für jemanden so etwas empfunden wie für dich. Ich wollte so sehr bei dir sein. Beinahe hätte ich vergessen, wer ich bin. Fast wäre es mir egal gewesen.« Die Tränen liefen ihr die Wange hinab. »Verstehst du nun, wie gefährlich meine Kraft ist? Siehst du, wie leicht ich dich vernichten könnte? Hättest du mich nicht daran gehindert … du wärst verloren gewesen.«